Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Sette 83 No. 28 mi Ae den ©üben jen ge- Ueberx vollrt -unr Rabbi rr 1150 Werkes m, wie »en sich oeihung auernde daraus ms der ine ge- » zwar nunter- Armen- Niederlusgang I nkfurter i. Diese »elsplatz astauschi dortige! Z. Das! 5—11911 »ermann lfte von! er war weil cr( finden i Juden j t unter- -chreins Juden! k Jahr-! icht bi'; r Juden! ib sich! gelangj jefreien, iter die! ideutend! n besten! üdischen! : Mitte! imrschan! lt, einer! chen sich! Schrift-! che, die! lehrung! um Ab- — aus! eit und! : Ruhe; rt, denn jne jede! Zeit iml er nach! icn fül)4 [uorticr.! r Rich- , Mehllorischenl;m noch] ti dieser! s nach! 1. Juni L«1__ breite Mainfluß, bei dem ManAel an guten Wegen und bei der Unsicherheit der vorhandenen mit Vorliebe als Berkehrsstraße benutzt, war von Lastschiffen aller Art belebt und wirkte mächtig fördernd auj den Handel. .Hier bot sich Gelegenheit zu reichem Gewinn. Auch das politische und das religiöse Leben hatte hier seinen Mittelpunkt. In dem Juoenguartier befand sich die Hauptkirche der Stadt, die Baorthylomäuskirche; hier waren das Rathaus und die Münze. Schon daraus ergibt sich, daß das Judenquartier keineswegs ausschließlich oder auch nur überwiegend von Juden bewohnt war, oder daß sie etwa gezwungen worden wären, wie es die späteren Zeiten mit sich sten, abgesondert von dem christlichen Teil oer Bevölkerung zu wohnen. Wenn wir sie zusammen und geschlafen in einem Quartier finden, so geschah dies nach ihrem freien Willen. Tie das Mittelalter charakterisierende Eigentümlichkeit, per enge Zusammenschluß der wirtschaftlich, religiös oder national Zusammengehörigen kam dabei zum lebendigen Ausdruck. Die debräizche und arabische Poesie der Juden Jemens. lieber dieses Thema entnehmen wir einem Artikel in der Wiener „Zeit" folgendes: JnSüdarabien dürften schon ziemlich frühzeitig, aus jeden Fall aber bereits einige Jahrhunderte vor dem Auftreten Mohammeds Juden in größerer Anzahl gewohnt haben. Auch müssen sie, obschon uns ihre dortige Beschäftigung nicht genau bekannt ist, für diese Gegend nicht ohne Bedeutung gewesen sein. Trotzdem hören wir mit Ausnahme einiger weniger Nachrichten, die sich aus mehrere Jahrhunderte verteilen, bis nm die Mitte des vorigen Jahrhunderts eigentlich so gut wie gar nichts über ihre Lage uttd ihre Schicksale. So kommt es denn, daß selbst in jüdischen Geschichtsbüchern, von anderen ganz zu schweigen, — denn was Karl Ritter im zwölften Teil seiner „Erdkunde" über sie mitteilt, geht auf die wenigen, dürftigen, wenn auch sehr wichtigen Mitteilungen Carsten Niebuhrs aus dem Jahre 1763 zurück — über sie recht wenig mitgeteilt wird. Erst im Jahre 1866 erhalten wir in dem von Jakob Saphir herausgegebenen Buche „Eben Sappir" eine Fülle näherer Mitteilungen über die Juden Jemens, die das Ergebnis einer im Jahre 1859 dorthin unternommenen Reise darstellen. Seit dieser Zeit fließen die Nachrichten über sie reichlicher. Sie leben daselbst in großer Not und Armut, was übrigens schon seit dem dreizehnten Jahrhundert der Fall zu sein scheint, wie dies auch aus El-Khazvogis Geschichte der Resulidynastie in Jemen ersichtlich ist. Viele suchen darum in letzter Zeit durch Auswanderung ihre traurige Lage zu verbessern. Mit Saphirs Aufenthalt beginnen aber auch die literarischen Erzeugnisse d^r jemenensischen Juden bekannt zu werden. Tenn nicht allein, daß schon er viele ihrer handschriftlichen Bücher nach Europa gebracht hat, erwarben seitdem auch deutsche, englische und amerikanische Bibliotheken eine ganze Menge ihrer wertvollen Handschriftenbestände, denen