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Der Israelit · 1911-08-03 · Heft 31 (3.8.1911) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 31 (3.8.1911)
Date
1911-08-03
Page
– (sequence 27)
Language
German
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WM? t 1811 •!-U' “fT 8. August 1911 Der ASraeltt. \ Nr. 81 Seite 19?erzens nen ihn siir sich re male :e, nach rrinnerdr, dies bedeuten um, tun, : Reve das er rs kon rthenan r, wenn rm ge h kürz s diesor den ridigen. Berlin chr für berliner : Herr «bestens u, daß Fehler n man -n, daß ert ist. obli^s. en des r vom i nicht. Jude, Schiff, i aufs wurde, r hat: Recht varum ch sehr ie als n sind ff der besaß, stellen, le die ls die einen l, um rufend bitten, ch als allerich ein nicht verig- > die nräte angst sind iWl. libervon b;nt t, in der nicx* hat eben t erin Melilah anerkennt, sobaß» diese, sobald sie naturalisierte Spanier sind, an der Verwaltung der Stadt beteiligt werden können. Die gesamte spanische Presse heißt diesen Schritt des Königs willkommen. Ist das Erreichte auch in diesem Einzelfalle nicht von allzugroßer Bedeutung, da auf dieser ungesunden Insel der Strafgefangenen jedweder, der sich hier bereit findet, planvolle Kolonisationsarbeiten zu verrichten, hochwillkommen ist, und man ihm gern alles bewilligt, was er nur wünscht, so ist doch die Tatsache, daß die Juden in Spanien mit dem heutigen Tage nach 419 Jahren wieder die Gleichberechtigung mit den Andersgläubigen erlangt haben, von weltgeschichtlicher^ Bedeutung. (Antisemitismus und Judenmission.) lieber die jüngsthin stattgefundene 8. internationale JudenmissioMtagung zu. Stockholm läßt sich die „Staatsbürgerzeitung" in folgender Weise berichten: „Ein heilloser Wirrwarr herrscht bei dem Teil der Christenheit, der da glaubt, mit Judentaufsn ein wohlgefälliges Werk zu tun. Aber es gibt ja immer noch Leute darunter, die Geld haben; und da das Geld dieser Leute die Bestimmung hat, in Kurs gesetzt zu werden, wird schon durch Kultur- und Heilstaten dafür gesorgt, daß die Glücklichen um das erleichtert werden, was sie anscheinend drückt. Eine solche Wohltätigkeit ist das Institut der Judenmission, das sich in seiner Rührigkeit rühmen kann, mit den größten Mitteln die geringsten Erfolge erreicht, zahlreichen Proselyten auskömmliche Stellen in ihrem eigenen Arbeitsgebiet verschafft zu haben und noch weiteren Kandidaten aus Kosten gutgläubiger Schwärmer gut? Aussichten für Unterkommen in absehbarere Zukunft zu machen. Und da infolge des internationalen Gegenstandes dieser Art Fürsorge auch in allen damit beglückten Ländern ein entsprechendes „Bedürfnis" besteht, lag ja die.Frage des Zusammenschlusses nahe. So sammeln sich denn von Zeit zu Zeit, diesmal zum achten Male, all die Guten in ihrer Weltfremdheit, um durch eine besondere Kundgebung darzulegen, in welcher Sphäre sie wandeln und wohin ihr Wille gerichtet ist. Zieht man aus der Stockholmer Judenmissions- Tagung die Schlußsumme, so war alles eitel Liebe, brüderlicher Geist und Hoffnung. Gottesdienst, Reden, Begrüßungen, Essen und Kasseetrinken wechselten miteinander ab. —. — . Und in diesem Tone geht es frisch und lustig weiter. Es scheint doch, daß die brave Staatsbürgerin in ihrer Ansicht über die Judenmission mit uns ganz einig ist. — — (Jüdische Negerinnen auf Ellis Island.) Vorige Woche landeten aus der New-Porker Einwanderungsinsel Ellis Island zwei Negerfrauen und ein Negerkind „die sich zum Judentume bekannten. Sie kamen aus Jamaica und gaben an, daß sie gleich vielen anderen Schwarzen von jenen Negern stammen, die zur Zeit als in Jamaica noch der Sklavenhandel blühte, von ihren jüdischen Besitzern in der jüdischen Religion erzogen wurden und dann freigesprochen wurden. (Weiße Testllin.) Der Münchener Jugend wird als wahres Geschichtchen erzählt: Beim Kaiser- Alexander-Grenadier-Rcgiment.Nr. 1 in Berlin dient Grenadier Cohn. Cohn ist sehr religiös, verrichtet stets sein hebräisches Morgengebet und wickelt dabei, wie es vorgeschrrebcn ist, die Gebetriemen um den Arm. Nach dem Dienst ruft der Hauptnrann eines Tages die Kompanie zusammen: „Es ist mir zu