Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1911)
- Date
- 1911-07-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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A/Hanaux 14198, Lneten Lazard 20922/ 1 Uai» Lev a Mant 20918, Narcise Levem 20916, Israel Levi 20902, Alfred Lev 20915, Camille Lyon 20913, I. Machiels 20911, S. Rein ach 13190, Richtenberger 20906/I. Ser 14191 Stimmen. Außerdem tz. Ascher in Amsterdam mit 20870, Dr. Feilchettfeld-Posen 20649, Js. Fernandez- >• Konftantinopel 14195, Fischer - Hannover 14153, Max Fuchs-Berlin 17648, I. Gal- .' Itrrger - Nürnberg 14397, H. Gumpertz- .' Hamburg 20 819, Leopold Guttman n-Beuthen 20778, von Guttmann-Wien 20902, Landau in Berlin 17 744, Js. Levy in Bordeaux 14281, B. E. Lioni-Amsterdam 20755, H. Löb-Stern in Mannheim 20795, Emil L. Meyer-Hanttov«-14178, H. Oschinski in Breslau 20775, Dr. Rosenthal - Breslau 20709, A. Salomön-Bukarest 20889, Herm. Wittner-Leipzig 19728 Stimmen. In der Minorität blieben: Behor Effendi in Kon- 4tantinopel mit 6763, A. Bernheim-Mülhausen mit 6710, H. Cohen in Marburg mir 6742, Hirschberg in Paris mit 6778, A. Klein in Paris mit 6763, A. Ltppmann in Versailles mit 6612, Saul Merzbach in Paris mit 7337, Dr. Nobel-Frankfurt q. M. mit 6734, Tschernof in Paris mit 6728 Stimmen. AerNn, 20. Juli. Wie uns das Deutsche Büro der Alliance Jsraelite Universelle mitteilt, hat das Zentralkomitee in Parisan die durch die Feuerkatastrophen besonders schwer heimgesuchten Ortschaften in Rußland, und zwar an die Gemeinden Mir (Gouv. Minsk), Janischki (Gouv. Kowno), Borotynstfchina (Gouv. Hohilov), Karelitschi (Gouv. Minsk), Olita (Gouv. Sonwalki), Dwine (Gouv. Grodno), Jagory - (Gouv. Kowno) Beihilfen im Gesamtbetrag von 12000 Francs geschickt. Für verschiedene russische I esch iboth hat das Zentralkomitee den Betrag von 2000 Frs. bewilligt. Wofeu, 17. Juli. Ein Bild der Verschiebungen der jüdischen Bevölkerung tn den Ostmakken liefern die Steuerverhältniffe. In der hiesigen jüdischen Gemeinde kommen als Einkommensteuer im Rechnungsjahr 1911/12 45 % des Staatseinkommensatzes zur Hebung. Die an die Synagogengemeinde zu Posen zu zahlende Einkommensteuer wird nach der von der Königl. Regierung unterm 24. April 1896 genehmigten Steuerordnung vom 10./15. März 1896 im Anschluffe an die Einschätzung für die staatliche Einkommensteuer erhoben. Der geringste zur Hebung kommende Steuerbetrag ist auf 1 Mark jährlich festgesetzt. Im Vergleich zu den anderen Synagogengemeinden in unserer Provinz erhebt die hiesige jüdische Gemeinde den niedrigsten Prozentsatz der Staatssteuer zu ihren Haushaltungsausgaben. Der Kreis G n e s e n, welcher 56,265 Einwohner zählt, hat nur 952 jüdische Seelen. An Schulen sind im ganzen 75 vorhanden, welche zusammen 9475 Knaben und Mädchen enthalten; hierzu gehört eine jüdische Schule mit 28 Kindern. Eine kraffe Illustration für die starke Abnahme der Juden in der Provinz Posen. &jeftjevvjeidj. Der emisrafions-Konsrefj. Wien, 17. Juli. * Mit dem Emigrationskongreß will es nicht vorwärts gehen. Diese Woche fand hier eine Sitzung des Komitees zur Vorbereitung des EmigrationSkongreffes. stast, welcher auch die Mitglieder der von der Petersburger Einigrations- - konferenz nach Oesterreich entsendeten Delegation und zwar die Herren Advokat Dr. Mandel, Ingenieur Gurewitch und Dr. Rappaport beiwohnten. Nach einem eingehenden Berichte des Präsidiums, aus welchem hervorging, daß einerseM die mcößerenOrganisationen