Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1911)
- Date
- 1911-06-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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HMe tz. HK . M D«c ZAmütt. sthetdung, ob dem Rambam oder dem Riph rc. für irgend jemand und vielleicht gar-für sie selber eine- Bedeutung haben wird! Man gebe dem Kaiser, was des Kaisers und dem — Rabbiner, was des Rabbiners ist. Auch kann es gar nicht vom Uebel sein, wenn das Band zwischen Rabbiner und Bezirksgemeinde ein etwas engeres ist, . und dieser von allen Vorgängen in derselben auf dem Laufenden erhalten hietbi^ auch bevor irgend ein Konflikt ausgebrochen ist . und er von demselben privatim hört oder von der Oberkirchenvehörde davon in Kenntnis gesetzt wird. Er trägt ja die Verantwortung für Schechita, Mikwah und Religionsunterricht, also muß er stets in der Lage sein, gleich von vornherein seine Stimme hören und befolgen zu lassen. Es geschieht dadurch der Selbständigkeit des Kirchenvorsteheramtes keinerlei Eintrag. Dieses hat ja noch das Recht der Bewilligung und Versagung der Geldmittel/ also den nsrvus rerum in seiner Hand. Wer die Geschichte der israelitischen Kirchen-, versassung in Württemberg kennt, weiß, daß die Israeliten des Landes mit der Organisation sich zwar befreundet haben, daß aber gerade die Nichtbeachtung des Religionsgesetzes und dessen geflissentliche Hintansetzung die Bergewattigung ' St* religionsgesetzlichen Forderungen und Anliegen der Gemeinden und Einzelnen in früheren?ayrzehnten ungeheuere Unzufriedenheit und füge Kämpfe immerdar erzeugt und zu' An-. Mtmen gegen die Kirchenverfaffung geführt haben. Seit zwei Jahrzehnten, also seit der Zeit, da das israelitische Religionsgesetz in den Entscheidungen und Erlassen der maßgebenden. Behörden weitergehende Beachtung findet, hat .die- Unzufriedenheit aufgehört und im allgemeinen ruhigem Vertrauen Platz gemacht. Man beachte -diese Erfahrung! Man bedenke aber auch die' /Zukunft, die sich bereits heute geltend macht: nämlich die Renaissance des jüdischen Bewußtseins, die'Rückkehr züm Judentum, die Sehnsucht her Massen, auch der linksstehenden, nach dem Urgrund ' des Judentums, das sind Bibel, Talmud, ' ReliaionSgesetze, Gewiß, die „linksi.liberalen" Juden werden mit lautem Geschrei MM Rückkehr btstretteN, aber sie wissen selber nicht, daß gerade fie nicht minder stark von der zurückflutenden Welle getragen find. Wenn sie M zum Bewußtsein der Lage gekommen sein werden, werden fie dem Religtonsgesetz, der Mora, die gebührende Anerkennung zollen und stoh sein/ daß die'Verständigeren für sie vorgearbeitet und vörgesorgt haben. Wenn für das Judentum etwas geschaffen wird, so Muß es auch dem Judertum/ d. i. dem Rekigionsgesetz, e-n t s p r e ch e n. Unjüdisches oder Halbjüdisches hat in unserer Mitte auf die Dauer keinen Bestand. Wie im lebendigen Organismus Fremdkörper auSgestoßen werden, und sei es auch erst wach heftigen EntzünduNoen oder Eiterungen, so die Einrichtungen und Gesetze, welche einen unverständigen Zeitgeist dem Württembergischen Judentum haben einpflanzen wollen/Man denke nur an die Choräle, die, jahrzehntelang in den Synagogen Württembergs haben gesungen werden müssen} seit 30—40 Jahren find sie verstummt und vergessennur unter altem Gerümpel auf . dem Boden der Häuser wird ab und zu ein solches „Gesangs- und Choralbuch", her- .ausgegraben auf Veranlassung der Kgl. Jsr. Oberkirchenbehörde, „entdeckt", ein Zeichen längst aufgegebener Nachahmungssucht, die sich »nicht hat-halten können. Möge die neue Verfassung von weiseren und besseren Männern, als die in der Vergangenheit walteten, ihre endgiltige Fassung erhalten zum Heile der Juden und des Judentums! 