Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1911)
- Date
- 1911-07-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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iS. Juli 1911 DerKsrarllt Subvention von 1000 Mark, die es dem Hebräischen Gymnasium aus den Geldern des Kulturfonds bewilligt hat, rückgängig zu machen oder vielmehr — was dem Sinne nach dasselbe ist — durch Privatspenden Zu ersetzen. Dadurch würde der Zionismus eben jene Art von Neutralität bewahren, die nichts tut. Die Folge würde sein, daß sich das neue NatioNalkulturclle jüdische Leben in Palästina ohne seine Mithilfe, ohne seine Leitung entwickeln würde, und der Fall wäre möglich, daß es sich in einer Richtung entwickeln würde, die gegen den Zionismus gerichtet ist. Diese Neutralität ist unmöglich! Was wir fordern, ist, daß der Zionismus alle nationalen Institutionen in Palästina unterstützt, sowohl das Gymnasium wie den „Tachkernoni". Der religiösen Richtung gegenüber hat er neutral zu bleiben. Die Ausgabe, dafür zu sorgen, daß sich dort in Palästina, dem Lande unserer Zukunft, ein Leben entwickle, das nicht nur jüdisch-national, sondern auch jüdisch-religiös ist, diese wichtige Aufgabe fällt nicht der zionistischen G'samtbewegung zu, sondern einer auf dem Boden des traditionellen Judentums beruhenden Fraktion des Zionismus, einem „Misrachi", allerdings einem „Misrachi", der in wirklich zionistischem und jüdisch-religiösem Sinne geleitet würde nnd nicht Prinzipien der Trennungsorthodoxie im Zionismus verfechten wollte. ' . Der 10. Kongreß wird endlich einmal zur Kulturfrage Stellung nehmen müssen, Ünd nach bnu Beschlüsse des Aktionskomitees wird er es auch in ergiebiger Weise tun. Cr wird da nicht nur die Frage erörtern, sondern auch zu Beschlüssen kommen müssen. Wir sind überzeugt, daß diese Beschlüsse nur in der Richtung liegen können, tvie tvir sie soeben skizziert haben. Allerdings wird es einige — wir betonen: nur einige — geben, die damit unzufrieden sein werden nnd maurfic — wir betonen nur manche —, die vielleicht tit diesem Falle aus der zionistischen Bewegung austreten würden. Ties würde nur gut sein. ‘ Denn diejenigen, die es tun würden, wären nur solche, die eigerttlich gar keine Zionist e n s i n d. Für den Zionismus wäre aber dann freie Bahn geschaffen, kulturell sich zu betätigen, und was er so lauge versäumt hat, endlich einmal nachzuholeu." Bedarf es eines Beweises, daß mit dieser Theorie dem überlieferten Judentum der Totenschein ausgestellt, die Idee des jüdischen Volkes als des Gottesvolkes vernichtet ist? Ist es denkbar, daß jemand in der Leugnung des Gesetzes, in der blasphemischen Vernichtung der Gottesvorstellung, Wieste das JaffaerGymnasium betreibt,in der Trübung und Negierung aller jüdischen Heiligtümer i» der Kat ein Sakrileg, eine Schändung des Vätererbs empfindet — und dennoch,mit Fischblut in den Adern, um der Partei willen für die finanzielle Förderung solcher Bestrebungen plädiert? Kann jemand bestreiten, daß die Befürwortung dieser Sorte von „Neutralität" nur aus der Anerkennung des relativen Wahrheitsgehaltes des mm und momp-SK psychologisch erklärbar ist? Und wird — abgesehen von diesem psychologischen Moment — jemand zu bestreiten wagen, daß die Förderung von Instituten & la Jaffaer Gymnasium selbst rein äußerlich unvereinbar anrrtt) rrnn xb ,w ernn bv nbipm wn •fix 's srn rofi Wer zu der Erkenntnis gelangt war, baß er nicht nur im Geiste, sondern durch die Tat abgewichen war von der göttlichen Lebenspflicht, den zog es zu Gottes heiliger Tempclstätte mit dem Borsatz nunmehriger gänzlicher Hingebung an Gott und sein Heiligtum und dem Gelöbnis, der ganzen Persönlichkeit, jedem in den Adern kreistndrn Blutslrcpstn die Richtung zum Heiligtum zu geben und als Besiegelung dieses Lebensentschlusies durch die Opfertat vollzog sich das Sünd- und Schuldopfer, OVrri flNtOllr mit dem btt reuig Zurückkehrende die verlorene Gottesnähe wieder suchte und — fand. Wenn dann mit dieser Unterstellung des Lebens unter Gottes Leitung und Schutz, auch die der Mittel zum Leben sich noch verband, wenn der mit seinem Mahlopfer — NN2I2 — fich dem Heiligtum Nahenoe den