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Der Israelit · 1911-07-13 · Heft 28 (13.7.1911) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 28 (13.7.1911)
Date
1911-07-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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•et Jsnkütt 18. Juli 1911 Mette « Ar. « _ Kunst und Wissenschaft, kurz von der 5kuftur dieses y ober jenes, Volksstammes — nur bei unS will man umgekehrt alles Nationale nur als aus der Religion yervorgehend gelten lassen, kennt eine jüdische Kustst und Wissenschaft nur als Ergebnis der jüdischen Religionslehre, eine jüdische Geschichte nur als Rcliglonsgeschichie, leugnet alles von der Religion unabhängige Jüdischnationale, die profane jüdische Kunst, die profane jüdische Geschichte, einen jüdischen Wirtschaftkgeist usw. und erkennt es nur insoweit an, als es eben religiös ist. So kam man zu der absurden Konstruktion, von den „nationalen Bestandteilen der jüdischen Religion" zu sprechen und dennoch den Oberbegriff der Nationalität zu leugnen. Dieser ungeheuerlichen Begriffsverwirrung sucht der Zionismus ein Ende zu bereiten- Er will verhindern, daß man nach Laune und Opportunität dm Nationalitätenbegriff bald leugnet, bald als Unter-, bald aber, wmn es nützt, auch als Oberbegriff rinführt, um ihn rcLch wieder zu verstecken, wenn ein müßiger Kritiker fich daran klammert. Der Zionismus hat daher, darin mögen Sie nicht Unrecht haben, eine Scheidung eingeführt, aber einzig und allein im Sinne einer reinlichen Scheiduiy, im Sinne einer Systematifierung und Begriffserklärung. E r sucht mit sanfter Gewalt die Reit« gion, die sich wie noch in keinem Volke bet uns wenigstens begrifflich die unumschränkte Hegemonie angemaßt hat und fich angeblich als die einzige Grundlage des BolkStumS dokumentiert, in die gebührenden Grenzen zurückzuweisen, ohne ste tndeffen in der Freiheit ihrer Ausübung irgendwie anzutastcn. Er betrachtet die jüdische Religion alS eine bloße Erscheinungsform deS jüdischen Geistes, der jüdischen Bolkspsyche, genauso, nicht mehr, aber auch nicht weniger, wie die übrigen Bestandteile seines Schaffens, feiner Kultur: Kunst, Wissenschaft usw. Der Zionismus ist bestrebt, auch im jüdischen Volksorganismus jenes begriffliche Schema zur Anerkennung zu bi ingen, das im Kulturleben ausnahmslos aller anderen Völker bedenkenlos und als selbstverständlich angenommen wtrd, jenes Schema, das, von dem Oberbegriff der Volksseele (Bolkspsyche, Bolkszeist, Bolkscharakter, Nationalität) ausgehend, dtesem die einander koordinierten, gleichwertigen Begriffe der einzelnen Erscheinungsformen dieser Bolkspsyche wie Religion, Kunst und Wiffenschaft subordiniert." Dieser vollkommen zutreffenden Definition des Zionismus, die zugleich eine np'jn in des Wortes eigentlichster Bedeutung ist, hättcu wir nichts hinzuzufügen, wenn die Theorie nicht gleich praktischen Ausdruck in einer höchst aktuellen politisch-religiösen Angelegenheit gefunden hätte, die nach mehr als einer Richtung bedeutungsvoll scheint: dem Fall Mossinsohn. Um ohne Preisgabe seiner religiösen Grundprinzipien das Baseler Programm bekennen und innerhalb des Zionismus für die Anerkennung des R ligionsgesetzes kämpfen zu können, hat der „Misrachi" seit Jahren den Anspruch geltend gemacht, daß diezionisti'che Partei sich auf die KJ»-«.. Opfer. (Zum Wochenabschmtt.) Alljährlich, wenn die Denktage unseres nationalen Niedergang« wtederkehren, und wir den Fall der Opferstätte fastend und trauernd