Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1911)
- Date
- 1911-06-22
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sitte 13. «L SS Der Israelit. sich neuerdings die zu Predigern promoviert m getfttg bedeutenderen Jünger des Seminars -immer mehr dem konservativen Judentum zu, und verleugnen offen und kühn die inkonsequenten, paradoxen Doktrinen ihrer, nach wie vor, an der überlebten deutsch-jüdischen Reformsüchtelei Hangenden älteren Lehrmeister. Rabbiner Dr. Joseph Herts, Zögling des Nelvyorker Rabbinerseminars, der seit zehn Jahren den Rabbinerposten zu Johannesburg in Transvaal bekleidet, wird im künftigen Kerbst, als Nachfolger des seligen Rabbiners Dr. Asyer aus Manchester, England, dessen Stelle bei d.er hiesigen deutsch-orthodoxen Gemeinde SO r a ä} C. hajim ersetzen. Hoffentlich wird Dr. Herts die allzufrüh unterbrochene, vielversprechende Wirksamkeit des Dr. Asher würdig fort» " führen. Es existiert hier für das orthodoxe Judentum eine dringende Nachfrage nach geistig erleuchteten Führern, deren Charakter und Eigenschaften für die energische Wahrung seiner wichtigten Lebensinteressen bürgen, und die sich den nötigen Einfluß zu schaffen verstehen, um unbeirrt und zielbewußt die Breschen des jüdischen Gemeindelebens dahier auszufüllen, leine Gebrechen zu heilen, und die Mauern des Hauses Israel auszubauen und zu festigen. vermischter. Berlin, 15. Juni. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Tagung des Deutsch-Israelitischen GewelnbebundeS vom 11. Juni d. IS. hat Herr Senator Ft scher erklärt, die Gemeinde Walsrode habe bei chm Protest, dagegen erhoben, baß der von ihr mit der Betretung beauftragte Unterzeichnete der Opposition gegen die Statutenänderung' sich angefchlbfsen habe, fie betrachte das als einen Mißbrauch beS Mandates. Nach einem mir Wgegangenen Schreiben des Vorstehers der Synagogengemeüwe Walsrode, des Herrn .Richard Sockel, ist jene Erklärung des Herrn Senators Elscher Unwahr. Rach diesem Brief hat Herr Senator tscher am SttzungStage morgens den Vorsteher angekttngelt und chm erklärt, baß ich gegen drnGemetndebund, von dem die Gemeinde Bethilfe erhalte, «zionistisch" agitiere. Der Vorsteher, Herr Seckel, hat darauf «widert,' daß er davon' nichts wisse und daS nicht billigen würde. Er hat. die ihm empfthlcne Annullierung des Mandates avgelehnt und Herrn Senator Fischer lediglich ermächtigt, zu erklären, daß, wenn lch gegen den GeMeindevund zionistisch agitiere, ich nicht im Sinne meinem Auftraggeber handle. ES waren danach sowohl die Mitteilungen, die Herr Senawr Fischer dem Herrn Vorsteher Seckel gegenüber, als auch die, die er in der Versammlung des GemetnüebundeS gemacht hat, unwahr. HechachtungSvoll Samuel Gronemann, Rechtsanwalt. Kassel, 11. Juni. Die viel umstrittene Frage, ob die jüdischen Lehrer im Bezirk Kassel berechtigt find, an dm Gemeindeversammlungen tetlzunehmen, hat setzt eine vorläufige, für die Lehrer iünsttge Lösung gesunden. Dir Regierungspräsident at nämlich aus Anlaß eines konkreten Falles entfchteen, daß dm israelitischen Lehrern, welche Steuerfreiheit genießen, das Recht der Teilnahme an hm ISraeltttfchen Grmemetndeverfammlungen und das Stimmrecht nicht versagt werden kann, weil die Steuerbefreiung als ein auS religionSgefttziichm Bestimmungen herrührender Brauch anzusehen ist. Hamborn (Rhld.), 18. Juni. Die Gemeinden Holim und Sterkrade, die bisher zur Synagogengemetnde Hamborn gehörten, find auf Wunsch der letzteren durch Genehmung des ReMerungsprästdenten getrennt und zu einer selbständigen Syuagogengemetnde formiert worden. Die neu: Gemeinde heißt Sterkrade- Holten und zählt über 30 Familien. Ter Religionsunterricht wird von Herrn Lehrer U ck o - Hamborn erteilt. Mit