Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1911)
- Date
- 1911-06-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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15 3»t({ 1911. W ».ectttu Seite wird die unerhörte Anklage verbreitet, daß es unter den Juden eine Sekte gebe, die Christenblut zu rituellen Zwecken gebrauche. Diese Beschuldigung, die aus dem finsteren Mittelalter stammt und das Judentum, welches zuerst der Welt verkündet hat, daß der Mord ein grausames Verbrechen ist, das seinen Bekennern selbst den Genuß des Blutes von Tieren verboten hat, das mit Flammenschrift der Kulturwelt die Worte vorgezeichnet hat „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", so tief beleidigt, wird nun wiederum benützt, um das unwissende Volk gegen die Juden aufzuhetzen. Die sinnlose Anklage ist schon mehr wie einmal durch Theologen, durch Kirchenfürsten und Träger von Kronen restlos widerlegt worden, sie hat aber jetzt insofern eine Variation erfahren, als sie sich jetzt nicht wie früher schlechthin gegen die jüdische Gesamtheit wendet, sondern gegen eine Sekte innerhalb derselben. Und Unwissenheit gepaart mit bösem Willen haben bereits herausgefunden, daß es die Anhänger der chassidischen Richtungen seien, die Christenblut zu ihrem Rituale gebrauchen. Wir Rabbiner, deren ganze Lebensarbeit den Angelegenheiten unserer Religion gewidmet ist, deren Aufgabe es ist, die schriftliche wie die mündliche Lehre zu erforschen und zu verkünden, wir protestieren mit tiefster Entrüstung gegen diese Anklage, die ein unerhörtes Sakrileg darstellt, und wir erachten es als unsere Pflicht, mit aller Wucht und mit aller der Wahrheit innewohnenden Kraft vor Gott und vor der Welt kundzutun, daß in keiner Stelle des jüdischen Schrifttums, weder in der Bibel noch im Talmud und seinen Kommentaren noch im Sohar, noch in sonstigen kabbalistischen Schriften, wie überhaupt in keinem Buche, das in irgend einer Beziehung zur jüdischen Reli gion steht, sich irgend ein Wort oder eine Andeutung befindet, die die fürchterliche Blutb eschuldigung rechtfertigen könnte. Mit gleicher Entrüstung weisen wir die Unterstellung zurück, daß sich unter den Juden eine Sekte oder Einzelpersonen befinden, die Menschenblut zu rituellen Zwecken gebrauchen. Das jüdische Religtonsgesetz bildet in seinen Grundlinien ein Ganzes und kann nicht in Einzelteile und Sonderrichtungen zerlegt werden. Das Judentum hat keine religiösen Sekten. In der jüdischen Religion ist ein Anhaltspunkt für Blutvergehen ganz ausgeschlossen. Chassidim und Misnagdim stehen, was die Grundgesetze unserer Religion betrifft, sich nicht als verschiedene Sekten feindlich gegenüber, da beide Richtungen mit gleicher Liebe und Treue zu den G setzen und Reltgionsgebräuchm halten, und beiden sind die Helligen Grundbücher, in denen die Satzungen unserer Religion niedergelegt sind, gemeinsam. Geheimschriften gibt es in der jüdischen Literatur nicht und ebenso wenig eine Sekte im Judentum, die an Geheimlehren festhält. Was unsere Religion verbietet, ist allen Juden gleich verboten, da unsere Religion gleich verbindlich sür die ganze jüdische Gemeinschaft ist. Ströme von jüdischem Blute sind bereits im Laufe der Jahrhunderte wegen dieses unseligen Märchens vergossen worden. So möge nun unsere Erklärung vor Gott und der Welt zum Stege der Wahrheit beitragen und zur Aufklärung all derer, in deren Herzen noch ein Funke von Menschlichkeit und Rechtlichkeit glimmt. Im Vertrauen zu Gott drücken wir zum Schluffe unsere Hoffnung aus, daß endlich die Wahrheit über die Lüge obsiegen und die Bosheit verrauchen wird. In diesem Sinne sei unser inbrünstiges Gebet zu Gott gerichtet, daß er den Frieden zwischen den Menschen aufrichten und die Liebe zum alleinigen Maßstabe im Verkehre der Völker untereinander machen möchte." Englands. London, 11. Juni. Eine von der „Bereinigung jüdischer Laden-Besitzer" einberufene