Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1911)
- Date
- 1911-08-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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f: Sette 8!"! -v ■■ ' ■ ' deren einer berJerusalemische ist,'der andere, der Jaffaer, ss kann man doch immerhin diese Typen als Extreme aufstellen, zwischen denen es viele Mittel und Bindeglieder gibt. In Jaffa und den Kolonien gibt es breite konservative und auch ganz fromme Schichten, in Jerusalem freiere und auch «trem neologe Elemente, die um den bekannten Ben Jehuda sich sammeln. Aber man darf nicht verkennen, daß in einem Lande wie Palästina, das räumlich eng begrenzt ist und in dem die Juden fast den einzigen Kulturträger bilden, die Dinge sich im Raume hart stoßen, um so härter, als die Entwickelung der Judenheit Palästinas sprunghaft vor sich gegangen ist und nicht wie in Kulturländern entsprechend der Entwickelung der Wirtsnation, in deren Mitte die Judenheit dort lebt. Und noch stärker entwickelten sich die Gegensätze, weil die Meisten jüdischen Einwohner Palästinas sich aus dem europasichen Osten rekrutieren, wo an sich die Gegensätze innerhalb der Judenheit um ein wesentliches krasser auftteten als z. B. in Deutschland. Hier strengste Orthodoxie, die das Studieren profaner Wissenschaften als sündhaft anficht, Kaftast und Ringellöckchen als notwendiges Attribut des outen Jehudi betrachtet — dort allerschärfstes rnro, das in gieriger Auffassung aller nur halb verstandenen wissenschaftlichen Hypothesen der Neuzeit das Ideal der modernen Kulturjuden sieht. Zur weiteren Charakterisierung dieser Verhältnisse sei noch folgendes gesagt. Ein großer Teil der aus Rußland und Galizien nach Palästina Wandernden gehörten wohl zur Orthodoxie, war aber nicht ideal genug gesinnt, um ein nur dem Thorastudium gewidmetes entsagungsreiches Leben zu führen. Ebenso ging es einem großen Teil des dort geborenen Geschlechts. Waren sie nun schon gewohnt, Chaluka zu nehmen, so war es für sie kein großer Schritt, sich weiterhin an die Mildtätigkeit der Menschen zu wenden. So entstand allmählich das berüchtigte „Schnorrertum" Palästinas. Und das konnte gar nicht anders kommen, weil, selbst den redlichen Willen zur Arbeit vorausgesetzt, man zu solcher fast garnicht gelangen konnte. Das Land infolge türkischer Mißwirtschaft arm und nur bei größter Energie und mit bedeutenden Mitteln der wirtschaftlichen Ausnutzung zugänglich. Und die arme Bevölkerung ohne jede Luxusbedürfniffe, welche ja so manche Industrie ins Leben rufen! Außerdem fehlten Kohlen, welche einer jeden Industrie ja heute noch unentbehrlich sind. Also blieb den Leuten ja fast nichts übrig als sich auf die Wohltätigkeit des Auslandes zu verlassen! Ein trauriger Kreislauf! Und um so trauriger als ein solches Leben notwendig den Charakter leine» Feuilleton. § Zoset Israels 3?":. (Geboren 27. Januar 1824, gestorben 12. Anglist um.) Ter Telegraph bringt uns die stunde, daß der größte unter den jüdischen Malern der Gegenwart und einer der größten unter den lebenden Künstlern, Josef Israels, dieser Zeitlichkeit seinen Tribut entrichtet hat. Israels' Eltern stammen aus Groningen. Mit jungen Jahren schon zag Israels nach Paris, wo er zu den besten Schülern des berühmten Picot gehörte. Bereits 1848 kehrte er nach Holland zurück, das dann sein dauernder Aufenthalt wurde. Es ist hier nicht der Ort, seine Kunst in ihrer Jnviduatität und in ihrer Bedeutung zu würdigen. Kommt ja für Uns vor allem in Betracht, daß er wirklich und wahrhaftig ein jüdischer Maler war, j ü d i s ch nicht nur in feiner Sun st, wie sich dies in feinen besten und reifsten Werken ausprägt, sondern jüdisch auch in der Art feiner Lebensführung. Ließen ihn doch die glänzenden Erfolge Jeines Schaffens und Wirkens, die ihn zum weltberühmten Meister erhoben, niemals sein Judentum vergessen. Charakteristisch hierfür ist ern Passus, den wir einem feinsinnigen Essay Netter's in der „Frankfurter Zeitung" entnehmen: „Israels, der sich in seiner Kunst immer mehr zu einem Mann hinauswuchs, der der ganzen Welt gehört, gab sich doch während seines ganzen Lebens an einem Tage in der Woche als traditioneller - namv!