Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1911)
- Date
- 1911-07-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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6. Juli 1911. 5Bn Israelit. No 27. fette S Wiewohl noch mehrere Nomen aus den Reihen der Opposition auf der Diskussionsliste standen, erteilte der Vorstand alSdenn dem Referenten das „Schlußwort". Herr Dr. Mossinsvhn rechtfertigte fich mit Anstand urd Würde, leider aber nicht mit der gebotenen Offenheit, indem er den Kernpunkt der Frage, nämlich den Lehrplan des Gymnasiums und fti e persönliche Stellung zur jüdischen Tradition, wiederholt stnifte, um ihr iirmer wieder geschickt auszuweichen. Er bezrichr.ete sich im übrigen als etnrn „Gottsucher", dessen religiöses Bekenntnis noch nicht festst ehe. Selbstredend konnte nach diesem Schlußwort die Opposition nicht mehr zu Worte kommen. Wie vorauszusehen war, schenkte das Publikum dcm Redner, der jetzt noch einmal den Versuch machte, den Standpunkt der Gesetzes treuen klarzustellen, wegen der vorgerückten Stunde kein Gehör mehr und die Finsternis hüllte dcs Schlachtfeld ein. * * * Von der hiesigen Misracht Gruppe geht uns zur Veröffentlichung der Austrittserklärung der 20 Mtsrachtmttglieder aus der hiesigen Ortsgruppe zu, die den nachfolgenden Wortlaut hat: „Die unterze'chnctcn ge'etz;streuen Zionisten, entrüstet über die seitens der Frankfurter Zionistischen Bereinigung zu der heutigen Propagandaversammlung erfolgte Berufung des Herrn Dr. M o ss tn so h n, der e n Lehrer des hebräischen Gymnasiums zu Jaffa ist, das eine jidisch-na ionale Schule sein will und dabet sowohl die Unterweisung in der Praktischen Ausübung des Judentums prinzipiell ablkhnt als auch das religiöse Moment beim Unterricht der Bibel und der übrigen jüdischen Literatur systematisch ousschaltet, der nach einer im Zentralbüro der Zionistischen Föderation „Misrachi" dahi.r befindlichen und von jedeimann etnzusehendcn amtlichen, von Herrn Dr. Jakob Thon unterschriebenen Mitteilung des Zionistischen Palästtnaamtes in Jaffa an bas Zionistische Aklionskvmi.ee in Köln den biblischen Unterricht nach den irrrigen Resultaten christlicher Bibelkritik erteilt, der vor wenigen Tagen, am 22. Juni, in einer zionistischen Versammlung zu Nürnberg Tkora und Mtzwaus für veraltet rnd versteinert erklärt und die thoratreuen Juden unter einem unästhetischen Bilde gekränkt und v rächtlich gemacht bat, erilären ihren Austritt aus der Frankfurter Zionistischen Bereinigung. Die Berantworturg für diesen unseren Sch itr müff'N wir dem Bor stand der Zionistischen Beretntgu-g zuschteben, den der Borstand der hiesigen Mtsrachtgruppe wiederholt — mündlich und schriftlich, direkt und indirekt — vor der Berufung dieses Redners aus prinzipiellen Grün den gewarnt hat." Frankfurt a. M., 5. Juni. Zu den anläßlich des Auftretens des Herrn Dr. Mossinsvhn in der Zlonisttschin Oitsgruppe Nürnberg-Fürth zutage getretenen Konflikten zwischen Misrachi und Orisgruppenl'eitung übersendet uns die letztere eine lange Auseinandersetzung, die sich gegen den in der vorigen Nummer veröffentlichten, von mtsrachtsttscher Seite stammenden Bericht wendet. Wir entnehmen dieser Darstellung als einziges tatsächliches Moment die Mitteilung, daß in einer Versammlung der Ortsgruppe am 14. Juni, an d r mrhrere Misrachtsten — unter diesen einige Führer — teilnahmen, keiner der Anwesenden gegen die Berufung des Herrn Tr. Mosfinsobn anstelle des verhinderten Dr. Lewin etwas eingewandt hatte. Der Vorstand habe also