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Der Israelit · 1911-06-01 · Heft 22 (1.6.1911) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 22 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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WM" I, 1 Juni 1911. für ein ie tücht. man gänzlich aus dem Programm auSschlteßen, die atte Bibel sollte man schon längst ausgerottet haben ... Mit ähnlichen empörenden gotteslästernden Reden traten noch andere Jargonisten und Bundisten auf. Etwas Aehnliches aber nur noch in verstärktem Maßstabe wiederholte sich auf einer späteren Versammlung desselben Vereines bet der Verhandlung über das Programm einer Fortbildungsschule für Erwachsene. Das alles trug sich zu in der altehrwürdtgen jüdischen Gemeinde zu Wilna, im DWi' Freilich drangen die Jargonisten nicht durch und blieben in der Minorität, leider aber einer immerhin zahlreichen Minorität, was ein böses Omen für die Strömung der Gegenwart ist. I 0. Juni imein. ordentl. hen älterem jefncht. lsp. sind (10172 ikind -sie«. >n Stelle Sipper lberg. gesetzt. >. Herrn t Paff. 1. Juli agend (16185 paffende it.9t.9t. I (10177 icEt find. ftttfie 15353 1903. |i6ttU" r. Kinder feit und t Lande tcht sich terfestrn zen, der rur eine nehmen glichen, ihre alt en Pen', rt. unr. «offe. (16133 er, übschem äußerst cht sich mögen len ibre an die [16149 Uirrnirnierr. Das neue Regime. Ankarefi, 26. Mai. Das „judenfreundliche" Kabinett Carp hat es nun doch fertig gebracht durch einen Gewaltakt zahlreiche jüdische Exestenzn zu vernichten und viele Familien brodlos zu machen. Das neueReglement für die privaten Kommissions - und Speditionsbureaus bestimmt, daß diejenigen, welche derartige Bureaus eröffnen, Rumänen oder Naturalisierte sein müssen. Diese Maßregel bedeutet einen neuen Schlag für die e i n g e - borenenJuden, welche entsprechend den Gebräuchen des Landes, als einfache Fremde betrachtet und behandelt und als solche nicht bloß von den bürgerlichen und öffentlichen Rechten, sondern auch von einer Menge von Berufen fern gehalten werden. Wir glaubten, daß wir eine Verbesserung des den eingeborenen Juden gegenüber adoptierten Systems erhoffen durften. Wie man sieht, werden von der liberalen Regierung die Maßregeln, durch welche den Juden die Mittel des Lebensunterhaltes beschränkt werden, fortgesetzt. Unter dem Vorwände der Nationalisierung des Handels, der Industrie und der Gewerbe hat man begonnen, durch Gesetze und Reglements nach und nach die Juden aus diesen Zweigen der Tätigkeit herauszuztehen, sie, die zur Hebung der Kultur und der Volkswirtschaft beigetragen haben und in mächtiger Weise beizutragen vermögen. In einer Eingabe an den Ministerpräsidenten, worin er um Aufhebung der neuen Beschränkung in dringenden Worten gebeten wird, heißt es u. a.: „Die Politik der Ausschließung der eingeborenen Juden — wir scheuen uns nicht es zu sagen, weil wir es jeder Zeit beweisen können — ist, unserer Ansicht nach, eine antinationale Politik, weil ihrethalben wirtschaftlich-kulturelle Energien und Intelligenzen, die nichts anderes verlangen, als sich in den Dienst des Landes zu stellen, beseitigt werden. Wir Unterzeichneten Vertreter der „Bereinigung der eingeborenen Juden", die den Zweck hat, die öffentliche Meinung über die Judenfrage aufzuklären und diese Frage auf den Weg der Lösung im Lande und durch das Land zu bringen, halten es für unsere Pflicht, uns dieser neuen Verletzung der Rechte und Interessen der eingeborenen Juden gegenüber, an Sie als den Chef der Regierung zu wenden und Sie zu bitten, unsere Beschwerden zu prüfen und die Maßregeln zu ergreifen, damit das erwähnte Reglement nicht auf die eingeborenen Juden zur Anwendung gelange." Ob und was Herr Carp darauf erwidert hat, darüber verlautet bis jetzt