der Abtrennung der genannten Gemeinden ist auch die FriedhofSfrage aktuell geworden, da der bisher gemeinschaftlich brnutzte rP2 in Holten liegt. Die Stadtverwaltung Hamborn hat nun in tolerantester Weise * dem Antrag der Synagoaengemetnde auf dauernde Ueberlafiung eines Teils des rhr anvertrauten Areals auf brm SÜd-Kommunalfrtedhof, stattgegeben mit der ferneren Bestimmung daß eene Exhumierung der Letchm und Befreiung der Gräber von der Umlegung für ewige Zeiten ausgeschlossen fein soll. Für den Fall jedoch, tag der Friedhof jemals ausgelassen werden sollte, soll der Syn '.gvgengeMtinde für ihren Lell in erster Linie daS Bo.kausSrecht eingeräumt werben. London, 1. Juni. Die jetzt bekannt werdenden Ziffern der englischen Volkszählung zeigen für das Londoner East End außerordentlich intrvtfiante Ergebnisse. Die Bevölkerung von Stepneh, des hauptsäaMsten AnfiedelungSortS der jüdischen Einwanderer, ist seit der letztm Zählung um mehr alS 18 000 Seelen gefallen! Zum Teil ist diese Verringerung natürlich auf Abwanderung in andere Distrikte zuruckzuführen. Doch bleibt die Tatsache bestehen, taß der Zuzug die Lücken jedenfalls nicht ausgesüllt hat. UebrigenS weisen auch eine ganze Anzahl anderer Distrikte, die fast ausschließlich von Juden bewohnt werden, starken Rückgang der Bevölkerungsziffer auf. Diese Ziffern werden hoffentlich dazu beitragen, die fortgesetzten Bemühungen auf Verschärfung der EtnwanderungSgesetze zu durchkreuzen. Bern, 13. Juni. Nach amtlicher Bekanntgabe ergab die letzte Volkszählung Ar die Schweiz eine Gesamtbevölkerung von 3 741971 Personen, 326 528 mehr als vor zehn Jahren,' darunter find 3 808590 Protestanten, 1590 792 Katholiken, 19023 Juden und 46 597 Ang - hörige anderer Konfessionen. Luzern, 20. Juni. Am 11 Juni wurde der Grundstein zur Synagoge gelegt. Etwa 300 Personen waren anwesend. Herr Rabbiner Dr. A. Cohn aus Basel hielt die Weiherede. Herr Rabbiner Dr. Appell aus Karlsruhe sprach als Testamentsvollstrecker des fel. Herrn C r o n e S, der fein Vermögen der Gemeinde Luzern zum Bau einer Synagoge hinterlaflen hatte. In Luzern, wo schon im Jahre 1324 Juden lebten, ist eine Gemeinde von 64 Mitgliedern. Herr Simon Erlanger sen. wurde am jüngsten Sonntag zum Mitglied des Stadtrats gewählt. LLien, 4. Juni. Zur freudigen Ueberraschung der Schowousnacht im B.th Hamidrasch Ohel Abraham IX. züm Lernen Versammelten, spendete deffen Obmann, Herr S. K o h n, einen großartig ausgesteuerten fD*lß wie auch Decken für sN71V und Tlöj?. BereiriSrabMner M. Fletschmann benützte diese Gelegenhett, dem Spender für die Fürsorge, Welche er dem “)"'"!ürO angedeihen läßt, seine Anerkennung auszusprechen. Am nächsten Tage sprach Herr Redakteur Schwarz dem Spender den Tank des Vorstandes aus. Temosvar, 5. Juni. Am 28. Mai hat hier unter motzen Feierlichkeiten die Installation dcs Beschoss Glattselder fiattgefunüen. Die Judengemetnden unserer'Stadt ließen eS sich nicht Nehmen, dem neuen KUchenfürsten ihre Aufwartung zu machen. Aus die Begrüßungsansprache der n e o l o g e n Gemeinde erwiderte der Bischof: «Es gebe einen Punkt und ein Gesetz, wo Christen und Juden einander begegnen. Dieser Punkr ist der Dekvlog, denn in diesem Gesetze lebt der Geist der Liebe. Wenn fie in diesem Geist leben, bann werden stch unsere Bestrebungen in der nationalen Kuüürmbeit vereinigen." Auf die Begrüßungsworte der orthodoxen Gem e i n d e antwortete der Bischof länger: «Ihre Aufmerksamkeit rührt mich, ebenso der Elfer, der Ihr religiöses Leben kennzeichnet. Liehet und pfleget diesen Geist «nb daS Gesetz, das Sie als das Ihrige erkennen und lassen Sie sich nicht von den Strömungen des UnglaubeuS und dem schwankenden Zeitgeist verirren, denn nur dann kann die Zukunft dieses Landes, infolge ter festen Basis, die wir im Glaubenselfer besitzen, gesichert sein. In Ihrer die Seele erhebenden Arbeit seien Sie stets bestrebt, die moralischen Grundlagen deS Staates zu stärken." 