Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1911)
- Date
- 1911-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Nr. 23 Der J-raeM. Päischer Juden nach dem russischen Dorado ergießen . . . Das Parlament nahm also den Antrag Sulzer sehr ernst und die Androhung einer Vertragskündigung hatte auch den Erfolg, daß sich Rußland nunmehr definitiv dazu versteht, die amerikanischen Juden in allem den amerikanischen Bürgern nichtjüdischen Glaub en gleichzustellen.Irgend einer Beschränkung, die sonst für Amerikaner in Rußland nicht besteht, werden fortan auch amerikanische Juden, selbst solche, die aus Rußland stammend das amerikanische Bürgerrecht erworben haben, nicht mehr ausgesetzt sein. Wäre es nicht an der Zeit, daß nun die anderen europäischen Regierungen, besonders die d e u t sch e, die von Rußland bekundete Angst, „es könnte auch von anderer Seite ein ähnliches Ansinnen gestellt werden" auch rechtfertigen und mit gleicher Entschiedenheit für die wider Recht und Moral geschädigten Jnteresien ihrer jüdischen Bürger in Rußland eintreten? Propheten und Reformrabbiner. Daß auch einige „liberale" Rabbiner, wie Porges, Leipzig, und Sil berstein, Schwerin, es wagen, im Gegensätze zu einem Beschlüsse „anerkannter rabbinischer Autoritäten" aus der „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands" in jüdisch-liberalen Zeitungen die Feuerbestattung für religiös unzulässig zu erklären, bringt den Altmeister der Reform, Herrn Rabbiner Dr. Bog elfte in, Stettin, in Harnisch. Es ist für den Herrn, der noch in der Ideenwelt der Braunschweiger Synode wurzelt und für die Wandlungen der Zeit in den letzten sechzig Jahren weder Auge noch Ohr hat, ein ganz unfaßlicher Gedanke, wenn, was ja übrigens auch Silberstein und Porges nicht wünschen, „der liberale Rabbiner aus religiösen Bedenken seine Mitwirkung bei der Leichenfeier versagen, sich weigern sollte, den Trauernden Trost der Religion zu spenden, um dadurch dem Hingeschiedenen den Stempel der „Unfrömmigkett, der Religionsverletzung aufzudrücken". Das widerspricht nach seiner innersten Ueberzeugung unserer Religion, die N ä ch st e n l i e b e und Friedsertigkeit gebietet. Man bedenke, Liebe und Frieden, diese noch einzigen Grundpfeiler des von Thora und Mizwaus losgelösten Reformjudentums, durch die abtrünnigen Liberalen ins Wanken gebracht, was bleibt da noch von der Lebensarbeit der Vogelsteinpartei übrig? Das „prophetische Judentum" in Gefahr. Es rette wer retten kann! Nun hatte Silberstetn u. a. nachgewiesen, daß die Feuerbestattung gerade dem Gei st e des prophetischen Judentums schnurstracks zuwiderläuft. Was sagt Vogelstein dazu? „Auf J)a& allerentschiedenste bestreite ich, daß die Feuerbestattung, wie Porges behauptet, „dem Geiste des prophetischen Judentums schuurstarks zuwidirlünft." Zur Zeit der Propheten galt im ganzen Morgenland die Leichenvcrbrennung als ein unverzeihliches Verbrechen, als eine Art Leichenschändung, wie ans Anros (2, 1) klar hervorgeht. In unseren Tagen haben sich diesbezüglich die Anschauungen geändert, sehr angesehene*) Personen, Männer Ln hohen Stellungen,*) lassen sich durch Feuer bestatten. Darum wurden auch die Propheten, wenn sie heute lebten, über die Leichenverbrennung h ö ch st wahrscheinlich anders, zum mindesten milder urteile n.*) Als Berehrcr des prophetischen Judentuins und als Verfechter der geschichtlichen Kontinuität ün Judentum bewährt sich nicht derjenige) der die Ansichten und Begriffe der prophetischen Zeit und der jüdischen Vergangenheit überhaupt in jeder Hinsicht für unveränderlich hält, sondern der die Lehren der Propheten und die Lehren, welche die Geschichte uns erteilt, den Bedürfnissen der Gegenwart gemäß verwertet. Nicht in sklavischer Nachahmung, sondern in lebendiger Fortentwicklung liegt das Heil der Religion." (A. Z. D. I. Nr. 19 1911.) Da haben wir es. Krasser und deutlicher kann das angebliche „prophetische Judentum", wie es die Reform Vogelsteinscher Observanz für sich in Anspruch nimmt, nicht illustriert werden. „Sehr angesehene Personen, Männer in hohen Stellungen, lassen sich heute verbrennen", ergo haben auch bte Propheten darin ihre Meinung zu ändern. Als ob die Propheten keine andere Rolle im Judentum spielten