wesentlichsten Bestandteil seines täglichen BrotcS Gott wethete, um eS dann, von ihm wieder gereicht,, priesterltch zu genießen, dann hatte dieser Weiheakt den ihn Vollziehenden hoch über das niedere Getriebe einer ganzen Wrlt emporgehoben, die unter der Last des LetenS seufzte und in der Sorge um seine Frtstung sich aufzureiben droht. Frei von Schuld und Sühne, frei von dieser einzigen Sorge, die ein zu Gott emporstrebendes Gemüt allein fürchtet, ist sein irdisches Glück vollständig, wie es sich auch äußerlich gestalten möge. Für diesen himmlischen Frieden in dem sonst Zwiespalt g geteilten Herzen, für dieses selige Glück in der Gott zujauchzenden Menschenbrust, für welches cs wiederum keine Worte gibt, die es auszusprechen vermöchten, statuiert das Gottesgesttz seine Freuden-und. Friedens^ pser Ontllt die Opsertat aus dem Hochgefühl, aus dem ist mit der Erklärung, der Zionismus unternehme nichts, was dem Religionsgesetz widerspricht? Man frage den zionistischen Rabbiner Reines, den modernem Wesen gewiß geneigten Oberrabbiner Kuk, wie die jüdische Religion über eine solche Sorte „Neutralität" denkt, die dem Baal gibt, was des Baals, dem Gotte Israels was Gottes ist — die dabei aber noch die Stirne hat, von sich als auf dem „Boden der Tradition" fußend zu reden und den wahrhaft „Traditionellen" den Stuhl vor die Tür zu setzen! Freilich — unsere bis auf die Knochen national Gesinnten, auch wenn sie sich aus Gewohnheit traditionell nennen, fragen nach Tradition und Thora—nichts. Sie brauchen es logischer Weise nicht, denn der Zionismus entspricht leider nur einem Grundgedanken seines ersten Führers, wenn er seine „Rabbiner in den Synagogen wie das Berufsheer in seinen Kasernen" festhält und frohlockend, den trunkenen Ruf: D'iaa rvrui 12) auf den Lippen, ins gelobte Land des „von des Hegemonie des Religiösen" befreiten Nationalismus hinein stürmt. Da mögen neue Propheten und Sänger, Seher und Dichter neue jüdische Werte an Stelle der alten Thora-Kultur schaffen, und Achabs Muskeljudentum wie des Galiläers weltabgewandtes Gedankenreich wird in vollster Neutralität von einer nichts „Jüdisches" sich fremd erachtenden Volksgesamtheit freudig applaudiert und — honoriert werden. Ob die zionistische Gesamtheit bereits alle diese Stadien einer notwendigen Entwicklung durchlaufen hat, ob sie mit derselben Herzenskälte und Berstandesklarheit der Thora den offenen Krieg erklären wird wie der Frankfurter „Traditionelle", das wird der nächste Kongreß zeigen. KochauM-scha«. Die Dlllance-IDahlen. Der Sieg Reinachs scheint gesichert. Offiziell wird zwar noch nichts bekannt gegeben. Nur das brave paristreue Gebweiler Blatt, sodann aber auch die gesamte jüdische Presse in Rußland wissen von den fünfzehnhundert Stimmen zu berichten, mit denen Reinach aus der Wahlkampagne siegreich hervorgegangen sei. Warum man in Paris mit der Bekanntgabe des Resultats Vottesschwung und dev ganzen Seclenst mmung der aus seine. Gesunkenheit sich zu Gott Erhebenden und in dieser Erhebung sein Übervolles Lebensglück Empfindenden, für das es eben keine Worte gibt, dann begreift es sich, warum gerade unsere edelsten, erleuchtetsten Geister, warum die zartbesaiteten, tief angelegten Gemüter eines David und eines Salamo, warum gerade unsere erhabensten Vorbilder in den höchsten Weihemo nenten ihres und ihres Volkes Lebens mehr als andere das Bcdürfnis empfanden, dem, was mächtig in ihnen wogte, durch solche, zahllose Opferhandlungen Ausdruck zu geben. Dann begreift es fich, wie die prophetischen Verkündungen der fernsten Hochziele der ganzen Menschheit ohne diesen Geistesschtrung und seine Manifestierung durch die Opfertat nicht denkbar find. Dann ist ks begreiflich, wie sich gerade '32 Mirwb 'n bv DTOH/ diejenigen, welche dem Judentum bis ,etzt fern und fremd gegenüberfianden und fich nunmehr Gott und seinem Dienste anschließen, wie diese, wenn fte Gott zu seinem heiligen Berge und zur Freude in feinem BethauS zusammen führt, wie dann ihre Emporopfer und ihre Mahlopfer alS Ausdruck ihres WvllenS auf dem Gottesalta're auflodern, wenn dieses GotteShauS das Bethaus für alle Völker genannt wird. (Jesaja 56, 6, 7.) Und nun liegt