begehen, reicht unS der Wvchenabschnitt die Etnfetzungsurkunde unserer nationalen Opfer, wie ste im Tempelheiltgtum vollzogen wurden. Den Gedanken, welche dte Opferhandlungen darstellen und den Idealen, welchen diese Symbole Ausdruck geben, gehört dte Zukunft der gesamten Menschheit. Und man konnte ste soweil verkennen, daß man ste als Rückstände des Götzentums, als Konzesstvnen an das Heidentum ansehen, und von ihnen verächtlicher Weife alS von einem mosaischen, von den Proph ten perhorreszieltcn, blutigen Opferkultus allen Ernstes reden zu dürfen glaubtet Wahrlich, wenn göttliche Anordnungrn menschlicher Rechtfertigung bedürften, wie würde diese ihrebloße Verkennung dafür zeugen, daß ste hoch wie die Sterne ÜbN dem Horizont ihrer Berkenner stehen, und wie lene, wirtschaftlich-politischen Aufgaben ihres Programms zu beschränken und jede Unterstützung geistig-kultureller Bestrebungen zu meiden habe. Der „Misrachi" ging dabei von der Anschauung aus, daß unter der Flagge der Kultur beiden jungjüdischen Stürmern allemal die Negierung des überlieferten Judentums segelt, daß aber dem jüdischen Gewissen eine direkte oder indirekte Förderung solcher Bestrebungen, die als fflDnp'SNI hWD vom Religionsgesetz schärfer als heidnischer Götzendienst verpönt sind, unmöglich zugemutet werden kann. Im Aktionskomitee hat man für diesen Ausweg, der einen in der Tiefe der Dinge liegenden Widerspruch durch ein Kompromiß an der Oberfläche zu lösen versuchte, aus naheliegenden taktischen Gründen Beifall und Zustimmung, gezollt und mandarf sogar annehmen, daß die Förderung des Jaffaer Gymnasiums durch den Nationalfonds unterblieben wäre, wenn die Proteste dagegen sich gegen ein Projekt und nicht gegen ein fait aecompli gerichtet haben würden. Die Fr. 1000 Subvention, Hie.man neuerdings der geistesverwandten Jerusalem^ Schwesteranftalt zugesichert . hatte, sollen dem Einspruch des „Misrachi" zufolge jedenfalls zurückgezogen werden. Durch die aus den gleichen Gesichtspunkten hergeleitete kräftige Opposition, mit der die Misrachisten in Nürnberg und Frankfurt sich gegen das Auftreten Dr. Moffinsohns vom Jaffaer Gymnasium in offiziellen zionistischen Versammlungen wehren, ist nun plötzlich die Frage aufgerollt worden, ob es mit dem Oberflächen-Kompromiß noch eine Weile weitergeht oder nicht. Je länger die Klärung hinauszuschieben ist, desto besser für die „Modernen" — denn die furchtbare Verheerung, die einige Jahre zionistischer Erziehung in den Köpfen anzurichten vermag, das hat sich im Fall Mossinsohn deutlich genug gezeigt. Noch vor wenig Jahren hätte ein hiesiges jüdisches Blatt, dessen Besitzer gewiß den Wunsch hat, gesetzestreuer Jude nicht nur in seinem Privatleben zu sein, nicht die zionistische Reife gehabt, in seinen Spalten so feierlich der filmischen Wahrheit den Fehdehandschuh hinwerfen, lassen wie dies jetzt geschieht. Dte Theorie, die das Blatt vertritt, ist vom Standpunkt des religionslosen Nationalismus, logisch unanfechtbar, und sie bestätigt, gleich dem Rundschau-Brief, mit rücksichtsloser Offenheit, was wir seit Jahren als den in organischen! Wachstum begriffenen eigentlichen Gedankenkern des Zionismus bezeichnet haben. „Was will denn eigentlich der Zionismus? Gar nichts weiter, als eine Regenerierung, eine Verjungung, eine Renailssance des jüdischen Vollsgerabe wegen der Höhe, aus der fie herni derstrahlen,- von Unkundigen für so klein angesehen werden. Dieser Verkennung gegenüber scheint es geboten, immer wieder und wiedcr auf Bedeutung