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Der Israelit · 1911-08-03 · Heft 31 (3.8.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 31 (3.8.1911)
Date
1911-08-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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s August 1S11 Der JSraelttt til Gtittl des Automobils werden ganze Packen gedruckter Flugblätter auf die Landstraßen und die Dorfgafsen geworfen. Die Flugblätter enthalten Hetzartikel gegen die Juden, fordern zu Pogroms auf und wiederholen die Märchen von den Ritual morden. Die Ueberschriften dieser mit allerhand schaurigen Phantastezeichnungen ausgeschmückten Artikel lauten: „Jüdische Greueltaten sind in ausländischen Staaten ans Tageslicht gebracht worden" und „die Ritualmorde zu verschiedenen Zeiten"/ darunter stehen in riesigen Lettern die Worte: „Trauet nicht dem jüdischen Reichsdumaabgeordneten Nißelowitfch und allen anderen, welche die Existenz der Ritualmorde in Abrede stellen". Es sollen Maßnahmen seitens der Behörden getroffen fein, um diesem Treiben ein Ende zu bereiten und die Insassen des Automobils zu verhaften. Wie viel böse Keime aber bereits in die ungebildeten Bauernmasien gestreut worden sind, entzieht sich der behördlichen Feststellung. * * * Die traurige jüdische Rechtslage zeigt sich immer mehr als Hemmschuh für den gesamten Handels- und Wirtschaftsstand des Landes. Der Vorstand der Minsker Börse für Waldindustrie hat an den Handelsminister ein Memorandum gerichtet, in welchem er für d i e Abschaffung der gegen die Juden bestehenden Rechtsbeschränkungen hinsichtlich des Holzftandes eintritt. Zur Begründung dieses Ansuchens wird angeführt: „Die Holzindustrie bildet den wichtigsten Produktionszweig des nordwestlichen Gebietes von Rußland. Die-Bauern finden in ihr, besonders i im Winter, einen ausgiebigen Verdienst, ebenso hat der Staat von dieser Industrie eine große Einnahme. Die Ausbeutung der Wälder in dieser Gegend hat jedoch hauptsächlich darum unter den abnormalsten Vorbedingungen zu leiden, daß gegen die Juden, die 90 % Händler mit Waldprodukten ausmachen, die schwersten Rechtsbeschränkungen bestehen. Deshalb kann sich die Holzindustrie nicht normal entwickeln. Die Juden dürfen sich nicht mit der Ausforstung der Wälder und der Bearbeitung des gewonnenen Materials frei beschäftigen/ ferner dürfen sie nicht Besitzer von Sägemühlen sein, weshalb sie gezwungen sind, die Produkte in unverarbeitetem Zustande nach Deutschland und Westeuropa zu verkaufen/ drittens ist den Juden der Handelsverkehr durch die außerhalb des Ansiedlungsgebietes gelegenen Handelshäfen — Libau, Windau, Riga, Reval und Petersburg — weshalb sie gezwungen sind, preußische Häfen — und die Vermittlung preußischer Händler in Anspruch zu nehmen." * * * Auch im fernen Osten vermag die Bevölkerung den Segen der Judentrechtung nicht einzusehen und protestiert dagegen. Die Studienkommission, welche auf Befehl des Zaren in das Amurgebiet entsendet wurde, hat soeben ihren Bericht veröffentlicht, der einige wichtige Bemerkungen über dte dortigen Juden enthält. Bei Besprechung der Frage der Reformierung der städtischen Duma in Nikolajewsk (Amur) wird in dem Berichte gesagt: «Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, dieJuden aus der Stadtverwaltung auszuschließen. Die Entwicklung des weltberühmten Fischhandes dieser Gegend ist ausschließlich den Juden zu danken. In einem so völkerreichen Gebiet darf eine solche Methode nicht befolgt werden. DieJuden bilden hier ein sehr