geglaubt, d^ß hierdurch die v .rher von zwci Misrachtsten dcm Vorsitzenden gegenüber geäus; rten Bedenken gegen b;e Berufung Dr. Mosfinsohns erledigt seien. Nicht für den vorliegenden Fall, wohl aber aus prinzipiellen Gründen von Bedeutung ist noch der in der Zuschrift der Ortsgruppe befindliche Hinweis, es hätte „den Misrachtsten bekannt sein muffen, daß innerhalb der zionistischen Bewegung ein jeder — gleichviel welchcn Standpunkt er in religiösen Fragen cinnimmt — seinen Platz finde, sofern er nur aus dem Boden des nationalzicnistlschen Programms stehe." Diese Ausschaltung des religiösen Momentes aus der Idee des nationalen Judentums ist es gerade, die den Zionismus für das gesctzestreue Judentum unannehmbar macht, und nirgends tritt dieser Gegens tz zwischen geschichtlichem uns zionistischem Judentum krasser zutage als in der Anerkennung und Förderung von Persönlichkeiten wie Dr. Mossinsvhn und ihrer Bestrebungen durch die zwnisttsche Partei. Personalien. Frankfurt a. M, 28. Juni. Ein allgemein beliebtes Mitglied ist unserer Gemeinde letzte Woche in Herrn Simon Jsaac entrissen worden. Einer angesehenen hessischen Familie entstammend — der bekannte Rabbi Löb Sulzbach war ein O> kel deS Heimgegangenen und hatte als besten Lchrer feine Erziehung nachhaltig beeinflußt — hat Simon Jsaac des Lebens Fährnisse mit unerschütterlichem Gottvertrauen und tapferem Frohsinn getragen und in der gewissenhaften Wahrung von und im Lernen und Neben Befriedigung und Lebensglück an der Sette einer wackeren Gattin gefunden. Als wußte er mit seinem verständnisvollen, innigen Bortrag die Herzen zu erschüttern und zu Gott zu erheben, und in rastloser, werktätiger Menschenliebe als Mitglied der 827'^ K“On war er früh und spät auf dem Posten, wo es galt, jüdischer Pflicht zu genügen. So bat er fich in seinem allzu kurzen Dasein — im fünfundskchztzsten Jahre ist er nach kurzcm Leiden abberufen worden — in Gottes Weltenbau OD1 T erworben: H153Ö1 mtS/ und ein treues Gedenken wird ihm sortleben im Kreise seiner Freunde, seiner Gemeinde. Stuttgart, 25. Juni. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich der Abschied des ehemaligen Borfitzenden der Israelitischen Religionsgesellschast Stuttgart, Herrn Emanuel Kaufmann, von seiner Gemeinde. Getreu dem Ausspruch unserer großen Weisen roSn -ai -pnö *6« rona an« begann Herr Kaufmann mit einem erläuternden Bortrag über D'SJHö 7IV2V, deren Hauptverfehlungen in dem Mangel an Gottvertrauen gelegen habe, und knüpft? daran die Mahnung an seine Gemeindegenoffen, nie tn diesen Fehler zu verfallen, nie zu verzagen und kleinmütig zu werden, wenn auch noch weiterhin die Religionsgesellschast Stürme und Kämpfe bedrohen würden. Unentwegt müssen die Institutionen der I. R. G. erhaltcn und gefördert werken. Mit einem Herzlichen Dank für bas Vertrauen, das ihm de Gemeinde bisher geschenkt, und mit dem Ve sprechen, auch in seiner neuen Heimat ihr sein volles Interesse zu bewahren, schloß Herr Kaufmann seine eindrucksvolle Rete. Hierauf dankte Herr Kantor Sulzbacher im Namen der Reltgionsgefellschaft für die energische und zielbcwußte Leitung des scheidenden Vorfitzenden, unter welcher sich die Gemcmde gefestigt un) vergrößelt habe und deren Institut onen gediehen sind. Als letzter Redner dankte im Namen des Ausschusscs und dcr Kommissionen der I. R. G. Herr Paul M. Aron, der dcm Scheidenden zum Schluffe eine Adresse überreichte, in welcher der Ausschuß und die Kon mif cnen Herrn Kaufmann ihren Dank und ihre Anerkennung aussprechen und ihm ein