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Der Israelit · 1911-08-17 · Heft 33 (17.8.1911) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 33 (17.8.1911)
Date
1911-08-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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. odamit auch der Aermste seinen Antell an dem großen Werk haben könne. Und selbst mit diesen kleinsten Beiträgen könnte man jährlich mit einem Etat von 400,000 Mk. rechnen, da man die orthodoxe Judenheit doch auf vier Millionen Seelen schätzen kann. Zahlt jeder fünfte eine halbe Mark, so erreichen wir diese Summe. Wenn wir uns nun ftagen, was die Gefamtorthodoxie für Palästina und damit für ihren eigenen Bestand Dauerndes leisten kann, so ist meines Erachtens klar, daß die im Dezember 1909 von Altona aus ins Leben gerufene Moriaorganifation die Fähigkeit hat, Träger dieser Entwicklung zu sein. Möge es der jüdischen Gesamtheit nicht an Kraft fehlen, diesen Plan zu verwirklichen! Dann wird noch unser Geschlecht mit Gottes Beistand den Aufstieg des echt jüdischen Kulturlebens sehen, und ein neues Zentrum dafür wird der mann in sein. s> & / « sS L»-c*. KoPmrimöscha«. Eine Sthltftfalsfrage an die Orthodoxie. Wir veröffentlichen an leitender Stelle beachtenswerte Ausführungen über eine Frage, mit der sich mehr oder minder jeder im öffentlichen Leben stehende gesetzestreue Jude beschäftigt hat, und die gar nicht ernst genug geprüft werden kann. Wir verhehlen nicht, daß wir mit den Darlegungen des Herrn Dr. Möller weder nach der historischen Seite einverstanden sind, noch auch seinen Vorschlägen vorbehaltlos das Wort reden können, den Artikel vielmehr nur mit Rücksicht auf die Problemstellung überhaupt Und zur Anbahnung einer öffentlichen Diskussion der Oeffentlichkeit übergeben. Was die historische Darstellung und die daraus gezogenen Schlüffe betrifft, so leidet sie unseres Erachtens an einem bedauerlichen Mangel — historischen Sinnes. Um die (scheinbar) neuen Vorschläge ins hellste Licht zu rücken, wird Schatten auf Schatten auf die Vergangenheit gehäuft, und unter dem suggestiven Einfluß zionistischer Geschichtsphilosophie das einzigartige, gewaltige Verdienst der jüdischen Gesamtheit, d. h. der Orthodoxie, um die Besiedelung Palästinas mit einer ziemlich über- Der Israelit._ legenen Handbewegung wegeskamottert. Welcher Tausendkünstler hätte es fertiggebracht, durch andere als philantropische Mittel 60000 Menschen in einem Zeitraum von 10—20 Jahren in einem ftemden Lande ohne alles Wirtschaftsleben zu erhalten? Und wie anders als durch bares Geld will man diese Maffen, bis ihre Kinder vielleicht die Möglichkeit größerer wirtschaftlicher Produktivität Palästinas erleben, vor dem Verhungern und Verkommen in Krankheit und Elend schützen? Es bedeutet angesichts dieser Tatsache, das muß doch einmal ausgesprochen werden, geradezu ein Spielen mit Menschenleben, wenn man um eines an sich guten, auch von uns gebilligten Zieles willen, dem Publikum nach berühmtem Muster Schauermärchen von dem „palästinensischen Schnorrertum" vorerzählt und durch diese künstliche Mißtrauenssaat Gefahr läuft, unglücklichen Brüdern das Brot abzuschneiden. Damit also können wir uns nicht identifizieren. Dagegen ist es vollkommen richtig, daß die Chaluka niemals mehr als einen völlig unzureichenden Bruchteil des Existenzminimums geboten hat, bieten kann und —> für die Masse — bieten darf und schon deshalb nur als Notbehelf in außerordentlichen Situattonen und Zeitläuften dienen darf. Sie war bisher unentbehrlich, ist es noch heute und wird es — und damit kommen wir zum zweiten Teil der Möllerschen Ausführungen — leider in absehbarer Zeit bleiben, wenn nicht etwa 20- bis 30000 Seelen aus Palästina auswandern. Die Vorstellung, die der Herr Berfaffer von den Schwierigkeiten der Kolonisation hegt, bleibt nämlich hinter der rauhen Wirklichkeit erheblich zurück. Siebzig Millionen Franken haben die 7- bis 8600 Seelen jüdischer Bauern in Palästina gekostet, und wenn auch bereitwillig zugegeben werden soll, daß dieses Lehrgeld nicht umsonst gezahlt wurde, so beweisen doch gerade die paar erfolgreichen Versuche der