Ohren gekommen, daß ihr den Grenadier Cohn verspottet. wenn er seinen religiösen Gebräuchen nachgeht. — Höre ich so was noch mal von rrgenoeincm Kerl, dann soll ....!" — „Weggetreten! Cohn bleibt hier!" — „Hören Sie mal, Cohn, es wird mir erzählt, daß Sie jeden Morgen beten und sich dabei schwarze Riemen um den Arm wickeln. Das ist ja recht schön, wenn Sie Ihren religiösen Gebräuchen nachgeyen, und ich freue mich, daß sie ein frommer Mann sind! Ta Sie aber nun mal Gardegrenadier sind, nehmen Sie wenigstens weißes Riemenzeug!" Cant* Mincden. Ich will Euch vor allem mal Tante Minchen vorstellen, meine kleinen Freunde und Freunhtbmäi dinnen/ denn erstens erfordert das ja der Anstand so, und zweitens würde mirs Tynte Minchen heute noch übelnehmen, wenn ich sie so einfach vor Euch hinstellte, grad so, als wollte ich sagen: Nun malt Euch mal irgend eine Tante Minchen! Wer weiß, was dabei herauskäme! Vielleicht eine große, steife, hölzerne Dame mit einer Hornbrille auf der Nase und einem ewigen Strickftrumpf in der Hand, oder ein altes, dickes Weibchen, das ewig am Fenster sitzt und sich nicht gut bewegen kann, oder' — ja was weiß ich, was Ihr Euch alles ausdenken könntet! Nein, Ihr sollt sie ganz genau kennen, sonst fang ich schon lieber gar nicht erst an, von ihr zu erzählen. Also, darum gebt jetzt gut acht! Sie tritt nämlich gerade aus ihrer Haustüre drunten im Brunnengäßchen am Markte. Das Häuschen ist mit Epheu umwachsen, grüne Holzläden sind vor den Fensterchen angebracht, und eine Bank steht unter dem ersten Fenster rechts von der . Türe. Ein Kätzchen mit rotem perlgesticktem Halsband sonnt sich darauf. Jetzt erhebt sich's schnurrend, denn es hat Tante Minchen erblickt und weiß wohl, daß sie Weggehen will. Es meint wohl, es dürfte mit, oder vielleicht steht's aus Ehrfurcht auf. Wer kann's wissen? Man möchte es schon glauben, wenn man Tante Minchen sieht. Sie ist von mittlerer Größe, hat ein kleines, liebes Gesicht, drin lebhafte Augen sprechen, auch wenn sie gar nicht den Mund zum Reden öffnet/ schwarzes, gescheiteltes Haar legt sich dicht und glänzend um ihren Kopf. Eigentlich brauchte ich nur diesen Kopf zu beschreiben, denn man bemerkt nur ihr Gesicht und behält nur ihr Gesicht in Erinnerung, diese gütigen, liebevollen Züge. Aber ich will Euch züm Ueberstuß doch, noch erzählen, daß Taute Minchen über den schmalen Schultern eine Spitzenmantiüe tragt, über dem schwarzen Scheitel ein blumengeschmücktes Häubchen, und am Arm ein süßes Körbchen mit Brandmalerei. Tante Minchen streichelte liebkosend r das Kätzchen, aber mitgehen darf's nicht. „Nein, mein Kleines", sagt sie — und ich bin sicher, das Tierchen versteht sie — „heute geht das nicht, das weißt du. Heute kann ich dich nicht gebrauchen. Leg' dich nur ruhig wieder hin." — Da geht sie hin, Tante Minchen, so elastisch wie die Jüngste und hat doch sicher sechs Jahrzehnte hinter sich, wenn es nicht am Ende noch mehr sind! Du lieber Himmel, was ist sie doch für eine stadtbekannte Persönlichkeit! Ich glaube wirklich, der Herr Bürgermeister wird nicht so viel und freundlich gegrüßt wie sie. Aus allen Fenstern winkt es, grüßt es, nickt es, wenn sie vorübergeht, hie und da hält sie auch ein Bekannter an, ja, kleine Mädchen und Bürschlein halten im Spielen inne und knixen freundlich vor ihr/ zu niedlich ist das! Da und dort tritt sie in ein Lädchen und macht Einkäufe. Das Körbchen füllt sich mit Tüten aller Art/ ich weiß gar nicht, ob es nicht zu schwer wird für das zierliche Persönchen. Aber nein, doch, sie geht noch gerade so rasch und elastisch weiter, als ob sie eben aus dem Hause käme. Nun hält sie vor einem Obstgarten still und betrachtet bewundernd die reiche Pracht der Früchte. „Tag, Tante Minchen," tönt's da — fast wäre sie erschrocken — aus dem dichten Zweigwerk des großen Kirschbaumes, und das bärtige Gesicht des Besitzers neigt sich daraus hervor. „S'ist eine Pracht dieses Jahr, meiner Treu, Tante Minchen." „Ja, Gott sei's gedankt, Meister Töpfer. Das behagt Euch wohl besser wie im Winter die Oesen zu sticken, was?" Droben lacht's schallend: „Hat doch immer nen Scherz bei der