und von Kaufieuten und Rabbinern stark besuchte Versammlung fand am Dienstag in der großen Synagoge Phtlpotstreet statt. Die Dajanim Heyamson und Feldmann hielten sehr eindrucksvolle Ansprachen, indem sie lebhaft gegen die geplante Fassung des § 4 der Novelle protestierten und die Regierung aufforderten, die Sonntagsruhe-Paragraphen entweder zurückzuziehen oder sie so zu modifizieren, daß den Tausenden von jüdischen Bewohnern Englands die Möglichkeit geboten werde, ihr Leben zu fristen, ohne zur Entweihung oes Sabbats gezwungen zu sein. Die vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen. Beachtung findet ein vom Jewish Chronicle gemachter Vorschlag, der dahin geht, man möge für sämtliche Läden eine Maximalstundenzahl pro Woche festsetzen, während deren sie offen sein dürfen, und es dem Einzelnen überlassen, an welchem Tage er eine 24stündige Ruhezeit zur Durchführung bringen möge. Gelänge es, mit diesem Gedanken durchzudringen, so würde das für die ganze Entwicklung des Sonntagsruhe- Problems in der ganzen Welt von weittragender Bedeutung sein. London, 13. Juni. Die „Times" bezeichnen die Nachricht von einem Nachgeben der russischen Regierung in Sachen der amerikanischen Rußlandreisenden jüdischen Glaubens für unzutreffend. Das Staatsministerium in Washington soll all diesen Zettungsgerüchten ein kategorisches Dementi entgegensetzen. Es bleibt abzuwarten, ob die Freude über diesen Sieg des Rechtes wirklich verfrüht war. Ualästtna. 5u den Beduinenüberfällen. Aaffa, 5. Juni. Seit Wochen werden Alarmnachrichten in die Welt gesetzt, die von Ausschreitungen, „Pogromen" und „Judenmetzeleien" in Syrien und Palästina berichten. Man weiß nicht recht, wem daran gelegen ist, die Sache in solch sensationeller Form aufzubauschen. Denn es handelt sich in Wahrheit nur um Dtebeseinfälle und Schlägereien, wie sie hierzulande in den Fellachend ärfern tägliche Erscheinungen bilden. Der Schauplatz der Schlägereien war diesmal die kleine jüdische Ansiedlung P hule bei Nazareth. Dort haben in der Nacht vom 25. zum 26. Mai zehn junge bewaffnete Fellachen aus dem benachbarten Dorfe Solem den jüdischen Wächter tzgael, einen sehr tapfern und besonnenen jungen Arbeiter, überfallen, um ihm sein Pferd zu stehlen. Sie gaben auf ihn mehrere Schüsse ab. Jgael setzte sich zur Wehr, wobei ein junger Fellache und ein Pferd fielen. Der Ueberfall wurde von einem Kollegen des Jgael, einem zweiten Wächter in Phule, nach Nazareth und Haifa gemeldet, von wo aus bald eine große Abteilung Polizei und Militär nach Phule entsandt wurde. Die vielen Verwandten und Freunde des gefallenen Arabers, der der Sohn eines angesehenen Schechs war, umzingelten inzwischen die Kolonie, richteten großen Schaden auf den Feldern an und raubten mehrere Pferde. Sechs jüdische Arbeiter wurden bis zur Aufklärung des Vorfalls von der Polizei in Nazareth verhaftet. Solche Vorkommnisse sind in den Araberdörfern benachbarten Kolonien nicht ungewöhnlich. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß hierbei die fortwährenden Verhetzungen der christlichen Araber durch den frühem Katmakam von Nazareth und jetzigen Deputierten von Damaskus, Schükri Bej, und seinen Genossen in der Redaktion des Haifaer christlich-arabischen Blattes „Karmel" mit eine Rolle gespielt haben. vermischter. Frankfurt a. M., 14. Juni. Zur Zeit weilt in unserer Stadt der Bertteter der berühmten zu Nowogrudock, Herr Sam eck tm Ink reffe dieser bedeutsamen Thoraanstalt. Die ,*72'V-Zentrale in Rowogrudock, die mehrere blühende m der Umgegend umfaßt, hat sich als Pflanzstätte der Thora bewährt und genießt allenthalben große Popularität. Durch Neugründungen und Erweiterung ihrer Lehrtätigkeit hat fie neue Aufgaben übernommen, zu deren Lösung fie der lättgen Mithilfe weiter Kreise unserer GtauberSgenoss.n bedarf. Allen Freunden der Thora in unserer Stadt sei die gute Sache, die hier durch ten genannten