Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1911)
- Date
- 1911-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israeli Ein Centralorgan fOr das orthodoxe Jodentun Begründet non Dr. Lehman in ülainz S3. Jahrgang. franhfurf a. ITT., den 17. August 1911. 28. Aw 5671. 4 ß. « 33 A >' momantt »ko virrieljahrr «ewöbnllcbe Ausgabe i.öu, HeftauSgabe <Kunlldruck) dRi r,—. AuStaadSprene: Gewöhnliche Ausgabe: Oellerreich-Unsarn 2 Kr., Rußland 1 Sab« England S »d . Amerika SO ad»., Niederlande 1.90 fl., Frankreich Fr». 160. Abonnementbei alle« Vollanstalten. Buchdandlamgen. sowie direkt bei dem Verlag. HettauSgade nm direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstng. Inserate: SO Mennig für die sechSgespaltene Colonel-Zeile: Rabatt »ach Tarif. Juferntennnnahine nur durch Haas«allein u. Vogler L«G. Fraakiurt a. M.. und deren Filialen Zahlungen können außer direkt an de« Verlag erfolgen per Gonto bet der R* K. Gollfparkafse «Uten K». 79 MC. Conto bei dem ft. PottsParkallenoMt BndapeA Mo. LS 4M. Gm <0 bei der Minner t» Kit» Md derm Mttaien. 0er ITartiöruch der flrfihel und Correfponden?en Oes „Israelit“ IR nur unter genauer Quellenangabe, und. fomelt es fhh um grdiere nuflfifee bandelt, nur nadi norheriger Genehmigung gestattet 1 A«hatt«übevstcht. 1. Lettartikel: Dr. med. I. Möller, Altona: Hat die gesetzestrrne Judenheit ihre Pflicht gegenüber Palästina erfüllt?— 2. Wochenrundschau: Eine Ercksalsfrage an die Orthodsrie. — 3. Aufsätze: srachi und Zionismus.ö.Kleines Feuilleton: rf Israels r*"j. — Oskar Stein: Der Sabbatgast. — Die zehn jüdischen Märtyrer. — Blindenstenographie für Mddisch. - Eine authentische Nachricht über die Belagerung von Jerusalem. — 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M. (Erfundene Nachrichten). — Der sehnte Ziauisteukangreß. Basel. — Der 1b. Internationale Tierschutz-Kongreß in Kopenhagen. Kopenhagen. — Petersburg. (Geheimnisvolles Automobil.) — Der Kampf um das englische Gbrrrabbinat. London. — Konstantinopel (Juden-Mißhandlungen.) — Konstantinopel (Freigebung des Sabbaths.) — Bukarest. (Die Juden, aus der Dobrudscha beim Ministerpräsidenten.) — Neue UrbrrfäUe in Palästina. Jaffa. 6. SB e r - mischtes: Marienbad. — Culm. — Zürich. — Odessa. — Bad Nauheim. — Recklinghausen. — Drohobycz. — Hamburg. — Gjeiwitz. — 7. P ersona lien: Stettin. — Wien. — Schwersenz. — Karlsruhe. — Groß-Umstadt. — Reinheim (Hessen). — Preßburg. — Zeilitzheim. — Oberlauringen. — 8. Briefkasten. — Sprechsal. — Bereinskalender. — Familiennachrichten. --- 9. Beilagen: Erziehung und Lehre: Zur Tagung der bayerischen Lehrer. — Protokoll der am 5. Juni 1911 zu Frankfurt a. M. abgebaltenen Generalversammlung des Bundes aesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. — Bericht über die 43. Iahrrsurrsammluug der IsraelMfcheL Ketzrrrtrsnfrrr«k Hessens pt Gschwrge am 5. Juni 1911. — Sprechsal. — Feuilleton-Beilage: Sarah Gugenheimer: Kräh. fiat Sie geretrerttene Juaendeil führe Pfiidrt gegenüber Palästina erfüllt? Bon Dr. med. I. Möller, Altona *). In diesen Wochen, welche in wehmütigem Gedenken dem Geschick unseres Volkes und insbesondere dem Untergange unseres Nationallebens im heiligen Lande gewidmet sind, ist eine Betrachtung angebracht, welche sich mit dem jetzigen Schicksal unseres Volkes und unseres Landes beschäftigt. ,,Und sie wanderten von Volk zu Volk, von einem Königreich zu einer anderen Stammesgemeinschaft". Man faßt sich an-den Kopf! Waren vor einem halben Jahrhundert nicht ernsthaft *) Wir sind mit dem Inhalt des nachstehenden Aufsatzes in einigen Punkten nicht einverstanden, und äußern uns dazu in der „Wochenrundschau". Allein das Problem ist so wichtig, daß wir dem Herrn Verfasser die Redefteiheit nicht beschränken wollen. Red. d. Jsr. scheinende Männer, die da glaubten/ das Golus sei zu Ende? O, über jene Toren, die so fest überzeugt waren, daß die heiligen Schriften gelogen, daß das Golus so allmählich sich auflöse und man bald seinen Kindern erzählen werde: „k'iy KOlY} KiTD". So wurden unsere Väter einst gequält. Ein grausamer Irrtum: Seit mehr denn 30 Jahren erzählt jeder Vater seinem Kinde, jederLehrer