Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1911)
- Date
- 1911-07-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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JNttf & Jto. 2* __ gesellschäft Stuttgart Katt. Aus dem Berichte, welchen der Vorsitzende erstattete, ist hervorzuheben, daß sich der Mitgliederstand der Gemeinde wieder etwas gehoben habe. Die Religionsschule sei gut besucht und die Leistungen der Schüler seien befriedigend. Die D'"nytP, die von den Herren E. Kaufmann und Paul M; Aron allsonntäglich abgehalten werden, seien befriedigend besucht, gewesen. In der bekannten Schächtsache ist, wie erinnerlich, gegen das Urteil der Kreisregierung Rekurs beim Ministerium des Innern eingelegt, von diesem indessen bis heute kein definitives Urteil gefällt worden. Hingegen ist von demselben folgender Erlaß eigegangen: „Für die Entscheidung des Ministeriums wird eS von wesentlicher Bedeutung sein, ob es der Israel. ReltgionSgesellschaft gelingt, den Nachweis zu führen, daß fie einen Disstdentenveretn im Sinne des Gesetzes vom 9. April 1872 (Reabl. S. 151) bildet. Das Ministerium glaubt den Wünschen der genannten ReltgionSgesellschaft und deS Beschwerdeführers zu entsprechen, wenn es die rechtskräftige Entscheidung der Berwattungsge richtsfache der Israel. Kirchengemeinde Stuttgart gegen den Kausman Paul Aron in Stuttgart wegen Kultussteuerforberung abwartet, da bei einem für den Beklagten in diesem Rechtsstreit siegreichen AuSgang für die Mitglieder der Senannten Reltaionkgesellschaft die Bahn zum UStrttt aus der Israel. Landeskirche (der sie, soviel hier bekannt, z. Zt. mit einer Ausnahme noch alle angehören) und damit zur ErbrMgung deS erwähnten Beweises eröffnet würde. Für den Staatsminister.' gez. Schmtd." Der Vorsitzende bemerkt hierzu: Die Sache Aron stehe sehr günstig, es sei daher auf ein freisprechendes Urteil von Seiten des Ministeriums sicher zu rechnen. Zum Schluffe bedauert der Vorsitzende, daß er wegen seines bevorstehenden Wegzuges von Stuttgart nach 5V, jähriger Amtstätigkeit genötigt sei, die Vorstandschast niederzulegen. Nachdem der Kassierer, Herr G. Schloß, den Kassenbericht erstattet hatte, der wieder ein sehr befriedigendes Ergebnis aufweist, verliest Herr Aron das vorjährige Protokoll. An der nun folgenden Diskussion beteiligten sich die Herren Veit Kahn - C annstadt, F. M. Kahn, E. Kaufmann, L. Ehrlich und P. M. Aron. Die Beschaffung eines besonderen Lokales zur Abhaltung des Religionsunterrichtes wird wiederholt als unabweisliche Notwendigkeit konstatiert. Die nunmehr folgende Ersatzwahl zum Ausschüsse wird vertagt. Herr Veit Kahn, Cannstatt dankt dem scheidenden Vorsitzenden, Herrn E. Kaufmann, für die selbstlose und zielbewußle Leitung der Gemeinde und wünscht ihm in seiner neuen Heimat Glück und Segen. Hierauf schloß der Vorsitzende die Generalversammlung. Ka«ö«rg, 4. Juli. Man schreibt uns: Bezugnehmend auf Ihre freundliche Mitteilung in der letzten Nummer des „Israelit" betr. die Entscheidung in dem Oberrabbinerprozeß in Kopenhagen bitte ich um freundliche Aufnahme folgender Zeilen: 1. Das Gericht erkannte auf Grund des § 9 des dänischen Vertragsrechtes, wonach ein jeder Kontrakt gegen Erstattung einer Entschädigungssumme in dem Falle nichtig ist, in dem einer der beiden Kontrahenten durchaus nicht seine Jnnehaltung will, auch im Falle Dr. Lewenstein nicht auf Wiedereinsetzung in das Amt, sondern auf die Zahlung einer Entschädigungssumme von ^50,000 Kr. von seiten der Repräsentanten an ^Herrn Dr. Lewenstein. 