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Der Israelit · 1911-08-03 · Heft 31 (3.8.1911) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 31 (3.8.1911)
Date
1911-08-03
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
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1.. . ... V'-.T-;v- Sette 18 No. 31 Der JSraeltt. Sr > ■ r theenstraße 42 bestimmt haben, uns ihre angenehme Glaubensgenossenschaft zu entziehen. wie Sie zugeben müssen. Herr Redakteur, eine recht magere und inhaltlose Liste. Selbst zum Sichschmaddenlassrn ist es den Leuten jetzt zu heiß. Sollte, was ja in 99 Prozent aller Austritte der Fall ist, gleich darauf die Taufe folgen, so hätte eine kluge Geistlichkeit den Taufakt in Form einer feinen Dusche vollziehen können, was dann noch einen angenehmen Reiz auf die Kopfnerven ausüben würde. Vielleicht vertragen diese Köpfe auch solche feinen Einheimischer Jude au- Jerusalem. Nach einer Aufnahme von Bruno Hentschel in Leipzig. Reize nicht mehr. Jedenfalls hätte ich, wenn ich in der jüdischen Gemeindeverwaltung etwas mitzureden, bestimmt, wegen dieser lumpigen 13 Austritte, in denen auch nicht ein einziger Name von Belang ist, keine Extraliste anzufertigen. Ta hatten wir denn doch im März eine ganz andere Liste! Zwei Adelige! sage und schreibe zwei adelige Damen, haben damals ihren Austritt aus dem Judentum erklärt. Ta stand an der Listenspitze Frau LBaronin Thekla von Landau, geborene Landau und die Baronesse Louise von Landau in der Königin Augustastraße 45. Schon um in so vornehmer Gesellschaft mit aufgeführt zu werden, hatte sich noch mancher Herr und manche Tarne auch in die Liste bringen lassen, was ja auch Niemand zu verdenken ist, der gerne in solch guter Gesellschaft figuriert. Und wie hat das imponiert! Selbst der „Oberingenieur" Julius Bing, und der Ingenieur Otto Wiener, nicht minder wie der T-irektor (wovon?) Eduard Krämer, nicht minder wie der Konzertsänger Adolf Lieban hatten unter dem Strahlenkranz des Baronnamens zu leiden und wurden fast ganz übersehen. Es ist daher nur Recht und billig, daß man nachträglich den so schmählich Uebersehenen zu ihrem Nimbus verhilft, was hiermit geschehen soll. f Uebrigens hat der ./Austritt" der beiden judenadligen Tarnen keinerlei Erregung unter uns Berliner Juden hervorgerufen. Man mutmaßte nur. Tie Einen meinten, daß höchst wahrscheinlich ein Schidduch dahinterstecke. denn es war mehrfach die Rede von einigen adligen jungen und nicht mehr ganz jungen Herren, die wegen Spiel- und natürlich auch noch vieler anderer Schulden halber in Schwulitäten geraten sein sollen. Auch in den Zeitungen stand so was. Was war da natürlicher als die Combination, daß die Herren vom christlichen Adel in ihrer verzweifelten Lage kurzer Hand va banque spielten, das Ende mit Schrecken, dem Schrecken ohne Ende vorzogen? Wieder andere meiner Bekannten, die mehr Bal Tachles sind, und nicht wußten bis dahin, daß es in der Königin Augustastraße in Berlin in einem Hause gleich zwei jüdische Baroninnen auf einmal gab — denn auch diese beiden Tarnen sind für das Gros des Publikums unbekannte Größen — meinte, daß es schade wäre für das viele schöne Geld, das jetzt da in alte Winde zerstreut würde. „Woher wissen Sie", frug ein anderer Bekannter, „daß die Damen so sehr Fiel Geld haben, um leinen adligen Freier über ihre jüdische Herkunft hinwegsehen zu lassen?" „Reden Sie keinen Schluß", entgegnete der Bal Tachleß. „Glauben Sie etwa, der alte Landau hat seinen Baronstitel wegen Wunder Tapferkeit in der Schlacht bei Königgrätz oder bei Sedan/ verehrt gekriegt? In solchen Fällen pflege ich im istillen nachzurechnen, wieviel Geld der Titel, und daher noch ein Baronstitel, gekostet haben möge. Nun kommt es allerdings noch drauf an woher der Baronstitel stammt; ob aus Bayern, oder Bückeburg oder Oesterreich, wo es kaum ein Trittel kostet als in Preußen. Und all das schöne Geld der Baronessen, wo wird es hinkommen? „Tas Geld geht, weitn wirklich so'n Adelsschidduch