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Der Israelit · 1911-07-13 · Heft 28 (13.7.1911) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 28 (13.7.1911)
Date
1911-07-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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: T-Z-'rl&Lr~“' :f; töte es Heh^fft, doch nun war sie Del/konnte ümS sie wollte, hatte keknen Menschen um 'der Brüder- „säg', fch liege ihn bitten -raber komm' du wieder mit." fe EBrl* euiueton. Historischer Roman von Sara Gngenheimer. (Fortsetzung.) „Na ja, sagte er mild, bis dato ist die Muhme gut zu dir gewesen, jetzo werden die Klosterleute gut zu dir sein. Und langweilen wirst du dich auch nicht, allerhand Arbeit gibt'S bei uns, die dir gefallen wird, besonders im Garten, wenn das Obst kommen wird, davon wirst dir nehmen können so viel als du willst, und jetzt die kleinen Itadieschen, die roten und die weißen und der Schnittlauch und die Kressen. — Komm, Dickt, sei gescheidt laß' uns gehen!" Liah hatte sich langsam erhoben, wie es schien, im Begriffe, der Aufforderung des Geistlichen zu entsprechen, dann aber blieb sie wieder stehen und fuhr sich nochmals und abermals mit der Hand über die Stirn. „Ich danke euch, ehrwürdiger Brüder — aber es sieht hier gar so arg aus, wenn die Muhme hereinschauen könnte, würde sie sich sehr ärgern, darum möchte ich vor allem hier aufräumen, Ordnung machen." „Die Muhme wird nicht herein schauen und wird sich nicht ärgern" versetzte der Geistliche lachend „aber du bist ein guter Kerl und ich hätte nichts dagegen, daß du hier Ordnung machst, aber essen mußt du auch." „Ich werde auch essen, es sind noch genug Vorräte im Haus, und dann muß ich auch den Ziegen Futter geben und vor Abend muß ich sie melken" „Nun, dagegen habe ich nichts, aber vor dem Abendläuten mußt im Kloster sein. Merk' dir das, Bub." Sie begleitete ihn bis zur Haustür und nachdem er sich entfernt hatte schob sie den Riegel vor, denn sie wollte gegenwärtig allein sein, wollte nicht gestört werden. Während ihrer Unterredung mit dem Geistlichen war es ihr doch allmählich klarer im Kopf geworden, sie konnte wieder denken und fühlte sich wieder behaglich und fähig, ihre Lage zu überschauen. Wieder wie vor sechs Jahren stand sie allein in der Welt, unter Nichtjuden, die sie ihre Abstammung nicht ahnen lassen durfte und wieder wie vor sechs Jahren sprach sie laut ihr Gelöbnis aus, nie etwas zu tun, was ihr Beiter ihr als verboten bezeichnet hatte. Damals hatte ihr Gott geholfen und sie hoffte auch jetzt mit Zuversicht auf seine Hilfe. „Lisclmosch.o kiwisi haschem!“ flüsterte sie wieder und wieder in sich hinein. Aber was sollte sie nun beginnen? Vor dem Abendläuten mußte sie im Kloster sein. Das hatte sie versprochen und ihr Wort mußte sie unter allen Umständen halten, durfte überhaupt keine Abneigung gegen das Kloster zeigen, sonst hätte sie das Mißtrauen der Brüder erregt. ES war zwar noch nicht ihr Plan gewesen, aber ihr sehnlichster Wunsch, wenn die Muhme sich wieder verheiratet hätte, deren Zustimmung zu erlangen, -aß sie in ihrem Nachen fortfahren dürfe, um Glaubensgenossen aufzusuchen. Ob sie die Zustimmung der Muhme erlangt haben würde, wußte sie zwar nichts aber apbuis zu fragen. — Sie atmete hoch auf, sie fühlte ftflch so frei, so leicht, und nun