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Der Israelit · 1911-08-17 · Heft 33 (17.8.1911) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 33 (17.8.1911)
Date
1911-08-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Mrarttt Ko. 38. Sette 8 17. ßlugust um wesen, das die „Freie Bereinigung" der Orthodoxie Deutschlands so verheißungsvoll begonnen, muß in größerem, weit größerem Umfange gefördert werden. Hierfür kann und muß ein wirtschaftlich erstarkendes Land dann später mehr und mehr selbst aufkommen. Und das Geld, welches bisher an alle Armen Palästinas verteilt wurde und nicht reichte, die Chalukah der Kaullelim, wird für die wahren D'vnp welche im heiligen Lande ihr Leben in rrnnn *1107 allein beschließen wollen und zur Unterstützung der notwendigen ausreichen und zweckentsprechend verwendet werden können. Der in diesen Zeilen entworfene Plan ist so umfassend und verlangt eine so intensive Mitarbeit der Gesamtorthodoxie der Welt, daß Skeptiker seine Verwirklichung gewiß heute bezweifeln werden! Aber wenn wir nicht untä- , tig zusehen wollen, wie in unserm heiligen ' Lande dem Zentrum unseres Volkes und der religiösen und sittlichen Entwickelung der Welt ' ein entsetzliches Chaos entstehe, so heißt es: 1 ttöö >22^7 pVl DDK [ Jüdisches Volk an die Arbeit! \ Das Bewußtsein möge alle Jehudim durch- , dringen, daß für Palästina von uns nicht das ' Richtige geschehen ist, daß Gewaltiges geleistet . werden muß. Und diese Erkenntnis möge zur Arbeit führen! J Und nun zurück zum ersten Abschnitt dieser . Betrachtung. Was tun wir der riesigen Aus- \ Wanderung gegenüber!? Dieses Problem ist t noch größer und gewaltiger und wird leider nur . zum Teil gelöst werden können. : Gelingt es uns aber, Palästina und den an- » schließenden Orient wirtschaftlich und jüdtfch-reltt giös zu heben, dann wird hier sich eine neue 1 Aufnahmestätte erschließen für diesen Strom : 'Oy 7y 'n Drnntr “iy! Ueber dieser gewaltigen Arbeit, die ganz Israel zum Segen gereichen - würde, möge das Banner „Moria " schweben. I Im vorstehenden versuchten wir die Beweggründe darzulegen, welche zur Gründung einer t Organisation wie die Moria führten. ) Es war die Erkenntnis, daß die Orthodoxie > trotz ihrer erheblichen Leistungen für das - heilige Land und trotz der Fortschritte der letzten Jahre doch zur wirtschaftlichen und religiösen Hebung Palästinas nicht genug tut und für die Linderung der gewaltigen Schädigung, welche die Auswanderung nach Amerika der Judenheit bringt, nicht genügend gerüstet ist. Schon ) höre ich die Fragen aufwerfen: Muß denn die Orthodoxie als solche etwas leisten? Leisten nicht viele orthodoxe Persönlichkeiten Bedeutendes in den Organisationen, welche für das Wohl unserer ideell und materiell schlecht gestellten Brüder arbeiten? Ja, leisten sie nicht auch hier viel für die Erhaltung der Religionsgesetze? — Wenn sie nicht in diesen Organisationen wären, würde dann nicht die Unterdrückung der Traditionen des Judentums dort dauernd an der Tagesordnung sein? Diese Fragen sind nicht ganz unberechtigt. Und doch! Wo leisten die Orthoooxen in diesen Organisationen wirklich Bedeutendes?. Wo sind sie die erklärten Führer? Da lautet die Antwort wahrheitsgemäß: Nirgends! Man braucht es heute nicht weiter zu begründen, wenn man darlegr, daß in der Alliance israelite universelle und in der Jca der Einfluß der Orthodoxie gleich Null ist. Und diese Verbände sind bisher noch die stärksten Mächte im Orient. Daß gegen das rein nationale Prinzip des Kulturzionismus der Misrachi einen schweren Kampf führt, ist eine Tatsache, die sich gerade jetzt vor den Augen der jüdischen Welt besonders klar zeigt. Auch hier sind die Orthodoxen nur geduldet und aus politischen Gründen vielfach entgegenkommend behandelt worden. Aus meist taktischen und politischen Gründen arbeitet die Orthodoxie mit dem Zionismus in Deutschland oft Hand in Hand. Im Hilfsverein und dem Esra liegen die Verhältnisse aus mannigfachen Gründen etwas günstiger. Aber wo ist die Tauro souveräne Herrscherin? In welcher der genannten Organisationen geschieht nicht mit Hilfe des Geldes des orthodoxen Mitgliedes oft oder manchmal ein schwerer Verstoß gegen die Tauroh? — O Tauroh, unsere einzige Krone in dieser schweren Zeit, in welchem dieser Verbände strahlst du sieghaft in deiner angestammten Majestät? Die Frage stellen, heißt