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Der Israelit · 1911-06-15 · Heft 24 (15.6.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 24 (15.6.1911)
Date
1911-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Ho. 84 t fette 8 stalten, 3. die in den süddeutschen Staaten Öe* stehenden, sowie die von den Rabbrnervittbänden in Deutschland eingesetzten Prüfungskommissionen." Für den Paragraphen 66 schlägt die Versammlung die folgende Fassung vor: „Die Anstellung des Rabbiners wird nach der Probezeit'von drei Jahren definitiv. Von dieser Probezeit ist Abstand zu nehmen, wenn der gewählte Rabbiner bereits vorher in einer anderen Gemeinde angestellt war." (Ein weiterer Passus, der da lautete: „Nur in Gemeinden von abnehmender Leistungsfähigkeit kann vertragsgemäß auch eine begrenzte Amtsdauer, jedoch nicht kürzer als zwölf Jahre, stipuliert werden", wurde von der Versammlung ab ge lehnte Ueber die Stellung des Rabbiners im Religion su nterricht einigte man sich auf folgende Resolution: „Die Teilnahme an dem jüdischen Religionsunterricht, der an den öffentlichen oder in den Religionsschulen eingerichtet ist, ist für alle jüdischen Schüler obligatorisch. Ein Dispens davon kann nur aus begründeten Gewissensbedenken denjenigen Schülern gewährt werden, welche einen gleichwertig genUnterricht Nachweisen. Die A u f s r. ch t über den Religionsunterricht liegt dem Rab i ne r ob. Er ist der Vorsitzende der in den einzelnen Gemeinden für die Leitung und Ordnung des Religionsunterrichtes eingesetzten Kommission. Die Einrichtung des Lehrplans und die Einführung neuer Lehr- und Lesebücher für den Religionsunterricht erfolgt in den öffentlichen Schulen durch das Rabbinat mit Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde." Schließlich wurde noch zur Organisationsfrage im allgemeinen die folgende Entschließung gefaßt: „Die Vereinigung der jüdischen Gemeinden in Preußen zu einer organisierten Religionsgemeinschaft zwecks Erfüllung der geininfamen, wie auch zur gegenseitigen Unterstützung in der jeder einzelnen Gemeinde obliegenden Aufgaben halten wir für ein dringendes Erfordernis. Da über die Organisation dieser Gemeinschaft und die einzelnen Aufgaben ihrer Organe noch eine große Verschiedenheit der Meinungen herrscht, so beschränken wir uns im gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit auf folgende Erklärung: 1. Die religiöse Autonomie der einzelnen Gemeinden muß bei einer solchen Organisation gewahrt bleiben. 2. Wie tu den einzelnen Gemeinden, haben die Rabbiner auch in den Bezirks-, Provinzial- oder Landesverbänden eine ihren Aufgaben entsprechende Vertretung zu beanspruchen. 3. Die Generalversammlung des Rabbinerverbandes beauftragt den geschäftsführenden Vorstand, im Sinne obiger Resolutionen weiter tätig zu sein und sie bei der Kommission zur Ausarbeitung des Gesetzentwurfes zur Anerkennung und Durchführung im einzelnen zu bringen." Damit war die Beratung über das. Organisationsgesetz beendet und es folgte tzin Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Beermann-Jnsterburg über: „Der Rabbiner als Gefängnis seelsorge r". Den Schluß der Verhandlungen bildeten einige kleine Abänderungs-Anträge der Verbandssatzungen, die u. a. die jährliche Beitragshöhe auf 5 Mk. bis 10 Mk. festsetzen und innerhalb dieser Grenze ditz definitive Festsetzung des Beitrages den Mitgliedern freistellen. Zum Schlüsse erfolgte die Neuwahl des Zentral-Ausschusses. In denselben wurden die folgenden 20 Herren gewählt: die