und heute noch spielen als die, welche in den bekannten Gemeindeorganisationsentwürfen und gewissen Kultusftuben den heutigen Reformrabbinern, diesen „besoldeten Angestellten des Vorstandes", zugewiesen wird. Die um Vogelstein brauchen sich wahrlich nicht darüber zu entrüsten, wenn diese auch in religiösen Dingen ylleinbestimmenden „sehr angesehenen Personen und Männer in hohen Stellungen" den über seinen Aufgabenkreis hinausstrebenden „geistlichen Führer" gelegentlich einmal durch Versagung des Vetorechtes, oder gar durch Festsetzung seines „Dienstprogramms" und ähnliche hochobrtgkeitliche Verordnungen und Verfügungen in die Schranken weisen. Rabbiner, die in ihrem rabbinischen Tun und Lassen ängstlich nach 'oben schielen und in völliger geistiger Abhängigkeit sich ihre religiöse Ueberzeugung von den „Angesehenen und Hochgestellten" holen, haben weder Grund noch Recht, sich über das völlige Schwinden der Autorität des modernen Rabbiners und die unwürdige Stellung, die ihm *) Von uns hervorgehoben. Red. _ 8. Juni 1211. innerhalb der Gemeinde zugedacht wird, zu beklagen. Wie sagte doch einmal Rabbiner Dr. Seligmann offenherzig in kritischer Stunde: „Das Vetorecht des Rabbiners muß aufdemReligionsgesetz fußen. In der heutigen Zeit aber kann der Rabbiner — lies Reformrabbtner — sich nicht mehr auf den Schulchan- Aruck berufen!..." Rabbiner Dr. Stberstetn hat indessen eine andere Meinung von dem bleibenden Werte der prophetischen Lehre. In seiner Erwiderung in Nr. 22 der A. Z. d. I. erzählt er, was seinen! ältere Kollegen nicht bekannt zu sein scheint, daß „die Propheten bekanntlich ihre Anschauungen nicht nach den wechselnden Ansichten der in höchsten Stellungen befindlichen Männer eingerichtet und um geformt, sondern furchtlos der^Welt gegenüber ihre höchsten Wahrheiten vertreten haben." Auch für die ästhetische Sekte der Feuerbestattung kann sich übrigens Dr. Silberstein nicht sonderlich begeistern. Entgegen Vogelstein, der Rücksichten der Pietät für die Leichenverbrennung geltend macht, in Fällen, da sie vom Verstorbenen bei Lebzeiten letztwillig angeordnet wurde, schreibt er: „Würden die Angehörigen eines Verstorbenen, die nur dem feierlichen Akte im Krematorium vor der Verbrennung beiwohnen, auch bei dem Prozesse selber anwesend sein und die Handhabung am Feuerherde, das Zusammenfegen der Asche usw. sehen, so müßte sie ebenso wie die zu solcher Handhabung bestimmten Personen Entsetzen erfüllen, wie unwürdig mit dem Körper eines Menschen durch Menschen umgegangen wird und es fühlen, daß solche Handhabung eine arge Verletzung des religiösen Gefühles ist. Tenn so wie der Mensch kein Recht zur Selbstverstümmelung, zur Selbstschwächung und zum Selbstmord hat, so hat er auch kein Recht anzuordnen, daß man seinen toten Körper verletze, beschädige und entwürdige. Ebensowenig hat irgendein Mensch das Recht, solche Entwürdigung dem Körper seines Nebenmenschen anzntun. Tenn der Körper ist nach religiöser Anschauung von dem höchsten Wesen dem Menschen zur Erfüllung der höchsten menschlichen Pflichten überlassen und muß, sobald er nach dem Tode diese Aufgabe nicht mehr ecfügllen kann, unverletzt dem All zurückerstattet werden." Das alles ist uns nicht neu, ebenso wenig wie die Entdeckung, daß die Propheten keine Anhänger der Feuerbestattung waren. Es ist sogar ein recht trauriges Symptom, daß ein Rabbiner vor Rabbinern erst „wissenschaftlich" Nachweisen muß, daß die Lehre der Propheten eben die Lehre des Thorajudentums ist, die den Juden von der Wiege bis zum Grabe und darüber hinaus begleitet. Aber der Unfug, der seit Jahren in diesen Kreisen mit dem Worte gefalle in Betracht gezogen haben. Es ließe sich jedoch das Wasserbecken, aus dem die Truckleitung münden würde, leicht in der Weise Herstellen, daß es beim Stillstände des Werkes in der Nacht bis auf nahezu die Höhe des Mittelmeeres gefüllt würde, wodurch dann für eine gewisse Zeit eine größere Truckhöhe und somit eine größere Energiemenge zur Verfügung stände. lieber die eigentliche Wasserkraftanlage und das Elektrizitätswerk selbst kann bei diesem Stande der Angelegenheit wohl nichts bestimmtes gesagt.werden, wir wollen dafür besser einiges über die mutmaßlichen Kosten dieses gewaltigen