Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Ko. 22 «rite 8 Der Mraütt. 1. JMtt L«1 In jener Wahlkampagne war Herr R. A. Spiegel mein Gegenkandidat im XVI. Wahlbezirk, wo er ansässig ist und den er bisher vertreten hatte, wo er aber in jenem Wahlgang mit großer Majorität unterlag. Bei der nächsten Synodalwahl 1911 kam seine Kandidatur überhaupt nicht mehr zur Aufstellung. Herr R. A. Spiegel hatte nun immer noch das Bedürfnis gefühlt, sich bei der Synode, der er seit ihrer Gründung angehört hatte, wenigstens zu melden, und zwar 1908 durch einen Wahlprotest, den er, der unterlegene Gegner, in höchsteigener Person einbrachte. Der damalige Präsident R. A. Dr. Staadecker konnte jedoch konstatieren, daß der Protest nicht berechtigt war, und daß selbst im Falle seiner Berechtigung ich immer noch nach Abzug der Stimmenza'hl der betreffenden Gemeinde, die überwiegende Majorität hatte. — Auf der Synode im Jahre 1911 meldete sich Herr R. A. Spiegel wiederum und zwar diesmal auf telegraphischem Wege. Er erzählt in den politischen Blättern, daß das „patriotische Gefühl" die Absendung der drei Telegramme veranlaßt habe. Das erste dieser Telegramme kam von dem Bezirksältesten des Bezirks Tauberbischofshetm in Wertheim. Als solcher stellte sich uns Herr Spiegel vor. Das zweite kam von dem Synagogenrat Tauberbischofsheim. Als solcher stellte sich uns wiederum Herr Spiegel vor. Das dritte kam von dem Synagogenrat in Werlheim. Ich besitze ein Schriftstück, worauf der Schwiegervater des Herrn Spiegel als Synagogenrat in Wertheim figuriert. In allen drei Telegrammen spiegelt sich also Familie Spiegel wieder. Ich konstatiere,daß im ganzen badischen Lande kein anderer Jude durch sein „patriotisches Gefühl" veranlaßt wurde, gegen meine Ausführungen eine Depesche an die Synode zu senden. Herr Spiegel legt mir zur Last, die Gr. Regierung zu derjenigen Großherzogs Friedrich I. im Gegensatz gefetzt zu haben. Es ist unwahr, daß ich die Person unseres Landesfürsten auch nur mit einer Silbe genannt habe. Wahr ist vielmehr, daß ich an der Stelle meiner Bede, wo ich veranlaßt war, von der Organisation der Badischen Juden zu sprechen, dieselbe als ein wertvolles Geschenk aus Fürstenhand bezeichnet habe und im Hochgefühl der Verehrung für Großherzog Friedrich I. ihn als den vaterländischen Freund seiner jüdischen Untertanen feierte, der uns die Synodalverfassung gegeben hat. Das ist die Wahrheit. Alles andere politische Hetze. Kot«, 25. Mai. In einem bemerkenswerten Leitartikel über die Annahme der Feuerbestattungsvorlage im Preußischen Landtage sagt die „Kölnische Volkszeitung" in einer ihrer letzten Nummern: „Bedauern könnte man es, daß nicht auch eine Stimme des gläubigen Judentums zu Worte kommen konnte, das ja ebenso sehr gegen die Leichenverbrennung ist, wie die gläubigen katholischen und evangelischen Christen. Was an Juden im Parlament sitzt, ist eben auch in diesem Punkt „liberal"." Zur Bestätigung deffen bringt die „Kölnische Dolkszeitung" nun in ihrer No. vom 23. die bekannte Kundgebung des Orthodoxen Rabbinerverbandes in Deutschland von 1904 gegen ble Feuerbestattung und Urnenbeisetzung auf jüdischen Friedhöfen vollinhaltlich zum Abdrucke und begleitet sie mit folgender Bemerkung: „Die Stellung des überlieferten Judentums zur Leichenverbrennung ist also klar: Jede andere Art von Leichenbestattung als die Beerdigung bedeutet einen Verstoß gegen das Religionsgesetz, stellt nach jüdischem Empfinder eine Leichenschändung dar und ist als Demonstration gegen die überlieferte Lehre der Religion aufzufassen." GesterreUtz. Wien, 18. Mai. In der Plenarsitzung der