Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-07-27 · Heft 30 (27.7.1911) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 30 (27.7.1911)
Date
1911-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448834--66757-2494935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ttt lo* lNg jüum »er es htals itte hte des )ße re geloß m* >ätrur >aß mg ms ut- )er rat Seit nk- 191 nd er- )er ein, nr, jer en )er ^- •■ '. ' >vVs*.‘.;'V® ''JSÄR-. - _ . j :r Ä)et d»möt ■ ■ , T/', ’ .H*. §ö» schichtSsihreibev deS Adischen Volkes gerade in einem Augenblicke, in dem er durch die Verbrettung tendenziöser Rundschreiben über den Gemeindetag mit der Sicherung seines Nachruhms als Gemeindebundpräses beschäftigt ist, von seinen Intimsten so schonungslos um wichtige weltgeschichtliche Verdienste betrogen werden soll — aber dies allein hätte uns doch nicht veranlaßt, von dem possierlichen Wettkampf um Klios Gunst Nottz zu nehmen. Es sind vielmehr einige Nebenumstände, hie an der Fuchs'schen Veröffentlichung interessieren, und die hier kurz festgehatten werden sollen. Fuchs schreibt: „Ich sprach von vornherein den Gedanken aus, baß unS Männern vom Zentralveretn mit Protestversammlungen und Judentagen nicht geholfen: sei. Um solche zu veranstalten, bedürfe eS keiner neuen Organisation. Das mache der Zentralveretn selbst völlig ausreichend und wirksam, was unS fehle, sei eine Gesamtvertretung der deutschen Juden. Wenn es zu einem Judentage komme, werde die Frage einer Herbeiführung der israelitischen Tesamtvertretung , auch nicht umgangen werden können und deshalb müsse man auch mit denen Fühlung nehmen, die für die Herbeiführung einer staatlichen Organisation im Kultusministerium tätig gewesen wären Schon Jahr und Tag vorher war ich nämlich für den Gedanken etngetreten, eine Gesamtvertretung der deutschen Juden zu schaffen. Ich hatte ihn, alS ich als Delegierter der Jüdischen Gemeinde den Vorsitz auf Sem 8. jüdischen Gemeindetag am 16. Oktober 1891 führte, öffentlich vertreten, ihn dann wiederholt und eingehendst mit einer ganzen Reihe von namhaften Männern der deutschen Judenschast besprochen. Auf meine Veranlassung ist der Gedanke der Gesamtvertretung tmFrühjahr 1910 dem Kultusminister vorgetragen und in einer Denkschrift ausgenommen worden, die auch von Philippson unterschrieben ist. Sie lag also vor der ersten Veröffentlichung des Judentag- Gedankens. Gerade das hat mich bestimmt, immer wieder hervorzuheben, die Frage der Herbeiführung einer israelitischen Gesamtvertretung könne nicht umgangen werden, wenn eS zu einem Judentage komme. Breslauer äußerte sich ablehnend, er wisse nicht, waS alle diese Dinge mit dem Judentage zu tun hätten. Ich votierte dann damals unter dem 36. Juni 1900: „WeSbalb ich Gewicht auf die Fühlung mit dem KuluSmtnisterium lege, habe ich angedeutet, mehr kann ich vor der Hand schriftlich nicht sagen." Der innige Zusammenhang zwischen den Bestrebungen, eine vom preußischen Kultusministerium reffortierende religiöse Zwangsorganisation zu schaffen, und dem „Verband der deutschen Juden" erfährt durch diese Bekenntnisse, trotzdem sie sich in teilweise mysteriösen Andeutungen bewegen, eine neue kräftige Beleuchtung. Neben dem „Zentralverein", der für die Vertretung;der staatsbürgerlichen Rechte der Juden vollkommen ausreicht, konnte der „Verband" im wesentlichen