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Der Israelit · 1911-07-13 · Heft 28 (13.7.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 28 (13.7.1911)
Date
1911-07-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Gettr 8 Ho. 88 würde ein Zentralkomitee eingesetzt, ferner Lokalkomitees in Pethach-Tikwah, Rtschon le Zion, Rechoboth, Hulda und Lydda. Eine ähnliche Arbeiterorganisation besteht bereits für die Kolonien in Galiläa. Leider mußte gleich die erste konstituierende Versammlung mit einem Verstoße gegen das Religionsgesktz^eginnen. Sie wurde auf einen Sabbat angesetzt, wiewohl inan wußte, daß viele Kolonien, l eren Arbeiter eingeladen waren, außerhalb des cnnn liegen. Einige Gäste zogen auch am hellen Sabbainachmittage hoch zu Roß in die Kolonien ein. Auch sonst nahm die Versammlung wenig Rücksicht auf den Sabbat. In Pethach-Tikwoh, wo das gesctzestreue Element überwiegend ist, rief dieses skandalöse Verfahren große Aufregung hervor. Amerika. Sugunllen ger mmSnikctien ZuSen. Aew York, 7. Juli. In Washington fand Ende Juni eine Konferenz von Delegierten von allen iu Washington bestehenden nichtjüdischen Konfessionen und Sekten statt, in welcher beschlossen wurde, dem Präsidenten Taft ein Memorandum zu unterbreiten, das die Forderung enthält, daß der Präsident der Vereinigten Staaten eine internationale Konferenz einberufe, deren einziger Beratungsgegenstand die Lage der rumänischen Juden zu bilden habe. Es sei die moralische Pflicht aller jener Regierungen, die noch irgend was auf die Moral des gegebenen Wortes und der eingegangenen Vertragsverpflichtungen geben, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß Rumänien seine auf dem Berliner Kongreß übernommene Verpflichtung bezüglich der Gleichberechtigung der Juden endlich einmal erfülle. lleimkcdtes. Mainz, 7. Juli. Mit der Sperre des von der Firma Schreyer ausgeführten Synagogen-Neubaues beschäftigte sich gestern eine Versammlung der ausständigen Art etter. Wie schon früher hier dort ch et wurde, ist die Aröettsl inslellung verursacht durch das Ruhen an den SamStagen, ohne daß den Arbeitern hierjür eine Entschädigung von Mm nichtjüdtschen Unternehmer gewährt wurde. In einer Schi chtungskommisfionsfitzung vom 4. d. Mts. wurde lin Vorschlag dahingehend gemacht, den ArbetNrn zu enpfehten, unter folgenden Bedingungen die Arbeit aufzunehmen. Es sollen in tec Woche von Montag bis Freitag tnkl. 5 Ueberstunden gearvritrtwndm. Für diese Ueberstunden soll rin Zuschlägen 80 Psg. pro Stunde gewahrt werden. Diejenigen Arbeiter, welche am Synagogenbau Ueberstunden aroetten, dürfen an den Samstagen nicht beschäftigt werden. Nach leb Hafter Debatte hat die Versammlung beschlossen, den Vorschlägen ihre Zustimmung zu geoen. Die Arbe.t wurde somit heute früh wieder ausgenommen. Stuttgart, 5. Juit. Unser Königspaar hat von drr geleglnitlch seiner silbernen Hochzeit gesammelten und den Majestäten als Ergebnis des Blumentages zur Verfügung gestellten Spende »rn Betrcgr von 540000 Mark die Summe von 10 000 Mark für den Israelitischen Asyl- und Unter st ützungsveretn in Württemberg bestimmt. Beckum, 6. Juli. Nachdem die Stadtverordneten in der Sitzung vom 20. März d. Js. der Eingabe der Synogozengemeinde zwecks Verstaatlichung ihrer Prtvat- Eiementarschule zugesttmmt haben, ist vor einigen Wol.cn die Bestätigung der Königlichen Regierung etngetroffen. Darnach bildet die Shnagogengemetnde einen eigenen Schulverband, in dem der derzeitige Lehrer einstweilig angestellt ist. Tvie«, 27. Juni. Zu unserer Mitteilung in Nr. 28 betreffeiner Spende an das Beth Hamtdrasch „Ohct Abraham" bittet uns H.rr S. Kvhn richttgzustellen, daß diese