Kultusgemeinde vom 14. d. M. wurde berichtet, daß die neu errichtete Mikwah am 2. Mai 1911 der allgemeinen Benützung übergeben wurde. Die neue Mikwah befindet sich im 2. Bezirk, Floßgasse 14. Die Projektierung und der Bau dieses Bades erfolgte in ritueller Beziehung im gemeinsamen Zusammenwirken des Rabbinats der Wiener Kultusgemeinde und der Rabbiner des Vereins „Adaß Jisroel" und entspricht in hygienischer Beziehung allen Anforderungen. Der Betrieb der alten, seit vielen Jahren im „Wolfenbade", 2. Obere Donaustraße 81, bestandenen Mikwah wurde eingestellt. Somit hat eine Frage, die hier lange die Gemüter beschäftigte und oft Anlaß zu Unstimmigkeiten gab, ihre endgiltige, vollauf befriedigende Lösung gefunden. Ferner erfuhr man in dieser Sitzung, daß die Freiherrliche Familie Rothschild das an das Spital der israelitischen Kultusgemeinde anstoßende Haus XVIII, Währingergürtel 90 schenkungsweise in das Eigentum der Wiener Israel. Kultusgemeinde übergeben habe. Das Haus ist dazu bestimmt, das bisher in einer Prtvatwohnung untergebrachte Kaiserin Elisabeth Krankenpflegerinnen-Institut aufzunehmen und bedeutet somit eine wertvolle Erweiterung des Krankenhauses. Etwas merkwürdig ist der Beschluß des Vorstandes in der Mohaltmfrage. Danach sollen vom Vorstande mit der Vornahme der Miloh bei unbemittelten Familien nur noch Aerzte betraut werden, wiewohl auch hier die zahlreichen nicht ärztlich vorgebildeten Mohalim nicht weniger erfolgreich wie überall und zumeist unentgeltlich ihr Amt ausüben. Ungarn. Aubapest, 15. Mai. Berechtigtes Aufsehen und Befriedigung in den jüdischen Kreisen erregt die Aeußerung eines der bedeutendsten ungarischen Staatsmänner im Parlamente. In der Debatte über das Kultusbudget, die eben im ungarischen Abgeordnetenhause durchgeführt wird, wandte sich Graf Stephan Tis za mit Entschiedenheit gegen die Gefahren des Atheismus und Kosmopolitismus. „Man versucht", so führte er aus, „die materialistischen, anarchistischen Strömungen mit der Judenschaft in Verbindung zu bringen. Dagegen muß ich entschieden protestieren. (Lebhafte Zustimmung.) Auch in der Judenschaft existieren die verschiedenartigsten geistigen Strömungen. Daraus darf aber nicht Nahrung für eine neue Agitation geschöpft, das darf nicht dazu benützt werden, um die Brandfackel in die ungarische Gesellschaft zu schleudern." Höchst bemerkenswert sind auch die Aeußerungen dieses hochgebildeten und streng freisinnigen Politikers über den konfessionellen Unterricht. „Ich würde es tief bedauern," sagte er „wenn eine Epoche einträte, die den konfessionellen Unterricht beseitigte/ denn ich bin überzeugt, daß es zu einer reicheren und freiheitlichen Kultur führt, wenn der Unterricht nicht nach einer einheitlichen staatlichen Schablone erfolgt, sondern jede Kirche ihre eigene Individualität in das Kulturwerk hinein trägt." Nach ernsten Mahnungen vor Unduldsamkeit und Glaubenshaß schloß Graf Tisza mit den Worten: „Ein zweites Mittelalter wird Ungarn nicht ertragen!" RuHlanv. Keimgang bedeutender Kabbiner Warschau, 25. Mai. Reiche Ernte hat der Tod in den Kreisen der Rabbiner und geistigen Führer im jüdischen Ansiedelungsrayon die vorige Woche gehalten. In Warschau starb am 22. Mat im 80. Lebensjahr der Senior der dortigen Rabbiner, Rabbi Jzchok Feigenbaum V'it. Der Verstorbene, der der chassidischen Richtung angehörte, war doch als Thorakapazität von der gesamten russischen Judenheit anerkannt und hier in Warschau sowohl von seinen Kollegen als von der ganzen jüdischen Bevölkerung als der berufene Führer gefeiert. Vor 50 Jahren auf den Posten des Rabbi Metsels als hierher