dahintersteckt, in alle Welt und di« Geschichte der Wasvera von Hans Kahlenberg erlebt eine neue Auflage", schloß ich die Betrachtungen meiner beiden Begleiter. Wir durchwanderten die schattigen Wege des schönen Tiergartens. Während die beiden Bekannten über allerlei Tinge sprachen, dachte ich iiber die grandiose Dummheit der heutigen Juden nach. In welchen Kreisen gibts noch den einst so viel gepriesenen jüdischen Verstand? Ta lassen sich zwei reiche Frauenzimmer taufen irgend einer Jämmerlichkeit wegen, um ein ganzes Leben lang den heimlichen Spott der christlichen Kreise. Ebenen sie sich jetzt ebenbürtig dünken zu tragen, um unter jedem Blick der Dienstboten, die mit schlecht verhehltem Hohn diese Neuchristen bedienen, die in der Küche und Mansarde sich vor Lachen schütteln ob der „christlichen" Herrschaften und dem schlecht affektierten Gechristel, zu zucken! Ein verwirktes, zerstörtes Leben! Geschieht ihnen aber ganz recht. Vielleicht war es gerade die junge „Baronesse", die den Austritt veranlage. Tie jüdische Jugend hat ja heute allein die Macht im jüdischen Hause. Und da geht so etwas jüdische Jugend an . uns vorüber. Es ist wirklich zum Staunen. Geht da ein jüdisches Ehepaar mit einem etwa achtjährigen Knaben vorüber. Ter Knabe hat das Wort; dafür ist er ein Berliner Junge. „Ta habt Ihr Euch wieder mal schön blamiert" _ spricht er lachend zu seinen Eltern, die gesenkten Blickes an uns vorübergchen und sicher sich Jude aus Marokko. Nach einer Ausnahme von Bruno Hentschel in Leipzig. schämen. Und gleich darans geht wieder ein jüdischer Knabe mit seiner Bonne oder so was ähnliches vorüber. „Sie sind wohl belämmert," sagt dieser zukünftige Berliner Bürger. Auch das Mädchen schämt sich und sucht an uns vorüberzukommen. Wir setzen uns auf eine Bank, um unsere Beobachtungen mit Muse fortsetzen zu können. Ta kommt auch schon ein hübsches Judenmädchen, noch rm Flügelkleide, vorbei. Es ist heute etwas so selbstverständliches, daß ein junges Mädchen und sei es auch erst 14 Jahre alt. in Begleitung eines jungen Mannes spazieren geht^ daß .man für sehr rückständig angesehen wird, wenn man hieran noch eine Betrachtung knüpfen wollte. „Ach, quasseln Sie doch nicht!" sagt sie ungeniert zu ihrem kaum 18 jährigen Begleiter. Tas ist das „Deutsch" der jungen Berliner, jüdischer Herkunft. Kann es uns da wundern, daß Walther Rathenau, der Verfasser des „Höre Israel" entrüstet, tvenn auch sich im Ausdruck vergaloppicrend, von einer „asiatischen Horde" sprach? Zwanzig Jahre sind vergangen,, seitdem dieses Buch erschien und heute noch hört man in der Nähe des Zoo dieselben abstoßenden Ausdrücke unter den Juden, die er damals geißelte. „Kunststück", „Zustand", „Kleinigkeit", sind so typisch berlinisch-jüdisch geworden, daß ich nachts in der tiefsten Dunkelheit sofort wüßte, daß Inden hier sprechen, wenn ich diese Worte nur höre. Auf der Reise verrät sich der Berliner Jude sofort durch diese und ähnliche Ausdrücke. Seien wir auch dahrr diesem Walther Rathenau einem der intelligentesten, toemt auch nur theoretischen Juden Berlins, vielleicht ganz Deutschlands gegenüber gerecht. Sein ästhetisches Empfinden, nein, jedes gebildeten Menschen Feingefühl wird ständig beleidigt. wenn er diese moderne, sich an kein jüdisches Empfinden, an keine jüdische Tradition und Sitte mehr anlehnende, aus allen Teilen des Reiches hier zusammenströmenden Juden, in ihrer beleidigenden Ungebundenheit beobachtet. 