Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1911)
- Date
- 1911-06-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Aber es enthält eine Reihe recht anmutiger Bilder aus der jüdischen Geschichte Polens und Galiziens, die zur Richtigstellung mancher in der polnischen Judengasse verbreiteten Legende dienen können. Das gilt besonders von der Geschichte des jüdischen Eintagskönigs Wahl, in der (Seite Ä4—25) die wenigen Kernchen historischer Wahrheit fein säuberlich aus den sie umgebenden Wildblumen der Volksphantasie herausgeschält werden. Wir erfahren aus diesen belletristisch gehaltenen Studien auch die tieferen Zusammenhänge so manch jüdisch-historischen Ereignisses im Polenreiche deS 17. und 18. Jahrhunderts. Beachtenswert ist das Kapitel über die Franktstenbewegung in Lemberg im Jahre 1759 (Seite 54 bis 71). Zur Geschichtsliteratur gehört auch die vom „Vereine zur Abwehr des Antisemitismus" herausgebene Schrift „Der Anteil der Juden am Fortschritt der Kultur", wiewohl sie weniger historischen als vielmehr apologetischen Zwecken dienen soll. Denn die Juden, die sich in verschiedenen Ländern Europas als Diplomaten, Minister und Politiker hervorgetan, von denen die Schrift in ihrem ersten Telle berichtet, gehören zum guten Teil der neuesten Geschichte an — womit nicht gesagt sein soll, daß ihr Lebenswerk auch der jüdischen Geschichte angehöre. — Reichhaltiger ist, was in der Natur der Sache liegt, der zweite Teil des Büchleins, der der Juden Anteil an der Technik, Kunst, Wissenschaft und Philantropie schildert. Für den in manchen Ländern konsequent durchgeführten Ausschluß der Juden aus Staatsämtern hat man verschiedene Gründe zur Hand. Es ist daher ein ganz . guter Gedanke und entspricht vollständig dem Geiste und den Zwecken der Abwehrvereine, die Geschichte, diese bewährte Lehrmeisterin, dafür zeugen zu lassen, daß Unfähigkeit, Mangel an Pflichttreue und mangelnde Hingabe an den Staatsgedanken der Grund für die Zurücksetzung nicht sein kann. Die ersten 6 Hefte der von Friedrich Michael Schiele herausgegebenen Religionsgeschichtlichen Volksbücher (Verlag I. C. B. Mohr, Tübingen) enthalten zusammenhängende Abhandlungen über „Die Geschicke Judas und Israels im Rahmen derW eltgeschichte" vondem Berliner Professor F. Lehmann—Haupt. LehmannHaupt, der unter den modernen „voraussetzungslosen" Bibelforschern seine eigenen Wege geht, wurzelt doch im großen ganzen ebenfalls in dem für Phantasieauswüchse aller Art so ungemein günstigen Boden der Bibelkritik und haben daher die Ergebnisse seiner Geschichtsforschung mit jüdischer Geschichte nichts gemein. Für den reifen und gegen solche Einflüsse durch gründliche jüdische Quellenstudien immun gemachten Leser ergibt sich bei der Lektüre der von den bekannten Taktiken der „wissenschaftlichen Bibelforschung" abweichenden und sich doch von der jüdischen Auffassung so weit ab bewegenden Hauptschen Ausführungen eine Bestätigung der alten Erfahrung, daß entgegen dem einzigen Wege der Wahrheit ungemein zahlreich und verschiedenartig die irreführenden falschen Wege sind. Homiletik Unter der Fülle homiletischer Schriften, die in der letzten Zeit auf den Büchermarkt kamen, zeichnen sich durch ihr gefälliges Aeußere die bei I. Kauffmann, Frankfurt a. M. erschienenen „Festpredtgten" von Dr. M. S. Zuckermandel (Preis Mk. 3) aus. Das Werk wird seinem Titel insofern gerecht, als es tatsächlich ausschließlich Festpredigten — nicht weniger als 7 Pessachpredigten, 6 Predigten für MP12V und 5 für nittn Win — enthält. Es ist reich an Erklärungen und Belehrungen aller Art wie auch an sinnigen Deutungen von Schrift- und Midraschstellen, läßt aber an begeisterten und begeisterungerweckenden Mahnungen in bezug auf die Forderungen des Tages und das religiöse Klein leben fehlen und ergeht sich dagegen