und Wesen der Opferhandlungen zurückzukommen. Wenn wir in einer milden Frühlingsnacht hinaustreten in die uns geheimnisvoll umrauschende, neuerstandene Welt, über under Sternenhimmel, unter u-s das Blütenmeer, und zwischen beiden der von all diesen übe.wältig nden Schönheiten betroffene Beschauer, der den Glanz nicht faffen kann, und der daher dte Brust erleichtern möchte von allem, was so ergreifend auf ste einstürmt, wenn es uns drängt, das, wovon das Herz so voll ist, nun auch in Worte zu kleiden und ihm den rechten, ungehemmten Ausdruck zu ermöglichen, dann — empfinden wir tiefer und nachhaltiger als sonst die ganze Unzulänglichkeit jedes Mortes, d!e Armut jeder Sprache, das Ungenügende alles dcsst-n wodurch ein bewegtes He z seine Seligkeit mitttiicn kann. Dann heben wir schweigend den Blick zu den leuhtenden Himmelskörpern. Lautlos schweift das Avgr von Blüte zu Blüte, von Schönheit zu Schönheit, und dieses Schweigen feiert lauter und eindringlicher Gottes Allmacht als dte lauteste Jubelhymne es vermöchte. . Jede wahrhaft innere Erregung, ste mag durch die uns umgebende Natur oder durch in uas selbst liege, de Momente veranlaßt werden, raubt uns das Wort u n so rascher und sicherer, je tiefer gehend, je mächtiger ste ist. Die Sprache versagt gerade da, wo wir ihrer am meisten bedürfen. Wenn Josef seinen Brüdern entgegentritt und durch sein bloßes Dasein den jähen Abgrund einer längst begraben geglaubten Vergangenheit plötzlich aufdcckt, so können fie in ihrer Bestürzung nicht antworten. Wenn Ahron an dem Freudentage des ganzen Bolkcs seine beiden Söhne verliert, so — schweigt er. W nn Eljahu sein irregeleitetes Volk wieder für die geächt te Wahrheit UbenS herbsizuführen. In Palästina. Versteht sich, weil nur da eben ein wirklich normales Volksleben sich entwickeln kann. Das Baseler Programm ist n i ch t d e r i n n e r e K er» des Zionismus, es stellt nur den Ausdruck der praktisch erreichbaren Forderungen dar. Das Baseler Programin ist nicht Voraussetzung, sondern Folge des zionistischen Ideals. Weil wir eben die Erneuerung unseres Volkslebens, seine Gestaltung zu einem normalen Leben erstreben, und weil ivir überzeugt sind, das; dies im Goluth unmöglich und nur in Palästina möglich ist, deswegen wollen wir Palästina als Heimstätte für das jüdische Volk erwerben. Daraus folgt also, daß die Kulturarbeit nicht nur auch eine Ausgabe des Zionismus ist, sondern eigentlich die Ausgabe, für die alle anderen nur Mittel sind. Wer darum sagt, der Zionismus müsse sich darauf beschränken, zu organisieren und zu kolonisieren, der behält das Wort bei und wirft den Geis, fort, der behält den Körper bei und nimmt ihm die Seele, der hat von dein Wesen des Zionismus keine Ahnung. i Somit wäre das eine festgestellt, daß die Kultirrarbeit — theoretisch betrachtet — die Hauptaufgabe des Zionismus, praktisch angesehen eine seiner Hauptaufgaben ist. Bleibt nur die andere Frage offen — und die bildete bisher die harte Nuß der ganzen Sache, um derentwillen man sie ganz beiseite schob —, wie der Zionismus kulturell arbeiten soll. Auch diese Frage ist bei ruhiger Betrachtung höchst einfach und klar. W a s i st das Prinzip d e s Z i o n i s m u s? Nichts weiter als die Anschauung, daß ivir Juden eine Ration wie alle Rationen sind. Weil ivir eben wissen, daß ivir eine Nation sind und weil wir wissen, daß eine Nation für die Tauer nur bestehen und normal leben kann in einem eigenen Lande, deswegen wollen wir Palästina als Heimstätte des jüdischen