Rabbiner Appel-Karlsruhe, Cohn-Kattowitz, Cohn- Rawitsch, Cohn- Jchenhausen, Eschelbacher-Berlin, Frank-Cöln, Freude n t h a l - Nürnberg, Gronemann-Hannover, Guttm an n-Breslau, Klopfst ei n-Beuthen, K r o n e r - Stuttgart, M u n k - Marburg, R o s e n t h a l - Breslau,. R ü l s - Braunschweig, »er Jsraeltt G a l s e l d - Mainz, Selig mann - Frankfurt a. M., Stier-Berlin, Vogel st ein-Stettin, Werner- München und Winter- Dresden, zu Stellvertretern die Herren Rabbiner Baßfreund-Trier, Blumenthal-Berlin, Doct o r-Cassel, H o r o w i tz - Frankfurt a. M. und Samuel- Essen. Abends 6 Uhr folgte dann noch eine Sitzung der „Vereinigu ng der liberalen Rabbiner Deutschlands", in welcher über die Frage der Stellung des Rabbiners zur Feuerbestattung verhandelt wurde. Gestewoirh. wiener Brief. Wien, 9. Juni. Nur wenige Tage trennen uns noch von den Reichratswahlen. Und wenn Ihre Leser diese Zeilen zu Gesicht bekommen, sind bereits die Würfel zum guten Teil gefallen. Eine kurze Zusammenfassung der Richtlinien für den jetzt dem Höhepunkt zustrebende Wahlkampfe dürfte indessen den Lesern als Kommentar für die zu erwartenden Resultate der ersten Schlacht am 13. Juni nicht unwillkommen sein. Hier in Wien ist, wie gewöhnlich, besonders der erste Wahlkreis in der Leopoldstadt der am heftigsten umstrittene Zankapfel der Parteien. Es ist zu befürchten, daß dieser Bezirk, in welchem die jüdischen Wähler einen so hohen Prozentsatz bilden, an einen Anttsemiten, oder was vom jüdischen Standpunkt aus nicht weniger bedauerlich wäre, an einen vom Judentum abgefallenen Sozialdemokraten verloren gehen kann. Angesichts dieser Evantualität muß die Spaltung im jüdischen Lager, die drei jüdische Kandidaturen hervorbrachte, aufs Üefste bedauert werden. Hier kämpfen Dr. Ofner und Dr. Mittler und beide mit einem Kandidaten der Zionisten ums Mandat Und der lachende Vierte könnte dabei leicht der Christlich-soziale werden. Dem Bezirke Fünfhaus will eine maßlose gehässige Agitation den Herrn Ernest Schneider als Abgeordneten aufdrängen, dem Mann, dem jedes Gerechtigkeitsgefühl fremd ist und der nur einen einzigen Programmpunkt kennt: Die Judenhetze. Ernest Schneider war bereits Mitglied des Parlaments, aber von dieser Parlamentstätigkeit ist nichts anderes geblieben als die Ritualmordlüge, die durch ihn nach Oesterreich verpflanzt wurde. Ihm gegenüber steht der Sozialdemokrat August Forstner. Auch die Täuflinge fehlen im Reigen nicht, diesmal in engster Verbindung mit den Antisemiten. Von der antisemitischen Partei ist von dem zweiten Leapoldstädter Wahlbezirk Dr. Viktor Kienböck jun. aufgestellt, Dieser Dr. Kienböck, der von Juden gbstammt, verpflichtete sich in einer Hetzrede, die er jüngst hielt, gegen den „jüdischen Wucher, die jüdische Ausbeutung und jüdische Verhetzung" zu kämpfen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen bezeichnete er die Juden als die unversiegbare Quelle des Unheils, das im Laufe d r Jahrzehnte über Oesterreich hereingebrochen sei. "Die Juden, sagt Dr. Kienböck haben im Jahre 1866 unser Volk dem Feind ausgeliefert usw. Gibt es eine bodenlosere Gemeinheit, als den Versuch, der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs, die keine Opfer gescheut hat, ihre Liebe und Treue .zum Staate zu bestätigen, Vaterlandsverrat vorzuwerfen, nur um sich bei dem Abhub der Bevölkerung beliebt zu machen? Wie werden ihm die Wähler diese Gemeinheit quittieren? * * * Heftige Wahlkämpfe spielen sich in Galizien ab. Dort behaupten soweit