2. Das Gericht erkannte vollkommen die prinzipielle Richtigkeit des Verhaltens des Herrn Dr. Lewenstetn an und erachtete in jedem ein zelnen Falle das Vorgehen der Repräsentanten" für verkehrt und kontraktwidrig. Nach dänischem Gesetz haben die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde Kopenhagen den ganzen Prozeß in vollem Maße verloren, und es konnte nur aus dem unter 1. angeführten Grunde die Wiedereinsetzung in das Amt nicht verfügt werden. D« ÄkSraelit. KoUarrd. Örganifafion 9er Oefefeesfreuen- Amsterdam, 20. Juni. Sonntag, 8. Siwan — rojnsv bv in nbK — ds. Js. tagte in Arnheim zum ersten male die auf Initiative des Oberrabbiners Rüdelsheim errichtete Centralorganisation zur religiösen und moralischen Hebung der Juden in Niederland. Es war ein Trtumphtag der gesetzestreuen Judenheit in Niederland, der zeigte, daß, wenn auch die Angehörigen derselben, nicht zahlreich sind, sie doch bet festem Wollen durch ihre qualitative Bedeutung noch recht viel zu Stande zu bringen vermag. Die Sitzung — im großen Concertsaal des imposanten Musie - Saerumgebäudes — wurde eröffnet durch das Begrüßungswort des Herrn G. Koster, Sekretär und Oberlehrer der jüdischen Schule in Arnheim, der u. a. Oberrabbiner Rüdelsheim, der in seiner Broschüre „Unsere Fahne empor" die Initiative zur Sammtun ergriff, ein? W 1121 '1 zurief. Oberrabbtner Rüdelsheim eröffnete dann die Sitzung in dem er kurz und kräftig die Aufgabe der C.-O. schilderte und auf die bereits geleistete Arbeit hinwies. Er erteilte dann das Wort Herrn Oberrabbiner Wagenaar zu einem vorzüglichen, gedankenreichen Referat über die Wichtigkeit des Thoralernens und Thoralebens. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine trefflichen, anregenden Ausführungen. Nach einer Mittagspause wurde von Herrn S. Selig mann (Amsterdam) ein Referat gehalten über: „Ursachen der N2V-Entweihung und die Möglichkeit zur Besserung" Redner führte aus, daß die Sabbatentweihung schon beim Kinde anfängt, mit dem — in Niederland unnötigen — Schulbesuche am nstp; er schilderte wie O. R. Rüdelsheim in Leeuwarden im Einvernehmen mit den Eltern dem entgegengearbettet hat und wie auch in Gymnasial- und Höheren Bürgerschulen so manchein dieser Richtung zu erreichen sei. Des Ferneren behandelt der Redner die Schwierigkeiten der Berufswahl der Kinder. Weil besonders in Amsterdam viele junge Männer, statt ein Handwerk zu erlernen, lieber auf der Straße als Händler mit Handwagen umherziehen, habe die Sabbatentweihung viel größere Dimensionen angenommen Redner sprach über die Arbeit des Vereins nstP nviottr und tebt die Mittel an, wodurch die C.-O. auch ier helfen kann. Nach sehr anregender Debatte wurden einige Resolutionen angenommen, die die Gründung eines rw - Fonds (um diejenigen, die durch das Sabbathatten materiellen Schaden erleiden, unterstützen) und die Errichtung einer Stellenvermittlung vorsehen. Es folgte ein Referat von Herrn Franzie Berenstein (Haag) über: Gemeinsame Arbeiten der jüdischen Gemeinden für traditionell-jüdische Jnteress en." Redner wünscht festen Zusammenschluß und gemeinsames Arbeiten. Wo die kleinen nv?np nicht leistungsfähig sind, müßte ihnen, besonders inbezug auf den Religionsunterricht, Hilfe geleistet werden, wo es geht auch durch Wanderlehrer — aber auch für rfnao und mtopo müßte noch viel getan werden. Auf Anregung des Herrn Oaberrabbiner Wagenaar wurde hierauf der N2V-Fouds gleich ins Leben gerufen. Mit Dankesworten an die Redner und Mitarbeiter wurde sodann die Sitzung vom Vorsitzenden geschlossen. Bigart in Hrnfferdam. Amsterdam, 3. Juli. Am 2. Juli fand in Amsterdam die Generalversammlung der holländischen Abteilung der Alliance Israelite Universelle statt. Es waren sämtliche Lokalkomitees durch ca. 50 Delegierte