nichts. er mit Silbert erzog, lrovinz je mit ater H Stoffe, [16135 Juöenhefcen hüben und drüben. Jassy, 29. Mai. Die hiesige Bevölkerung nimmt gegen die Juden eine immer drohendere Haltung ein. Die Erregung wird von gewiffenlosen Agitatoren gechürt. Charakteristisch für die Stimmung ist olgende Episode: Der Bürgermeister ließ am 26. d. M. den hiesigen hochangesehenen jüdischen Bankier Wachtel zu sich bescheiden und stellte . " ■ - ' ~< g« gpirfttm. ” ihn in erregtem Tone zur Rede, weil sich die Juden in jüngster Zeit zu viel auf der Straße zeigen. Es wäre so, meinte der Bürgermeister, besser, wenn die Juden, da die Bevölkerung gegen sie so aufgeregt ist, in ihren Häusern blieben. Alle Züge von der russischen Grenze bringen jüdische Flüchtlinge aus verschiedenen Städten Bessarabiens, die aus Furcht vor nahe bevorstehenden Pogromen die Heimat verlaffen. In den letzten Tagen wurden aus Kiew mehr als 50 der Schwarzen Hundert nach Beffarabien kommandiert, die namentlich in Kisch in ew (wie auch im Norden in Homel) ständige Komitees zur „Ermittelung von Ritualmorden" bilden. Antisemitische Agitatoren durchziehen die Städte und Dörfer unter dem Schutze der Polizei und anderer Behörden und verbreiten Ansichtskarten, auf denen mit feuerroten Buchstaben gedruckt ist: „Rechtgläubige Christen, russische Männer, erbarmt euch eurer Kinder, nehmet Rache an den Juden! Auf, schlaget die Juden, bis es nicht einen einzigen Juden in Rußland gibt." Die Intervention der jüdischen Bevölkerung bei den Behörden war bisher erfolglos. . Bulgarien. Sofia, 11. Mai. Unser neuer Ministerpräsident Iwan Geschow empfing dieser Tage eine Abordnung der bulgarischen Juden, bestehend aus dem Großrabbiner Dr. M. Ehrenpreis, dem stellvertretenden Vorsitzenden und dem Sekretär der Sofiaer jüdischen Gemeinde und einer Anzahl jüdischer Notabeln aus der Hauptstadt und der Provinz. Rabbiner Dr. Ehrenpreis hielt eine kurze Ansprache an den Premier, in der er hauptsächlich der Erwartung der bulgarischen Judenhett Ausdruck gab, daß das neue Kabinett die Rechte der religiösen und der Wohlfahrtsinstitutionen der bulgarischen Judenheit bestätigen und ihnen die Möglichkeit der freien Entwicklung sichern werde. In seiner Antwort betonte Ministerpräsident Geschow, daß er stets ein aufrichtiger Freund und Bewunderer der Juden gewesen sei. Das bulgarische Volk habe niemals judenfeindliche Neigungen, wie sie in anderen Ländern häufig zutage treten, bekundet. Schließlich versprach der Ministerpräsident, die Frage der Korporationsrechte der jüdischen Gemetndeinstitutionen, gemäß dem Wunsche der Abordnung, einer günstigen Erledigung entgegenzuführen. Wie bekannt wird, haben die bulgarischen Juden beschlossen, anläßlich der kommenden Wahlen in die Nationalversammlung eigene Kandidaten aufzustellen. Die bulgarische Regierung bringt diesen Bestrebungen Sympathie entgegen. Als Kandidaten wurde» bereits bie' angesehenen Sophioter Juden Karl Herbst und David Levy nomtnirt. Ko«s1a»1inopel, 10. Mai. Der neugewählte Medschltsch Dschismani erhält täglich Gratulationen von den Gemeinden der türkischen Städte, in denen ihm Anerkennung zugesichert wird. Zwei Mal tteten die Mitglieder wöchentlich zur Beratung zusammen, denn viel ist versäumt worden, manches harrt der Erledigung und Ordnung muß geschaffen werden. Alles ist zufrieden — nur Herr Fresco immer noch nicht. Seine Zeitung beschäfttgt sich noch immer mit der Niederlage des Großrabbinats, doch was hat das unter Freunden zu bedeuten? Jeschna Bey, der Enkel des früheren Großrabbiners yxt, hat den Herausgeber des „Tiempo" wegen Beleidigung verklagt, so daß Herr Fresco gar nicht mehr aus den Prozessen herauskommt. In Paris verstarb ein hiesiger Bürger Camondo und überwies für die hiesigen Armen 50000 Frs. Merkwürdigerweise