0tr<insw$tn. Hamburg, s. Juntl. Der «Israelitische Verein zur Unterstützung armer Greise" hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz deS Herrn Alfred Levy ab. Der Vorfitzente hob bei Erstattung des Jahresberichts hervor, daß der im Jahre 1794 gegründete Verein eine der ältesten WohlfahrtSeinrichtungen der hamburgifchen Judrnhett, auch im v»rflvffrnen Jahre feiner großen sozialen Aufgabe, den LevenSwtnter der armen gebrechlichen Leute durch etwas Sonnenschein zu erheitern, innerhalb der ihm durch seine Mittel gesetzten Grenze gerecht geworden ist. ES wurden durch den Verein im Jahre 1910 32 Personen mit 5988,28 Mk. unterstützt und zwar war die älteste der unterstützten Persynen 91 Jahre und die jüngste 71 Jahre alt. Außerdem erhielten aus der Stiftung für alte Eheleute zwei Ehepaare eine Unterstützung von je 252 Mk. Der Verein konnte im vorigen Jahre eine so segenSretche Tättgkelt entfalten, da ihm infolge eines erlassenen Aufrufes an einmaligen Zuwendungen 2996 Mark zur Verfügung gestellt wuroen, außerdem gingen an Mttgitederbetträgen 2198 Mk. ein. Die vom Kas,enführer erstattete Abrechnung wurde genehmigt und dem Sasfierer Decharge erteilt. Hamburg, 4. Juni. In der Zeit vom 1. Mä z 1910 bis zum 1. Juni 1911 wurde die hiesige Jüdische Bibliothek und'Lesehalle im Hause Btebeftr. 4 von 5500 Personen besucht. AuSgelrrhen wurden bisher insgesamt 1968 Bände. Im Monat Mat Settug die Zahl der Besucher 887. Segeberg, 38. Mai. Hier ist ein Kinderheim des Israelitischen humanitären Frauen- Vereins eröffnet worden. In fünf Wochen waren für diesen Zweck m den' Beteiligten Kreisen 24 560 Mark g zeichnet, außerdem wurde» wertvolle Geschenke in Aus ficht gestellt. ‘»'Stert 1911. Personalien. Freiburg t. Breisgau, 16. Juni. Soeben haben wir einen treuen und warmen Freund unserer Interessen, Herr cand. med. Louis Brüll n"j>, zur ewigen Ruhe gebracht. Ihm, dem stets Rastlosen, ist nun die Ruhe beschteden. "fH NN12Q1 rott DV>S D'obirn- Als Urenkel des Wiener Raw, des berühmten Verfassers des N' und ein Enkel des allen Preß- Vurgern unvergeßlichen Reb Chajtm Brüll und Sohn beS als Kaufmann und Gelehrten hervorragenden Reb David Brüll hat er in Preßburg pmnn b$ n*n\Tl die Traditionen dieser Familien in stch aufge nommen. Mitten in erfolgreicher kaufmännischer Berusstättgkett entschloß sich der Verblichene erst in reiferen Jahren zum ärztlichen Studium und mit der ihm eigenen eisernen Willenskraft und mit großen Geistesgaben bedacht, stand er unmittelbar am Ziele seines der leibenden Menschheit gewidmeten StrebenS. Einige Tage vor seinem Staatsexamen ist uns der teure Freund entrissen. Zwei schwerbetrvffene Schwestern und eine große Anzahl von aufrichtigem Schmerz erfüllter Verwandter und Freunde beklagen den so fri hen Heimgang des Mannes, der vermöge feiner GetsteSgaben und feines Miss, ns auf jüdischem und profanem Gebiete so Ersprießliches für den bbs hätte leisten können. Die mi2p gestaltete sich zu einer höchst imposanten Trauerkundgebung. Außer einer großen Anzahl Freiburger GemeindlMitglieder und her betgeeilter Freunde und Verwandten gaben der Rektor der Universität, der Dekan der medizinischen Fakultät, sowie Mitglieder des Senats, eine Anzahl studenttfcher Korporationen dem Verstorbenen das Ehrenge leite. Wegen beS unmittelbar bevorstehenden rDtP unterblieb im Sinne deS Bervlichenln jede Ansprache. sj In BreSlau sprach Herr Abraham Berltnger einige zu Herzen gehende, daS Leben deS Verblichenen trefflich charakterisierende Worte. Ächen