sie beantworten. Ohne Skrupel kann daher kein gesetzestreuer Jude in einer dieser Organisationen sein. / Auch ist es eine Tatsache, daß 95 aller Gesetzestreuen deshalb niemals in diese Organisationen eingetreten sind und es nie tun werden. Mag manchem beim Abwägen von Verlust und Vorteil dieses Verhalten auch nicht als richtig erscheinen, hier redet eine Tatsache, die beweist, daß die überwiegende Mehrzahl der Orthodoxen ein sicheres Gefühl für den geschichtlichen Anspruch der Tauroh hat, ein Gefühl dafür, daß nirgends in der Welt eine Gesamtheit sich diesem Anspruch des Gottesgesetzes in jedem Fall unterordnet, außer da, wo die Orthodorie Herr im eigenen Hause ist. Die Gesamtorthodoxte aber ist trotz ihrer Zersplitterung und Schwächung, und trotz der pekuniär schlechten Lage vieler ihrer Bekenner dennoch eine gewal. tige materielle und noch viel gewaltigere ideelle Macht, falls sie den ernsten Willen hat, die jetzige Zersplitterung, die meist auf gegenseitiger Verkennung beruht, einzudämmen. Wenn die Führer der Orthodoxie aller Länder die Zeichen der Zeit verständen, wenn sie die Unterschiede zwischen Chasfidim, Misnagdim, Sephardim und Mitteleuropäern als äußerlich erkennen, jeder die Uebertreib ungen seines Typs als Fehler einsehen möchte, dann wäre zur Hebung der Gottesfurcht aller Orten und zur Lösung der Kullurfrage im heiligen Lande Ungeheures geleistet. Und gingen wir nur Hand in Hand in brüderlichem Vertrauen, dann könnten auch die materiellen Kräfte Großes und Dauerndes leisten. Jüdische Geschichte würde gelebt werden — und die Blitze des Sinai würden sie erleuchten. Dies möchte die Moria ins Werk setzen! Bei der brennendsten praktischen Frage der Gegenwart, wie Palästina religiös und materiell zu heben und zu retten sei, setzt ihre Arbeit ein. Die soeben geschilderten Folgen der vertrauensvollen Zusammenarbeit der Orthodoxie aller Länder für die Hebung des Gesamtjudentums deutet der erste Paragraph des Organisationsentwurfes an. Daß erst nach der Vorbereitung Palästinas dieses Land als Abstußgebiet für größere Masten von Auswanderern in Betracht kommt, habe ich schon ausgeführt. Aber das ist das Endziel der Organisation, . welches also zugleich religiös und humanitär ist und in Rücksicht auf unsere unveräußerlichen Hoffnungen, welche unsere Seele erfüllen, einen nationalen Anklang hat. Damit nun das Prinzip der Organisation fest wie ein Fels stehe, ist es selbstverständlich nöttg, daß kein Neologer Einfluß in ihr gewinnen kann. Deshalb kann ein solcher kein stimmberechtigtes Mitglied werden. Durch diese Bestimmung erhält die Organisation ihre moralische Stärke. Und auf dieser Grundlage kann'die Organisation sich nach demokratischem Prinzip aufbauen, ohne die Möglichkeit der Erschütterung des Tauroh-Prinzips befürchten zu müssen. Die Verwaltung wird gewählt- Vertrauensmänner, die von der jeweiligen Leitung zur Mitarbeit herangezogen werden, soll es nicht geben. Damit ist dem Verbände das organische Leben gesichert. Denn er hat eine Leitung, welche das Vertrauen der Mehrheit besitzt. — Diese Organisation ist bisher allerdings nur in den Grundlinien festgelegt. Eine spezielle Ausarbeitung muß die Zukunft bringen. / Der Entwurf stützt sich also auf die Masten und will auch die materiellen Kräfte durch sie schaffen. Deshalb ist der Mindestbeitrag so klein ' täusckungen zu tragen versteht, ein allbereiter Wille, > den Tag zu nehmen, wie er ist, in Sonne und Regen ' seinen Weg zu gehen. ' Ein schwerer Packen fällt .draußen zur „Erde und 1 die Tür wird aufgestoßen. ' Ter Fremde geht einen Schritt vor, er streckt ' die Hand zum Gruße aus, läßt sie aber erstaunt ' sinken, als Arm in Arm mit dem Mädchen, das ' Bübchen aus der Schulter, ein junger Bursch eintritt. - Ein Knabe noch, kaum sechzehnjährig, mit tiefdunklen 1 Äugen und schwarzen Haaren, mit Straßenstaub bc- ' deckt, ein heimköhrender Torsgeher. Als er den Frem- 1 den unschlüssig stehen sieht, stellt er den Kleinen auf , den Fußboden und faßt des Gastes Hand: „Seid 1 mir willkommen in meinem Hause! Viel ist es nicht, ' was. wir Euch bieten können, möge es Euch angenehm ' und wert sein!" Noch steht der Fremdling mit fragendem Blick, er sieht die Aehnlichkeit aus den drei - Gesichtern, in den offenen, traumreichen Augen des - Kleinsten, aus der reinen Stirn, um den glatten Mund * des Mädchens