berufen, widmete er in einem halben Jahrhundert ununterbrochener Tätigkeit seine ganze Kraft der Gemeinde und ihren Thorainstituttonen. Auch auf sozialem Gebiete tat er sich im Verein mit dem ihm befreundeten „Gurer Rebbe", da es die letzten Jahre gebieterisch erforderten, segensreich hervor. Im Besitze einer bedeutenden rabbinischen Bibliothek, gab er, bedürfnislos und uneigennützig wie er war, manche seltenen Bücher und Handschriften auf eigene Kosten heraus, auch eigene halachische Schriften, einzig geleitet vom Bestreben 'WUP'a min Seine Anspruchslosigkeit (seit Jahren huldigte er für seine Person der vegetarischen Lebensweise) und Bescheidenheit, nicht minder auch feine liebevolle Art, mit Jedermann zu verkehren und ihm mit seinem Rate beizusteheu, waren in ganz Polen sprichwörtlich. „Ein Gaon von Weltbedeutung, ein TDni pns, der seinesgleichen sucht, ist von uns gegangen." Diese Klage bildete den ■— Grnndton aller herzerschütternden v'-iLv.l, die ----- an der Bahre, welche umringt war von allen Rabbinern der Stadt und Umgebung und einer vieltausendköpfigen Menge, gehalten wurden. * * * Einen großen Verlust erlitt die thoratreue Judenheit durch das plötzliche Ableben des in Rußland allbekannten Gaon, Rabbi Zewi Direktor, des Rabbiners und Leiters der bekannten Jeschiwoh in Amzislaw bei Mohilew. In Kiew, wo er Heilung für ein altes Leiden suchte, überraschte ihn der Tod, und dort wurde er am 24. d. M. unter starker Beteiligung der gesamten jüdischen Bevölkerung zu Grabe getragen. In Slutzk, Gouv. Kowno, starb dieser Tage der wegen feines tiefen Thorawiffens wie seiner hervorragenden Wirksamkeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens in seiner Gemeinde hochgeehrte Rabbi Meier Fe im er. Für die Gemeinde bedeutet dieser Todesfall einen schweren Schlag, der alle in tiefe aufrichtige Trauer versetzte. Die kritischen Zeiten, in denen die russische Judenheit jetzt lebt, lassen sie all diese Verluste an unersetzlichen Führerrn doppelt schwer empfinden. hrty pp oniDt Zum Kapitel des larsonjudentums. (Von unserem Kvrrespondeten.) Mt««, 14. Mai. Auf der vor Kurzem stattgehabten Versammlung der Wilnaer Filiale des „Vereins zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland" wurde über das Programm einer projektierten Knabenschule debattiert, laut welchem den hebräischen Unterrichtsgegenständen zehn Stunden wöchentlich gewidmet werden sollte. Dies rief unter den Jargonisten einen förmlichen Sturm der Entrüstung hervor. Ein Herr T. meinte: Das Programm wolle alte Philologie reiben —, ein Herr R. schrie, das Programm 1 jebeute eine Rückkehr zur veralteten jüdischen Kultur, mit welcher man aufräumen müsse. Die Masse irre oft und man habe mit ihrer Ge- Innung nicht zu rechnen, man müsse sie vielmehr zu sich emporheben. Das Hebräische störe die kulturelle Entwicklung des Kindes. Man solle doch die Frage entscheiden, ob nicht jüdische Kultur ohne Bibel und Hebräisch möglich sei. — Ein „General" des „Bundes", ein älterer Pädagoge Gf—y, hob in längerer Rede hervor, daß das Kind Ziel — aber nicht Mittel der Erziehung sein müsse. Die Schule müsse gesunde normale Kinder erziehen — das Hebräische verhindere es. Das sei eine Sünde, ein Verbrechen gegen das Kind. Das Hebräische müsse T Grast terk nan die vi »chiedl Mate jreite über ins Kehse den % zeugt, glaub lhodei Prüf: folger dessen ist eb stellm irrdwi binde: Aufkc sollen Stoff zu ge duktic dem Schw dabei wickln hat b Cham kenne: mit ‘(s von , ethisch Ueber eigent Keysei münd wissen lajemii! kracht!für di Fächer! zeigen, >gabe, die tu lang Publik hervor ltikel o tet vo nur so tung Ihaben.