Spende nicht von ihm allein, sondern von allen Geschwistern gemacht wurde. Prag, 28. Juni. Die Ergebniffe der Prager Volkszählung werden nunmehr vom Prager Magistrat bekam, tgegeben. Die konfessionelle Gliederung der Emwohnerschast gestaltet fich nach herselbm wie folgt: Von 218 573 Personen «arm Katholiken 19474l oder 89,09 Prozent, Protestanten Augsburg. Konfession 1819 oder 0,88 Proz., Protestanten heivet. Konfession 2706 ober 1,24 Prcz., Juden 179„0 oder 1,24 Proz. Das Verhältnis der Kcnstssionen in Prag entspricht allerdings kemcswet»s dem im übrigen Köntgre.ch, brnn Prag übt, wie andere graste Städte, eine starke Anziehungskraft auf die Juden aus. Für das Königreich Böhmen liegt das Ergebnis der Volkszählung noch nicht Der ISrarlit. vor, es läßt fich jedoch ein ungefähres Bild aus den Resultaten des Jahres 1900 gewinnen, wonach in Böhmen die Katholiken mit 35,98 Prozent und die Juden mit 1,46 Proz. vertreten waren. Aehnliches wird fich wohl auch diesmal rrgcken. Die Zahl der Prager Iu'er lat jedoch seit 1900 absolut und re.attv und zwar um 821 Personen oder 1,41 Prozent abgenommen. Die Ursachen hierfür werden fich erst nach Ermittlung aller Detat s ergründen lassen. Prag, 6. Juni. Die fortschreitende Assanierung der Josesstadt hat bteJoachtmPvpper-,Moscheles- und Fischel-Hönigsberg-Synagogen aus ihren bisherigen langjährigen Lokaliiäten verdrängt. Diese Synagogen haben sich mit der an das jüdische Rathaus angrenzenddn, von Mordechat M e t s l gegründeten H o chs y n o g o g e vereinigt. Liuz, 3. Juni. Nach einer Verordnung drö Mi nisteriums für Kultus und Unterricht wird die Zuweisung der Juden drS Herzogtums Salzburg zur israelitischen Kultusgemeinde Linz im Erzherzogtum Oestereich ob der Enns außer Kraft gesetzt. Für das Gebiet des Herzogtums Salzburg wirb eine neue israelitische Kult isgcmeinde errichtet, welche d n ihrem Sitz entsprechenden Namen zu führen hat. Diese Verordnung tritt mit 1. Juli 1911 in Wirksamkeit und von diesem Zeitpunkte angesargen ist die bezetchnete neue Kultusgemrinde als im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 lo: stauten anzusehen. Amsterdam, 24. Juni. Nach dem Ergebnis der letzten, im Jahre 1909 stattgefundenen allgemeinen Volkszählung hatte die Hauptstadt von Ntederland, Amsterdam, genau 565031 Einwohner. Ihrem Religiontbekenntnts nach waren etwa 296000 evangelisch, 133 277 katholisch 871 ailkath l sch und 60 970 (gegen 59000 im Jahre 1899 israelitisch. New Nork, 28. Juni. In Niagara Fall, fand vor kurzem die Grundsteinlegung für eine neu Synagoge statt, die in Gegenwart von über 2000 Menschen in feierlicher Weise v rgenommen wurde.. An der Feier nahmn alle Behörden ter Stadt, Abordnungen von Buffalo und Rochcster sowie zahlreiche Besucher teil. Der Bürgermeister der Stadt hielt die Begrüßungsansprache und rühmte den F eist und die Ehrlichkeit der Juden, die überall, wo sie stch ntederlaffen, sobald ste die Möglichkeit hiezu haben, vor allem ein Haus Gottes errichtcn. Die Synagoge hat den Namen „Beth Israel" erhatten. Saloniki, 7. Juli. Eine FeuerSbrunst vernichtete am 28. Juni einen ansehnlichen Teil des jüdischen Viertels. Viele Familien find dadurch ins Eiend geraten. Man schätzt den Schaden aus etwa 2V« Millionen Francs. Utrtinstmtn. Frankfurt a. M, 7. Juli. Als Antwort auf ben von der hiesigen zionistischen Ortsgruppe veranstalteten Vortragsabend des Herrn Tr. Mossinsohn setzte die hiesige Misrachi-Grupve am letzten Donnerstag Abend im gleicheti Raume ihrerseits einen Vortragsabend an, eine Fortsetzung der Diskussion, die beim ersten Abend so jäh unterbrochen wurde. Es war' tun großen Ganzen eine würdige und voll entsprechende