jüdische Kandidaten in Betracht kommen, die Z i o n i st e n das Schlachtfeld. Die Kandidatenliste der Jüdischnationalen Partei weist außer den früheren Mitgliedern des Jüdischen Klubs noch folgende Namen auf: Dr. Michael Ringel, Dr. Gerson Zipper, Dr. Leon Reich, Dr. Abraham Salz, Dr. Samuel Wahrhaftig, Dr. D. Malz, Dr. Julius Wurzel, Dr. Hersch Syrop, Dr. Samuel Rappaport, Dr.Abraham Freilich Dr. Moriz Goldberg. In der Bukowina figuriert als Kandidat neben Dr. Benno Straucher für Suczawa- Sereth-Sadautz, Lucian Brunner. Der erste wslilgsng. Wie«, 14. Juni. Die gestrigen Reichsratswahlen deren einzelne Ergebnisse erst in später Nachtstunde bekannt wurden, haben mit einer schweren Niederlageder Christlich-sozialen geendet. Diese haben politisch abgewirtschaftet) so viel steht heute schon fest, wiewohl sich bei der großen Zahl der notwendigen Stichwahlen noch kein sicherer Schluß auf die kommende Situation ziehen läßt. In Wien selbst konnten die Herren, die Luegers politische Erbe zu wahren haben, von 20 Mandaten nur 2 behaupten. Selbst die Führer und Größen der Partei kommen in wenig aussichtsreiche Stichwahlen, so im Kaivervi ertel, wo sie mit dem jüdischen Deutschliberalen Kuranda in einem zweiten Mahlgang um das Mandat zu ringen haben. In der Leopoldstadt, diesem sogenannten „Judenbezirk", hat, wie wir vorausgesehen, die jüdische Stimmenzersplttterung ebenfalls den Christltchsozialen Kienböck vor einer definitiven Mederlage bewahrt. Er kommt in Stichwahl mit einem der drei jüdischen Kandidaten, dem bekannten Sozialpolitiker Dr. Ofner. In Fünfhaus ist der blindwütige Antisemit Schneider glatt durchgefallen, leider aber gegen den Sozialdemokraten Forstner. Sowohl Weiskirchner, der antisemitische Handelsminister, wie der bekannte Obmann der christlich-sozialen Partei Geßmann kommen in Stichwahl mit Sozialdemokraten. In der Provinz war die Niederlage der Christltchsozialen womöglich noch vollständiger, ebenso in Böhmen, wo die geeinigten bürgerlichen Tschechen einen Sieg errungen haben. Ein antisemitischer Wüterich scheidet mit dem Grafen Sternberg aus dem neuen Reichsrate aus, der in Nachod glänzend durch gefallen ist. Aus Galizien stehen die Nachrichten noch aus. Gewählt ist von den zionistischen Kandidaten bis jetzt nur Dr. Straucher. ReDifion des tlilsnerprojeftes? Wie«, 15. Juni. Wie telegraphisch aus Wien berichtet wird, ist nunmehr vom Justizmintster Dr. v. Hochenburger die Revision desHilsnerprozesses ernstlich in Erwägung gezogen. Gestern sprach der Präsident .der österreichischen Anthropologischen Gesellschaft Dr. Robert Scheu beim Justtminister vor und brachte ihm zur Kenntnis, daß die Anthropologische Gesellschaft neues Material zum Hilsner-Prozeß gesammelt habe, das die Tatsachen in wesentlich anderem Lichte erscheinen lasse. Der Justizmintster informierte sich über das Material und erklärte, daß er es unverzüglich werde prüfen lassen. Wie Dr. Scheu mit» teilt, soll das Material solcher Natur sein, daß es eine Revision des Prozesses unbedingt erzwingen muß. RrrManv. Die RabbinerbunSaebuna- ZketersVurg, 9- Juni. Die in Petersburg beschlossene Rabbiner- Kundgebung gegen die Blutbeschuldtauna, von der wir in letzter Nummer mitgeteilt, hat in ihrer uns vorliegenden hebräischen Fassung folgenden Wortlaut: „Auf das heilige Erbe unserer Väter ist Schmach angehäuft worden. Das unselige Märchen des Ritualmordes har wiederum sein Haupt erhoben, und von gewissenloser

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