letzten Jahre auf landwirtschaftlichem und industriellem Gebiete, die sich ja mit wenigen hundert glücklich installierten Menschen geradezu selig preisen müffen, die Größe der jeder wirtschaftlichen Arbeit in Palästina sich heute noch entgegentürmenden Schwierigkeiten. Nichts liegt uns ferner als durch diesen Hinweis von praktischer Arbeit in Palästina abschrecken und einem lassivr «.Her das Wort reden zu wollen. Wogegen wir uns wenden, ist nur die Ungerechtigkeit in der Beurteilung deS Denkvermögens und der sittlichen Kraft der vergangenen Generationen sowohl, als auch der bisherigen Leistungen der Orthodoxie für Palästina, den Optimismus, als sei es möglich, mit leichter, bisher nur aus Kurzsichtigkeit unter- - _irlntWstWi: lassener Kraftanstrengung durch einen Kolonisationsverein der Massenauswanderung nach Amerika einen Riegel vorzuschieben. Das Wichtigste an den Ausführungen Dr. Möllers scheint uns indessen der Aufruf, indem sie gipfeln, und die Kritik der heutigen Tätigkeit der Orthodoxie in sogenannten „allgemeinen" Organisationen. Darüber kann kein Zweifel sein: wäre es möglich, die zersplitterten und unorganisierten Kräfte der thoratreuen Massen des jüdischen Volkes unter einer gemetnsamenFlagge zu sammeln, so würde das allein eine rettende That für Judentum und jüdische Gesamtheit bedeuten, die zu vollenden der äußersten Hingebung jedes Einzelnen wert wäre! Ob als Tättgkeitsgebiet für diese Organisation ausschließlich Palästina in Betracht käme, sei für heute dahingestelltpraktisch würde die Palästina-Arbeit wirtschaftlicher wie religiöser Natur auf alle Fälle eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Rolle zu spielen haben. Wie dem aber sei, der Gedanke einer solchen Organisation, aus breitester Basis, möge sie „Moria" oder wie immer heißen, verdient es, von ernsten Männern ernst gewürdigt und in nicht zu kleinem Kreise auf seine Ausführbarkeit geprüft zu werden. Vielleicht daß trotz aller Zersplitterung der Kräfte, trotz aller Wunden, die uns die letzten Jahrzehnte mit ihrer Propagierung eines nie erhörten „neutralen" Judentums, mit ihrer Festlegung gesetzestreuer Männer auf die Verherrlichung fremder Ideale, geschlagen, allmählich eine Konzentration der jüdischen Massen um ihren alten Mittelpunkt, das alles beherrschende Thoragesetz herbeizuführen. Mirracdi u»d Zionismus. Delegierfenfao in Frankfurt. Araukfurt a. W, 10. August. Zur Beratung über die Stellungnahme des„Misrachi" beim Zionistenkongreß fand am Montag und Dienstag dieser Woche ein Delegiertentag der Misrachi-Federation hier statt, der von 25 Delegierten besucht war. Der Präsident der zionistischen Partei, Herr Wolffsohn, hatte den Delegiertentag durch ein herzliches Telegramm begrüßt, auf das dankend erwidert wurde.. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes durch den Vorsitzenden,Herrn Dr. Jacob Feuchtwanger, und Erstattung von Referaten über die Kulturfrage sowie über das neue Organisations-Statut setzte eine lebhafte Diskussion ein. Während ein Teil der Anwesenden auf Grund der bisher gel mc der im ver Be Ar wa H> Ex na ihr ihr der hal rat tto f Hw «n die sch' der wü Bc Si Si i i 1 \ i I i i j % I Ascher nickt still dazu und träumt bei den Worten!us Knaben, der mit seinen Gedanken ringt und mühsam leine Sätze bildet. Ihm, der lange von Dorf zu Dorf zog, ohne Heim, ohne Rast, auch am Sabbath am Wege, scheint aller Inbegriff der Sabbathschönheit in dem Mädchen zu liegen, das schweigend neben ihm sitzt und den schlummernden Bruder wiegt. Sein Herz träumt: „Am Zaune stand sie und lachte. Auf der weitziehenden Straße leuchteten ihre Augen und waren voll Erwartung. Mit hellem Jubel grüßte sie den Bruder und ihr Grüßen war Kinderliebe. Stolz sprach sie von ihm, dem Knaben, und lobte ihn wie eine gute Schwester. Und dann rüstete sie den Sabbath und trug die Speisen aus und lacht: und freute sich mit uns. Mirjam, da warst du das Mädchen, die Knospe, deren Schönheit grüne Blätter verhüllen .... Doch jetzt bist du erblüht, wie die duftende Rose und ich fühle deinen Duft und deine Lieblichkeit, Mirjam! Noch tanzt um deine Lippen das Kinderlachen und auf deiner