*«««»1 - schwächt. Denn es gibt in jedem Bokk nur wenige Jdealgestalten, welche sich ganz geistigen Bestrebungen widmen können und auf sittlicher Höhe bleiben. Für die Masse ist eine solche Atmosphäre nichts! Sie bleibt ein Jdealzustand! Und nun dringen in eine solche Bevölkerung, »die so reich ist an verborgenen und unbenutzt gebliebenen Energien, Kulturträger ein, welche die Luft von Paris, Berlin und Petersburg mit sich bringen. Ich denke an die Alliance Jsraetite Universelle und die zionistische Bewegung, welche Arbeit, Geld und neue Ideale smyv K7 on'ni3K einer nach Betätigung lechzenden Jugend zeigen! Kann es da anders sein, als daß diese in Scharen den Aposteln Europas zu strömen, zumal da diese Jugend den Flitter der modernen Kultur von dem wahren Gold nicht zu trennen weiß! Und wirkt diese jüdisch sich nennende Kultur nicht um so anziehender, als die Furcht vor der Tätigkeit der im Trüben fischenden Mission auch die Erfahrenen schreckt und sie veranlaßt, den nach den neuen Früchten lechzenden Sohn dem „Glaubensgenossen" zuzuführen, dessen Aeußeres sich auch von dem des gesetzestreuen Europäers nicht unterscheidet! Und verspricht nicht der Besuch der Allianceschule weiteres Fortkommen? So gelingt es denn den „Kulturträgern" die Kinder in ihre Schulen zu locken, und die jungjüdische Presse und der winkende Geldbeutel vollendet die Zerstörungsarbeit. Und man kann in Palästina gutjüdische Franzosen mit französischer Religiosität und feurige nationaljüdische Atheisten antreffen; die elfteren wandern zum Teil aus, die letzteren bleiben im Lande, hungern dort mit den Chassidim oder bevölkern die Kolonien. Es gtebt einige kleine Kolonien, wo prinzipiell nur riL^L) gegessen wird, aber auch in den größten und frömmsten wie z. B. in Pethach Tikwah ganze Kreise, die dies des Anslandes halber nicht tun, die es aber aus ihrer Anschauung heraus unter anderen Verhältnissen ohne Gewissensbisse tun würden. Rasieren lassen sie sich, und das Halte., des Schabbos besteht nur in der Enthaltung von der Erwerbstätigkeit, die dort ja sehr leicht fällt. Aber es ging ja erst in diesen Tagen die Nachricht durch die Blätter, daß ein jüdischer Arbeiterkongreß unter öffentlichem 7’6n rot? abgehalten sei! Der ziemlich große Lehrerapparat der Alliance- und zionistischen Schulen wirken schon durch ihr Beispiel auch auf die jene Schulen nicht besuchende Jugend verderblich, noch schlimmer haust der Stab der jungjüdischen Schriftsteller in der hebräisch schreibenden Presse, die sich das äußerste an niD'p'SK leisten und es dauernd in die empfängliche Seele der Jugend Jerusalems einimpfen, die diese Zeitungen als Zwischenpausenlektüre beim Lernen benutzt. Und Zugehöriger seines jüdischen Familienkreises. Während der ganzen Woche war er nichts als Maler. T-ie größten Männer seines Landes und der Welt zogen in seiner unmittelbaren Nähe vorüber, und der Kampf der Geister im Vorwärtsschreiten der ganzen Menschheit hallte in seinem Atelier wider. Am Freitag Abend mit Sonnenuntergang ver-' verblichen diese Feuer vor Israels. Eine stille Atmosphäre uralten Gedenkens umhüllte ihn. Er nahm sein Bad und zog sein Feiertagskleid an. Der Pinsel ruhte vis zum Sonnenuntergang des anderen Tages. Und während die Sabbatstille und -behäbigkeit ihn umsing, besuchte er die jirdischen Familien, an die er bei seinem Einzug in Amsterdam empfohlen worden war, er hörte ihre Alltagsgespräche an und antwortete im gleichen Ton. To hielt er es sein ganzes Leben." Israels 80. Geburtstag wurde von der ganzen zivilisierten Welt gefeiert. Auch der^ „Israelit" hat im Jahrgänge 1906 Nr. 14 in einem größeren Artikel und durch bildliche Wiedergabe einiger seiner Hauptwerke sein Wirken den Lesern vor Augen geführt. So beklagen wir denn auch heute sein Hinfcheiden, das der Welt einen großen Künstler und dem Judentum einen seiner besten Söhne geraubt har, aufs tiefste. ver Sabbalbgasi. Von Oskar «tritt. (Fortsetzung.) Er seufzt. „Aber, der Vater, der Hausherr? . . . Ein Bauer ist er nicht, ein Krämer auch nicht, was kann er also sein) wenn er nicht daheim ist und die Kinder auf ihn warten- Ein Torfgehcr, ein 17. August 1911 dieser gefährliche und stets sich vörfchllmwerkde Zustanü in unserem heiligen Lände, in dem wir die Krone des jüdischen Lebens