und in den stillwachsenden, sich den jbna- ' benjahren entringenden Ztzgen des Jünglings. Doch [ erst das Mädchen löst ihm das Rätsel, mit leisem \ Lachen sagt sie, säst stolz: l „Das ist unser Bruder . . . Michel, unser Bruder!" r Und dann setzt sie noch leiser hinzu, dem Fremden ' nähertretend: 1 „Es ist sein Haus, in dem wir wohnen. Er ' hat Schwielen an den Händen, er schafft das Brot, 1 den Fisch, das Fleisch. Seht das ist unser Bruder!" t Doch Michel unterbricht sie: „Sei still, Mirjam, » schwatz nicht! Unser Gast könnte glauben, daß Tn - Tein eigenes Lob hören willst . . . Setzt Euch! Wir ' werden uns waschen und zum Sabbath rüsten. Auch r hinter Euch scheint ein langer Weg zu liegen . . .?" ' Ta hat sich der Gast bereits gefaßt: „Verzeiht mir, daß ich in Euch nicht den erkannte, den ich erwartete. Doch da Ihr der Hausherr seid, so will ichs nicht anders tun, als wenn Ihr graue Haare hättet und dreimal an Jahren mehr . . Man nennt mich Ascher, ich komme weither aus Polen und bin lang gewandert, ohne mein Ziel zu kennen. Nach Prag will ich jetzt, um dort zu lernen . . . Ich dachte nicht, daß ich heute den-Sabbath in einem jüdischen Hause begrüßen werde; ein guter Zufall brachte mich her, ich bitte Euch, Hausherr . . .!" „Seid mir nochmals willkommen, Rebb Ascher! Ein Sabbathgast ist selten bei uns. Bei meinen Eltern. Gott schenk' ihnen oen ewigen Frieden, war allzeit Freude, wenn einer kam. Ich wills nicht anders halten." Und in herzlichem Händedruck besiegelt er seine Worte. Tann führt er seinen Gast in den Vorraum. Tort hat Mirjam Wasser vorbereitet und saubere Kleider für den Bruder. Auch für den Fremden liegen Kleider bereit, die sie aus dem alten Schrank genommen, Kleider des Vaters. Tie beiden waschen sich und ziehen sich an, mit einem frohen Seufzer werfen sie den Alltag von sich und traten heiter in die Sabbathstube. Wo an der Wand der Misrach hängt, da stellen sie sich zum Geb'te und ostwärts, der Quelle des Lichtes, dem kommenden Morgcnstrahl entgegen, klingen ihre Gesänge, ihre Bitteil und Hymnen. Ter kleine David steht hinter ihnen, beugt und verneigt sich und läßt die spielmden Augen von einem zum anderen gehen und ist doch fromm im Herzen und andächtig in seiner Kinderseele. Mirjam sitzt betend in der Ecke, tief versunken. Tie Unschlittkerzen brennen und flackern gelb und trüb. Doch, wo ihr Licht nicht ausreimt, da wirst das weiße Tischtuch seinen helleren Widerschein hin und schmückt die Stube mit festlichem Glanze. Als Michel den Becher mit Wein ergreift, hochhebt und mit jirnger Stimme den Weihespruch sagt, da wird - die enge Stube plötzlich zur großen Welt und beugt sich dem stolzesten, edelsten Herrenwort, das jemals erklang, dem Wort, das Ruhe der Welt befahl nach den Tagen der Arbeit. Auch Michel fühlt dies, und als sie dann alle um den Tisch sitzen, -- David am Schoße der Schwester —, spricht er tastend und unbeholfen zu dem Gaste: „Mein Vater selig hat oft gesagt, daß der Sabbath das größte Wunder jst, weil er ein Wunder ist, das jeder merkt und das jedem geschieht. Es ist jeder Tag wie der andere, Not, Arbeit, immer dasselbe. Und dann auf einmal: Halt! Ja, warum denn? Es ist noch immer Tag, die Sonne sinkt, steigt auf, der Mensch lebt wie gestern und vorgestern. Aber das ist das Wunder: der Sabbath kommt, ohne daß wir wissen, woher, er ist da, und er bringt Frieden und Ruhe. Und ich denke, es ist noch etwas anderes. Herr sein kann jeder, befehlen, daß ein Haus gebaut ein Feld geackert, ein Schuh geflickt wird, ist keine Kunst. Man baut das Haus, stellt die Mauern aus, Ziegel aus Ziegel, bis es fertig ist, und fängt ein neues an. Aber bauen und ein Dach darauf setzen, als höchstes, wie eine Krone, auf jedes Ding in der Welt ein Dach, — und das Tach ist da und ein jeder sieht's . . . und es ist doch nichts, nur ein Wort, ein Gedanke, ein Wille, aber in jeder Stube, in der ganzen großen Welt überall! — und ohne dieses Nichts kann keine Arbeit geschehen und nie beendet werden, da muh man ein großer Herr, ein weiser König sein! Es ist so . . wie ein Tops ohne Boden! Was ist er? Nichts! Und eine Woche voll Arbeit, Müh' und Plage, mit Verdienst und Lohn, aber ohne Sabbath? — Nichts I Ter Sabbath war die allerschwerste Arbeit, die nur Gott allein zustande brachte . . . ." Mi, LÄLLLL

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