zurufen. Aurich, 30. Juni. Unsere Gemeinde hat durch das Hinschetden eines ihrer früheren B amten einen herben Vertust erlitten. Nach kurzer, aber heftiger 5krankhett verschied am 27. Juni im 74. Lebensjahre unser alter Kantor und Schochet, Herr Jonas Wolfs, der in seiner Lebensführung uns allen als das Muster und Vorbild eines wahrhaften Jehudr gelten konnte und gegolten hat. 50 Jahre lang hat er seinem Schöpfer und reiner Gemeinde mit Elser gedient und sein bestes Wissen und Können tn den Dienst unseres Gemeinwesens gestellt. Seine Liebe zur Thora zeigte sich darin, das; er das DÖV 12 mm buchstäblich erfüllte. Die Thora, die er uns in früheren Jahren vortrug, konnte er auswendig und ebenso auch ‘1&D- Alle und mni!2 kannte er aufs genaueste und brachte sie bei Gelegenheit jedesmal zur Anwendung. Seine Verdienste um unsere nSnp fanden schon vor Jahren dadurch ihre Anerkennung, daß unser unvergeßlicher Landrabbtner Dr. Löb ihm in einem ehrenvollen Schreiben den ^>2N-Ttiet verlieh. Bor genau zwei Jahren trat er in den Ruhestandaber auch in dieser Zeit hat er fich sehr oft in die Bresche gestellt, und noch wenige Tage vor feinem Tode KtW '“IS mit der gewohnten Fertigkeit vorgetragen. Am Grabe schilderte Herr Lehrer Wolfs die Verdienste des Dahingeschtedenen und verstcherte, daß das Andenken dieses pmiC nicht aus unserer Mitte schwinden werde. Wenn uns etwas in unserem Schmerze zu trösten vermar, so ist es die Wahrnehmung, daß die drei Söhne dcs Verstorbenen in den Fußstapfen des Vaters wandeln und fich bereits als wahrhafte Jehud im bewährt haben. Uereinskaiender. Verein Mekor Chasim. (Beretnslokal Langestraße 18.) SamStag, den 9. Juli, nachnrittags 4 Uhr im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage Nr. 5: Mikro-Bortrag dcs Herrn I. Bender. TaniliennacftrtcDten. Geburten: Einen Sohn: Max Alexander, Merchingen. — Abraham Strauß» Osterburken. — Dr. Leopold Rothschild (Birkenauth) Halberstadt. — Eine Tochter: Hugo Lunzer (Eisenmann) London-X. Verlebte: Johanna Ovpenheimer, Jsi Wohlfahrth, Ortenberg (Hesien)-Frankmrt a. M. — Dora Marx, Adolf Friedman«, Maßbach (Ufr.)-Würzbirg. — Henriette Weill, Dr. M. Jchenbäuser, Zürich-München. Vermählte: Maier Sundbeimer, Jda geb. Rothschild, Heppenheim-Alsfeld. — Mosese Balk» Klara geb. Emmerich, Frankfurt a. M.» Barmlcwohfeler: David, Sohn von Daniel Katz» Egelsbach. Sabbat - Anfang u. Ausgang pbn nan row Sf: Anfang »atu» Ausgang Ubr jMin. 1911 5871 Ubr iMm. 8 12. 8r*stff«rt«. M. 7 65 Juli TamuS 9 35 Serif« .... — — 9 28 MS»che« . . . — — 9 07 Struftbitra . 7 30 9 25 Stuttgart. . . 7 15 9 20 Pole« . . — — 9 16 Milerg . 7 30 9 15 jpirmbttr* . . — 9 53 ■-. " ' ..- ■■ —— ■■ ■■■ Maschinenstrickerei Selma Voges Frankfurt am Main ♦ Hochstrasse 23. An- und Neustricken von Strümpfen mit bestem Material und billigen Preisen. Größte Auswahl in Strümpfen und Handschuhen. |=— | Landeshuter |: ■ «I Leinen- und Gebild-Weberei F.V. örünfeld Königl., Grossherzogi. o. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., LlfyZlltntrtUI 2S-L Grätsti Auwa|l aller Wäscheartikel für dta flaaskidarf. fliferOim laizer HintaHimi. Prilsllsti alt AbMldnnou siwlt Knstnaistfcligt zi DItnstti. (15542) für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich, lnsoesonaere ist es aasschilessücn Rache der Leser, die 1» Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonst ge Angaben religio osgesetzllchen Charakters anflhre Zuverlässigkeit zn prüfen. Sommer- und Winterkurort. 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