Antwort, denn die Diskussion hielt sich, wenn man von den unvermeidlichen Entgleisungen einiger jngendticher Redner absieht, ans einer gervisscn Höhe und bewegte sich, wie es der Vorsitzende, Herr Dr. Feuchtivanger, in seiner Eröffnungsrede gewünscht hatte, in durchaus sachlichen formen. Man blieb der vom Vorstaudstische ans gegebenen Parole: Kamps gegen Ideen n n b nicht gegen P ersone n, treu. Anstelle des verl.inderten Redners des Abends, Herrn Dr. Bamberger ans Nürnberg, hatten die Herren Lehrer Ster u und Professor W e y l die Referate übernommen. .Herr Lehrer Stern schilderte die verschiedenen Schattierungen innerhalb der zionistischen Bewegung. Im Osten, wo der Zionismus rein national nufgefaßt tvird, bodeirte er nicht, in: Sinne Herzls, eine Rückkehr zum Judentum, sondern eine Abkehr vom Judentum. Darin liege eine Bcrkennllng der Wesensart des Judentums. Auch die Makkabäer haben nicht allein für Volk, sondern in erste r Reihe für Thora und Mizlvarls gekämpft. Ter Redner kommt dann ans die bekannten religiousfeiudlichen Ausführungen des Herrn Brenner im zu sprechen. Der Mittelpunkt dieser religwnsseindlichcn Bewegung in Palästina sei das hebräische Gymnasium iil Jaffa, welches ähnlich den früheren hellenischen Gymnasien, darauf hinausg>ht, imiri 121 Dl.^rnbl- Habe doch ein freireligiöses hebräisches Blatt iit Jerusalem aus Anlaß der Brenner-Affäre selber daraus hingewiesen, daß das Odessaer Palästina- Komitee mit gleichem Rechte, wie es dem „Hapauel Hazoir" die Subvention entzogen hat, auch dem Gymnasium seine Unterstützung verweigern müsse. Es sei daher klar, daß der Misrachi gegen die Unterstützung einer solchen Anstalt durch den Nationalfond Front machen müsse. Der Redner geht noch im ferneren aus das Verhältnis des Misrachi zur Ortsgruppe ein. Er will den Zionismus nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zur Materiellen und geistigen Fördes Judentums aufgesaßt lvissen. _13. Juli 1911 ' Herr Professor Weyl weist in seinem Vorträge nc^ch, däß Volk und Religion untrennbare Begriffe sind, deren einer ohne den anderen undenkbar sei. Die Religion war der größte Kulturfaktor der Menschheit, ganz besonders aber der Juden. Daß in der Bibel vom Schulwesen so wenig die Rede ist, komme daher, weil im alten Judoutum die Pflicht, die Kinder zu unterrichten, in erster Reihe dem Vater oblag. Josua ben Gamla, der die allgemeine Schulpflicht eingeführt, und Rabbi Jochanan ben Sakkai, der die jüdische Hochschule ans den Trümmern des jüdischen Staates gerettet, sind als die Grundpfeiler zu betrachten, auf denen sich das neue jüdische Geistesleben nach der Zerstörung Jerusalems anfbaut. Daß anl Gymnasium zu Jaffa nicht im Geiste dieser Tradition unterrichtet wird, und daß besonders Tr. Mossinsohn Bibelkritik in der Schute treibt, sei zweifelsfrei nachgewiesen. Dafür sprechen auch Dokumente von klugen- und Ohrenzeugen. Redner verliest dann einige Auszüge aus einem Briefe des Herrn Dr. T h o n an das Palästina-Amt des A. C., in dem der Schreiber, wiewohl einer „freiheitlichen" religiösen Richtung huldigend, sich sehr abfällig über den unj irdischen Geist, der im Gymnasium herrscht, ausspricht, ebenso einen Brief des Herrn Oberrabbiner Kuck in Jaffa, aus dem hervorgeht, daß sich die Lehrer sehr viel in Bezug auf fOtt? zu schulden kommen lassen, und noch mehr durch die Art, wie sie die Bibel behron, den Protest jedes wahren Jehndi herausfordern. Ter Redner geht anr Schlüsse aus die Vorgeschichte des Mossinsohnschen Vortragsabends ein und rechtfertigt das Verhalten des Misrachigruppe, die vergjcbetnä diese Provokation zu verhindern gesucht hatte. In der Diskussion ergreift zuerst das