Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1911)
- Date
- 1911-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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». FuN 19U *<*>+ W*JV P>^JW*J. Der FSraeltt Presse Glauben schenkt, zum guten Teile darauf zurückzuführen, daß man den Anschluß an ihre jüdischen Herzen zu wenig suchte,' datz man gar keine Miene machte, an den Verhältnissen, die die Einwanderer zwangen, sich ihr Brot um den Preis eines Teiles ihrer religiösen Ueberzeugung und Lebensgewohnhetten der Heimat zu erringen, etwas zu ändern. Die Alten empfanden es bitter^ die Jungen — und das ist noch ungleich trauriger — empfinden es weniger, haben aber, wie schon bemerkt, nicht minder das brennende Bedürfnis, sich von der Herrschaft der Verwaltung zu emanzipieren. Und sicher hätten die Jcaverwalter nicht gegen die Intentionen des edlen Spenders gehandelt, wenn sie auf Grund dieser Erfahrungen die ganze Verwaltung und besonders das Schulwesen mehr in ein jüdisches Fahrwaffer gelenkt hätten. Denn Absatz h im § 4 der Statuten der Stiftungsurkunde lautet ausdrücklich: „Auch in anderer Weise als hier angedeutet ist, sei für die Ausbildung und Erziehung der Einwanderer zu wirken, wie es den hier genannten Bevollmächtigten, deren Nachfolgern und den Kommissionen jeweilig zweckmäßig erscheinen sollte." Ist dies geschehen? Nach Berichten von Augenzeugen nicht. Und der offizielle Bericht weiß nur von 50 Schulen mit 155 Lehrern zu melden... Es ist von der Jca wahrlich nicht zu verlangen, daß sie einen nach Hunderttausenden zählenden jüdischen Bauernstand aus der Erde stampfe, wohl aber hat die jüdische Oeffentltchkeit ein großes Interesse daran zu erfahren, welcher Art ihre Pläne und Versuche waren, die zu diesem — man darf es mit Rücksicht auf ihr erstes, vielverheißendes Programm und die verwendeten Millionen getrost so nennen — Fiasko geführt haben, und auch ein moralisches Recht, Auskunft darüber zu verlangen, inwiefern diese minimalen Erfolge den Grund zu einem jüdischen wirtschaftlichen Gemeinwesen legen. An dieser Auskunft läßt man es eben auch im 20. Berichte fehlen. Es sind tote Zahlen, die nichts besagen. Koch-mitn-schait. Marokko. In einem bemerkenswerten Artikel der „Kölnischen Zeitung" wird nach einer scharfen Zurückweisung der Darstellung der Alliance JSraelite, als sei es immer nur die französische Regiernng, die die Juden Marokkos in politisch bewegten Zeiten in Schutz nehme, den von der Alliance unabhängigen jüdischen Verbänden in Deutschland zur Pflicht gemacht, mehr als bisher im Interesse der Juden in Marokko und anderen Ländern und damit zugleich auch im Interesse der deutschen Sache zu wirken. Für die Bereitwilligkeit der deutschen diplomatischen Vertreter, die jüdischen Verbände darin weitgehendst zu unterstützen, führt das Blatt u. a. folgende Beispiele aus der letzten Zeit an: „Wie zum Schuh der Deutschen in Fez, so har der deutsche Konsul Tr. Bassel während der letzten Unruhen die marokkanische Regierung veranlaßt, vorbeugende Maßregeln auch zum Schutze der Juden zu treffen, und zwar der deutsche Konsul allein. Tie anderen Konsuln weigerten sich, irgendwelche Schritte zu tun mit der Ausrede: die Juden wären als Marokkaner zu betrachten und müßten sich in ihr Schicksal fügen wie die anderen. Nun ja, die Juden sind wohl Marokkaner, solange Ordnung im Lande herrscht. Mit dem Augenblicke, wo die Volksmasse freie Hand bekommt, hört aber für sie der Jude auf, Mensch zu sein, da wird er als Schlachtopfer dem Zorn des Pöbels ausgeliefert. Mit dem Augenblicke, wo französische Truppen sich nach Fez in Bewegung setzten, war aber zu befürchten, daß in Fez die Erregung so stark werden, würde, daß kein Halten mehr möglich sei. In dieser Erwägung verwandte sich Konsul Vasfel rechtzeitig bei der Regierung und bestand auf wirksamen Vorsichtsmaßregeln, die er ausgearbeitet hatte, um gegebenenfalls Plünderern und Metzeleien im Judenviertel vorzubeugen, was dank seinem energischen Auftreten auch vollständig gelang." Ferner erzählt die „Kölnische Zeitung": „Als