Volkes erwerben. Daraus folgt also, daß der Zionismus als die Basis der Einheit aller Juden den jüdischen Nationalismus ansieht. Also sieht er jeden Inden als Juden an, der als Jude geboren ist und Jude bleiben ivill. Auf die Kultur angewendet, heißt das aber, daß für den Zionismus all das jüdische Kultur heißt, ivas ans der Grundlage des jüdischen Nationalismus basiert. Mithin hat er all die kulturellen Unternehmungen zu fördern und zu unterstützen, die aus dem jüdischen Nationalismus basieren. All dies ist so einfach und klar ivie das ge wohnlichste R'echencxcnrpel. Wer es nicht zugibt, der versteht entü>eder nicht den Zionismus und ist darum k ein Z i o n ist, oder aber er erkennt nicht den Nationalismus als einigende Basis aller Juden an, und dann. ist er erst recht kein Zionist. So oder so, wer den nicht als Zionisten anerkennt, der jüdisch-national gesinnt ist und jüdisch-national arbeitet, hat nicht das Recht, sich Zionist zu nennen. Tut er es unlo gischerweise doch, so schadet er sich und dein Zionismus. Was folgt aus alledem praktisch? Daß der Zionismus religiös neutral bleiben muß. Neutral, richtig verstanden. ES gibt nämlich überall eine zweifache Neutralität: einmal, indem man nichts tut, und das andere Mal, indem man alles tut. Ter Zionismus kann neutral sein, indein er beispieksweise keine Sclnile iu Palästina unterstützt, was dumm, sinnlos und gefährlich ist. Oder er kann neutral sein, indein er alle Schiiten, die ans nationaler Grundlage basieren, unterstützt, ivas vernüiptig, segensreich und einzig möglich ist. Ans ack diesen Er-väg-ingea h raus b'danerr? wie es lebhaft, daß das Aktionskomitee iu seiner letzten Sitzung auf Antrag des „Misrachi" beschlossen hat, die gewinnt und ihm den ganzen Abstand zwischen Gott und Götzen wirklich zum Bewußtsein gebracht hat, dann antwortet das Volk nicht mit einem einzigen Wort. Aber alle diese gehobenen, durch besondere Veranlassungen erzeugten Momente, halten keinen Vergleich mit dem Augenblick aus, in welchem in einer von der Höbe ihrer Lebensbestimmung gesunkenen Menschenseele wieder t ie Sehnsucht nach Gott erwacht und das Verlangen in ihr lebendig wird, dte Höhe wieder zu gewinneii, die zur Leitung Gottes, zu seiner Gnade und Lrebe führt, dte sie in Leichtsinn und Irrtum, in Abfall und Trotz eingebüßt hat und für immer zu verlieren, Gefahr liefe. Für den Vorsatz, nun alles einzusezen, um das begangene Unrecht zu sühnen, alles L ben, Vermögen, Lebensglück und Lebensfreude nun voll und ganz Gott hinzugebcn, um diese höchsten Güter, ne« von ihm gewährt, nun in seinem Sinne, in seinem Dienste zu verwenden, für dieses Einsetzen der unverkürzten Menschentat ist das bloße, gelobende Wort so unzulänglich schwach, wie es fich in dem argrdeuteten besonderen Weihemomenten des Lebens erweist. Diesem Umstand, dieser Seelenstimmung trägt Gottes Gesetz Rechnung, wenn es für solche Fälle das Wort zurücktrelen und uns dte Tat lehrt, mit der wir vor Gott HG treten sollen. Diese Tat ist bas Opfer. Wer sich daher auch nur einer geistigen Verirrung, wer sich bewußt war, daß das unveredelte Tielische, das in jeder Brust schlummert, auch nur vorübergehend einen Sieg über das bessere Selbst davon getragen hatte, der weihte dlesrs gegen Gott sich aaflchnende Tierische, weiches das Opfertier symbolisch repräsentierte, an der geheiligten Opferstätte seinem Vater im Himmel. (nSu?) nbirn 'anv p iipvV w n»« mpö ’h ’m nbn nmn bv kSk n*c

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