Wort Herr L e v i g a r d. Er ist inr Prinzips gegen Tr. Mossinsohn und sein System, war aber trotzdem dafür, daß er hier den Vortrag halte, in der Hoffnung, daß dadurch Klarheit in der „dunklen" Sache geschaffen werde. Ob er diese Hoffnung erfüllt sieht, war aus der Rede des Herrn Levigard nicht zu ersehen, da er sich nicht mit voller Klarheit darüber äußert?. Er bedauerte die Form des vom Misrachi geführte« Kampfes: man solle, meint er, Leute wie Dr. Mossinsohn nicht bekämpfen, sondern vielmehr belehren. Herr G o l d m a n u jr. will die Frage in ihren ijmiiä'lricUcu Grundlagen untersuchen. Ta das Gymnasium alle Anschuldigungen unumwunden zugebe, so sei der ganze Kampf ein Schlag ins Wasser. Der Zionismus sei mehr als das Baseler Programm; c s i ei eine Kultur st r ö m u n g aus der Grundlage der nationalen Idee. Unter diesem Gesichtspunkte seien alte Institutionen, die dem Geist des Baseler Programms entsprechen, z i o - n i st i s ch e Institutionen und müssen als solche vom ossizietlon Zionismus unterstützt werden, denn die Kul turarbeit sei d i e Ausgabe des Zionismus. Daß die Thora bis dahin der Inhalt des national-jüdischen Lebens war, sei wohl wahr, was aber noch nicht bedinge, d a ß e s a n ch s o i n der Zukunft bleiben m ü | s e. Tatsache sei, daß die jüdische Intelligenz nicht mehr ans dem Boden der Religion flehe, und auch sie habe das Recht, vom Zionismus zu verlangen, das; er ihren Wünschen entgegenkomme. Nationalismus [ e t T; e it t e mit Religion nicht mehr unbedingt vereint. Herr P e r t m ti 11 e r polemisiert in einer höchst unsachlichen Einleitung gegen den „Israelit" — wohl ans Aerger darüber, daß dieser die innere Notwendigkeit der jetzt sich vollziehenden Entwicklung der zionistischen Grundideen seit Jahren vorausgesehen hat. — Dann hält er eine lange dizbe, deren kurzer Sinn darin besteht, daß Zionismus und Nationalismus zweierlei seien, und daß ferner die böse Orthodoxie sehr übel daran tue, sich vom Zionismus sernzuhalten. In die gleiche Kerbe haut auch Herr Levigard, der nochmals das Wort ergreift, ohne zur Sache selbst noch viel zu sagen. Es sprechen außerdem Herr Josef Bamberger, der im Sinne des Misrachi das System des Kulturzionismus verurteilt und zlvei jüngere Teilnehmer, die aber mit ihren Gedankengängen den. Anschluß an die zur Debatte stehende Frage nicht recht finden tonnten, sodaß sie unbeachtet, oder, wie inr Falle des letztern, vom Publikum ungehört blieben. Nach einigen Ergänzungen der Referenten schloß der Vorsitzende die durchaus würdevoll und harmonisch verlaufene Versammlung. - ' Nürnberg, 10. Juli. Die Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth schreibt uns: Ste veröffentlichten eine Erklärung von 20 MtSrachisten, in welcher Herrn Dr. Mossinsohn vorgeworfen wird, „in einer ztonist scheu Versammlung in Nürnberg Thora und Mizwaus für veraltet und versteinert erklärt und die thoratreuen Juden unter einem unästhetischen Bilde gekränkt und verächtlich gemacht zu haben." Diese Behauptungen der Misrachtsten entsprechen nicht den Tatsachen. Wir erklären hiermit: 1. Es ist unwahr, daß Herr Dr. Mosfinsohn die Thora und die Mizwaus für veraltet und versteinert bezeichnet hat. Er hat nicht einmal dem Sinne nach einen derartigen oder ähnlichen Gedanken geäußert. Herr Dr. Mosstnsohn hat von Thora und MtzwauS überhaupt nicht gesprochen. 2. Es ist unwahr, daß Herr Dr. Mossinsohn die thoratreuen Juden verächtlich gemacht hat. Es hat vielmehr in der DtSkuffion nur das Verhalten der 20 Nürnberger und Fürther MtSrachisten, welche unter persönlichen Angriffen auf ihn öffentlich ihren Austritt

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