eine Beschickung des Kongresses entweder endgiltig ablehnten oder sie nur für den Fall in Aussicht stellten, daß der Kongreß, um gründlich vorbereitet zu werden, verschoben werde, daß ferner auch von den maßgebenderen Persönlichkeiten in der europäischen und amerikanischen Judenschaft, so auch von Jakob H. Schiff, der Wunsch geäußert wurde, daß der Kongreß nicht an dem in Aussicht genommenen Termine, — im August — abgehalten werde, entspann sich, eine lebhafte Debatte, an welcher auch die anwesenden .Mitglieder des Komitees teilnahmen. Auch diese Herren, die in der Lage waren zu melden, daß die große , jüdische Masse in Rußland eine Reform des Emigrationswesens ähnlichst erwarte, und zu diesem Zwecke von den Kongreffen die Schaffung einer Zentralorganisation erhoffe, konnten sich nicht der Ansicht verschließen, daß kein Versuch unterlassen werden dürfe, um dom Kongreß die Unterstützung aller in Betracht kommenden, jüdischen Organisationen zu sichern. Aus diesen Gründen beschloß das Komitee, den Kongreß abermals bis zum Frühjahr 1912 zu verschieben. , 0ne öunfile taufoefdiidife. Krakau, 23. Juli. Eine häßliche Taufgeschichte hält jetzt die Krakauer jüdische Bevölkerung in großer Erregung. Der frühere Präsident der Krakauer Kultusgemeinde, Kaiserlicher Rat Albert Mendelsburg, der am vorigen Samstag im Alter von 83 Jahren starb, wurde allem Anschein nach einen Tag vor seinem Tode von seinen eigenen Kindern, von denen zwei bereits früher die Taufe genommen hatten, dem katholischen Glauben zugeführt. Die jüdische Gemeinde erfuhr es erst nach dem Tode des Exvorstehers, als die katholische Geistlichkeit Anspruch auf die Leiche machte und sie mit allem Pomp der Kirche auf dem christlichen Friedhose bestattete. Albert Mendelsburg stammt aus einer uralten angesehenen jüdischen Familie und hatte es als reicher Bankier zu verschiedenen Würden und Ehrenstellen gebracht. Er war lange Jahre Präfident der Krakauer neologen Kultusgemeinde/ als solcher erhielt er verschiedene kaiserliche Auszeichnungen, und als solcher wurde er auch in einer Legislaturperiode ins österreichische Parlament gewählt. Einer seiner Söhne, der in Staatsdiensten steht, hatte vor mehreren Jahren die Taufe genommen. Dieser Fall verursachte in Krakau solche Erregung, daß Mendelsburg damals feine Präsidentenstelle in der Kultusgemeinde niederlegen mußte. Bald darauf taufte sich ein zweiter Sohü, und jetzt nach dem Tode des Vaters fotzte auch der dritte Sohn und die zweite Frau Mendelsburgs den übrigen Mitgliedern der Familie in den Schoß der Kirche. Der Vorstand der Krakauer Kultusgemeinde empfindet den ganzen Fall umso peinlicher, als der Verstorbene Albert Mendelsburg seinerzeit zu den einflußreichsten Führern der Krakauer Judenheit gehörte, dessen Ansehen so 'groß war, daß man sich veranlaßt sah, seinerzeit den Sitzungssaal der Kultusgemeinde mit dem Bilde Mendelsburgs zu schmücken. Mendelsburg zählte wohl immer zu den Assimilanten reinsten Wassers, aber er hielt sich stets für einen Juden nnd fühlte sich in seinen ihm von den Juden übertragenen Ehren- und Machtstellungen sehr wohl. So darf wohl angenommen werden, daß die Taufe Mendelsburgs zu einer Zeit auf Veranlassung der Familie vorgenommen wurde, als er bereits tn Agonie lag. An Zynismus grenzt es, wenn die Söhne Mendelsburgs, wie dies der Fall war, der Krakauer Kultusgemeinde anläßlich des Todes ihres Vaters eine Spende von 500 Kronen überwiesen, welche, wie nicht anders zu erwarten