sich die südarabischen Juden, wenn auch schweren Herzens, aber von Not getrieben, entäuhern mußten. Selbständiges, wenn man dies noch so benennen darf, leisteten sie eigentlich nur auf .dem Gebiete der Dichtkunst. Aber auch da, sind sie zumeist .'inseitig. Immer und immer wieder ist es hauptsächlich die synagogale Poesie, die sie pflegen, npd selbst da wissen sie, selbst ihren im siebzehnten Jahrhundert dort lebenden größten Dichter, Salim ben Joseph Schibzi, eingeschkossen, diesem ihrem Instrument nicht besondere originelle Laute zu entwinden. Trotzdem verdient aber ihre Tätigkeit agf diesem Gebiete anerkennende Beachtung. Namentlich aber sind es drei Momente, durch die ihre poetischen Erzeugnisse Beachtung verdienen und durch die sie eine gewisse Ausnahmestellung gegenüber der neuhebräischen Dichtung einnehmen. Es ist dies vor allem die Tatsache, daß sie in ihren Dichtungen dem Arabischen neben dem Hebräischen eine gleichberechtigte Stellung'.einräumen und daß neben rein arabischen und hebräischen Dichtungen sie eine Menge poetischer Erzeugnisse schufen, in denen beide Sprachen in verschiedentlicher Kombination abwechselnd gebraucht werden. Das weist gleichzeitig darauf hin, daß ihnen beide Sprachen gleicherweise geläufig waren. Auch überwuchern mystische eschatolögische Gedanken den größten Teil ihrev Dichtungen. Immerhin aber verdiente dieser Teil ihrer geistigen Tätigkeit eine streng wissenschaftliche Bearbeitung. iv heuregste : lieber Korden Der Me Ich?u meiner ersten Schulprämie harn- Ich ging das erste Jahr zur Schule, und zwar besuchte ich die allgemeine Volksschule und war unter 50 kleinen ABC-Schütztnnen die einzige jüdischen Glaubens. Wir waren erst wenige Tage in der Schule, als aus dem Kreis-Regierungssitze sich der Oberschulrat zum Besuche anmeldete. Darob herrschte große Aufregung in den oberen Klaffenin den Pausen standen die älteren 'Schülerinnen in lebhaftem Geplauder zusammen und mutmaßten, „worin" der Gestrenge wohl dieses mal prüfen würde. Uns Kleine focht das alles wenig an, wir zählten ja noch nicht recht mit. Indessen kam es doch anders. Kurz nach Pesach waren wir zur Schule gekommen, und ungefähr 14 Tage nachher, als wir morgens unser Klassenzimmer betraten, saß dort am Pult neben unserem uns nun schon einigermaßen vertrauten Herrn Lehrer noch ein anderer, dessen funkelnde Brillengläser allein uns schon zur Ehrfurcht gezwungen hätten, es hätte des mahnenden Winkes des Herrn Lehrers gar nicht erst bedurft. Fünfzig kleine bange Herzen klopften, daß man es schier in der engen Schulstube hätte hören können. Der Unterricht begann, und bald hatten wir alle Bangigkeit verloren. Denn der da fragte, der fremde Mann, das war gar kein Strenger, wie ihn die großen Mädchen gemalt hatten, das war einer, der die Kinder lieb hatte. Was er uns auch alles fragte-! Wie unsere liebsten Spiele hießen, was wir gerne äßen, wer wohl schnell sin schönes Liedchen wüßte,- alle möglichen Rätsel gab er uns auf und freute sich, wenn wir sie nicht gleich errieten. Schließlich fragte er, wer von uns kleinen Häschen wohl schon am Ende zählen könnte. Hei, das hättet Ihr sehen sollen, zwanzig kleine Finger reckten sich stolz in die Höhe, und meine kleine Bankgenosfin neben mir stellte sich gar noch auf die Zehenspitzen, damit man ihr Fingerchen auch nicht etwa übersehe. Sie kam dann auch zuerst daran und konnte ganz fehlerlos bis zehn zählen. „Alle Achtung," sagte der Herr Oberschulrat. „Wer kann's noch Wetter?" „Ich, ich, ich!" ertönte es aus verschiedenen Himmelsrichtungen des lustigen Prüfungssälchens. Else