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Der Israelit · 1911-07-13 · Heft 28 (13.7.1911) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 28 (13.7.1911)
Date
1911-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1t Der Israelit J Ein Centralorgan für das orthodoxe Jodentun Begründet oon Dr. Lekmano in Fltainz 52. Jahrgang. SSI ftranhfurfa. M.. Sen , IS. Juli 1911. 17. Lamus 5671, M an «tomtment Pro «ierteljahr r Gewöhnliche Ausgabe Mk.1.50, SeftauSgabe (Kunstdruck) Mt. 3.—. AuSlandStreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland l »nd., England 2 ah., Amerika 50 cti., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Fri. 840. Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Berlag. HestauSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 80 Pfennig fiir die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. J«ferate»a»nay«e nur durch Haasenstein u. Bögler A.-V. Frankfurt a. M.. und deren Filialen. Zahlungen können außer direkt an den Berlag erfolgen per Skonto »ei der St. St« Postsparkasse «ten Ro. 79 606. Skonto det de« St. Poftspärkafienantt Bndnpeft Bo. 18496. Lento bet der Rigaer L»«»erLh«mr in Rifln «ad deren Filialen. 0er IlacfiOrucfc Oer flrflftel unO torrefponOen?en Oes „Israelit“ ift nur unter oenauer Quellenannabe, unö, soweit es (Ich um nrOOere Huffäfte hanOelt, nur nadi norherloer Oenehminuno aeftattet. IrchattsSberstcht. 1. Leitartikel: Ueutraitsiertrs Judentum. — 3. Wochen rund schau: Die Alliance-Wahlen. — Dek Zwang Mm Schaffen im Osten. 8. Aufsätze: Dr- Ascher: An den Grenzen der GrKenntnis. -- 4. Homiletik: Gpfrr. — 5.KleinesFeuilleton:Dr. Arthur Kahn: Gin Meeresgrad. — Die sterbende Gemeinde. — Die anatolischen Juden. — 6. KorresPondenzeN Und Nachrichten: Berlin (Repräsentantensitzung.) - Stuttgart (Bedeutsame Entscheidung des Berwaltungsgerichtes.) - Lenrberg (Di-oyobtftz.) - Ungarischer Brief. Budapest. - prtrrsbürger Allerlei. Petersburg. - Hie Wahrheit über die russische Ritualmordaffäre. Kiew. — Zur Frage der Sonntagsruhe. London. — Paris (Generalversammlung der „Jca".) — Rom (Volkszählungen.) — Zugunsten der rumänischen Juden. (New-York.) — Jaffa (Versammlung jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter.) ----- 7. Vermischtes: Mainz. — Stuttgart. — Beckum. — Wien. — Prag. — Prag. — Amsterdam. — New-Nörk. — Saloniki. — 8. Vereinswesen: Frankfurt a. M. — Nürnberg. — Lemberg. — 9. Personalien: Heilbronn. — Eisenstadt. — Mainz. -^Marburg. — München. — Rappenau. — Neinheim. — 10. Briefkasten. — Bereinskalender. — Familiennachrichten. — 11. Bei lagen: Feuilleton-Beilage: Sarah Gugenheimer: Kiah. Litterarische Warte: Prof. Dr. A. Berliner in Berlin: Das Edikt vom 11. Mär? 1812 im ersten Dierteljahrhundert seiner Wirksamkeit. — Bücherschau. ßeutr<Hi$ime$ Judentum. „Wie lange wollt Ihr nach beiden Seiten hinken — Ist der Baal Gott, so folget ihm nach, Jst's aber Gott, so folget ihm nach!" Pineas — Elijahu, die beiden Niesengsstalten, die aus der jüdischen Geschichte als wegweisende Vorbilder jüdischer Entschiedenheit in verworrener Zeit hervorragen, — die Weisheit der Ueberlieferung läßt sie seelisch zu einem Wesen zusammenfließen, läßt in dem Zweiten die personifizierte Wiederholung des kraftvollen Ahrontden erblicken- Und wiederum wird der Blick in schweren Tagen auf jene beiden Feuergeister gelenkt, die in eine schwüle Atmosphäre dumpfer Verwirrung hinein mit dem zündenden und reinigenden Blitze ihres unbeirrbaren Wollens herniederfuhren und Israel die Wahrheit Wiedergaben, um die es betrogen war. j Von Pineas Frieden schaffender Großtat wird in unseren Gotteshäusern erzählt. Aber Elijahus stammendes Wort vom Karmel möchte man herbeiwünschen, wenn der Blick die geistigen Verirrungen wahrnimmt, die in diesen Tagen zwar nicht erst geworden, wohl aber in vorher unerhörter, krasser Offenheit ihre rednerische und journalistische Vertretung im jüdischen Kreije gefunden. Wir haben ütt dieser Stelle den Werdegang der zionistischen Bewegung