die Europäer -jn Fez nach der Beschießung Casablancas beim Ausbruch der revolutionären Ereignisse die Hauptstadt verlassen mußten, da beschlossen der französische und der englische Konsularvertreter, die Reise nach der Küste am Samstag anzutreten, um die Juden nicht mitnehmen zu müssen. Ter deutsche Konsul verschob daraufhin seine Reise um einen Tag, aus den Sonntag, so daß die deutschen, französische und englischen jüdischen Schutzbefohlenen unter seinem Schutze reifen konnten. Nach der Beschießung Casablancas kümmerte sich in der teilweise in Trümmer gelegten Stadt kein Franzose, auch kein Konsul, um die im Mellach (Juendviertel) zurückgebliebenen ärmsten Juden. Deutsche waren es, die unter die hungernden Juden im Mellach von Casablanca zuerst Nahrungsmittel und Geld verteilten. Später trafen Abgesandte der Alliance aus Tanger ein und halfen wirksam. Hunderte von flüchtigen -Juden nahm der deutsche Dampfer Arkadia damals aus. Rührend war es, als die Leute von dem braven Kapitän Abschied nahmen und ihm ihren Dank aussprachen: „Ihr Deutsche seid die einzigen, von denen wir Güte empfangen haben." Zum Schlüsse erwähnt das Blatt eines Dankschreibens der israelischen Gemeinde inMogadar, in dem in rührenden Worten für die Hilfe gedankt wird, die Hamburger und andere auch scheinen mochte, so folgten sie ihm doch mit so treuer Hingebung, baß noch ein spätes Prophetenwort diese liebende Anhänglichkeit auS Israels Jugendzeit feiert und ihr bas bauernde göttliche Gedächtnis zufichert. (Jeremta Kap. 3, B. 2.) Go schienen auch die Züge der Wanderungen des zerstreuten JSraelS inmitten der eS umgebenden BSlker den Wanderern oft als Irrfahrten, die fie dem ersehnten Ziele eher entfernten als nähetten. Heute noch sorglos, sicher auf dem zur zwetten Heimat geworbenen gastlichen Boden, scheuchte plötzlich ein AuSweisungSdekret die Betroffenen in die unwirtliche Ferne. Was dem namenlosen Weh der Exulanten dm Stachel nimmt, ist lediglich bas Bewußtsein, daß fie 'n 'ß bp für Gottes Sache leiben und wandern. DaS laßt fie in dem steten Wechsel die Ruhr, auf der ewigen Wanderung Rast finden, das gab und gibt ihren flüchttgen Wanderzelien und ihren Bewohnern die heitere Zuversicht, wie man fie sonst in fest gezimmerten quaderstetntgen Bauten vergeblich sucht. um 'n "v bp 1.12 2121 11'2? rmtp ini&Vbrr (n;/2 i'2Np) w iraps wo*» 'n 'v bpi Eine andere Eigentümlichkeit deS Wüstenzuges war, baß die Väter oft Völkerschaften, die ste längst verlosten hatten, wieder aussuchm mußten, was ihnen doch offenbar als ein Rückschritt und Entfernung von dem Lande ihrer Verheißung erscheinen mußte. Das Normale ist, daß der Aufbruch zum Wettergang fühtte, das wäre DmtfDÖ*? 0.T8X1Ö- Wenn aber der Weiterzug wieder zurück zur Stätte deS Aufbruchs führte, so waren dies O1'8L1!2*7 OHTDÖ» Beide verzeichnet Moscheh auf göttliche Weisung. Bekundet doch die letztere Art der Wanderung, die auf Gottes Geheiß selbst dmtjenigen Folge leistet, waS tn aller Augen als Rückschritt gilt, noch tn höherem Grade die vertrauensvolle Hingebung eines ganzen Volkes an Gottes Leitung unter der bewährten Führung ein s Moscheh und Ahron. Auch tn späterm Zeiten hat es vis auf unsere Tage nicht a» solchen rückläufigen Bewegungen gefehlt. Ihnen gegenüber nicht die Hoffnung und nicht den Mut zu verlieren, ist vielleicht die schwerste Ausgabe, die JSrael auf seinen Zügen wartet. Daß auch diese rückwärts führende Strömung stch auf Gottes Geheiß vollzieht, muß diejenigen, die darunter leiden, voll und ganz erfüllen, wenn ste ihm dm heiteren Lebensmut nicht trüben soll. Aber selbst der augmschetnliche Rückschritt ist Fortschritt, sobald er auf Gottes Geheiß erfo.'gt und der glänzende Fortschrttt ist Rückschritt, sobald er stch gegen dm ausgesprochenen Gotteswtllm geltend macht. Das haben selbst diejenigen erfahren, die dem Leben tn der Wüste gram, Moscheh und die Bundeslade verließen, um auf etgme Foust den Weg tnS gelobte Land zu suchen und cS gram ’ß zu erreichen glaubten. „Der Amalekiter und der Kananiter kam herab, der tm Gebirge wohnte, ste schlugen und