1 £orrc$poiuUnzen u. ßacbricbte*. < Werlitt, 20. Juni. Die „Allgemeine Jüdische Kolonisations - Organisation" schreibt uns: - Der bisherige erste Vorsitzende der A. I. K. O. Dr. Isidor Gins b erg-Berlin hat sich aus Gesundheitsrücksichten gezwungen gesehen, sein Amt für einige Zeit niederzulegen. In seinem an den Vorstand gerichteten Schreiben heißt es: „Um jeder unzutreffenden Auslegung meines Schrittes zu begegnen, möchte ich daraus Hinweisen, daß ich . schon an Nervenschmerzen litt, als ich meine berufliche Tätigkeit aufgab. In den letzten Monaten fühlte ich, daß mein altes Leiden wieder zum Vorschein kam. Dies ist der einzige Grund, weshalb ich mich zurückziehen muß. Er findet seine Bestätigung in der Talsache, daß ich auch meine Ehrenämter in anderen Humanitären Gesellschaften gleichzeitig nieder- ■ lege. Wenn ich mich auch an den Arbeiten der A. I. K. O. vorläufig aktiv nicht weiter beteiligen kann, bleibt ihr mein Jntereffe jedenfalls nach wie . . vor gesichert. Die von wir zugesagte Beteiligung an einem von der A. I. K. O. zu schaffenden Bvdenkauf- und Agrarkredik-Jnstttut in Höhe von 50,000 Mk. erhalte ich aufrecht. Sollte mein Gesundheitszustand im Laufe eines Jahres fich soweit bessern, baß die Wiederaufnahme meiner Tätigkeit in humantkären Gesellschaften mir gestattet wäre, würde es mir eine Freude sein, auf meinen Posten wieder zurückzukehren." . Wie man aus diesen Ausführungen ersieht, beruht die Meldung einiger Blätter, daß der vorübergehende Rücktritt des Herrn Dr. Gtnsberg als eine Krise in der A. I. K. O. zu deuten sei,' ausi einer irrigen Auffassung. Ebenso ist es unzutreffend, daß die Bemühungen der A. I. K. O. um Beschaffung von Fonds für das kommerzielle Bodenkauf-Jnstitut gescheitert wären. Die Gründung eines solchen Institutes ist gesichert und wird im Laufe der nächsten Monate vollzogen werden. In Anerkennung der großen Verdienste, die Herr Dr. Gtnsberg während seiner Amtstätigkeit sich um die A. I. K. O. erworben hat, ist er vom Vorstand zum Ehrenpräsidenten der A. I. K. O. gewählt worden. Dr. Ginsberg hat die Wahl angenommen und bleibt in diesem neuen Charakter weiterhin in ununterbrochener Fühlung mit der Organisation. Die Leitung der Geschäfte hat der zweite Vorsitzende, Kommerzienrat und Handelsrichter Gerson Simon-Berlin, übernommen. Werlitt, 21. Juni. Wie vorauszusehen war, hat nun auch das Preußische Herrenhaus in seiner Sitzung von gestern das Feuerbestattungsgesetz in der Fassung des Abgeordnetenhausemiteiner allerdings kleinen Stimmenmehrheit angenommen. Gegen das Gesetz stimmten alle Vertreter des Zentrums und ein großer Teil der Konservativen. Somit hat diese vielumstrittene Angelegenheit für Preußen ihre definitive Erledigung zugunsten der fakultativen Leichenverbrennung gefunden. - Nerlitt 8. Juni. Zu den Städten, in denen bislang noch ein Schächtverbot bestand, gehörte auch C r o ss e n a. O. Die dortige jüdische Gemeinde hat verschiedentlich, aber bisher vergeblich, den Magistrat gebeten, das Schlachten nach jüdischen Ritus im Schlachthause zu gestatten, Nunmehr wandte sie sich mit einem Schreiben an die Stadtverordneten-Versammlung, daß diese auf den Magistrat einwirken möge, seinen bisherigen Standpunkt in dieser Sache aufzugeben und das Schächten zu gestatten. In der letzten Sitzung gelangte ein schächtfeindliches Gutachten des hiesigen SS. WM. S chlachthof- Inspektors zur Verlang. Trotzdem sprach sich nach längerer Debatte die Stadtverordneten-Versammlung mit 13 gegen öStimmen für das Schächten aus, so daß das bis dahin zu Unrecht bestandenes Verbot nun aufgehoben ist. __ Eine Debatte über HJanderarmenfürforoe. Wreskatt, 19. Juni. Der Verband der Synagogen-Gemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz hielt seine diesjährige Hauptversammlung