seinem Schüler Kön1? Kn. Vergleicht das Heute mit der Vergangenheit! Nichts ist besser geworden. Eine Hälfte der Judenheit wohnt ja in mäßigem Wohlbehagen inmitten der Völker. Aber Rußland, Rumänien, Galizien! Rußland allein! Gibt es einen Schmerz, der diesem gleiche! Kann dieser Jammer übertroffen werden? Und da wälzt sich nun aus dieser erdrückenden Luft des dunklen Rußland heraus jener breite Strom von Jammergestalten, Greife, Männer, Frauen, Kinder in der Glut des Sommers und der schneidenden Kälte des Winters hindurch durch die Grenzplackereien Rußlands und Preußens, durch die Spießrutenreihen liebevoller Agenten und Polizisten und verständnisvoller Glaubensgenossen, um jenseits der See in ein Chaos von Verhältnissen zu gelangen, dem der größte Teil ratlos gegenüberfteht. Rat- und tatlos steht' der Vater dabei, wenn die Wogen des amerikanischen Wirtschaftslebens über sein Kind hinweggehen. Hat das entsetzliche Rußland der Jugend schon eine ruhige Entwickelung der Persönlichkeit in religiösem Sinne fast zur Unmöglichkeit gemacht — Revolution, Pogroms, Marxirnus, Hunger und Entrechtung taugen dazu nicht — so schwemmen die Wogen der amerikanischen Kultur alles hinweg — Tauroh, Schabbos, Familienleben, und ein ödes, von rein materialistischer Gesinnung erfülltes Leben, geschmückt mit einigen Futtern unverstandener Kultur reißt die meisten mit hin. Massenabfall ist die Folge! Wehe über die Kräfte, die uns auf ewig verloren gehen! Man lasse sich nicht darüber hinwegtäuschen! Mögen in New-Uork noch so zahlreiche alljüdische Institutionen vorhanden sein — in diesem großen Schmelztiegel Nordamerikas ist in 30 Jahren etwa 1 Million Juden dem Judentum entrissen worden! Dies ist die größte Wunde am jüdischen Volkskörper. Gewiß! Wer sieht nicht den Abfall in Deutschland, England, Oesterreich-Ungarn? Aber nirgends arbeiten die Räder der Weltent- A Wickelung so gewaltsam, so rapid! Dieser setzliche unaufhörliche Strom der Auswanderung H von Rußland nach Amerika übersteigt alles Da- I gewesene, und ratlos steht man ihm gegenüber! Z Und nun das Land Israels, der heilige | Boden, der unsere Propheten und Weisen ge- 1 trag.n, von dem aus das Gotteslicht der reli- J giösen Kultur in alle Länder geleuchtet! Widmen wir ihm eine ausführlichere Bep trachtung. | Vor etwa 60 Jahren ermöglichten es die Er- § rungenschaften der modernen Berkehrstechnik | frommen Männern, ihre Sehnsucht zu stillen und D auf heiligem Boden ihr Leben mit Thorastudimtt I zu beschließen. Als später die Drangsalierungen | in Rumänien, Rußland u.s.w. einsetzten, wurde eine Menge von Flüchtlingen nach Palästina geworfen, und so vermehrte sich die Anzahl der § Juden dort rasch. Während die Frommen fast | alle nach Jerusalem, Safed oder Tiberias gingen J und sich den dort befindlichen und entstehenden Jefchiwaus u.s.w. anschlossen, ging ein Teit nach Jaffa und den Kolonien. Die beiden An- | fiedelungen unterscheiden sich sehr von einander. Ä Die Jerusalemer Bevölkerung schloß sich^an die L alte Siedlung an, lebt im wesentlichen für M mim und von den frommen Gaben, die | in der ganzen orthodoxen Welt für sie gesammelt | wurden. Betrachtete man es doch unter allen.4 wvvt w für eine besondere mXD im heiligen Z Lande nur für die Thora zu leben! In manchen Kreisen war man sogar der Ansicht, daß man j heute in der heiligen Stadt nichts anderes J tun dürfe als lernen. Natürlich mußte | sich trotz dieses Prinzips der Kleinhandel Mit J Lebensmitteln und Kleidungsstücken entwickeln/ | und so stellt denn dieser 21V" ein ziemlich | getreues Abbild eines russisch-polnischen Ghettos dar. | Anders die neue Siedlung in den ver- J schiedenen Kolonien und Jaffa. Hier sammelten | sich russische Studenten und andere weniger reli- A giöse Elemente, welche, z. T. in rein nationaler | Weltanschauung befangen, sich wesentlich der Ar- | beit widmeten und z. T. blühende Kolonien J schufen. I Beide Siedlungen wuchsen, neue in Haifa i u.s.w. kamen hinzu, sodaß man heule in Pa- ) lästina mit ca. 80,000 jüdischen Einwohnern J rechnen kann. 4 Wenn man die Judenheit Palästinas selbsti verständlich nicht in zwei Typen teilen kann, J