Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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v 1 D« Anaeltt. als ob es' sich' um ein Gochzeitsfest von hundert Bräuten handeln würde. Es ist die „Hilula" des großen Rabbi Simon. Verklärte FröUichkeit, die das Schluchzen und Weinen tausender Brüder und Schwestern von Stunde zu Stunde ablöst, ist die Losung des Tages. Es ist 10 Uhr abends. Der Rabbi von Saffed, ein achtzigjähriger Greis, wird die Treppe hinäufgetragen. Auf der Höhle befindet sich ein festgebauter großer Saal. Auf dem Dache dieses Saales, der mit einem Geländer aüs Stein und Holz umgeben ist, soll die Heilige „Hadlaka" stattfindcn. Eine dichtgedrängte Masse befindet sich aus diesem verhältnismäßig doch engen Raunt. Nur der greise Rabbi konnte noch mit schwerer Mühe hineingehoben werden. Eine große Fackel wird ihm in die Hand gelegt. Der heilige Moment ist da. Mit bebenden Lippen sagt der Rabbi: „Zu Ehren des göttlichen Tanai Rabbi Simon ben Jochai, Sechusau sogen al kol Jisroel." Die Flamme steigt zum Himmel empor und aus tausenden Kehlen ertönt das erhebende Lied „Bar Jochai". Drei Minuten später. Hier beginnt die fürchterliche Katastrophe. Das Mauergeländer stürzt ein. Die großen Steine fallen zur Erde und ihnen nach stürzen nacheinander etwa 80 —100 Personen, Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen, Kinder und Greise, alles durcheinander in einigen Augen- Augenblicken etwa acht Meter tief zur Erde. Es entsteht eine Panik, Menschen werden zertrete.t, Blut fließt in Strömen, ein Wehgeschrei von allen Seiten. Es gab auf der Stelle einige Tote und es dauerte eine Weile, bis die Menge zur Besinnung gelangte, um nach den Toten und Verwundeten zu schauen. Mond und Sterne beleuchteten nun das Trümmerfeld, welches einen schrecklichen Anblick bot. Etwa 50 Verwundete wurde»! in die benachbarten Zimmerchen gebracht. Ter städtische Arzt, ein junger Türke, leistete die erste ärztliche Hilfe. Leider hatte er keine Instrumente und keinerlei Verbands mittel zur Hand. Der Gouverneur und rroch andere beherzte Männer und Frauen beteiligten sich in finsterer Nacht an dcm Rettungswerke, so gut sie es vermochten. Rabbiner Horovicz, der Vertreter der deutschholländischen Palästinaverwaltnug, sandte sofort reitende Boten nach Saffed mit einem Schreiben an Dr. David, daß er mit seinen Kollegm und nötigen Hilfsmitteln unverzüglich nach Meron komme. Tie Hiobspost war bald in oer ganzen Stadt verbreitet. Tie Aerzte waren mit frühem Morgen bereits in Merost. Bei Tageslicht hatte man schon einen Begriff von dev Katastrophe. Es gab sieben Tote, unter diesen zwei Familienväter, die Witwen und 12 Waisen hinterließen und fünf 12—16 jährige Knaben und Mädchen. Die Schwerverwundeten sowohl wie die Toten sind mit 2 Ausnahmen aus Saffed, Tiberias und zwei benachbarten Kolonien. Nun handelte es sich zunächst darum, daß die noch Lebenden in ärztliche Behandlung genommen wurden. Ter Vertreter der Pekidim erklärte sofort, daß man alles Mögliche für die Rettung der Verunglückten besorgen solle. Man solle nicht fragen, woher die Mittel beschafft werden können. Es wurden auch sofort Tragbahren gezimmert und vom frühen Morgen bis zum späten Abend wurden die Verunglückten von Meron nach Saffed transportiert. In Saffed wurde das von der Baronin Rothschild erbaute Spital für die Aufnahme der Kranken geöffnet, Betten und Matratzen wurden rasch besorgt und edelherzige Brüher und Schwestern stellten sich leschem Mizwoh . in den Dienst, um die Unglücklichen zu. pflegen. Herr Fachi, der Direktor der Allianceschule telegraphierte sofort nach Paris um Hilfe und reguläre Eröffnung des Spitals und Herr Gordon beteiligte sich im Namen der dortigen zionistischen Bankfiliale an dem Rettungswerke. Daß die hiesigen Rabbiner und Führer der Gemeinde, wie N. Chaneles, Konvitz