Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1911)
- Date
- 1911-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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16. JE 1SÜ '' ‘* Der ME KomMeUienrat Gttllinger bestätigt tag Weiche für Nürnberg. KorMnierAienrat Elb-Dresden fetzt diie Reihe dieser Drohungen fort, die allerdings Ln dem gemütlichen Sächsisch des Redners nicht allzu schreckhaft klingen. Herr Kommerzienrat Elb hält sich äüf ein ermutigendes Zunicken des Herrn Magnus-Leipzig für berechtigt, die gleiche Erklärung auch für Leipzig abzugeben. Für Hamburg gibt Herr Levy, für Magdeburg Herr W!eyl eine ähnliche Erklärung ab. Die Gegner des Entwurfes. Nachdem bisher nur Freunde des Entwurfes zu Wort gekommen sind, wird es jetzt endlich auch einem Gegner ^erstattet, dazu zu sprechen. Ein Liberaler von echtem Schrot und Korn, Herr Justizrat Friedmann, Glogau, der auf dem letzten Gemeindetage durch die von ihm eingebrachte Resolution den Machol'schen Entwurf zu Fall gebracht hat, erhält das Wort. Er führt aus': „Trotz aller gegenteiligen Versicherungen müssen wir daran sesthalten, daß die Ursache für die geplante Satzungsänderung nur in dem Wunsch zu suchen ist, doch noch ein Organisationsgesetz fürPreußen durchzudrücken. Wenn der Referent behauptet, haß turbulente Szenen auf dem vorigen Gemeindetage den Anlaß dazu gegeben haben, so.ist eine solche Begründung überhaupt nicht ernst zu nehmen. Ich gehöre wohl zu den ältesten Besuchern der Gemeindetage. Weit stürmischere Szenen sind schon auf ihnen vorgekommen. öhne daß irgend jemand den Gedanken an eine Satzungsänderung hatte. Es ist auch nicht richtig, daß die Satzung unverändert 40 Jahre in Kraft sei. Sie ist zweimal, einmal in den 80er Jahren unnd zuletzt 1899 geändert worden, als der Verband nicht hundert, sondern viele hundert von Gemeinden zu seinen Mitgliedern zählte und es ist niemand in den Sinn gekommen, eine Äenderung des Stimmrechtes zu verlangen. Weil der „D.!J. G. B." ein Bund von Gemeinden, nicht von Individuen ist,'deshalb wäre es eigentlich richtig, einer jeden Gemeinde nur eine Stimme zuzuführen. Ebenso wie gegen eine Äenderung des Stimmrechtes müsse er sich dagegen erklären, daß man die Gemeinden in der Auswahl ihrer Vertreter beschränkt. Das sei doch gewiß lein liberaler oder demokratischer Gedanke. Wenn auf Zwerggemeinden hingewiesen werde, die nur 2!odev 3 Mitglieder enthalten, so müsse er sagen, ^aS könnten doch nur Ausnahmesalle sein; denn Gemeinden, die nur 2 oder 3 Familien enthalten, seien eben keine Gemeinden mehr. Man möge in künftigen Fällen diese nicht als Gemeinden, sondern als außerordentliche Mitglieder aufnehmen. 'Tie paar, die jetzt vielleicht schon darin seien, und die sich in solchen Verhältnissen befinden, könnten als Ausnahmen nicht in Betracht kommen. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Professor PHilippsvhn: „Die Anschauung, als ob der Wunsch nach nachträglicher Durchführung der Zwangsorganisation für Preußen für uns bei Vorschlag der Satzungsänderung maßgebend gewesen fei, ist irrig. Nachdem dasablehnende Votum des Rabbinerverbande s vorliegt, wird der „ D. I. G. B." i n a b - sehbarer Zeit aus diese Angelegenheit nicht wieder eingehen." gefunden, der mehr als Fische und Gurken und Lauch daheim gelaffen, der mtt einer äußerlich glänzenden heidnischen Vergangenheit gebrochen, um mit unS unter der wärmenden Sonne der Gvtteserknntnis zu leben, du könntest all den Schwachen und Wegeverlorenen als Muster und Vorbild dienen. Sie sollen