Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1911)
- Date
- 1911-08-03
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448803-2448835--66796-2494975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
AusWe I f and jLete ullostrjcjcte Beil Die Wische Bevölkerung in Jerusalem. (Mit 5 Bildern.) Jü einem länger« Artikel haben wir jüngstjin an leitender Stelle über die Zusammenetzung und die Lebensweise der jüdischen Bevöl- Em spanischer Jude aus Jerusalem. Rach einer Aufnahme von Bruno Hentschel in Leipzig. erung in Jerusalem auf Grund von statistischen Daten im hebräischen ni^twi in erschöpfender Weise berichtet. Hier mögen in Wort und Bild inige Angaben über die einzelnen Kategorien »er aus aller Herren Ländern in der heiligen Stadt vereinigten Juden folgen. Denn nirgendwo sonst in der Welt vermag man den so »ielgestaltigen äußern Golustypus des Juden so gut zu studieren, wie in Jerusalem, das seit Jahrtausenden das Sehnsuchtsziel der Juden von äst und West, Nord und Süd und überallher st. Hier haben die einzelnen Landsmannschaften >ie Gewohnheiten der Heimat nicht abgelegt, son- >ern sind den religiösen und gesellschaftlichen Gebräuchen der Geburtsscholle auch auf dem -eiligen Boden — und hier erst recht — treu gerieben. Darum bildet Jerusalem eine unveriegbare Forschungsquelle für den Freund jüdicher Volkskunde. Unsere Bilder stellen einen kleinen Ausschnitt »uS der langen Reihe der jüdischen Typen Jerualems dar. Da haben wir zunächst die spani- ' chen Juden, die sogenannten Sephardim. Sie leiten ihre Herkunft von den jüdischen Bewohnern der spanischen Halbinsel ab, die am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts durch die Schrecken der Inquisition vertrieben wurden. Zum größten Teil find sie im Lande geboren, türkische Untertanen und dürfen als der älteste Kern der jüdischen Bewohner Jerusalems betrachtet werden. Wenn sie auch in ihrem Ritual in manchem von uns Westjuden abweichen, haben sie doch alle Grundideen des Judentums und alle Gebote der schriftlichen und mündlichen Lehre mit uns gemeinsie galten von jeher als treue Wahrer der Tradition, bis die Alliance kam und, wie überall im Oriente, auch hier mit ihrem unjüdischen Schulwerke einen fremden Geist in einen großen Teil der sephardischen Jugend getragen hat. Sie kleiden sich in orientalischer Weise (Abbildung 1) und genießen auch ein gewisses Ansehen. Von ihnen sind leicht zu unterscheiden die Aschkenasim oder die polnischen Juden, so genannt weil sie selbst oder ihre Vorfahren meist in den Gegenden des alten polnischen Reichs gewohnt haben. Ihre Merkmale sind im allgemeinen die blässere Gesichtsfarbe, häufig auch das hellere Haar, der Filzhut oder die Pelzmütze auf dem Kopfe und in der Regel der lange Kaftan. Unter sich sind sie jedoch sehr verschieden. Man vergleiche nur den anspruchslosen, sanft blickenden Rabbiner aus Jerusalem (Abb. 2), mit dem selbstbewußten, energischen eingeborenen Juden (Abb. 3). Diese sind, soweit sie zum jvn 21V gehören, samt und sonders dem altüberlieferten Judentum treu ergebene, anspruchslose Leute, in deren Mitte sich zahlreiche Tnn ^7Llvl befinden. Ihr Leben, das sie teils durch schwere Arbeit, teils durch den kümmerlichen Anteil an der Chalukah erhalten, ist mi2yi min gewidmet. Gruppen für sich bilden die Juden aus Marokko (Abb. 4), sowie die bescheidenen armen Juden aus Jemen, dem südlichen Arabien (Abb. 5)! Damit ist jedoch die Reihe noch lange nicht zuende! Neben den Juden aus Rumänien und aus Bulgarien stehen die Glaubensgenossen aus Buchara und Turkestan. Der Ausdruck der Augen, die Linien des Gesichts, die Haltung des ganzen Körpers und vollends die Kleidung zeigen solche Unterschiede, daß es schwer wird, alle diese Menschen für Angehörige eines und desselben Volkes zu halten. Und doch ist es ein Streben, das sie alle beseelt und zusammenhält: die Liebe zum heiligen Lande und zur Thora. Berliner Plauderei. Tie saure Gurkenzeit ist da! Und auch Sie. Herr Redakteur, werden sie schon zu spüren bekommen. Sie werden nicht über diese schreckliche ereignislose Zeit hinwegkommen, mögen Sie nun Ihren Lesern poetisch, lyrisch, prosaisch oder anakreontisch dienen wollen. Nun ruhen, alle Menschen, beinahe hätte ich gesagt, alle Wälder, was eine grobe Unwahrheit gewesen wäre. Wenn sie aber dennoch glauben, die Zeit der Gurken sei selbst für Berlin nicht eingetreten, so seheü Sie gefälligst nur einmal die neueste Nummer des „Gemeindeblattes der jiidischen Gemeinde zu Berlin" durch. Zum Beispiel die Liste der Austritte aus dem Judentum vom Monat Mai und Juni: alles in allem nur dreizehn! Und was für untergeordnet: Namen! Ein Ehepaar Cohn am Belle-Allianceplatz. das künftig sich christlicher vielleicht Kühn nennen wird. Fermer ein Ehepaar Friedländer in der Tier-» gartenstratze, das höchst wahrscheinlich Kommerzienratsfreuden entgegensieht; was es auch ungeschmadt batte haben können. Tann ein Musiker Heller, dessen Name und Beruf mir hier symbolisch zu sein scheinen. Tann haben drei Aerzte, die einer meiner Freunde, ein Russe, „Doktoirim" zu nennen pflegt, dem Judentum ihre Rückseite gezeigt. Auch Herr Tr. Phil. Kurt Löwcnstein und der Kaufmann Friedländer haben sich von uns verabschiedet. Warum Hein: Tr. Plonski, der im westjüdischen Viertel, am Pragerplatz 4 wohnt, wo nur die Grünwaarenhändler, Wildpret- und Delikatessenhändler oder Kaffeehal^r als vereinzelte Nicht- Rabbiner au- Jerusalem. Nach einer Aufnahme von BonfilS in Beirut. juden wohnen, ausgetreten ist, konnte ich nicht recht genau erfahren. Vielleicht gedenkt der sonst in der Aerztewelt weithin unbekannte Herr «ine größere Kundschaft zu kriegen, wenn die Juden drum herum erfahren. daß der Mann „Christ" geworden! W-r kann in das Herz eines verflossenen Juden blicken. Ebenso dunkel sind die Grünoe, die die ebenfalls noch nicht mit Glorienschein ärztlichen Ruhmes umstrahlte» Herren Kurst Henius und Ludwig Meyer in der 'Toro-