war, vom Borstande zurückgewiesen wurde. ödn 9er nedloflie jur ntlfdietie im9 — Jur Taufe. < Budapest, 21. Juli. Ungarn ist das Land, in welchem die meisten Mischehen zwischen Juden und Christen geschlossen werden. Im Monate Mai hat jedoch Ungarn sich selbst übertroffen. Wie nämlich dem Maihefte der „Mitteilungen des statistischen Landesamtes" zu entnehmen ist, wurden im Monat Mai insgesamt 14923 Ehen geschlossen. Die Zahl der Ehen zwischen Juden und Christen betrug 86, in 36 Fällen gehörte die Brautdem christlichen und in 50 Fällen dem jüdischen Glauben an. Bezüglich der diesen Ehen entstammenden Kinder wurde fast in allen Fällen eine Vereinbarung getroffen und zwar mit nur sehr geringen Ausnahmen zu Gunsten der christlichen Religion. Diese horrende Ziffer hat nun auch die sonst indolenten jüdischen Kreise Ungarns aus ihrem bisherigen Gleichmut gerissen, und es ist nun eine Aktion im Zuge, diesem Uebelstande in einer geeignet erscheinenden Form abzuhelfen. Man kommt allmählich zur Ueberzeugung, daß die falsche Auslegung des Liberalismus, der besonders die politisch führenden Juden Ungarns zu wahren Fanatikern der Irreligiosität gemacht hat, zu einem vollständigen Verfalle der jüdischenGesellschaft Ungarns führen müsse, besonders wenn man berücksichtigt, daß diese selbe Gesellschaft auch zu den fanatischsten Bekämpfern der Einwanderung von Juden aus dem Osten, die noch in gewiffem Sinne ein Reservoir bilden, gehören. Divse Mischehen und ihre Konsequenzen sind die auch äußerlich wahrnehmbaren Formen des inneren Zerfalles der sogenannten jüdischen Intelligenz Ungarns: In nicht viel geringerem Maße vollzieht sich auch der direkte Abfall vom Judentums durch den Uebertritt zu einer anderen Glaubensgemeinschaft oder zur KorEesfionslosigkeit. Die Zahl der Aus- und Ueoertritte wird in Ungarn von Tag zu Tag größer, was umso schwerer ins Gewicht fällt, als es sich hier ausschließlich um autochthone magyarifiert^Juden und nur in seltenen Fällen um eingewanderte Juden handelt. gtstßUmfr. Brief aus Petersburg. Petersburg, 24. Juli. Die neue Aera der Judenbedrückung kündigte sich zunächst durch eine Reihe von Untersuchungen und Enqueten über in ZweifÄ gezogene Wohnrechte der Juden in verschiedenen Gegenden des Reiches an. Bevor aber diese Arbeit vollendet ist, entschloß man sich doch jetzt in der Verwaltung zu einer mutigen Tat, die beweisen soll, daß die Androhungen keine bloßen Schreckschüsse sind, sondern bitter ernst zu nehmen sind. Man schloß mit einem Federstrich sämtliche jüdischen Literaturvereine im ganzen Reiche, mit der Begründung, daß sich die Arbeiten dieser Vereine nicht immer genügend überwachen lassen und deren staatserhaltender Charakter in Frage stehe. Man wird von Mischer Seite diesen Vereinen nicht viel Tränen nachweinen. Ihre Leistungen waren nicht weit her, und das Wenige, das sie boten, konnte die gesetzestreuen Juden nur selten befriedigen. Gleichwohl ist diese so ganz unbegründete Maßnahme der Verwaltung von symptomatischer Bedeutung und kann uns als solche nicht gleichgiltig sein. Der Verband der jüdischen Literaturveretne in Rußland ist 1908 auf Veranlassung mehrerer jüdischer Schriftsteller durch Bereinigung aller im Lande befindlichen und Gründung neuer jüdischer Literaturvereine ins Leben getreten. Der Verband umfaßte am Tage seiner Arbeitseinstellung 96 Ortsgruppen in allen größeren Städten des Judenrayons. Die Haupttätigkeit der Vereine bestand in der öffentlichen Behandlung von aktu-