seit fast Jahr.ausenden das Goitesheiligtum auf Zijon in Trümmern und mit ihm diese seine Ideale. Daß sie aber den schwer geprüften Zerstreuten nicht entschwinden, daß fle ihnen ewig neu vor die Seele treten, sie erheben, stärken und begeistern für den Kampf gegen alles, was fich ihrer Berwttklichung hindernd entgegenstellt, da8 ist die Mission der nationalen Fasttage, weichen wir entgegen gehen. Nicht durch ihre Abschaffung, nicht durch Streichung jedes Gedächtnisses der Opfer aus unseren Gebeten, sondern' durch treue Aufrechthaltung dieser nationalen Institution und durch noch zögert? Vielleicht ist eS den Herren mit Rücksicht auf die vorausgegangenen Ereignisse nicht so ganz wohl zu Mute' bei diesem Siege- Vielleicht hat man sich mit den achttausend Sttm?- men, die in Deutschland, Holland usw. gegen Reinach und somit gegen den Geist der Alliance abgegeben wurden, noch nicht ganz abfinden können» Vielleicht denkt man auch nicht ganz ohne Sorge an die von Berlin aus angekündigte Prüfung derWahlresultate im Orient. Eskönnen da viele Gründe mitspielen. Auf jeden Fall schweigt man noch in Paris, und dieses Schweigen ist doch einigermaßen beredt. Von dieser Wahlprüfung im Orient verspricht man sich in optimistischen Kreisen so manche Ueberraschung. Wir wissen nicht, ob von derselben eine Aenderung an der — noch nicht bestätigten — Tatsache der Wahl Reinachs zu erhoffen ist. Es ist im Orient gewiß nicht immer mit ganz legalen Mitteln gearbeitet worden, aber es scheint doch, wenn man sich aus der jüdischen Presse in der Türkei ein Urteil bildet, daß die Agitatoren es zumeist noch verstanden haben, an der Grenze der Paragraphen und der Alliance^ Statuten zu bleiben. An Agitatoren fehlt es> eben der Alliance im Morgenland, besonders im Reiche des Halbmondes, nicht. In erster Reihe: waren es die Lehrer und die Vertrauensmänner der Alliance, die mit wahrer Aufopferung für die „Pariser Obrigkeit" arbeiteten. Man appellierte vor allem an das Gefühl der Dankbarkeit, das die jüngere Generation in der Türket für ihre Pariser Erzieherin und Wohltäterin empfinden müsse. Hat doch die Wahlarbeit die Gemüter im ganzen jüdischen Orient dermaßen in Bewegung gesetzt, daß selbst der schon seit langem still gewordene Herr Antebi in Jerusalem, dieser Herr, den nach dem Zeugnis des Generalsekretärs Bi gart (siehe Korrespondenz Amsterdam der vorigen Nummer) die Alliance als unheilstiftendes enfant terrible empfindet und sich gelegentlich vom Halse zu schaffen gedenkt, daß selbst dieser Herr mit einem rührenden Schwanengesang in der Form eines flammenden Wahlaufrufes an die früheren Allianceschüler noch einmal auf den Plan trat. Es ist auch an sich ein recht interessantes Dokument, dieser Aufruf. Nichts von den Plänen und Rettungsprogrammen der Alliance, mit denen Antebi früher so eifrig gearbeitet hat, ist darin enthalten. Antebi ist ein durch Erfahrung sehr gewitzigter Mann, und er weiß in kritischen, konfliktschwangeren Momenten mit gefährlichen Worten und Problemen zurückzuhalten. Der Aufruf ist lediglich ein Appell an die jüdische Dankbarkeit, an das Pflichtgefühl der Alliance-Zöglinge, die bei dem Gange zur Urne es nicht vergessen dürfen, „daß sie die Alliance aus die Vertiefung in fie, wird die prophetische Berhetßung hre Erfüllung finden: vibsn 11'22 D-nnottn -snp in Sk cwiwarn n-2 -n-2 -2 -raia bi park nn-run on-nbw vnj pp» 'n D-spn bzb «ipnban o-x2p:b vbv pap* mr buntr Aleirie» Feuilleton. Ein Itteeresgrab. Von Arthur Kahn. (Fortsetzung.) Gegen Abend, als die Sonne gerade im Untergehen ist — das schönste was man auf offener See zu sehen bekommt — gehe ich wieder einmal aufs Zwischendeck. Niedergeschlagen erzählt mir Leib Friedmann, daß mau sein dttnd ins Spital, tvie der für Krankheitsfälle separierte Raum heißt „eingesporrcn" habe. Tie Mutter sei beim Kind und ich möchte doch bewirken, daß er auch hiueinkoulme. Ich erkläre ihm die Unmöglichkeit seines Wunsches und er gibt sich traurig resigniert, zufrieden. Muß man doch erst genau wissen, ob das Kind an keiner ansteckenden Krankheit leidet. i : Am! ^nächsten Abend, als /die Kajütenpassagvre beim Nachtmahl sahen und ich indessen auf dem