und noch viele andere aufopferungsvoll gearbeitet, bedarf wohl kaum einer Erwähnung. Bor Abend, nachdem die Verunglückten Nckch Saffed befördert waren, wurden die Toten zur letzten Ruhe gebettet. In Saffed selbst sind am folgenden Tage weitere vier, unter diesen zwei Familienväter, den Wunden erlegen. Die ganze Stadt ist in Trauer gehüllt, es gibt fast keine Familie, die nicht mittelbar oder unmittelbar von dem Unglück betroffen wurde. Der Gouverneur Hussein Effendi Ahdab hat die ganze Nacht und den ganzen Tag hindurch persönlich an dem Rettungswerke teilgenommen, und seine hochherzige Gattin schickte sofort sämtliche Leintücher, Jbte-fie im Hause hatte, in das Spital. Rabbiner Horovicz wies namens der Pekidim 500 Franken für die ersten Auslagen an, und ermächtigte den behandelnden Arzt Dr. I. David, nötigenfalls auch weitere Auslgen auf Rechnung der deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung besorgen zu dürfen. Auch Direktor Co hn und Dr. Rn pp in beteiligten sich mit entsprechenden Beiträgen. Es handelt sich um etwa 40 Schweroerwnrwete, von denen leider noch mehrere lebensgefährlich verletzt sind. Auch für die Hinterbliebenen Witwen und Waisen hat der Vertreter der Pekidim vorläufige UnterstützNngsbeiträge Kur Verfügung gestellt. Unter den Verwundeten sind noch mehrere Handwerker, die völlig arbeitsunfähig wurden. Lauter würdige, aber blutarme Personen und ihre Angehörigen find die Opfer der Katastrophe. Der Gouverneur dankte dem Vertreter der deutschen Palästinaverwaltung für sein Eingreifen und bat ihn, der Verwaltung, unter Uebermittlung seiner Dankesgrüße, das Los der unglücklichen Witwen und Waffen ans. Herz zu legen. Marokko. Karrger, 10. Mai. Am 12. April d. Js. spielte sich vor den Toren der marokkanischen Stadt Mequinez ein erbitterter Kampf zwischen verschiedenen Berberstämmen ab. Eine Schar verbündeter Stämme belagerte die Stadt und versuchte sie zu erstürmen. Der Kampf dauerte fünf Tage lang, wobei zahlreiche Gebäude in der Nähe der Stadtmauer in Brand gesteckt und eusgeplündert wurden. Einer der am heftigsten angegriffenen Punkte der Stadt war die Mell ah (oas Judenviertel). Allein die Juden traten den eindringenden Kriegsscharen entgegen, schlugen sie tapfer zurück und verhinderten die Plünderung ihrer Wohnstätten. Hierbei erlitten die Angreifer große Verluste an Menschenleben. Auf jüdischer Seite gab es bloß einen Toten und drei Verwundete. Im ganzen Lande hat die Tapferkeit der Juden von Mequinet Erstaunen und Bewunderung hervorgerufen, zumal da es in Marokko bisher unerhört war, daß die hier stets bedrückten, von ihren Nachbarn oft genug graustrm verfolgten Juden es gewagt hätten, ihren Angreifern die Stirne zu bieten und sich mit den Waffen in der Hand zu verteidigen. Amerika. kin offizieller Bericht über die einsezoanderfen luden. Wew-Vork, 10. Mai. Der jüngste Bericht des nordamerikanischen Handelsdepartements enthält interessante Daten über die Juden der nordamerikanischen Republik. In den Jahren 1904—08 kamen 1600600 Einwanderer nach Amerika, davon waren 403772 Juden. Gegenwärtig gibt es in Newyork 6 Stadtteile, die fast ausschließlich von Juden bewohnt werden, und kurzweg als jüdische Ghetti bezeichnet werden können. Laut einem statistischen Ausweise der Chicagoer Handelsvereintgung gibt es in dieser Stadt 50000 Juden, die untereinander sich ausschießlich des Jargons als Umgangssprache bedienen. In Cleveland, wo bis 1900 Juden und Italiener nur in geringer Zahl vorhanden waren, bilden diese heute einen bedeutenden Teil der Bevölkerung. Dasselbe gilt auch von Philadelphia, Baltimore, Cinctnatti, und anderen Städten. Früher kamen die jüdischen Emigranten gleich den übrigen in der Absicht nach Amerika um daselbst eine neue Existenz zu begründen. In den letzten 2—3 Jahren kamen die Juden zumeist bloß, um sich ihren bereits dort befindlichen Verwandten anzuschließen.