Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1911)
- Date
- 1911-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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8. IM 1911 hän gig ke it, im tief ft ert Sinne um ihre religiöse Integrität ringen — nein, guter Freund und Osfiziosus, so versteht die im Geiste S. R. Hirschs und Israel Hildesheimers erzogene «Hyperorthodoxie" ihr „HD nr ÜWy w 72" denn doch nicht! Wo und wann immer sich diese „Hyperorthodoxie" in schwerem Ringen isoliert hat, da hat sie sich ja nicht aus Bequemlichkeit, nicht aus Eigensinn, überhaupt nicht für sich, sondern für die Gesamtheit, für Snttf' bb'D isoliert; wo sie den „Gemeinfchasrsaufgahen der deutschen Judenheit ablehnend gegenübersteht", da war, da ist es, wril ihr die ideale Gemeinschaft mit der großen jüdischen Gesamtheit in der Gegenwart und mit der noch größeren jüdischen Gesamtheit allerZeiten höher steht und schwerer wiegt, als ein unter der Flagge einer gesetzeswidrigen Neutralität künstlich hergestellter „deutschisraelitischer Klal-Jsroel", der für die wahrhafte „Kontinuität des Geistes" in Israel schwere Gefahren gezeitigt bat, schwerere zu zeitigen im Begriffe ist. Nicht also im Gegensatz, sondern in konsequenter Durchführung dieser ihrer Auffassung jüdischer Gesamtheitspflicht wird die „Hyperorthodoxie" ihrem Wesen nach immer und und allezeit bereit sein, die selbstständige Aktions-Kraft und die Unabhängigkeit der Gesinnung, die gerade sie sich für die Rettung der Gesamtheit bewahrt, mit den religiösen Gesinnungsgenoffen allüberall, gleichgiltig ob innerhalb oder außerhalb irgendwelcher gemeindlicher, Verbands- oder Bundes-Grenzpfäyle in inniger Gemeinsamkeit zu betätigen und — den Wünschen wie der Verwunderung ihrer Feinde zum Trotze — überall die Einheit der gesetzestrenen Gesamtheit zu Ehren zu bringen, wo immer nur Jüdisches auf dem Spiele steht. In dem kleinen Rahmen des Gemeindetages wird am Sonntag die Entscheidung darüber fallen, ob das, was an Keimen gutjüdischen religiösen Geistes in einem großen Teile der deutschen Judenheit noch lebt, mächtig genug ist, uni das mißverstandene, in Aeußerlichkeiten und Reglementierungssucht sich erschöpfende„deutschisraelitische" Großstadtjudentum zu besiegen oder nicht. An Versuchungen zum Umfallen wird es, trotzdem die Gegner des Staatsstreichs in impofanter Stärke in den Gemeindetag einziehen, gewiß nicht fehlen, und ganz im Hintergründe des Aspekts zieht als drohende Wolke gewiß auch wieder der „Großgemeinde-Bund" herauf, der — wenn die Kleinen allzu aufsäffig werden sollten — sich selbständig konstituieren und seinen Goldregen nicht mehr über Gerechte und Ungerechte, sondern nach eigenem souveränem Ermessen nur über sittsame Gemeindevorstände sich ergießen lasten könnte. __Der aflittdtt - Wir muffen gestehen, daß wir diesen Groß' gemeinde-Bund als ein der wirklichen Lage durchaus entsprechendes Gebilde aus tausend Gründen mit Befriedigung begrüßen und in seiner Entstehung nicht einmal Grund zu finanziellen Sorgen für die kleineren Gemeinden erblicken würden. Die zwanzigtausend Mark Subventionen des Gemeindebundes, von denen die kleineren Gemeinden die Hälfte selber zahlen, sind wahrhaftig nicht unerschwinglich, ja das nobile officium wachsenden Reichtums, abgesehen von anderen Faktoren, würde sogar die Großgemeinden selbst mit unfehlbarer Sicherheit zwingen, die paar tausend Mark so oder so den verarmenden Schwestergemeinden zu opfern. Schade nur, daß der Großgemeindebund mit seinen sanierenden Wirkungen lediglich eine „von einem süddeutschen Zwangsorganisierten" im Katzenjammer erträumte Utopie ist. Die Führer dieser Großgemeinden im Gemeindebund-Ausschuß wissen nämlich die politische Annehmlichkeit, auf tausend meist konservative Gemeinden als ihre Gefolgschaft Hinweisen und nach oben als deren Repräsentanten auftreten zu können, viel zu sehr zn schätzen, als daß sie leichten Herzens auf diesen Machtfaktor verzichten und sich auf ihre großstädtischen Kaffenschränke und Steuerzahler zurückziehen wollten. Um das Ganze *u beherrschen und repräsentieren zu können, bedürfen die Großgemeinden der beherrschten und repräsentierten Volksmenge, und sie werden sich schwer hüten, sich durch Trennung von diesen ihres politischen Einflusses auf die Gesamtheit zu berauben. Möchten sich also die Delegierten der kleineren und mittleren Gemeinden der Stärke ihrer Position recht lebhaft bewußt sein und nicht nur den geplanten Staatsstreich vereiteln, sondern seine Wiederholung in dieser oder ähnlicher Form für alle Zukunft unmöglich zu machen suchen. Koch«mmksch<m. I-ICJ- Ein bemerkenswerter Sieg der amerihanifdien Regierung auf dem Gebiete des jüdifdien Rechtes in Rußland In der Frage der ausländischen Nußlandreisenden jüdischen Glaubens, die schon so __fh». 