naturgemäß gar kein anderes Arbeitsgebiet finden als die Vertretung religiöser Angelegenheiten, also gerade solcher Dinge, die den deutschen Juden zugestandenermaßen nicht gemeinsam sind. Öder sollen die Juden etwa als nationale Gemeinschaft in Deutschland vertreten werden? Daran hat gewiß kein Mensch gedacht. ' Auffallend und der Aufklärung bedürftig ist nur der Umstand, daß gerade Justizrat Fuchs im „Verband" anfänglich ein Vehikel zur schlietzlichen Förderung der preußischen Zwangsorganisation erblickt zu haben scheint, derselbe Mann, der bei der offiziellen Gründung des „Verbandes" ausdrücklich erklärte, der „Verband" werde sich mit der preußischen Zwangsorganisation nicht befassen und der nur durch diese Erklärung einige gesetzestreue Herren für den Anschluß an den Verband gewann. U. A. w. g. Als ob es aber gelte, die Unmöglichkeit der vom „Verband" erträumten gemeinsamen konfessionellen Interessenvertretung der deutschen Juden an einem aktuellen Beispiel zu demonstrieren, läßt die grüne Allgemeine Zeitung des Herrn Geheimen Regierungsrates Professor Dr.. Ludwig Geiger gleichzeitig mit dem Erscheinen der Fuchsschen Mitteilungen einen wütenden Leitartikel gegen die jüdische Volksschule los und gegen die „idealen Stürmer" von Lehrern, die sich erlauben, für die (jüdische Schule einzutreten! Der Artikel trägt zweifellos durchaus den Anschauungen des „liberalen" Teiles der deutschen Judenheit Rechnung, wenn er den Lehrern ein derbes „hands off" zuruft und in der „separatistischen" jüdischen Schule eine Rückkehr ins Mittelalter, eine Art Verrat am Judentum erblickt. Gllt doch jenen Kreisen die ungetrübte bürgerliche Gleichberechtigung altes, ob auch von den Brosamen, die vom Tische dieser glühend ersehnten staatsbürgerlichen Ehre abfallen, eine auf einige poetische Reminiszenzen reduzierte sogenannte „jüdische Religion" sich kümmerlich nähren darf. Für diese Sorte Religion genügt in der Tat die „Religtonsschule", für diese Reltgton genügt auch der „Verband", der mit Pathos für die kleinlichsten Aeußerlichketten, mit vorsichtigem Jonglieren aber für und gegen die jüdische Volksschule und ähnliche rituelle Rückständigkeiten eintritt, und der dann schließlich der Staatsbehörde gegenüber als organisiertes Judentum auszutreten wagt! Aber auch für Juden, für die Bekenner des geschichtlichen Judentums, denen ihr Judentum alles, der Glanz äußerer Ehren höchstens ein erwünschtes Plus der Lebensgestaltung ist?; Möchten die ehrlichen Männer an der'Spitze des „Verbandes" diese Frage sich selbst beantworten. Nus dem bände der Freiheit. Zu oft und zu laut wird in letzterer Zeit von den kettenden Staatsmännern in Amerika betont, daß die Juden gleichberechtigte Bürgers e te n, daß sie sich um'v Staat und Kultur verdienst gemacht, daß sie aller Ehren und.Aemter würdig seien usw. usw. Und das ist einigermaßen verdächtig. In Amerika, diesem vielbesungenen Schmelztiegel der Nationen, da wo spekulative Geistliche — „jüdische" und christliche — e& fertig gebracht haben, selbst Synagoge und Kirche ihres konfessionellen Charakters zu entkleiden, müßte doch, so sollte man meinen, die jüdische Gleichberechtigung zu den Dingen gehören, von denen man am wenigsten spricht, weil man sie als unbestrittenes und unveräußerliches Eigentum besitzt. Man wird indeffchn in dieser Annahme etwas unsicher