ihre Augen zu dir lenken, um fich an dir geistig aufzurtchten und sich wieder auf dem Wege, der zum großen Ziele führt, zurechtzufinden BW? 71",11-! Bald batte Jthro auch Gelegenheit zu erfahren, wie bitter not bcm Volke Männer taten, die ihm auf dem Wüstenwege kraft ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebensgeschichte voranleuchten sollten, iz-a'1, das heißt, so erklären unsere Talmudweisen den folgenden Satz: '*r 'HnkÖ 12BV »Sie haben mit dem Berge auch in geistiger Beziehung die G o t t e S h v h e verlassen." Und fie zogen aus, „sich Ruhe zu erspähen", alS cd nicht die erste Voraussetzung ihrer Seelenruhe, ihres wahren inneren Glückes im p-iH '*7 JTH2 vor ihnen her zog. Da mußte es, bevor noch die zweite Katastrophe, die im Grunde ja nur die naturnotwendige Folge der ersten Abkehr, des Hinabsteigens vom GotteSberge war, etntcaf, gesagt werben, wiewohl eS nicht ganz hierher gehörte: „Wenn die Lade zieht, steht auch Gctt auf, daß zerstieben die Feinde, fliehen dis Hasser!"- Auf dem feindlichen Boden der Völkerwüste — L'SP — kann Israel Steg und Ruhe und Glück nur dann ervlühen, wenn die Lade, von unS gefolgt, unaufhaltsam immer weiter zieht, wenn wir ste auf ihrem SiegeSzuge nie aus den Augen lassen ES zerstieben die Feinde und fliehen die Hasser, ba wo ste mtt ihren wärmenden Strahle« in bas kalte Dunkel menschlicher llntvtffmhett und Lteblostgkttt hineinleuchtet. Und - Ländtägs-rAbgehrdneter Cohn-Defjtzu; „Ich habe bisher die Gemeindetage nicht besucht, bin also von früher her tnit der Materie nicht vertraut. Meine Berechtigung, hier zu erscheinen, darf ich aber vielleicht aus dem Umstande entnehmen, daß ich schon seit langem den Antisemitismus öffentlich bekämpfe. Allerdings mit Hyperorthodoxen und Zionisten habe ich nie diskutieren können; denn wir reden aneinander vorbei, wir verstehen uns kncht. Zur Sache selbst will ich erklären: Tie ganze Angelegenheit ist bisher falsch behandelt worden. Es handelt sich hier um eine Macht frage. Tie Macht liegt bei den Großgemeinden. sie haben die Zahl, sie haben den materiellen Besitz, sic haben die Intelligenz. .Tie Opposition, die Herren von Der Orthodoxie und die Zionisten, sie spielen hier dieselbe Rolle wie die Junker und Agrarier im preußischen Landtage. Sie wollen uns kraft des geltenden schlechten Wahlrechtes den Einfluß, der uns zukommt, entziehen, aber das wird ihnen nicht gelingen, denn wir haben die Macht in Händen. Im übrigen würden fn nickt so viele Mandate haben, wenn sie eben nicht bei der Wahl der Mittel zur Erlangung dieser Mandate s chr wenig wählerisch gewesen wären. Ich habe hier das Mandat der Gemeinde Ballenstedt aut Harz Auch um dieses Mandat hatten die Herren von der Opposition sich ckemüht und es sich glücklich -verschafft. Als aber von unserer ©eite der Gemeinde Ballenstedt klar gemacht wurde, um was es sich Hier eigentlich handelt, da wurde das Mandat zurückgezogen und mir übertragen. Der Fall ist typisch für viele. Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin: „Tie Erklärung des Herrn Professor Philippsohn, daß der „D. I. G. B." jetzt von der Einbringung eines Judengesetzes absehen werde, bedauere ich. Es wird Sie das vielleicht wundern, aber ich sage Ihnen, ich bin f ü r ein Judengesetz, und weil ich für ein Judengesetz bin, deshalb vor allem bin ich Gegner der Satzungsänderung. Sie dürfen hier nicht 'Hader und Zwietracht in die Reihen der Mitglieder des „D. I. G. B." bringen, wenn Sie noch irgendwie den Wunsch haben, sie zu einer Organisation