wurden der Präsident des hiesigen Lokalkomitees der Alliance, Herr Fernande-, sowie ein Herr Fedeski zu Testamentsvollstreckern ernannt und — nicht der Großrabbiner. Herr Siegmund Bergel aus Berlin wellt für einige Tage hier, nachdem er im Orient 19 Bnei-Britg-Logen errichtet hat, um die hiesige Groß löge einzuweihen. tyaiaftinou Jerusalem, 20. Mat. Am 16. d. M. (Lag- Baomer) wählten die Mitglieder aller aschkenasischeu Gemeinden unserer Stadt in geheimer Abstimmung 78 Wahlmänner, deren Aufgabe es sein wird, einen Waad-Hatr(Gemetndevorstand) als oberste Berwaltnngskörperschaft der hiesigen aschkenasischen Bevölkerung einzusetzen. Die Wahlbeteiligung war eine sehr rege. Die Stimmenzählung nahm 3 Tage in Anspruch. Man hofft, auf diese Weise der bisherigen Zerfahrenheit in den Jerusalemer Gemeindeverhältniffen ein Ende bereiten zu können, und bereits in nächster Zeit einem ordnungsgemäß gewählten Vorstand die Leitung der aschkenasischen Gesamtgemeinde anvertrauen zu können. Die Kafaffrophe in meron bei SaffeO- (Von unserem Korrespondeten.) Saffed, 16. Mai. Ein schreckliches Unglück hat sich hier*)' ereignet. Alljährlich am Lagb'omer versammeln sich viele Tausende in Tiberias und Saffed, um die heiligen Gräber der Propheten und vieler Tanaim zu besuchen. In Meron, welches zwei Stunden von Saffed entfernt ist, befindet sich die Höhle und Grabstätte von Rabbi simon ben Jo chai, seines Sohnes Rabbi Elieser und noch mehrerer Tanaim. Nachdem schon einige Tage früher an den Gräbern von Tiberias und Saffed verschiedene Andachten abgehalten wurden, erreicht die Feierlichkeit ihren Höhepunkt am Lagbomer abends in Meron. Dort werden zu Ehren Rabbi Simons nud der übrigen Tanaini unter dem Namen „Hadlakah" Seelenlichter angezündet. In große Steintöpfe wird Olivenöl geschüttet, Tücher und Stoffe werden hineingelegt und eine nach Tausenden zählende Menge harret des Augenblickes, in dem die Hadlakah beginnen soll. Auch diesmal kamen viele Gäste aus allen Städten Palästinas, viele Pilger aus Europa und die Bucharischen Inden, die den Pehach in Jerusalem gefeiert. Die jüdische Bevölkerung von Saffed nimmt für zwei Tage Aufenthalt in Meron. In Saffed selbst sind die Geschäfte am Lagbaomer geschlossen. Es bleiben dort bloß Frauen und Kinder oder alte Leute, die die beschwerliche Tour nach Meron nicht mitzumachen im Stande sind. Auch die nichtjüdische Bevöl- . kerung macht den Ausflug zum Grabe des „Zadik" mit. Der Gouverneur von Saffed und noch andere Spitzen der Stadt, eine Anzahl Polizisten und Soldaten, der städtische Arzt und noch andere Beamte sind auch anwesend. Es mochten diesmal 8—10,000 Personen zur Hadlakah in Meron erschienen sein. Unter den Gästen bemerkte man auch Dr. Ruppin von Jaffa, Ephraim Cohn und den Rabbiner Horovicz von Jerusalem, die amtlich in Saffed zu tun hatten. Schon Vorabend versammeln sich die zahllosen Pilger in kleineren und größeren Gruppen an den Gräbern, viele lesen den Sohar, der des großen Mannes Leben und Sterben schildert. Die Meisten verrichten Gebete unter heißen Tränen, wie man sie nur hier weinen sieht. Die Väter und Mütter haben ihre dreijährigen Söhnchen zum Zadik gebracht. Morgen wird ihre „Charaka" sein, d. h. das Kopfhaar wird ihnen zum ersten Mal abgeschnitten unter Vorsätzen, das Kind im Sinne Rabbi Simons zur Thora und Gottesfurcht zu erziehen. Wenn die Reichen und die Kummervollen ihre Zhrdachten verrichtet, wenn sie. ihre Herzen an diesen heiligen Stätten — in der Nähe befindet sich auch die Ruine einer monumentalen alten Synagoge — vor Gott ausgeschüttet haben, dann sieht man dieselben Massen in zahllosen Gruppen zusammen tanzen und die bekannte Hymne „Bar Jochai" singen, Wie bereitkurz gemeldet. Red. tiiyaUjb idss^

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