98. Seite 8 oft Gegenstand diplomatischer und parlamentarischer Verhandlungen in vielen europäischen Staaten war, ist endlich der amerikanischen Regierung ein voller Sieg gelungen. Und damit hat die Union gezeigt,daß, wo ein fester Wille vorhanden ist, sich selbst Rußland gegenüber ein Weg zum Rechte finden läßt. Ueber die Vorgeschichte dieser nun siegreich abgeschlossenen Angelegenheit ist nach den uns aus Amerika zugegangenen Mitteilungen folgendes zu berichten: Bekanntlich weigerte sich die ruffische Regierung bislang, amerikanische Juden über die Grenze zu lasten, auch wenn sie mit gehörig ausgefertigten Püffen versehen waren. Dies Verhalten des Zarenreiches ist allgemein als eine kraste Verletzung des im Jahre 1832 zwischen der Union und Rußland abgeschlossenen Vertrags, in welchem ausdrücklich der ungehinderte Verkehr der beiderseitigen Staats-Angehörigen gewähr-- leistet wird, empfunden worden. Schon seit Jahrzehnten versucht die amerikanische Regierung, die gleichmäßige Behandlung aller amerikanischen Bürger in Rußland durchzusetzen, aber ohne den geringsten Erfolg. Jetzt hatte Repräsentant Sulzer im Kongreß eine Resolution vorgelegt, laut welcher der Vertrag gekündigt resp. aufgehoben werden soll. Da Herr Sulzer der Vorsitzende des Ausschuffes für auswärtige Angelegenheiten ist, fiel seine Haltung stark ins Gewicht. — Darauf gab das Staats-Departement eine Darlegung des amerikanischen Botschafters in Petersburg bekannt, die sich gegen das Vorhaben des Kongresses richtete, und zwar aus folgenden Gründen: Die Annahme der Bill werde böses Blut machen und den Bemühungen derer, welche auf diplomatischem Wege die ruffische Regierung zu einer Aenderung ihrer Haltung amerikanischen Juden gegenüber zu bewegen versuchten, entgegenarbeiten, ferner werde sie von Nachteil für amerikanische, aus Rußland stammende Juden sein, da sie nach Aufhebung des Vertrags etwaiger Erbschaften verlustig gehen würden. Rußland sei nicht abgeneigt, den amerikanischen Juden das verlangte Zugeständnis zu macken, werde aber daran durch die Erwägung gehindert, daß in einem solchen Fall auch Deutschland und Oesterreich ein gleiches Ansinnen stellen würden. . . . Werde dies erfüllt, würde sich sofort ein Strom deutscher und österreichischer Juden nach Rußland ergießen. (?) Infolge der feindseligen Strömung gegen die Juden im ruffischen Volke würden dann Judenverfolgungen und Metzeleien zu gewärtigen sein. — Diese lendenlahmen Einwendungen haben in Amerika nur Heiterkeit ausgelöst, besonders die Angst, es könnte sich ein Strom amerikanischer und euro- Simplonlunnel wäre, unterläge keinen nennenswerten Schwierigkeiten und würde derselbe in verhältnismäßig kurzer Zeit fertiggestellt sein, da er bei der im allgemeinen geringeren Gebirgsüberlagerung von 250 bis t00 Metern, die nur an einzelnen Stellen 800 bis 1000 Meter erreicht, an mehreren Orten gleichzeitig in Angriff genommen werden könnte. Tie Kosten dieses Zuleitungskanales dürften etwa 15 Millionen Franken betragen. Insoweit nun liegen die Verhältnisse bei dem in Rede stehenden Projekte nicht wosentlich^anders gls bei vielen andern dieser Art. Eine Schwierigkeit scheint im folgenden zu liegen: Rechnen wir die Wassermenge, die auf diese Weise täglich oder jährlich dem Toten Meere zugeführt wird, so kommen wir auf die riesige Zahl von 864 000, bezw. 315 300 000 Kubikmetern. Nun hat das Tote Meer aber bekanntlich als der tiefstgelegene Punkt der Oberfläche unseres Erdballes keinen Abfluß. Es muß also durch diese riesige Wasserzufuhr eine Hebung seines Spiegels eintreten. Tie Länge des Toten Meeres beträgt ungefähr 76 Kilometer, seine größte Breite etwa 20 Kilometer und seine Oberfläche 