zählte bis 18, so viele Absätze hatte ihre Treppe zuhause, Anna kam gar bis 24, für so viele Pfennige holte sie jeden Abend Bier. „Du bist ein Tausendkünstler," lobte der Herr Schulrat lachend. Ich hielt noch immer den Finger hoch, und der Herr Schulrat meinte: „Na, Ihr seid ja alle schon so gelehrt in die Schule gekommen, daß Ihr fast gar nichts mehr zu lernen -raucht. Wie weit kannst dn denn zählen, mein Kleines? „Bis 49," rief ich voll Stolz und beobachtete die Wirkung meiner Worte. Richtig, der Herr Schulrat fiel beinahe auf den Rücken, wenigstens machte er es täuschend ähnlich, und zu unserem Herrn Lehrer meinte er: „Herr Lehrer, Herr Lehrer, paffen Sie mal gut auf, daß Ihnen Ihre Herde nicht über den Kopf wächst. — Jetzt wollen wir aber auch hören, ob du wirklich so weit zählen kannst." Und ich begann: „Eins, zwei, drei, vier fünf, sechs, sieben, eine Woche, acht, eine Woche und ein Tag, neun, eine Woche und zwei Tage" und so fort. Ich zählte so rasch, daß ich mir kaum den Augenblick zum Almen gönnte, und als ich 33 kam, da fügte ich erklärend -ei: das ist Lag-beomer, und wer bis dahin nicht vergessen hat zu zählen, der bekommt Kuchen mit Korinthen, und dann ging es in gleichem Siegeslauf weiter, die Zahlen schnurrten nur so herunter, bis ich an 49 hielt und Schluß machte mit den Worten: „Und dann ist's Schewuaus, das find zwei Tage Jomtauf, und darum haben wir 7 Wochen gezählt von Pesach an." Ich atmete auf und wagte verstohlen erst den Herrn Lehrer und dann den Herrn Schulrat anzusehen. Der Erstere lächelte mich anerkennend an, und der Letztere gar — nein, es war entschieden nach meinen Begriffen der größte Ehrentag meines Lebens — er kam aus mich zu, gab mir die Hand und sagte: „Du bist aber eine ganz Geschetdte, wer hat dir denn das so beigebracht?" „O," sagte ich, so zählen wir jetzt eben jeden Abend zuhause, wir fagen's auf Hebräisch, aber ich weiß auch den deutschen Sinn, damit ich mir's selbst ausrechnen kann." „Hast du's auch noch nie vergessen, du weißt ja, sonst gibt's keinen Kuchen am ..." „Lag-be-omer", wagte ich ihm zuzuflüstern, wie wir Kinder uns was im Unterricht „einagten", Und ich bemühte mich, kein stolzes Geicht dabei zu machen: Gott, selbst ein Oberchulrat kann doch mal ein einziges Wort nicht wissen! Darüber mußte er nun sehr lachen, und er wiederholte seine Frage nun nochmals ohne Stockung. Nein, ich hatte es noch keinen Abend vergessen. „Du hast jedenfalls auf die beste Art das Zählen gelernt, mein Kind," sagte er liebevoll. „Danke Gott für deine pflichttreuen Eltern." Ich habe noch oft dankbar an das ernste Pflichtenleben „bei uns zuhause" denken können. Wir sind im Kleinstadtverkehr, in steter engster Begegnung mit ablenkenden Beispielen groß geworden, wer anders hat uns Kinder darüber hinausgehoben als die frühe ernste Gewöhnung an die jüdischen Pflichten? Wenn ich dieses ersten Erfolges im Schulleben gedenke, meine ich, auch dies war in seiner Art eine Würdigung fretmüttger Jüdischkett, und ich freue mich darum heute, noch, daß ich die erste Prämie in der deutschen Sckule meinen Vorkenntniffen im Jüdischen zu danken hatte. Miel. D^D DVY KM ';vv npn wm o*fi 'Oin d'|TT^6 niyiT ntsroV'"1 m. L. Auflösung des Röffels in Flr. 15. 1. ino 2. noi 3. orn 4 onn 5. orn 6. non 7. -»ön Richtige Lösungen sandten ein: Kantor H. Stern, Austerlitz- Nathan Ingber, Reui- Lehrer H. Translateür, Mlltenberg - Levy Fleischmann, Dunaßerdahelv: Karl Darmstädter, Landsberg - Rosa Bretner, Preßburg- I. Jaffe, Tilsit: Adolf Friedmann, Preßburg- Samuel Zobel, Borkowitz- Jakob Folkmann, Wesewitz (Böhmen). rfc’v'Siif"