gemacht durch die Tatsache, daß in einem Zettraume von einem Vierteljahre der Präsident der Bereinigten Staaten Amerikas es wiederholt für notig gefunden Hütte, öffentlich die Bürgertugenden der Juden zu loben und seiner Freude über die politische Gleichstellung der Juden Ausdruck zu verleihen. Und in der Tat lag jÄesmal ein besonderer Grund dafür vor. Zuerst tat er es am 16. Mai in seiner bekannten Rede in der Bne B r t t H-L o ge, in welcher er bei fcharfer Verurteilung der auch in Amerika vorhandenen judeureinen Klubs einiges über Selbstachtung und „die Fähigkeit, sich über seine kleinhirnigen und enggeistigen Kritiker erhaben zu fühlen" sagte, das man sich auch in gewissen „großjüdischen" Kreisen in der neuen wie in der alten Welt merken sollte. Der zweite Fall ist jüngsten Datums ünö betrifft einen jüdischen Schneidersohn, der den Berus in sich fühlte, Offizier zu werden, vom zuständigen Obersten — er hat den bezeichnenden Namen: Garrad — aber mit dem gutpreußtschen Schema von dem Mangel an achtunggebietender Haltung zurückgewiesen wurde. Da mußte schon der gute Taft mit eisernem Besen hineinfegen. Die Rüge an den so wenig amerikanischen Herrn Oberst — wir haben von ihr in vorletzter Nummer Notiz genommen — fiel ziemlich gesalzen aus und das Pstästerchen an die Verletzten, in Form eines neuen Vertrauens^ Votums des Präsidenten für die amerikanische Judenheit war reichlich bemessen. Damit konnte aber der letztere Fall nicht sein Bewenden haben. Er hat vor allem zur >rerin :ren >er r? r? ltzt tut es m uh tt; ist :it >ch lk- “m Ln ld ds en id »rlld ick U" en es K* rt ns »te rs Land sehen, zu dessen Küste sich das Schiss jetzt mühsam den pfadlosen Weg bahnt. Vielleicht ists besser für dich, kleines, armes Channele. — Lange, lange habe ich unter den Drei gesessen; vielleicht bis Mitternacht. Stunden des Frohsinns sind gewiß kürzer, als Schicksalsstunden, die dem Tode vorausgehen. Bevor ich mich niederlege, begebe ich mich noch einmal auf Teck. Das Meer ist ruhiger geworden, der Himmel wolkenfrei, die Luft mild, und große und kleine Sterne blinken herab. Ueber dem Meere liegt eine unbeschreiblich schwarze Finsternis. Da sehe ich deutlich in der Nähe Lichter blitzen und im Wasser wieder verschwinden. Nur ein grünes, hochragendes taucht hinter den Wellen nicht unter. Tin Schiff, das uns begegnet. Auch dieses Schiss findet durch Nacht und Graus sein Ziel. Es erweckt ganz eigentümliche Gedanken, wenn man Nachts einem Schiss auf dem Meere begegnet, wo man, abgeschnitten von der ganzen übrigen Welt in einer ewig bewegten ungeheuren Einsamkeit auf einen kleinen Raum begrenzt ist und nur Wasser und Himmel sichtbar sind. Mir fallen die schwermütigen V^rse eines Longfellowschen Gedichtes ein, von Schissen, die sich bei Nacht begegnen. Lange liege ich schlaflos in meiner Coje, unablässig von dem Bilde verfolgt, in denl kleinen .Hospitalraum auf dem Schiff. Ob klein Channele die Nacht noch durchleben wird? Mir klingt Leib Friedmanns Seufzen in der Seele nach, der wimmernde, leise Schlasgesang der kleinen russischen Mutter, das Aechzen den Kindes; ich muß an meine tote Mutter denken, wie stets in der Nacht, so auch hier auf dem gewaltig rauschenden Meer und wie sie einst an meinem Bette saß und mit mir betete: die gleichen Worte, die die kleine Russin ihrem Kinde vvrsang. Und die