häufen, 13. Juni. Unserem hochverehrten 1. Kultusvorsteher,.Herrn Magistratsrat Michael Sul zer, wurde heute, anläßltch der Feier seines 80. Geburtstages, eine wohlverdiente Ehrung zuteil, indem ihm durch einstimmigen Beschluß des ^Magistrats und Gemeindekollegtums der hiesigen Marktgemetnde in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und ganz besonders für seine musterhafte, uneigennützige Tätigkeit als MagistratSrat und Gemetnde.assterer das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde. Der feieriichen Uebergabe der Ehrenbürgerrcchts-Urkunde wohnte, außer den beiden Kollegien der tsraeltttschiN Kullusoerwaltung und der Familie des Jubilars auch der Königliche Bezirksamtmann, Herr Wimmer, bei, der dem Jubilar in herzlichen Worten den Dank deS Kgl. Amte« aussprach. I. Lvr eschen, 16. Juni. Herr Lehrer Hermann W o l s f vollendet am 4. Juli d. I. sein 70. Lebensjahr und begeht zugleich in seltener körperlicher und geistiger Frische die Wiederkehr des Tages, an tem er vor 50 Jahren seine Seminarstudien mit dem ersten Lehrerexamen gekrönt hat. Von den 40 Jahren seiner Berusstäligkeit fallen 38 auf unsere ehedem auch numerisch nicht unbedeutende Gemeinde, die in erster Reihe berechttgt ist, diesen Tag als einen Freudentag zu begehen, wenn auch der Jubilar nicht mehr unter uns weilt und sein otiam dignitatis in Posen int Kreise seiner Kinder genießt. Unveriöschlich lebt in unserer Mitte nicht nur die Erinnerung an seine vorbUdliche Frömmigkeit fort, in der er dem großen Kreis seiner Schüler auch vorlebte,L wir gedenken mit schuldiger Danlbarkett auch ferner humanitären Bestrebungen, die ihn znm wahren Priester der Menschenliebe machten. Bon seiner gleichgesinnten Gattin unterstütz., gab er manche heilsame Anregung zu segensvollen LtebeSwerken, und so mancher Verein in unserer Gemeinte fand im Lehrerhause seine volle Förderung. Anläßlich sei. er im Oktober 1901 erfolgten Pensionierung ist er von h.chster Stelle mit deck «Adler der Inhaber des Könittl. Ha^soröens" ausgezeichnet worden, und so ward dem Verdienste die Krone. Wir wünschm von Herzen, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch recht lange an der Sette seiner würdigm Gattin und mit dieser vereint wie bisher im Dienste der Menschenliebe auch seinen hoffenttich recht langen Lebensabend zu verklären und zu einem Segens qucll für die Armen und Leidenden zu gestalten, damit auch hier es zur Wahrheit werde: «Der Gerechte blüht wie die Palme und wächst hoch wie eine Ceber am Libanon." Dr. L. in Wr. Breme«, 20. Juni. Am 1. Juli steht Herr Joseph F i s ch b e t n auf eine 25jährige Tättgttit im Hause I. M t ß l e r, die Passagier-Abteilung beS Norddeutschen Lloyd zurück. Herr Fischbein ist der e.nzig Mische Beamte dieses Weltumernehmend, d r sich vor Bestehen des «HttstvereinS der DeMschen Juden" schon große Verdienste um die Beförderung der mittellosen jüdischen Emigranten erworben hatte. Daß ihm in seiner Stellung in enigegenkommenster Weift die Möglichkeit geboten wird, treu den Gesetzen der Religion zu leben, und auch hllsreich für seine Glaubensgenossen zu wirken, soll hier besonders erwähnt werden. Hoffeuheim, 7. Juni. Etnm schweren Verlust erlitt die hiesige jüdische Geuieinüe durch den plötzlichen Heimgang ihre-Vorstandes, Heren MoftS Reis, der dem Synagogenrat seit 24 Jahrm angehörte und seit 14 22. § siahren Welch licbihei am Ml Ai Pinki cchten wahren mcinde spräche der G Aussich und H wandte Kirsche! find, ke mit ol habe tü sehr sä nichts! sodaß t< Die W schwer standen stien. den km verbun Fer machen ich den Speisel müse, i Restaui zur Ai t ntwor essen ti die Ber allen 8 aber k« Fiiri Mtbi ier. Con Genera! 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