20 Seiten wollte ich aus Rathenaus Buch zitteren und man müßte zugestehen, daß er, leider 1 Recht hat. Er wollte sicher nur erzieherisch in diesem Buche wirken. Hätte er dieses Ziel allein sich gesteckt, so wäre sein Buch von dauerndem Werte für uns geworden, ein MW 8 August 1811 8 Erziehungsbrevier. Es ist nicht ohne innere Herzens religion geschrieben und die liberalen Juden können ihn wahrhaftig nicht, wenn diesem Buche nach, für sich reklamieren. Ich habe dieses Buch yerschiedene male gelesen-- und glaube, wenn der Verfasser heute, nach 20 Jahren, geläutert, jüdisch vielleicht mehr verinnerlicht als damals, dieses Buch umschreiben würde, dies eine schätzenswerte Bereicherung der Literatur bedeuten würde. Besonders für das gesetzestreue Judentum, vor dem er 'ja hier oftv vielleicht ungewollt, seine Reverenz macht. Jedenfalls, ist das Judentum, das er so hart in seinem Buche angreift, nicht das konservative. Quod est demonstrandum. Herr Rathen an brauchte sich aber auch wahrlich nicht zu schämen, wenn er seine Feder für das konservative Judentum gebrauchen wollte, wie er als Theoriejude ja auch kürzlich erst in die Arena getreten war, allerdings diesmal mit einem etwas allzutiefen Bückling vor den vier Evangelien, um das Judentum zu verteidigen. Ist doch erst vor kurzem ein Mann hier in Berlin gewesen, der auch etwas und sogar etwas mehr für die Judenheit zu bedeuten hat, als die halbe Berliner Judenschaft znsammengenommen. Ter besagte Herr ist allerdings kein Berliner, aber etwas mindestens gleichwertiges, nämlich ein Frankfurter Jude. Es ist eben nicht genug, Herr Rathenau, daß man an seinen Stammesgenossen stets nur Fehler findet und diese so literarisch verankert, sondern man muß durch eigene Lebensführung und Taten zeigen, daß einem das Judentum auch noch bares Geld wert ist. von dem man etwas abzugeben hat. Noblesse oblige. Jakob Schiff ist nicht nur von den Großen des deutschen Reiches jetzt ausgesucht^ sondern sogar vom deutschen Kaiser eingeladen worden. Wir wissen nicht, wovon sich die beiden Männer, der Kaiser und der Jude, unterhalten haben. Aber wir wissen, daß Jakob Schiff, als die Frankfurter Universitätsfrage irgendwo aufs Tapet kam, und auf seine Munifieenz angespielt wurde, er sehr bestimmte Bedingungen ausgesprochen hat: im Interesse der Inden die als Gelehrte das Recht haben, auch Universitätslehrer zu werden. Und warum nicht? Ich will gar nicht bestreiten, daß es auch sehr viele, nicht aber allzuviele Professoren gibt, die als wirkliche Gelehrte anzusehen sind. Unter diesen sind auch gewiß Juden. Vielleicht war Jakob Schiff der erste Jude in Deutschland, der den Mannesmut besaß, für sein „erbetenes" Geld strikte Bedingungen zu stellen. Und in Frankfurt lebt eine hohe jüdische Tame die gleichfalls mehr Ueberzeugungsmut hatte, als die meisten jüdischen Geldbaron-e, die nur einmal zu einen fürstlichen Tafel geladen zu werden brauchen, um sofort das Portemonnaie zu öffnen und unter tausend Bücklingen stammelnd um gnädige Annahme bitten. Aber ums Himmels Willen nur nicht dabei sich als Jude kerzengrade ausrichtenU Dazu darf man allerdings nicht in Berlin wohnen. Herr Walther Rathenau! Wäre das nichit auch ein Thema für Ihre fruchtbare Feder? Wäre das nicht auch ein großartiges Erziehungswerk? Bitte, ver- Jude aus Jemen. Nach einer Aufnahme von Bruno Hentschel in Leipzig. suchen Sie es doch einmal. Ta würden doch die jüdischen Berliner Millionäre und Kommerzienräte erfahren, was sie w?rt sind! Ich selber habe freilich meine Taxe schon längst geinacht.' Durch meine moralische Einschätzung sind sie durch die Bairk stellerfrei. Elcfoanan. (Die Juden in Melilah.) Wie erinnerlich, überreichten gelegentlich der Reise des Königs Alfons von Spanien nach Melilah im Januar die Juden dem Premier-Minister Senor Canalejas eine Petition, in der sie gegen die Ausschließung der Juden von der städtischen Verwaltung protestierten. Ter Premierminister versprach Abhilfe zu schassen und er hat sein Wort gehalten. Ein königlicher Erlaß ist soeben veröffentlicht worden, wie aus Madrider Blättern ersichtlich, der die Gleichberechtigung der Juden in Me sier bed Pre Ist von Ins beti x id) betr lach Tac mit schi, jün mif bür der woh noä dies zu dafi tert Wo! sich ten Pro Arb Kan Aus zu r stan glüc steh: So acht um wel< geri Tag brül den, ten weil rin ganj Woc insei kind aus and< zur blük Reli wur Wirt Alex Grei stets wie Ariri Tag Öfjtt spot: dam hier daß Rier wen ich Sie wen u ( vorsl

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