Stirn schweben frohe Träume . . . Sieh', deine Augen sind gütig und mild geworden, während du den Bruder wiegst und seinen Schlummer bewachst. Mirjam, deine Augen ahnen Mutterliebe! Und sie geben dir die Vollendung, die Krone „In", sagt er nach langem Schweigen aus seinen Gedanken heraus, „der Sabbath ist die Vollendung. Er ist eine Ahnung des Besten und Schönsten, das die Erde nur in seltenen Stunden aus unsichtbaren Händen empfängt. Er ist der Tau auf der Blüte, der unberührte Reif der Frucht. Er ist Tust und Sonnenschein, den ivir Menschen nicht greifen, nicht einfangcn, nur im Herzen fühlen können. Er ist die Krone, die über der keuchenden, schweratmenden Erde, über harter Arbeit und der Last des Daseins schwebt und aus den mühbeladenen Knechten die freien Herren macht. Er ist unsere Schönheit!" Vom Sabbath spricht sein Mund, aber sein Herz denkt an Mirjam, die wie.eine Mutter den schlafenden Knaben wiegt. Als sie sich erhebt, den Brüder am Arm, und den beiden Schweigen zuwinkt, da wird es still in der Stube. Mirjam entkleidet das Kind und legt es fürsorglich in das breite Bett; ein Weilchen schaut sie sinnend in die traumlächelnden Züge Davids und horcht auf sein ruhig schlagendes Herz. Tann sitzt sie wieder neben Michel und Ascher. Sie sprechen von dem weiten Weg, den der Gast gegangen, bevor er in ihre Hütte kam. Mirjam ist fremd auf der Erde; breite Flüsse uyd hohe Berge, Städte mit vielen Häusern und tausenden Menschen, mit weiten Plätzen und reichprunkenden Türmen, sind ihr Wunder und Märchen. Tas kleine Dorf, der Blumenanger, der buntgefärbt über ihrem Häuschen hängt, der Wald, der rings mit dunklem Grund den Himmel umsäumt, sind die Wirklichkeiten, die bisher in ihr Leben getreten sind. Und zwei Gräber, weitab in Finsternis, die sie nur mit träncnverschlererten Augen sah, als ihr Bruder sie an den Jahrzeittagen zu den Eltern führte, — das ist alles, was ' sie von der Welt kennt. Auch Michel ist in seinem kurzen Leben nicht über die Dörfer hinaus gekommen, die ihn ernähren; selten einmal war er in der nahe» Kleinstadt, wo in der engen Judengasse die Schul' steht; doch weiß er aus des Vaters Munde und von den Menschen, mit denen er auf seinen allwöchentlichen Wanderungen zusammenkommt, mancherlei Schönes und mancherlei Erschreckendes von dem „Draußen". So horchen sie beide stillstaunend den Erzählungen ihres Gastes. Sie fragen ihn nach seiner Heimat und wundern sich über die große Zahl der Judengassen, wo Haus an Haus sich schließt und manches Torf ein Judendors ist. Und merkwürdig scheint ihnen, was den Fremdling aus seiner Heimat vertrieb. „Bei uns daheim", so erzählt er, „ist das Leben anders. Tief vergraben sitzen wir in unserer alten, heiligen Welt und die Mauern, die uns umschließen, sind himmelhoch, daß wir nicht einmal merken, ob draußen Tag oder Nacht ist. Auch ich bin ausgewachsen ohne Ahnung, daß es noch etwas anderes gibt als die Gasse, eine andere Schule als den Cheder, eine andere Sprache als die unsere. Ich wußte nicht, daß es eine freie, schöne Welt gibt, die mit starken Armen und leuchtenden Augen winkt. Nur selten drang ein fremder Schall, ein huschendes Licht wie ein flüchtiger Gruß zu uns hinein. Ich war schon längst ein Mann,i ch hatte ein Weib begraben und faß allein unter meinen Büchern. Ta fand ich einmal ein paar bedruckte Blätter, Teile eines deutschen Buches; zersetzt und zerlesen waren sie. Mühsam buchstabierte ich die Worte, es dauerte Wochen, bis ich die fremde Schrift lesen, den Sinn erfassen konnte. Und dann war das, was ich verstand, wie ein Fingerzeig, wie ein Heller Weckruf für mich. „Ter Mensch ist frei geschaffen, ist frei. Und würd' er in Ketten geboren. Laßt Euch nicht irren des Pöbels Geschrei Nicht den Mißbrauch rasender Toren; Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Menschen erzittert nicht!" (Fortsetzung folgt.) (Die zehn jüdische» Märtyrer.) Im Israelitisch- Wissenschaftlichen Vereine sprach Rabbiner E. D, tyr Scl Er Hai Mi Ha die Be KU zw ein der wä erk ere un un Ge Go So zw Ti Er sti. lie un en di« zei fe R< z='±L' kl'tL'ji-- Jl. Jali.

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