vertreten. Außerdem nahmen auch zahlreiche Mitglieder der A. I. U. an der 6. Juli LS11. Versammlung teil. Vom Bureau der holländischen Abteilung war ein Mitglied des Zentralkomitees, Herr M achtelse, ein geborener Holländer, eingeladen worden, um über das Schulwerk der A. I. U. im Orient zu sprechen. Nach ihm sprach der Sekretär der Alliance, Herr Bigart. Er führte ungefähr das gleiche aus, wie in der bekannten Versammlung in Basel. Den Lehrern der A. I. U. sagte er, könne man eine unjüdische Lebensführung nicht vorwerfen, weil (?) es im Orient, in Nordafrika und Palästina überhaupt keine Juden gäbe, die nicht den Sabbat streng hielten oder nicht koscher essen. In der Diskussion führte Herr Oberrabbiner Wagenaar-Arnheim ans, daß Herr Bigart der Versammlung nur Phrasen geboten habe. Eine unparteiische Untersuchung der Zustände in den Alliance-Schulen werde das Gegenteil des seinerzeit veröffentlichten Jnspektionsberichtes erweisen. Redner warf der Leitung vor, daß sie auf das Angebot von Dr. Aahuda, der ein Referat halten wollte, nicht eingegangen sei. Man habe demselben den Zutritt zu dem Saale verboten, nur weil Herr Bigart es so wünschte. Der Eindruck dieser Rede war derart, daß Herr Machielse die Zusicherung gab, daß er sich im Zentralkomitee dafür einsetzen werde, daß eine neue Jnspektionskommission nach dem Oriente ausgesendet werde, gegen deren Mitglieder niemand etwas einwenden könne. Herr Bigart erllärte, daß alle Beschuldigungen unwahr wären, aber er gebe gerne zu, daß Herr Antebi, der Leiter des Schulwerks im Orient, viel Schuld trüge. Das Zentralkomitee würde ihn am liebsten seines Postens entheben, aber es seien gerade die Rabbiner und alle Juden in Jerusalem, die das nicht wünschen. (?) Daß diese Mitteilungen nach den Ausführungen des Oberrabbiners Wagenaar von der Versammlung mit großer Skepsis ausgenommen wurde, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Schweis. Zürich, 3. Juli. Unter dem Titel „Die israelitsche T o leranz ko mm isst o n" besteht in Zürich seit dem Jahre 1905 eine Kommission, die es sich zur Aufgabe macht, schriftenlosen Ausländern die Niederlassung in Zürich (die sogenannte Toleranzbewilligung) Vonseiten der Stadtpolizei oder der kantonalen Regierung dadurch zu ermöglichen, daß für dieselben die von den Behörden verlangte Personalkaution im Betrage von 1500 Fr. für die Einzelperson und von 3000 Fr. für die Familie geleistet wird. Der Kommission ist eine Vereinigung von 90 Mitgliedern angegliedert, die sich zur solidarischen Haftbarkeit für die von der Kommission übernommenen Bürgschaften verpflichtet haben. Wie aus dem auf ihrer letzten am 26. Juni stattgehabten Generalversammlung erstatteten Berichte hervorgeht, waren bis Mai 1909, dem Termin der letzten Generalversammlung, 327 Bürgschaften ein gegangen worden, die sich bis jetzt auf 486 vermehrt haben. Ihrer Heimat nach sind fast alle Ruffen. Ueber jeden, der um Bürgschaft nachsuchte, sind soweit als möglich, namentlich bei den Arbeitgebern, Informationen eingezogen worden; wo diese ungenügende Resultate ergaben, ist die Bürgschaft verweigert worden. Ein Teil der Tolerierten muß auf Verlangen der Stadt behufs späterer Einbürgerung, resp. zur Entlastung der Bürgen von Zeit zu Zeit einen Betrag von 100 bis 200 %x. deponieren. Andere haben bet der Kommission 100 Fr. als Rückhalt für die geleistete Kaution zu deponieren. Größere Zahlungen sind bisher noch nie zu leisten gewesen, im ganzen Fr. 162.72 in zehn Fällen, sodaß der Fonds gegenwärttg auf 1944.66 Franken angewachsen ist. Dagegen find jetzt zwei Fälle pendent, die große Ausgaben verursachen dürften. Ein Schlaffer und ein Student