war auch sehr bald ihr Entschluß gefaßt, was sie. so lange ersehnte, sie wollte es demnächst zur Ausführung bringeh. Doch nur mit Vorsicht, mit großer Vorsicht, denn die güte brave Frau, die sie so innig geliebt, an die sie mit innigen Dank stets denken^ mußte, hatte , ihr in ihrer liebevollen Vorsorge die Ausführung ihres Planes, an dem das Heil ihres Lebens geknüpft war, überaus erschwert. Der Bruder Küchenmeister fühlte sich verantwortlich für sie, er durfte daher nicht ahnen, , daß sie die Absicht hatten sich seiner Fürsorge ru entziehen, sonst hätte er ohne Zweifel Mittel " und Wege gefunden, sie daran zu hindern. Me hielt es für das richtigste, mit ihrer Flucht Zu warten, bis man sie auffordern würde, für ball Kloster Fische zu fangen, dann glaubte sie sicher zu sein, daß Man sich während des ganzen Tages, vielleicht bis in die Nacht hinein, und dann doch erst recht nicht um sie kümmern, würde, dann hatte sie, falls man nach ihr forschen sollte, jedenfalls einen bedeutenden Vorsprung. Wie,das Herz ihr pochte, wenn sie sich das alles vergegenwärtigt. — Vorhin so mutlos, kaum imstande, einen klaren Gedanken zu fassen, hatte sie jetzt ihre volle Tatkraft wieder gefunden und glaubte die Stunde der Ausführung ihres Planes kaum erwarten zu können. Das Warten war aber in der Tat keine so leichte Aufgabe, namentlich da sie außer Brot und Früchten im Kloster nichts genießen wollte, sie mußte von dem Bruder Küchenmeister die Erlaubnis zu erlangen suchen, die Speisen, die sich noch in ihrem Hause befanden, dort aufzehren zu dürfen. Zu diesem Zwecke hielt sie es daher für notwendig, ihm in jeder anderen Beziehung pünktlichen Gehorsam zu zeigen. Noch vor Beginn des Abendläutens befand sie sich im Kloster und trat in die ihr bekannte Zelle ihres gegenwärtigen Beschützers. „Ah, da bist du ja! Und auf die Minute, gerade jetzt fängt man an zu läuten, schau, Bub, das gefallt mir. Liah sagte verlegen und stockend: „Wenn es Euch recht wäre, möchte ich immer Mittags und Abends hinübergehen, mir dort mein Essen kochen, solange der Vorrat reicht." „Wenn dir gär so viel daran liegt, kannst es meinetwegen tun, und wenn du alles aufgegessen hast, dann verkaufen wir das Häusel, ein Käufer wartet schon darauf. Aber jetzt kommst hinüber in die Kapelle und dann kannst schlafen gehen. Morgen heißt's bei Zeiten aufstehen und wieder in die Kapelle gehen, ich werd' an deine Tür klopfen, wenn es Zeit ist." Durch die Klosterglocke ward Liah am folgenden Morgen in der Tat zeitig geweckt. Rasch erhob sie sich, kleidete sich an und wartete nun auf das Klopfen an ihrer Tür, das der Bruder Küchenmeister ihr in Aussicht aestellt hatte. Aber sie wartete vergebens, doch statt des Klopfens glaubte sie hin und wieder eiu Aechzen zu vernehmen und dazwischen ihren Namen „Dickt! Dicki!" — Aber sollte sie sich nicht doch täuschen? Sie trat hinaus und lehnte das Ohr gegen die Tür der anstoßenden Zelle. Dann öffnete sie rasch die Tür und trat ein. „Ihr habt mir gerufen, ehrwürdiger Bruder? Ihr fühlt Euch nicht wohl?" Der Geistliche stöhnte und bat um Wasser. Liah hob ihm mit der einen Hand den Kopf ein wenig, während sie ihm mit der anderen den Krug mit Wasser an die Lippen hielt. Er trank hastig und atmete dann, für den Moment sichtlich erleichtert, auf. „Ach, das hat gut getan — du bist ein braver Bub. Rufe den Pater Gardian," bat Liah entsprach seinem Verlangen, die Brüder kamen eben von dem Morgengüttesdienst und -er Pater Gardian war sofort bereit, ihrer Aufforderung zu entsprechen und begab sich mit ihr zu dem Kranken, den er bereits beim Gottesdienst vermiß hatte. „Ihr habt in der Tat starkes Fieber," konstatierte der. Pater Gärdian, als er kam. Dann bereitete er eine Mixtur und versprach, einen Laienbruder zur Pflege des Kranken zu schicken. „Nein," sagte -er Kranke abwehrend, „schickt mir keinen Bruder — der Bub soll bei mir bleiben — er hat eine linde Hand — es tut einem wohl, wenn er einen anfaßt." Mit einer Art mitleidigem Lächeln streifte der Pater Gardian Liahs schmale Gestalt, dann winkte er ihr mit den Augen, ihn htnauszubegleiten, während dem Kranken die Augen zugefallen waren. „Du bist ein braver Bub," sagte der Geistliche, der im Kloster die Stelle des Arztes bekleidete, „es ist gewiß schön von dir, daß du den Kranken pflegen willst, aber ich muß dich aufmerksam machen, daß das dir selbst gefährlich werden kann. Denn, wenn mich nicht alles täuscht so hat sich der Bruder Küchenmeister bei deiner Muhme angesteckt — und ebenso könntest du von ihm angesteckt werden — das aber wäre mir leid, eben weil du ein so braver Bub bist." „Ihr seid sehr gütig, hochwürdiger Herr," versetzte Liah. „Aber mir scheint, es wäre nicht schön von mir, wenn ich ihn nicht pflegen würde, weil er's doch verlangt hat und er immer gut gegen die Muhme gewesen ist." Der Tag schritt vor, Liah waltete treu ihres Amtes als Krankenpfleger, so oft die Sanduhr abgelaufen war, gab sie dem Kranken einen Löffel voll Medizin und hob dabei seinen Kopf ein wenig. Dann öffnete er zuweilen die Augen und blickte dankbar zu ihr auf. „Hast was Heilsames in deinen Fingern, Bub, wenn du einen anrührst, das tut wohl." Einmal sagte er sogar: „Man könnte meinen, du wärst der Heiland." Im übrigen sprach er wenig, nur zu trinken verlangte er häufig. Im Laufe des Tages kamen die Klosterbrüder einer nach dem andern, um sich nach dem Befinden des Kranken zu erkundigen, alle sprachen freundlich mit dem anstelligen Knaben, der sie der Pflege des Kranken überhob. Nur früh, mittags und abends, während sie hinüberging, mußte einer der Brüder die Pflege des Kranken übernehmen. Und auch die Nachtwache mußte einer derselben besorgen, denn der Pater Gardian erklärte, es unter keinen Bedingungen zu dulden, daß der zarte Knabe die Nachtruhe beraubt würde. Liah hatte sich daher sehr bald nach dem Abendläuten zur Ruhe begeben, doch bei dem ersten Ton des Frühläutens war sie wieder in dem Krankenzimmer, das hatte sie dem Pfleger versprochen, der die Morgenandacht nicht versäumen wollte. Liah füllte das kleine Gefäß mit Medizin und ging damit zu dem Kranken. Wie gestern hob sie den Kopf desselben ein wenig und brachte ihm die Mixtur an die Lippen. „Ah, du bist's, Bub? Schön tst's, daß du wieder da bist. Ist der Bruder schon fortgegangen?" fragte er flüsternd. Liah bejahte. „Gut ist's," fuhr der Kranke fort. „Gestern Hab' ich was vergessen — und ich möcht' nicht, daß die Brüder es erfahren. — Wirst's ihnen nicht sagen, Bub?" „Ich weiß es doch selbst nicht," versetzte Liah lächelnd. (Fortsetzung solgt.) . i

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