zusammenziibringen. Lebhaften Protest muß ich einlegen gegen die Art und Weise, wie Ste von dm Zionisten sprechen. Wir Zionisten sind ebenso gute Deutsche, ebenso treue Mitglieder der jüdischen Gemeinden als Sie. (Lebhafter Beifall.) Ter Redner wendet sich in scharfer und erregter Weise gegen die Art, in der man die Opposition seitens der Zionisten behandelt habe. Es führt das zu Zusammenstößen mit dem Vorsitzenden und einigen Zwischenrufern, unter denen sich namentlich der Tiktator der Berliner Gemeinde, Herr Louis Sachs, unrühmlich auszeichnet. Loeb-Frankfurt: „Herr Professor Philippsohn hat fich Über den schlechten Geist beklagt, der die letzten Tagungen des „T. I. G. B." beherrscht. Er glaubt all das, was ihm hier mißfällt, auf Jntriguen einzelner zurückführen zu können. Tiefe Aeußerung beweist, daß man Professor der Philosophie sein und doch Hür die Nächstliegenden Dinge keinerlei Verständnis haben kann. Fassen Sie doch einmal die Erscheinungen der letzten Jahre unter einem einheitlichen Gesichtspunkte zusammen. Wie kommt es denn, daß früher die Sitzungen des „D. I. G. B." so 'glatt und widerspruchslos verliefen, während jetzt keine Aktion seitens des Ausschusses mehr mit Erfolg durchgeführt werden kann? Ich erinnere an den Rosin'schen Gesetzentwurf, dem ehe in Nacht und Grauen entstehen liebliche blühende Gefilde, die Israel TlVamfi j'2, mitten in den wild aufeinanderfolgenden Wogen des Leides traft» verleihende und rmrMärkende Ruheinsel werden. Einst aber wirb die Lade des Goltesvundes ihren SiegeSzug vollendet haben und fortan alle Völker der Erde in Liebe und GotteserkenntntS um sich gruppieren. 1)11221 dann aber wird man sagen: ,h1 rOWl Dann ist eS kein Lieb mehr von Feinden und Hassern, von Kampf und Steg, sondern von Ihm, der einkehrt in die Myriaden der Taufe n d e I s r a e l s!" Kleine» Feuilleton. Berliner Plauderei. Berlin, 12. Juni. Es kommt ungemein selten vor, daß in Deutschland einmal eine Versammlung tagt, zu der die divergterendsten Elemente, die dennoch in einen Bund zusammkngeschweißt sind, sich zufammcnsindcn. Wenigstens in einem Aveopag, der trotz seiner heterogenen Zusammensetzung «in gemeinsames Ziel verfolgen — — will; nämlich die materielle und geistige. wie auck die „religiöse" Stärkung kleiner, sonst auf sich selber angewiesenen jüdischer Gemeindewesen; jenen kleinen Jnselchen von Torf- und Kleinstadtgemeinden in dem gewalttgen Ozean der sie umgebenden nichtjüdischen Umgebung. Mag rnan es auch anders lesen : -- ' ' - — -«§tte J?-- sBssassisissssBaaBssBsaasaaäl^iBfsssaas er nur zur Beratung kam, die allgemeine Empörung, die er entfesselte, ein unrühmliches Ende bereitete.!Bor zwei Jahren legten Sie uns den Machol'schen Entwurf vor, dem die Resolution Frtedmann den Todesstoß versetzte und nun haben Sie den Entwurf auf Satzungsänderung eingebracht, der den kräftigsten Widerstand nicht nur seitens der Orthodoxie, sondern . auch seitens aller wirklich Liberalen hervorgerusen hat. Tie Erklärung ist eine sehr einfache: Solange der „T. I. G. B." sich aus seine Aufgabe, die unterstütznng leistungsunfähigerGcmernden u. s. w, beschränkte, ließen ihn seine Mitglieder ruhig gewähren. Aber seit fein Zkhrgeiz höhere Ziele sucht, seit er Politik zu treiben versucht und zwar aus einem einseitigen Bekenntnisse zum neologen Judentume heraus. neologe Politik, seitdem sind die Kräfte, die in dem „T. I. G. B." latent stets vorhanden waren, lebendig geworden, und Sie sehen sie hier in Gestalt der zahlreichen Delegierten, die Ihrem Entwürfe die