am 18. er. im Sitzungssäle des Repräsentantenkollegiums zu Breslau ab. Insbesondere die mittleren und kleinen Gemeinden waren zahlreich vertreten. Die Verhandlungen, die besonders zur Wanderarmenfürsorge interessante Einzelheiten zu Tage förderten, mußten jedoch infolge eines jäh eintretenden, schweren Trauersalles Plötzlich abgebrochen werden. Der Geschäftsbericht wurde im Namen des Vorstandes vom Sekretär des Verbandes, Herrn Dr. Löwenthal, aus einem sorgfältig ausgearbeiteten Manuskript verlesen. Als wesentliches Moment ist wohl hervorzuheben, daß die von der Provinzialkasse Breslau in der Berichtszeit vom 1. Oktober 1910 bis 1. Juni 1911 verausgabten Unterstützungen insgesamt 1975 M. betragen. (Zu dieser Kaffe gehören 28 Gemeinden einschließlich der Synagogen-Gemetnde Breslau!). Die anschließende Diskussion beschränkte sich lediglich auf das Kapitel „Wanderarmenfürsorge". Vorsitzender Geheimer Justtzrat Wo l l - stein führte aus: „Leider stehen noch eine ganze Anzahl Verbands gemeinden außerhalb der Zentralstelle für die Wanderarmensürsorge. Es sind zwölf Genreinden, die sich noch nicht angeschlossen haben, darunter von größere» Gemeinden die Synagogengemeinde Hirschberg. Es ist lebhaft zu bedauern, daß es unseren Bemühungen immer noch nicht gelungen ist, Hirschberg zum Beitritt zu bewegen. Ich kann meine Ausführungen nicht schließen, ohne nochmals einen warmen Appell an den hier amvesenden Vertreter von Hirschberg zu richten und ihn dringend zu bitten, mit seiner Gemeinde der Zentralkasse beizutreten." Da n zig er-Liegnitz: „Tie Zahl der Durchwanderer betrug bei uns i>> diesem Jahre bis zum 1. Juni 56 gegen 261 im Vorjahre. Wir verabfolgten außer unserem Jahresbeitrag an die Provinzialfasse Breslau (750 Mk.) 142,9f> gegen 703,60 Mk. bis zum 1. Juni 1910. Obgleich wir hofften, daß Liegnitz von Durchwanderern überhaupt verschont bleiben werde, finden sich diese - wie unser Bericht zeigt — immer noch ein." Sodann ergriff der Vertreter für Hirschberg, Justtzrat Ledermann, bas Wort, um nochmals — wie schon im Vorjahre — den ablehnenden Standpunkt, den die Synagogengemetnde Htrschberg zur Zentralkaffe einnimmt, zu begründen. Leider sollten es die letzten Worte dieses standhaften und mutigen Mannes sein, in dessen Brust noch ein echt jüdisch empfindendes Herz schlug und der sich — obgleich er selbst nicht auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stand — eine aufrichtig jüdische Gesinnung bewahrt hatte. In seinem Wesen lag etwas jugendltch-ftisches — und wer von den Teilnehmern der Tagung hätte geglaubt, daß dieser Mann schon an der Pforte des Todes stand: Doch lassen wir zunächst seine Ausführungen dem Sinne nach folgen: „Meine Gemeinde ist hier quasi angeklagt worbe». Ich als ihr Vertreter habe die Pflicht, sie zu verteidigen. Bereits voriges Jahr habe ich an derselbe» Stelle die Bedenken, welche meine Gemeinde davon zurückhalten, der Zentralstelle für die Wanderarme»- fürsorge bei^utreten, vorgetragen. Wir sind bis heute noch zu keinem anderen Entschluß gelangt. Wen» die Hilfe wirklich zentralisiert worden wäre, dann hätten kaum noch Durchw anderer nach .Hirschberg kor» men können. Tenn das ganze Netz um uns heru»i ist geschlossen. Wenn die Leute zu uns wollten, so müßten fie baäf erst durch eine Reihe von Gemeinde», welche der Organisation angehören. Tie Durchwanderer haben aber eher zuals abgenommen. lieber dies liegen wir in der Nähe der Grenze. Ich bedaure, daß wir uns in einem Gegensätze zum Ausschuß befinden und werde natürlich von dem hier erhaltene» Bericht meiner Gemeinde Kenntnis geben. Ich hoffe. daß die Sttnnnung in meiner Gemeinde eine für die Zentralkasse günstigere sein wird." Diesen Ausführungen schloß sich — soweit es