nützliches Element, und ein Land, das eine Besiedlung seines Gebietes anftrebt, schafft eher Erleichterungen für die nützlichen Elemente, anstatt sie in "ihren Rechten zu beschränken. Und zu gleicher Zeit berät man in Petersburg, wie die Reinigung des Ostens von Juden vor sich zu gehen hat. Rabbi k S- Rabbinonrib y'tt. Lornfa, 27. Juli. Ein Großer in Israel, einer jener Thoraleuchten, wie sie in unserer thoraarmen Zeit immer weniger werden, ist mit Rabbi E l i e s e r Simchoh Rabbinowttz hx"t, der dieser Tage hier gestorben ist, von uns gegangen. Der Verstorbene, ein anerkannter Gaon, wirkte früher als Rabbiner in einer Reihe von 50 Jahren in den Städten Shadowa, Suwalk, Lomsa und Kalwarten. Erst vor einigen Wochen entschloß er sich, infolge seines Alters in den Ruhestand zu treten und frei von allen Amtssorgen seinen Lebensrest vollständig in nToyi min in hiesiger Stadt zu verbringen. Am 17. Tamus aber bahnte sich dte Trauerkunde den Weg durch die Stadt, daß unser Rabbi, auf dessen Anwesenheit hier wir so ungeheuer stolz waren, einem Schlaganfall plötzlich erlegen ist. Jahrzehnte hindurch hat er in hiesiger Stadt zum Segen unserer Gemeinde als Rabbiner gewirkt, als er vor etwa 20 Jahren ganz plötzlich vom Gouverneur seines Amtes enthoben wurde. — Sein felsenfestes Auftreten in religiösen Dingen, sein unbtegsamer Charakter und seine ungeheure Tatkraft, die er entfaltete, um die Gemeinde und alle ihre Institutionen auf ihrer jüdischen Höhe zu erhalten, brachten ihm die Gegnerschaft der sogenannten „liberalen" Kreise ein, deren einige, die der Behörde etwas näher standen, nicht eher ruhten, als bis sie den „reaktionären" Rabbi auf dem Verwaltungswege aus der Stadt brachten, was ihnen um so mehr gelang, als dieser auch als Kronrabbiner fungierte, und im Besitze einer vielseitigen profanen Bildung, seinen Gemeindemitgliedern auch in polnischer und sozialer Hinsicht gern und uneigennützig zur Seite stand. Mehr als einmal war es ihm gelungen, Maßregeln des Gouverneurs, die darauf hmausgingen, die Juden in ihrer Bewegungsfreiheit noch mehr zu bedrücken, zu vereiteln. Selbstredend konnte er sich durch solche Handlungen keine große Pöpularität bei der Ortsbehörde erwerben und sie lieh den Verleumdungen aus dem jüdischen Lager williges Ohr und benutzte die erste beste Gelegenheit, sich des unbequemen gesetzeskundigen Rabbi zu entledigen. Auch in Kalwarien verfolgte ihn der Haß der Lomsaer Behörde, auf deren Veranlaffung er dort in seinem Amte als Kronrabbtner nicht bestätigt wurde, so daß er in seiner neuen Stelle nur als Rabbiner wirken konnte. Er selbst betrachtete es als großes Glück, daß er nun, der Verwaltungssorgen entledigt, sich ganz dem Thorastudium und seinem geistigen Amte widmen konnte. Sein Fleiß war sprichwörtlich, ebenso seine Vertrautheit auf allen Gebieten der talmudischen Literatur. Er schrieb mehrere Erklärungen auf den Talmud und einen sehr tiefgehenden Kommentar auf Jeruschalmi. In Rabbinerkreisen nannte man ihn eine lebende talmudische Bibliothek *n§D kVb *0S, ebenso wurde allgemein seine Autorität in der praktischen Halacha anerkannt, in welcher er oft genug in komplizierten Fällen als höhere Instanz angerufen wurde. Auch in ethischer Beziehung suchte der Verstorbene seinesgleichen. Bescheiden und anspruchslos, zugänglich und zuvorkommend gegen Jedermann war er der Typus eines alten Rabbi, als welcher er allgemein gefeiert wurde und in der Geschichte der russischen Rabbiner seinen ewigen Ehrenplatz behalten wird, renn*? p'ix "Of. GrrgLcrrrb. Der Raffenftongred. Londoni. Aug. Unter starker Teilnahme von Delegierten und Gästen aus allen Ländern, Nattonalitäten und Konfessionen wurde letzten Mittwoch der Rassenkongreß in der Aula der Universität eröffnet. Eine volle Würdigung der Arbettert und Erfolge dieses ungewöhnlichen Völkerparlamentes wird auf Grund des Berichtes, der alle Referate und Resoluttonen, von denen man in der Versammlung nur kurze Skizzen zu hören bekam, in einem stattlichen Bande vereinigt, geschehen können. Jetzt ist es in erster Reihe das bunte Völkergemtsch, das der Versammlung farbenreiches Leben gibt und den Teilnehmer höchlichst interessiert. Dte Initiative zum Kongreß ging bekanntlich vom Rabbzner Dr. Felkr Adler in New Uork aus. Im Präsidium find auch viele Männer von Namen, auch Minister, vertreten, wiewohl von amtlicher Seite von der ganzen Veranstaltung keine Notiz genommen wird. Die Zahl der jüdischen Teilnehmer ist bei weitem nicht so groß, wie man erwartet hat. Bon zionistischer Seite sind anwesend: Chacham Dr. Gaster, Zollschan, Sir Fr. Montefiore. Die Jto ist durch Zangwill vertreten, dessen Referat über dte jüdische Rasse formell den Glanzpunkt der Tagungen darstellte. Außerdem befinden sich unter den 250 Delegierten zwei englische Rabbiner und der bekannte russische Arzt Dr. Samenhof, der Erfinder der Weltsprache „Esperanto". Sowohl in der Begrüßungsrede des Vorsitzenden, wie in den anderen Ansprachen wird der ethische Charakter des Kongresses betont und seine Bedeutung für die Friedensidee hervorgehoben. IfcanJrceid). &atis, 30. Juli. In Tunis starb am Anfang dieses Monates der dortige Rabbiner Jehuda Jarmon im Alter von 104 Jahren. Wegen seiner großenGelehrsamkeit und seiner.überaus tiefen Frömmigkeit wurde er in ganz Afrika von den Juden verehrt. Mit 18 Jahren schon wurde er auf den Rabbinerposten berufen, und erfreute fich auch bei der arabischen Bevölkerung großen Ansehens. Seit mehreren Jahren lebte er in Zurückgezogenheit, sich ausschließlich den Thorastudien widmend. Er verfaßte mehrere wertvolle Kommentare zur Bibel und dem Talmud und zahllos sind die rabbinischen Gutachten, die er auf Verlangen bis in die entlegensten Teile Afrikas gesendet hat. An seinem Leichenbegängnisse beteiligten sich nahezu 20000 Menschen. Canada. nnfifemitismus und Uliffion in Kanada. Montreal, 29. Juni. Der Antisemitismus in Kanada dringt immer mehr in alle Gesellschaftsschichten ein. So hat der „Queen City Aacht-Club" in Torento in seiner letzten Generalversammlung die folgende Aendernna seiner Statuten angenommen: „In Zukunft sind alle Juden, Neger und Mitglieder anderer unerwünschter Nationalitäten von der Mitgliedschaft in diesem Klub ausgeschlossen." Der erwähnte Aacht-Club zählte bisher zu den progressiven Zentren Kanadas. Die Bewegung gegen das Missionsunwesen und ihre belästigende Seelensängerei hat in Kanada stark an Umfang gewonnen. Einen aktiven Charakter nahm die Bewegung in Wtmipey an. In einer Versammlung, in welcher mehrere anwesende Missionäre auf Seelensang ausgingen, traten die anwesenden Rabbiner gegen die Missionäre in schärfster Weise auf. In - derselben Versammlung wurde auch eine Antitaufliga zur Bekämpfung der Missionäre und der getauften Juden gegründet. JkmertJta. Eine JQdildie lanfltDirfittiatflidie Kolonie. A«w B«r», 28. Juli. Wie dem „American Hebrew“ aus Chicago gemeldet wird, haben dottige 50 orthodox-jüdische Familien in dem holzreichen Gebiete von Nord-

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