Zustimmungversagen werden. Ein Schlaglicht auf die in den Kreisen des Ausschusses herrschende Anschauung wirft eine naive Aeußerung seitens des Herrn Referenten. Er sagte: „Tie Gemeinde ist ein juristischer Begriff und ihre Rechte können daher nur nach der Seelenzahl festgestellt werden." Nein, meine Herren: Eine jüdische Gemeinde ist kein juristischer Begriff, sondern ein lebendiger Organismus, den Leben durchströmt.der Leben erweckt und dessen Bedeutung nicht nachder Zahlseiner Mitglieder, sondern nach der Intensität seiner Betätigung aus jüdischem Gebiete bemessen wird? Für uns Juden hat die Zahl nicht die Bedeutung wie für andere Kreise. Hätte sie es, wir wären langst nicht mehr vorhanden. Es erübrigt sich, im einzelnen hier noch einmal vorzuführen, was Herr Justizrat Friedmann in so ausgezeichneter Weise bereits nachgewiesen hat, daß der Entwurf in allen Teilen undemokratisch und illiberal ist. Nur aus eines sei noch hingewiesen: In den Erläuterungen zum Entwürfe heißt es: „Ter Berliner Jude hat heute nur des Wahlrechtes wie z. B. der Hannoveraner." Hier muß ich zustimmend sagen, das Verhältnis ist ein noch viel schlimmeres. Ter Berliner hat nicht Vae des Wahlrechtes, sondern er hat überhaupt kein Wahlrecht! Tenn den Vertreter für den „D. I. G. B." und dessen künftige 80 Stimmen, ihn berufen die wenigen Gewaltigen innerhalb des Vorstandes, aus dessen Zusammensetzung die große Menge der Berliner Juden überhaupt keinen Einfluß hat. Bei den letzten Repräsentantenwahlen in Berlin sind über 2/s Stimmen für die Opposition abgegeben worden. Wo bleiben denn diese bei der Zusammensetzung des Vorstandes, der Berliner Gemeinde und wo bleiben sie bei der Delegierung eines Vertreters für den „D. I. G-. B"? und deuten können: also ein jüdisches Parlament; das am vergangenen Sonntag in Berlin tagte. Ter „Deutsch-Israelitische Qkmeitwbebunb“ (D. I. G. B.) hatte, von 800 jüdischen Gemeinden durch Mandatare beschickt, das Parlament einberufen, das Machtfragen erledigen sollte, die von einflußreichen Persönlichkeiten angeregt worden waren. Machtfragen, die, nicht etwa zugunsten der Kleinen, sondern, wie überall im Volksleben, zugunsten der Großen entschieden werden sollten. Ter innere Kern des jüdischen Eintagsparlaments wird sicher an andrerer Stelle dieses Blattes so eingehend gewürdigt werden, daß man sich hier umso mehr mit der Physiognomie, der Zusammensetzung und dem äußern Verlauf dieser Körperschaft beffafen kann. Unter anderen Umständen, und wenn es sich nicht um einen Kampf um die Macht oder Gewalt gehandelt hätte, müßte es einen erhebenden Eindruck gemacht haben, hier eine jüdische Versammlung zu überblicken, in der eine Riesensumme geisttger Kräfte enthalten war. Und welche Pracht- und Charakterköpfe! Ein Bild für einen Künstler! Wahre Gelehrtenköpfe, durchgeistigte Züge, nachdenkliche Augen, ausdrucksvolle Gesichter in Fülle; dazwischen klugblickende, geschäftskundige Gestatten, deren sichere Bewegungen tatsächlich große Zahlen sprachen. Diese saßen mehr im Vordergrund des Saales, den schon vor der anberaumten Eröffnung — zehn Uhr — cttva 400 Personen füllten. Diesen großen Saal des „Brudervereins", der exklusivsten jüdischen Gesellschaft Berlins, die Börse, Großindustrie und Fülle von ruhrsitzenden und automobilisierten Geschäftsleuten, worunter natürlich viele Wasseradlige, d. h. Kommerzienräte umfassend, (Mindesteinkommen ca. 25 Mille) mögen allerdings schon viel glänzendere und reichere Gesellschaften gefüllt haben, ehre solche Fülle von Jntelliaüiül