verwirklicht sehen möchten, von dem aus ein Fluidum von tiefinnigster Frömmigkeit in alle Laude gehen sollte, auf das wir vor den Augen aller Völker stolz Hinweisen möchten: Sehet, so verwirklicht sich das Judentum im Judenland! Wünschten wir nicht, daß jetzt schon alle Völker dorthin weisen möchten mit den Worten; „Sehet, daß von Zion die Tauroh ausgeht, und die Offenbarung göttlicher Majestät von Jerusalem." Und statt dessen! Der jüdische Genius verhüllt trauernd sein Haupt und schmerzlich hallt es durch die Lande: p 7V Q7W1 #ön ttvn nrrn ma?. Jerusalem har gesündigt, deshalb ist es krank geworden! Ja, unser heiliges Land ist in Gefahr, zum dritten Mal dem göttlichen Fluche zu verfallen, wenn wir nichr alle Kräfte daran setzen, echtes und starkes Judentum dort aufblühen zu lassen. Diese Erkenntnis sollte die Trauer des Monat Aw zeitigen. Unsere heilige Pflicht ist es, einen richtigen, echt jüdischen und dauernden, weil selbständigen 2)icr' dort zu schaffen. Damit wäre daserfüllt, was unsereWeisenalsMizwathJtschuw hoorez betrachten und nicht genug zu pressen wissen! Und zu dieser großen und heiligen Aufgabe muß die gesamte Orthodoxie der Welt, die wahren Erbin des alten 772, sich vereinigen. Das, was die Orthodoxie der Welt bis vor kurzer Zeit für Erez Jisroel geleistet hat, war zwar der Ausfluß reinster Liebe, aber leider in seinen Wirkungen mehr als halb verfehlt. Bon Zedoko im landläufigen Sinne kann eine große Bevölkerung von zirka 60.000 Menschen (die übrigen machen keinen Anspruch darauf) auf die Dauer nicht erhalten werden. Um dies in würdiger Weise zu tun, müßten Millillionen und Abermillionen jährlich verbraucht werden, die aufzubrtngen unmöglich ist. Und wäre es möglich, hätten wir keine Garantien, daß nicht Unwürdige erhalten würden und statt des heiligen Tauroh-Studiums hätten wir einen Schmarotzerherd gezüchtet, wie ihn die Welt überhaupt noch nicht gesehen! Es muß Arbeitsgelegenheit jeder Art geschaffen werden, damit Palästina allmählich wirtschaftlich erstarke und diese Arbeit muß vo n der Orthodoxie in solchem Umfange und der Art organisiert werden, daß der sittliche ünd materielle Einfluß der Orthodoxie im heiligen Lande so dominierend werde, daß kein anderer gegen ihn aufkommen könne. N22 «71 7'N2 K7 •rms ofc 12! Das Ziel ist, daß jeder neologe Einfluß in Israels heiligem Lande allmählich den Boden verliere! Und das gesetzestreue Schul- Hausierer, der die Woche über umherzieht und Freitag heimkommt! Ein armer Mann natürlich! Umso besser, umso besser! .... Warum kommt er nicht? Ich warte ans ihn, sie warten auf ihn . . . Wie das Mädchen sich streckt und in die Höhe wächst, um weiter spähen zu können! Und der Bub, wie er laust und hin und her eilt, ein Stückchen vor, ein Stückchen beiseite und die Schwester ihm folgt! .... Sie ist noch jung, das sieht man; jung, frisch, eine Blume, eine duftende, blühende Blume am Wege . . . Sie wartet; alle Liebe der Erde ist in ihrem Warten, in ihren ungeduldigen Augen, in ihren zuckenden Händen. Sie wartet auf den Vater, aus den einstigen Menschen, der ihr lieb und teuer ist. Man fiehts, auf den Vater . . .! Jetzt faßt sie den Bruder an der Hand, — sie hat ihn doch zuerst erblickt, den Erwarteten, — und nun laufen sie ihm entgegen, lachend, lachend, glücklich! Weg sind sie . . ." Der Gast steht auf und stellt sich ans Fenster. Ein leiser Zug der Sorge spannt seine Lippen, die ein junger, heller Bart umgibt. Tie Augen sind gerötet vom Staub der Straßen, über die er gewandert, seine Haut ist braun, von der Sonne verbrannt, seine Kleidung von Dornen zerrissen, vom Regen zerdrückt und beschmutzt; von Nächten, in denen der Himmel allein ihn bedeckte und der harte Erdboden sein Lager war, arg gezeichnet. Er trägt hohe Stiefel aus braunem, ungefärbtem Leder, einen langen Rock, dessen Zipfel ihm um die Knöchel schlagen, und ein niedriges flaches Käppchen auf den dunklen, langgewachsenen Haaren. Tie hohe, freie Stirn ist von unzählige«, feinen Linien durchzogen, Sorgenfurchen, WetterKeichen, stille Merkmale fernes .junggeprüften Lebens, weiter Wege und einsamer Stunden. Und in dem Blicke, den er fest an die Türe klammert, durch die sein Wirt eintreten muß, liegt ein entschlossener Sinn, der Ent-