pflichtgemäß von Etappe zu Etappe verfolgt, uns niemals den providentiellen Aufgaben verschlossen, denen das gewaltige Wiedererwachen jüdischen Bewußtseins in halb schon entfremdeten Kreisen des jüdischen Volkes dienen mag, aber auch immer wieder auf die neuen Gefahren hingewiesen, die der Zionismus für die Erhaltung der nationalen Eigenart der Judenheit, kurz für das Judentum schlechtweg gezeitigt hat. Auf eine kurze Formel gebracht, lassen sich unsere Bedenken dahin zusammenfassen, daß die Reform die individuelle Anähnelung jüdischer Gesinnung und Lebensführung an diejenige der Völker, der Zionismus aber die nationale Anähnelung &£ jüdischen Volksganzen an die Kulturgeftaltung der Nationen der Erde bewußt erstrebt. Wie die Reform, bedeutet daher auch der Zionismus einen radikalen Bruch mit der jüdischen Ueberlieferung, die ja die Lebensaufgabe des Einzelnen während seiner kurzen Lebensspanne wie die der jüdischen Gesamtheit im Laufe ihrer welthistorischen Entwicklung ausschließlich in der Erkenntnis und Verwirklichung der Thora beschlossen sah. Diese Idee, die in dem unsterblichen und viel zitierten Worte: 'fai roboe vnn onto und in unzähligen programmatischen Sätzen der Bibel ihren unzweideutigen Ausdruck gefunden, die geradezu däs Zentrum der sinaitischen Ueberlieferung im Rabbinismus und den Schlüssel zur ganzen jüdischen Geschichte bildet, diese Zentralidee des Judentums, dieJdee der ausschließlichen Herrschaft des Gesetz gewordenen Gottesgedankens in einem Volke, sie ist es, die der Zionismus bedroht «nd bekämpft. Wir haben seit Jahren behauptet, daß diese geistige Frontstellung des klar begriffenen Zionismus gegenüber dem geschichtlichen Judentum nichts Zufälliges, nichts aus dem bösen Willen zu Beseitigendes,sondern eine konstitutive Grundbedingung des modernen Zionismus sei, deren Aufhebung cine Umwertung aller zionistischen Werte bedeuten würde. Was war die Antwort aus dem zionistischen Lager V Statt, wie es Kulturmenschen ziemt, ohne Rücksicht auf die propagandistischen Wirkungen, die innere Folgerichtigkeit des gegnerischen Gedankenganges zuzugeben und dadurch Klarheit zu schaffen, belief man sich auf — das Baseler Programm, das schlicht und planbloß von einer Heimstätte für das jüdische Volk spreche und daher von jedem gesetzestreuen Juden gebilligt werden könne. Diese Taktik hat denn ihre Wirkung auf die gesetzestreuen Maffen nicht verfehlt. Tausende sind, in allcn Weltteilen, aus warmem jüdischen Empfinden heraus, ahnungslos der neuen Fahne o-kolgt, deren Träger, gewiß optima kiäo, in dem' gleichen Augeblicke, in dem sie erklärten, nichts gegen das jüdische Religionsgesetz nulernehmen zu wollen, dieses selbe Religionsgesetz durch eine eine einfache Gedankenoperation von seinem tausendjährigen Throne stießen — in die Rumpelkammer historischer Reminiszenzen. Aber wieder einmal hat sich gezeigt, daß die Wahrheit nicht mit sich spaßen läßt, und daß früher oder später immer einmal der Augenblick kommt, der die Allgewalt der Prinzipien erweist und die Kurzsichtigkeit der praktischen Politiker ad oculos demonstriert. Der Zufall will es, daß das offizielle Organ der deutschen Zionisten einen Brief an einen „traditionell-gesetzestreuen" Juden veröffentlicht, durch den dieser von seinen religiösen Bedenken gegen den Zionismus kuriert und zum Anhänger bekehrt werden soll. Der Briesschreiber ist ein ehrlicher Mann, und er erhärtet in säst wörtlicher Nebereinstimmung was wir seit Jahren behauptet und bewiesen haben. Er erklärt kurzweg Folgendes.*) „In ie'em Volksleben ge ten die Begriffe Religi. n, Kunst, Wiffenschast, G schachte usw. als annähernd koordiniert — nur denn jüdischen Volke will man die Kunst, die Wiffenschast und überhaupt jegliche profane BolkSproduktion der Religion subordinieren. Bei jedem Volke ist das Nationale der Oberbegriff, man spricht von der Religion, *) Die Heriorhebm gm in li s.m wie in allen folgenden Cttaten stammen von uns. Red.

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