vertreten wird, aufs wärmste empfohlen. Nürnberg, 13. Juni. Heute abend 6'/. Uhr besichtigte Se. Kgl. Hoheit Prinz Ludwig mit seinem Gefolge die Synagoge beS Vereins AdaS JiSroel. Am Portal empfingen den hohen Herrn die Herren vom Vorstand und geleiteten ihn in das Gotteshaus, wo er von Herrn Rabbiner Dr. A. K l e i n in einer sehr herzlichen, dankerfüllten Rede empfangen wurde, die chtlich tiefen Erndrück machte. Der Synagogenchor im Verein mit Herrn Kantor A. N e u f e t d stimmten Bvruch haboh an und bann besichtigte der Prinz unter Führung der Herren die Synagoge und alle ihre Einrichtun en ein gehend, unterhielt sich in huldvollster Wttse übr die Lrge des Vereins und der Juden tm allgemeinen. Wied erholt drückten ihm Rabbiner und Vorstände herzlich.'» Dank aus für das huldvolle Ent egenkommen und Wohlwollen seitens des Kgl. Hauses und der Kgl. Staatsregt.rung gegenüber dem Verein, dessen Borwmtsschrctten dadurch ganz wesentlich bedingt ^ewes.n, und im besonderen für den huldvollen Besuch während des kurzen Aufenthalts des Prinzen in Nürnberg. Nach */,stündigem Aufenthalte verließ der Prinz unter den Klängen des Hallelujab, das besonders wirkungsvoll vorgetragen wurde, die Synagoge unter dem Ausdruck hoher Befriedigung. vereinrmesen. Frankfurt a. M, 13- Juni. Letzten Sonntag unternahmen die Mitglieder des Dynag og^N chores der Jsrarlrtischrn Reltgior.sgeskllschaft in Begleitung veS Dirigenten und der Gemeindekantoren einen TageSauSflug, der den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Sonniger Humor und Sangesfreude, gestützt durch kernige mit denen einzelne Teilnehmer die tm Restaurant Deutsch in Wiesbaden vorzüglich arrangierte Festtafel würzten, erhielten die Gesellschaft in lebendiger vergnügter Frische bis zur Heimkehr in später Nachtstunde. Hamburg, 28. Mai. In der am 24. Mai stattgehabten Generalversammlung des „Israelitischen Stellenvermittlungsvereins' erstattete der Vorsitzende zunächst den Geschäftsbericht. Erhob hervor, daß das verfloffene Geschäftsjahr das erste volle Jahr sei, in welchem laut Abkommen mit der Frankfurter StellenvermtttlungSzenttale der Verein feine Tätigkeit nur auf Hamburg und Umgegend beschränkt habe. In Anbetracht dessen seien die erzielten Resultate, welche in der Anlage spezifiziert find, als befriedigend zu bezeichnen. Leider ist uns trotz großer Bemühungen nicht gelungen, das Interesse der Herren Chess in Hamburg an der Ber« mtttlung unseres Vereins, der kostenlos und ohne Bemühung ihrerseits gut empfohlene Bewerber nachweist, mehr zu erwecken, sonst hätten wir sicher noch erheblich bessere Resultate erzielen können und auch eine Anzahl Bewe ber, welche UNS aus Frankfurt a. M. überwiesen wurden, unterdringen lönnnen. Dir bitte« wiederholt die Herren ChefS, alle ihre Vakanzen dem Verein anzumelden, nur dann kann der Verein seine richtige Tätigkeit ntsallen. Der Vertrag mit Frankfurt a. M., der fich gnt bewährt hat, wurde stillschweigend verlängert. Die KaflenverhSliniffe find günstig. Luch Wechsel d.S Schriftführers und des Beretnslokals find berefts im letzten Jahre erhebliche Ersparnisse erzielt worben, deren Wirkungen tm Laufe der Jahre noch besser zur Geltung kommen werden. Der Kassenbericht wird genehmigt und dem.Kafsterer Decharge erteilt. Herr M. S. W o l f f hat seine Entlassung auS dem Vorstand nachgesucht. Dieselbe wird mit dem Ausdruck des lebhaften Bebaue.Nv und tiefen DankeS an Herrn Wolfs, der dem Verein fett sciner Gründung lange Jahre angehört hat, genehmig. Die turnusmäßig ausschetdengeu Herren M. Flörsheim, Semmy Hesse, W. Pels, M. Srein, werben einstimmig wienergewählt. Düsseldorf, 4. Juni. Daß fich im Rhemlande eine n“On bilbtN konnte, der.« 40 Mitglieder fich verpflichteten, jedes Jahr eine rDDÖ fertig zu Unten, um so am *yr# '7 einen d'D auf ganz abzuhaltt«, diese Tatsache beweist abermals ]öSn #2 '2- Dte Anreger und Letter des LernbundeS haben keine /