zermalmten ste bis Choram." Wie einst in de c Wüste, so muß auch auf den Zügen deS heutigen Israels die BundeSlade Gottes unseren Fortschrttt letten. Sie wartct daher auf ihre Träger, die ihr mutwillig dm Rücken kehrten. Sie blieb und bleibt doch der einzige Halt für die von den Amalekitcm und Kananitem Zurückgewtesenen. Ohne fie wird das gelobte Land nicht erreicht, dessen Verlust wir in diesen Tagen faste, d und trauemd gedenken. Ohne daß die Bundeslade ihnen vorangeht, ohne daß fie de i Spuren folgen, die das Gesetz ihres Lebens ihnen vorschreibt, finden ste die Ruhe nicht, welche fie rastlos, erfolglos suchen. Erst mtt der Rückkehr zur Thora folgt die Heimkehr tn daS Land unserer Verheißung, erfolgt die Verwirklichung deS Prophetenwortes: deutsche mit Marokko arbeitenden Firmen auf Veranlassung der Deutschen Mogadars den armen Juden und Marokkanern Mogadars geleistet haben. Als im Anfang dieses JahreS infolge Mißernte im Hinterlande von Mogadar dort entsetzliches Elend herrschte, da brachten die deutschen Marokkofirmen in Kürze 2250 Duros (zu 4 Mark) auf. Diese Summe sei zu gleichen Teilen für die Marokkaner und die Juden verwandt worden. Der Not fei dadurch wirksam gesteuert worden. Ohne uns die ferner im Artikel gegen die französische Regierung erhobenen Anklagen, daß fie bei der Hilfe, die fie gelegentlich den marokkanischen Juden angedeheihen läßt, ausschließlich ihre eigenen Interessen verfolgt, zu eigen zu machen, halten wir es doch für sehr wichtig, daß die Angaben des tn marokkanischen Dingen gut unterrichteten Blattes zur Kenntnis weiter Kreise gebracht werden. Denn einmal wird dadurch das etwas monopolistische Pattonat, das die Alliance seit jeher mtt Hilfe der französischen Behörden über die Juden in Marokko fitr sich in Anspruch nimmt, in ein neues Licht gerückt. Dann aber eröffnet sich damit bei der Neugestaltung der politischen Dinge in Marokko für die deutschen Hilfsorganisationen tn der Tat ein neuer Weg, auf eine Besserung der Lage der Juden in Marokko hinzuarbeiten. £biefrabbi Dr. Adler b"BT., London, 18. Juli. Man hat es mit langfamett und sicheren Schritte kommen sehen, und da es nun eingetroffen ist, fühlt sich doch die englische Judenheit tn all ihren Teilen und Schichten wie von einem harten plötzlichen Schlag betroffen. Seit Monaten wußte man es, daß der Chiefrabbi von einem schweren Leiden befallen sei, das sich nicht mehr zurückdrängen ließ. Der Kranke selbst wollte freilich von Ruhe und Schonung noch nichts wissen und oblag seinen gerade in letzter Zeit sich immer schwieriger gestaltenden Amtspflichten mit ungeschwächter Kraft und gewohnter Energie. Das täuschte manchen über feinen wahren Zustand hinweg. Als sich heute Morgen daher die Kunde vom Tode des Chiefrabbi wie ein Lauffeuer durch die Stadt Bahn machte, war die Trauer so tief und so allgemein, daß alle Fragen des öffentlich jüdischen Lebens vor diesem schmerzlichen und in seinen Folgen für die englische Judenheit so bedeutungsschweren Ereignis scheu zurücktreten. Dr. Hermann Adler war im Jahre 1839 als Sohn des Oberrabbiners in Hannover, ’bwti oixi Tan duc mtax 'i iv8 12 ptrtrb mim mib mm nwn mxi ■’jrwn üiLi .Mn oi^rm riv8.ii v'2iv anpinbi inorr^i „So hat der Gott Zebaoth gesprochen: DaS Fasten des vierten, das Fasten des fünften, das Fasten der siebenten und bas Fasten des zehnten (MonatS) wird dem Haufe Jehuda zur Wonne, zur Freude Und zu Festtagen werden, aber die Wahrheit und dm Frieden liebet " lSecharja 8, 13.) Aleine» Feuilleton. LI« Meerergrab. Bon Arthur Sah«. (Fortsetzung.) III. Ein hoher Seegang hat, bis auf ein halbes Dutzend von beii 8ö Kajütepassagirren, alle medergcstrcckt. Herren wie Tamen, Einkäufer und Importeur, Weinhändler und Opernsänger, die Talmi- und ächten beiden Barone, selbst die Gattin des amerikanischen Multimillionärs mit ihrem bildschönen etwas kapriziösen Töchterchen, erscheinen nicht beim Frühstücks tisch, nicht zur Mittagstafel, nicht zum Abendessen. Sie liegen stumpf und willenlos in ihren Kojen. Bei einem Gang durch die Laufgänge, wenn sich das Schiff bald