960 Quadratkilometer, also etwa zweimal soviel als jene des Bodensees (539 Quadratkilometer). Tie durch unsern Kanal dem Toteir Meere zllgcführte Wassermenge würde also seinen Spiegel, vorausgesetzt, daß gar kein Wasser verdunstet, jährlich um etwa V*3 Meter heben. Es würde also eine stetige Hebung des Wasserspiegels und damit eine stetige Verringerung der Truckhöhe eintreten, die freilich erst, nachdem unser Turbinenhaus 20 bis 30 Meter über dem Spiegel des Toten Meeres erbaut werden soll, nach 60 bis 90 Jahren eintreten würde. Tiese Hebung wird aber gar nicht eintreten, denn sonst würde der Jordan, der ja bekanntlich in dieses Meer mündet, eine noch beträchtlichere Hebung ver- Ursachen. Ter Jordan entsendet ja nach der Jahreszeit sekundlich 30 bis 70 Kubikmeter Wasser in das Tote Meer und auch zahlreiche Gießbäche senden in der feuchten Jahreszeit ihre Wasser in dasselbe: trotzdem schwankt der Wasserspiegel derselben nur von — 292 bis — 395 unter dein Mittclmcere und erreicht seine größte Tiese mit — 400 Meter. Was sind also unsere zehn Kubikmeter gegen die andern Wassermassen? Wodurch kann aber diese Stetigkeit des Wasserspiegels erklärt werden? Das ist sehr einfach. Das Tote Meer ist nämlich mit einem riesigen Tampfkessel zu vergleichen, alles ihm zugeführte Wasser entweicht aus demselben wieder in Tampfform. Die glühende Sonnenhitze in dieser (Hegend, die Trockenheit der Luft liefern diesem ungeheuren Berdampfungsapparat das erforderliche Brennmaterial. Tr. Loztel, der diese Gegend einer umfassenden Durchforschung unterzogen hat, schätzt die täglich verdampfende Wassermenge auf 6 500 000 Kubikmeter. — Also brauchen wir keine Sorge zu haben, daß unser Wasserfall aus dem Mittelländischen Meere an seiner Höhe Einbuße erleiden würde. Wohl könnte eine Bodenhebung eintreten, aber ein solches Ereignis scheint in Anbetracht der dortigen geologischen Verhältnisse ausgeschlossen zu fern; eher noch wäre eine wertere Senkung des Wasserspiegels zu gewärtigen. Noch ein anderer Umstand verdient einer besondcrn Betrachtung unterzogen zu werden. Das Wasser des Mittelmeeres enthält auf einen Kubikmeter oder auf eine Tonne ungefähr 35 Kilogramm Salz. Mit unseren zehn Kubikmeter Meerwasser in der Sekunde führen wir daher dem Toten Meere jährlich eine Menge von 1000 000 Tonnen Salz zu, welches den Raum eines Würfels von 80 Metern Kantenlänge einnimmt. Nun betragt dev Rauminhalt des Toten Meeres etwa 130 Milliarden Kubikmeter und der Salzgehalt beträgt 250 auf 1000, das ist ein Viertel, es enthält dah?r ohnedem fast 33 Milliarden Tonnen Salz. Wir können demnach unsere zehn Kubikmeter Mccrwasscr durch 330 Jahrhunderte in das Tote Meer leiten, bis der Salzgehalt desselben sich verdoppeln würde. — Wir sehen somit, daß unser mächtiger Wasserfalt in der Tat nur ein Tropfen ins Meer ist. Es könnte vielleicht jemand die Frage aufwerfen, warum denn nicht der Jordan selbst zur Ausnützung seiner Energie herangezogen werde. — Darauf läßt sich folgendes antworten: Für diesen Zweck könnte überhaupt nur der untere Lauf des Jordans, d. h. die Strecke von seinem Ausflusse aus dem Tiberias- (Genezareth-)See in Betracht kommen. Nun liegt der Tiberias-See aber selbst 208 Meter unter dein Mittelmeere, so daß sich gegenüber dem Toten Meere ein Höhenunterschied von nicht einmal 200 Metern ergibt. Diese Flußstrecke ist andererseits in der Luftlinie gemessen 110 Kilometer lang, welche Länge auch der Oberwasserkanal besitzen müßte. Legen wir diesen auch im Gefälle von einem Meter auf 1000 Meter an. so bleibt uns nur mehr eine Fallhöhe von etwa 80 bis 90 Metern, gegenüber jener von 300 Metern aus dem Mittelnkecre. Weiters führt der Jordan bei seinem Austritte aus dem Tiberias-See itort) lange nicht jene Wassermenge, wie bei seiner Mündung, da er in seinem Unterlaufe von beiden Seiten zahlreiche Gewässer aufnimmt, von denen jene der eiuerr Talseite wohl mit nutzbar gemacht werden könnten. Ferner gewährt der vielfach gewundene Lauf des Jordans dem von ihm durchflossenen Tale El Gohr dennoch einige Belebung, welches bei einem Wasserentzüge aus demselben vielleicht vollständig veröden würde. Wir haben früher die verfügbare Energie mit 30000 Pferdestärken berechnet, indem wir das Kanal- - - - - - ----