* 23"/° der im Jahre 1908 nach Amerika gekommenen jüdischen Einwanderer wurde die Landung deshalb gestattet, weil sie zu ihren bereits in Amerika befindlichen Familienangehörigen gekommen waren, wie z. B. Frau und Kinder zum Manne und Vater, der Vater zu seinen Kindern usw. Ueberhaupt übt die Familie auf die Juden eine große Anziehungskraft. Hinsichtlich der Berufe nahmen die Juden den wichtigsten Platz in dem Schneidergewerbe und dem Handel mit fertigen Kleidern ein. In der letzten Zeit jedoch hat sich dieses Verhältnis stark verschoben. Heute kommt auf je 100 italienische Schneiderinnen bloß eine jüdische. Heute wird die Kleiderkonfektion zum grötzten Teile von Italienerinnen als Heimarbeit betrieben. Hingegen ist die Cigarrettenfabrikation fast ausschließlich Heimarbeit jüdischer Mädchen und Frauen. In Cleveland ist die Havptschäftigung der Juden Kleiderhandel und Zigarrenfabrikation In Pittsburg gab es im Jahre 1909 200 jüdische Motorführer und Tramway- Kondukteure. Bon 1000 aus Rußland eingewanderten jüdischen Familien liegen Aeußerungen über ihr Hausbudget vor. Sie verdienen alle mit Ausnahme von 5 Familien 10—30 Dollar die Woche, Der Verdienst der Frauen in .den jüdischen Familien ist sehr gering. Die jüdischen Familien bewohnen durchschnittlich vier Räume, so daß jeder Raum durchschnittlich von zwei Personen bewohnt wird. Trotz der berüchttgten Enge im unteren Ostende von Newyork, das zumeist von Juden bewohnt ist, ist die Sterblichkeit daselbst keine größere, als in den geräumigeren Stadtteilen. Dieses Ergebnis ist, wie der offizielle Bericht hervorhebt, zunächst der hygienisch einwandfreien Lebensweise der Juden und dann der strengen Aufsicht der Behörden über die öffentliche Reinlichkeit zu danken. llemiscbm. Frankfurt a. M., 22. Mai. In einer vorige Woche hier tagenden Konferenz der Nahrung^mittcl- HSndler wurde u. a. auch folgende Resolution g faßt : „Der Zusatz von Agar-Agar bis zu 3 Prozent deS fertigen Erzeugnisses zu Marmeladen mit dem Nomen einer bestimmten Fruchtart ist entgegen den Heidelberger Beschlüssen der Freien Bereinigung deutscher Nahrungsmittelchemiker nicht zu beanstanden, jedoch ist der Zusatz zu deklarieren." Dieser Beschluß mahnt alle, die eS mit ben Speisegesetzsn ernst nehmen, auch beim Genuß von Backwerken und Zuckerwaren weitgehendste Borficht zu üben. Berlin, 27. Mat. Heute nachmittag gegen Uhr brach im a'ten Gebäude des jüdischen Waisenhauses m der Berltnerstraße 121 in Pankow Feuer im Dachstock aus. DaS Feuer wurde sofort bemerkt, sodaß die Feuerwehr wenige Sekunden nach Au bruch des Brandes alarmiert werden konnte. Sie nahm sofort die Bekämpfung des Brandes vor, und nach einer halben Stunde war die Gefahr beseitigt. Ein Teil des Dachstuhls ist durch daS. Feuer zerstört worden. Hamburg, 26. Mai. Herr Oberkontor I. Rosenblatt, der «US Anlaß des 80. Geburtstags des Kaisers Franz Josef ein Kaisergevet komponiert hat, erhielt folgend es D ankschrelben: Hochwohlgeboren Henn I. Rosenblatt, Hamburg. „Das hohe l u. k. Ministerium des Aeußeren hat die k. u. k.. Botschaft in Berlin über Wl nsch des Herrn Oberst-Kämmers Seiner k. u. k. OpostollschenMajestät heaui tragt, Euer Hochwohlgeboren iür die Borloge -er Komposition „Gebet für den Landesherrn" den Allerhöchsten Dank mit dem Beifügen bekanytzugeben, daß dieselbe der k. u k. Fomilien-FtdettoMüß-Bibliorhek einverleibt werden wiro. Ueber eine von der genannten k. u. k. Botschaft erhaltene Weisung beehrt fich das k. u. k. Generalkonsulat Euer Hochwohlgeboren v m Vorstehenden in Kenntnis zu setzen. Hochachtungsvoll v. Frankeneck k. u. k. Btzekonful u. Gereut." d t e fünf 1' aniwoi darum Metzg« ten de terei Befchv hätten ihnen Tages solcher haben war. 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