Hand, unser Tante Minchen, und ein lustig Wort auf der Zunge. Na, Euer Herz, das ist freilich im Sommer und Winter warm. Was gilt's, Ihr habt wieder was für Eure junge Gesellschaft eingeheimst, Tante Minchen, und am Ende will das kleine Volk auch noch Kirschen schmausen!" „Recht hat Er", klingt's von unten, „aber ich brauche schöne, feste, Ihr wißt, das Beste ist grad gut genug für mich, und sie müssen sich bis morgen gut halten." Unten ist er und wiegt ihr so viele der saftigen Früchte zu, wie ihr Körbchen faßte. „Soll ich's auch tragen, Tante Minchen?" fragte er schelmisch. „Nein, laß Er das nur, müßten uns komisch zusammen ausnehmen, und überdies Hab ich so wenig Zeit, wie Er im Ueberstuß davon zu haben scheint." „Ach ja," seufzte er laut, „Tante Minchen hat ja 32 Kinder, oder sind's.noch mehr? Und alleweil so jung dabei und fidel!" „Adieu," sagt sie schnippisch, „nun geh ich und komme so bald nicht wieder!" „Bis zum nächsten Freitag," ruft er ihr lackend nach und klettert wieder zu seinem luftigen Sitz empor. Tante Minchen lacht aber auch im Weggehen in sich hinein. Ja, er hat recht, sie hat viele Kinder/ wie viele ihrer Kinder sind, das weiß sie selbst nicht genau, und sie gehören ihr auch nur am Sckabbos. Hin und wieder lugt wohl so ein Köpfchen auch am Werklag bei ihr herein, macht ein kleines „Sch-vätzchen" und huscht wieder fort. Dann ist „man" auf dem Schulweg oder hat für die Mutter was einzuholen, und erzählt wohl gar nicht erst daheim, daß man bei der Schabbostante gewesen ist. Aber am Schabbos selbst, da tribbelts und trabbelts von morgens bis abends, und Tante Minchens Türe schließt sich kaum. Das ist Musik für ihre Ohren. Das denkt sie eben im Gehen und lächelt in sich hinein und lächelt so warm, daß jeder, der sie sieht, davon angesteckt wird. Nun tritt sie in ihr Häuschen, gefolgt von ihrem Kätzchen. Dielen und Stuben sind weiß gescheuert, die Türdrücker und die Knöpfe an Oesen und Fenstern blinken so klar, daß man meinen kann, das wäre alles aus purem Golde, wenn man nicht bei sich wüßte, daß derlei Dinge natürlich nur aus Messing gemacht werden. Gerade über dem Tisch hängt eine Schabboslampe aus dem gleichen Metall. Na, daß die aber erst glänzt und funkelt, das brauche ich euch nach alledem wohl gar nicht zu sagen. Blütenweiße Gardinen schmücken die Fenstenchen, dran sitzt e n bunter Schmetterling, der wirklich wie lebendig aussieht und ist doch nur von geschickten Kinderhändchen aus feinfarbigem Krepppapier verfertigt. Und wenn ich Euch nun noch erzähle, daß vor den Fenstern in Töpfen bunte Blumen, Geranien und Tulpen und Veilchen blühen,, und daß im Bauer ein gelbgrfiedertes Vögelein hüpft und trillert, so habt Ihr diese Wohnstube gewiß ebenso treulich vor Augen, wie ich sie im Gedächtnis habe und Tante Minchen selbst so greifbar vor Euch, daß Ihr sicker, benommen von ihrer liebevollen Gemütlichkeit, gerne ebenfalls vor ihr knixen und sie begrüßen möchtet. Und dann, das bin ich sicher, würde sie lächelnd zu Euch sagen: „Besucht mich doch bitte, zum Schabbos", wie sie es jedem ihrer ileinen Freundchen, wo sie ihr begegnen, immer wieder sagt. Und sie kommen alle so gerne zu ihr. Tante Minchen aber schafft für diesen Tag gern die ganze Woche durch. Glaubt Ihr etwa, sie habe irgendwelche Bedienung, die ihr die Fußböden so rein gescheuert, die leuchtenden Gegenstände, so glänzend gerieben, die Möbel so blinke blank gebohnert hat? I bewahre, von den drei kleinen Steinstufen an, die von der Straße ins Häuschm führen, und aus denen noch der weiße Scheuersand knistert, bis ins letzte Eckchen des kleinen Heims hat das alles Tante Minchen selbst geschafft. Man traut das ihren seinen Händen gar nicht zu. Aber sie gibt auch wohl acht dabei, daß die weiß und sein bleiben/ denn sie braucht sie auch noch für ganz duftige Handarbeiten, und Ihr glaubt gar nicht, was in den Nachmittagstunden hinter den blumenumsämuten Fensterchen für Kunstwerke entstehen. Das also ist Tante Minchen und Ihr kennt sie nun ja schon so genau, daß ihr ungeniert zusehen dürft, was sie jetzt alles zu tun hat.

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