Unternehmens und über die Verwertung der durch dasselbe gewonnenen elektrischen Energie Mitteilen. Ingenieur P. Simon schätzte seinerzeit die Kosten des Unternehmens ans 25 Millionen Franken und gibt di.» Erzeugüngskosten einer jährlichen kL-Std. mit 75 ^raufe« an; es wäre somit die Wirtschaftlichkeit der Anlage gesichert. Was die Verwertung der Energie anbelangt, sv soll ein Teil derselben an Ort und Stelle verwendet und eilt anderer Teil weiter geleitet rverden. Tas Tots Meer selbst und seine Umgebung sind trotz der dort herrschenden unbeschreiblichen Oede und Verlassenheit ungemein reich an mineralischen und insbesondere an chemischen Naturerzeugnissen. Marmor, Konglomerate aller Art, Steinsalz, Schwefel, Asphalt und Bitumen sind in unerschöpflichen Mengen vorhanden, unter anderem werden Jaspise von besonderer Schönheit gefunden: seit Jahrhunderten vom Jordan angeschwemmtes Holz hat sich dort massenhaft angesammelt. Das Wasser des Sees enthält auf einen Liter 250 Gramm verschiedene Salze, darunter 160 Gramm Chlormagnesium: welch reiche Ausbeute für elektrochemische Werke! Tie Gewinnung und. Foxtschaffung aller dieser wertvollen Naturstoffe nimmt nur einen Teil der Energie unseres Wassersalles in Anspruch. In Palästina und den angrenzenden Landstrichen findet sich weit und breit keine Kohle, diesem für die Entwicklung einer Industrie so unentbehrlichen Stoff. An ihre Stelle tritt aber jetzt die Elektrizität. Sie kann nach Jerusalem, Jaffa, Beirut und Damaskus geleitet werden; ja es ist keineswegs ausgeschlossen, daß die Energie auch nach den kaum 300 Kilometer entfernten Orten: Suez, Jsmaila, Port Said und weitere 100 Kilometer selbst nach Kairo geleitet werde. In allen diesen Orten und Ländern mangelt die Kohle, dieser Lebensnerv der Industrie. Angesichts dieses in sicherer Aussicht stehenden ausgedehnten Berwendungsgebietes unseres eigenartigen Wasserfalles, erscheint uns das in kurzen Umrissen angedeutete Projekt keinestvegs nur als Traumgebilde, sondern cs wird sogar das lebhafte Bedauern wach, daß der Wassersall nicht mächtiger sei und wird der Wunsch rege, daß für die Vergrößerung der dem Mittelmeere zu entnehmenden Wassermenge Sorge getragen werde. Wir schließen diese kurze Schilderung mit den Worten &htton§: Phantasie heute — Wirklichkeit nt orge n. (Hoffen wir's! Red.) (Hebräische Münzeuberechnunger».) Es dürste vielen ljüngerenl Lesern noch unbekannt-, sein, wie man manche Geldstücke vor ungefähr 40 Jahren auf hebräisch namentlich in polnischen Landesteilen des deutschen Vaterl ndes bezeichnet?. So nannten die Juden das Zweipfennigstück Der Gr.nd hierfür war folgender: In jener Zeit wurde das Zweipfennigstück Gro'cheu (polnisch grosz — sz wie sch) benannt, groß auf hebräisch Mehrzahl demnach - waren bei^ in den Synagogen z. B. ■> ft 18 Groschen — 36 Pfennige nach jetzigem Gelbe. Das Zehnpfennigstück (damals Silbergröschen auch Böhm) benannten die Juden hebräisch mit (Pog) d. i. die Abkürzung der be den Wörter HÖYlB* Das Fünfztgpfennigstück (damals fünf Siloergroschen oder polnischen Gulden) wurde hebräisch mit Plural D’BHT (Gulden-Gold 2Nl) bezeichnet. Dagegen das Dreimarkstück, das jetzt noch als Thaler bekannt iß, nannten die Juden fc'y (Rat)' nach dem Anfangsbuchstaben der beiden deutschen Wörter Reichs- Thaler (R. T. — $"•■}). Die Mark sollte denmach (Ram) nach den Anfangsbuchstaben der beiden Wörter: Reichs Mark auf hebräisch bezeichnet werden. A. Ksinskt-Charlottenburg. (Die Jewish Labs Brigade bei der Londoner Krönungsfeier.j Wie aus London berichtet wird, wird die „Jewish Lads Brigade", eine jüdische Knaben- Militärorganisation, auf Wunsch des Königs an dem Krönungsmarsche unter dem übrigen Militär teilnrhmen. Tiefe jüdische Knabenbrigade wurde im Jahre 1895 von dem seither verstorbenen Colonel Albert Goldsmith auf militärischer Grundlage gegründet. Sie hat ihre eigene Kaserne, in welcher die jugendlichen Marsbeflissenen wohnen müssen. Während des Sommers beziehen sie alljährlich auf 10 Wochen in der Provinz ein Feldlager, in dessen Umgebung regelrechte Manöver abgehalten werden. Natürüch gibt es auch hier Offiziere und Unteroffiziere aller Ränge. Ter gegenwärtige Kommandant der jüdischen Brigade ist Colonel De Lara Cohen.