viel zu viel in allgemeinen Wendungen, wie sie auch von jeder Reformkanzel herab ohne Schaden für die geistige und religiöse Beschaffenheit der Zuhörer verkündet werden können. Etwas warmjüdischer gehalten, wenn auch naiver im Tone und weniger farbenschillernd in der Rhetorik, ist die unter dem Namen „Gottesdienstliche Vorträge" im Berlage von I. M. Belt, Wien erschienene Auswahl von Homilien und Casualreden von Rabbiner M. L. Gold st ein. Das Büchlein enthält zwei Kanzelreden, eine “HK ^-Ansprache und 5 Kasualreden für freudige und traurige Anlässe, die alle reich gewürzt sind mit D'p1D£, Talmudsprüchen und Zitaten aus späteren Kommentaren und Dezisoren. Dieser hübsche Aufwand an Perlen aus der altjüdischen Literatur, die mit geschickter Hand harmonisch im Texte verteilt find, hält den Leser für mannigfache, den Zusammenhang nur wenig störende Sprachmängel und Unebenheiten in der Form mehr als schadlos. Die Liebe und Dankbarkeit, die die Juden der österreichischen Lande für ihren greisen Monarchen empfinden, dokumentiert sich in einer ganzen jüdisch-homiletischen Literatur, welche das 60jährige Regierungsjubiläum deS Kaiser Franz Josef I. hervorgebracht hat. Die uns unter dem Titel „Der Weg zu Gott" vorliegende Festrede des Rabbiner Dr. Adolf Frankel-Grün (gehalten bei der Einweihung des Kaiser-Jubiläumstempel in Kremfier) ist ein würdiges Glied in der Kette dieser von glühendem Patriotismus getragenen Kaiferreden. Vielversprechend für Freunde der jüdischen Kanzelliteratur ist das in Oktavformat bei Kauffmann, Frankfurt a. M. erschienene erste Bändchen der „Homiletischen Bibliothek". Es enthält eine Trauerrede von Rabbiner I. N obel, Filehne, dem Herausgeber der Bibliothek, die sich durch Tiefe der Empfindung wie nicht minder durch edle Sprache, prägnante Kürze und formschöne Disposition auszeichnet. ll-cb ei>«a> der Sltta Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. Ich habe in Nr. 14 die Schwierigkeit des tzrNVV Su 3. B. M. 21. 2. Tritt» *6* m KVT zu lösen versucht, in em ich darlegte, daß in dem zitierten Satze 3. B. M. 16. 12 *^2» fllfTK KTH "pH Tdw r6:n *h der Ausdruck irw nich .Verwandter überhaupt, sondern, da der Onkel die Mchte wohl heiraten darf, weiblicher Verwandter bedeuten müsse, und daß damit auch erklärt sei, warum VTKttS nicht als aufgefaßt werden könne. Ich möchte noch binzusügen, daß meine Behauptung, die eigentliche Bedeutung von (Fleisch von meinem Fleische) sei „weiblicher Verwandter", nicht durch 4. B. M. 27. 11 widerlegt, sondern im Gegenteil bestätigt wird, da die nach den Brüdern des Vaters nächsten Erbberechtigten die Schwestern des Vaters find, also wiederum weibliche Verwandte, wie eS überhaupt keine einzige Stelle gibt, wo sich nur auf männliche Verwandte bezieht. Schließlich ist noch ein deutlicher Beweis dafür, daß die Bedeutung von weiblicher Verwandter ist, die Vokaltsierung des Wortes m»tt B. M. 18. 17, desien Bokalisierung zeigt, daß es nicht das Femininum von “tue? ist, sondern, wie schon Jbn Esra hervorhebt, ein selbständiges Wort mit femininer Endung, zu dem fich -IXE? verhält wie zu npVJt oder zu mm und viele andere mehr. Die scheinbar rätselhafte Vokalifierung von m»tt ist m. E. nur dadurch zu erklären, daß geflissentlich damit zum Ausdruck kommen soll, "igg? habe keine Femtntnalbudung, und zwar deshalb nicht, weil es an fich schon „weiblicher Verwandter" bedeutet, es fei in bezug auf die Geschlechtsbedeutung analog mitrp)Ktt und nicht etwa aus männliche Verwandte zu beziehen. Meine Ausführungen haben nun der Redaktion eine Anzahl von Zuschriften eingebracht, die fich mit dem gleichen Thema beschäftigen. Da die zum Teil sehr umfangreichen Darlegungen aus räumlichen Gründen nicht wörtlich zum Abdruck gelangen können, so teile ich in Folgendem den Inhalt der eingesandten und an mich