schwermütige Melodie verfolgt mich und bohrt sich förmlich in mein Denken hinein. Noch im Halbschlummer sehe ich den schwankenden, unheimlich hinter dem kleinen Weibe auf- und niedersteigenden Schatten, der in phantastischen Konturen bis zur Decke emporsteigt. Und während ich zwischen Wachen und Schlafen daliege, steigt ein unsichtbarer Passagier, auf unsichtbarem Steg, durch Nacht und Wogengebraus an Bord. Morgen wird sein Name allerdings nicht in der Liste der Passagiere, wohl aber im Logbuch stehen; der neue Passagier heißt — der Tod. (Fortsetzung folgt.) Web« racbum. Ein Traum in der Sommerfrische. Bon S. I. L. Sabbat ist im Scheiden. Immer tiefer senken sich die Schatten des Abends herab und hüllen den vor dem Muse befindlichen Garten in ein geheimnisvolles Dunkel. Allmählich verliert das Auge seinen sicheren Blick; es vermag kaum mehr die einzelnen Baumstämme genau zu unterscheiden. Es scheint, als wären es viele knochige Gestalten, die vom schwachen -Abendwinde hin und her bewegt, eifrig beten. Doch sieh' die dunklen Gestalten dort, das sind ja wirklich lebende Wesen, die leise zwischen den Bäumen sich fortbewegen. Ich zähle, eins, zwei -— bis acht. Zwei Nenhinzugekommcnc gesellen sich gleichfalls zu ihnen, nachdem sie vorher gleich das Losungswort „Gut-Schabbos" einander sich zugerufen. Bleich und finster blickt ihr Antlitz, oder ist's vielleicht des Abends Dunkel, das sich daraus legt? Jetzt tut die Pforte sich auf, die in das kleine Häuschen führt und langsam verschwinden sie dahinter. Still ists wieder und nur der Wind bewegt sich in den Bäumen. Ich war allein. Eine unüberwindliche Neugierde hatte mich erfaßt, ich mußte es erfahren, wohin jeny Männer sich begeben, was sie im Schilde führen. Etwas Gutes sicherlich nicht, braucht Gutes der Menschen Angesicht zu fürchten? Nur das Unrecht scheut das Licht. Ich mußte es erfahren — auf jede Gefahr hin. Rasch und lautlos schlich ich ihnen nach, und .kam noch gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie sie nun mehrere Stufen in die Tiefe steigen. Ich vernahm das Oeffnen einer schweren Türe, hastig drücke ich mich an die Wand und schlüpfe mit ihnen ins Gemach. Der Schlüssel dreht sich im Schlosse >— id) bin eingeschlossen. Jetzt erst kommt die Bedeutung und Tragweite meiner Handlung mir zum Bewußtsein. Welche Gefahren mußte eine Entdeckung für mich bringen —; deutlich glaubte ich das gewaltige Pochen meines Herzens zu vernehmen. — — Doch unbemerkt wie ich hiueingelangt, bleibe ich auch weiter zusammcngekauert in einer neben dem «Eingänge befindlichen dunklen Nische. Nach und nach gewöhnt sich mein Auge an das Dunkel und ich sehe mich in einem engen, kahlen, kellerartigen Raume. Kaum, faßt er die kleine Schaar, der Anwesenden. Durch ein einziges niedriges, vergittertes Fenster, dringt ein matter Schimmer des draußen herrschenden Dämmerlichtes herein und zeigt mir neben einem kleinen Schranke, idem einzigen Möbelstücke, einen hochgewachsenen, hageren Greis,,, dessen Silbcrhaar geisterhaft vom Dunkel sich abhebt. Jetzt holt er aus dem Schranke ein Buch hervor; doch bevor ers aufschlägt, zieht er dasselbe andächtig und voll Ehrfurcht an seine Lippen. Tie Uebrigen verfolgen aufmerksamen Auges jede seiner Bewegungen. Er mutzte gar wunderbar vertraut sein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.