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Der Israelit · 1911-06-01 · Heft 22 (1.6.1911) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 22 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Und nun' kommen Juden, seine bisherigen Verbündeten, die aus dem besten Wege waren, sich zu polonisieren, und erklären den jüdisch-deutschen JarKu.-als ihre nationale Sprache und im Herzen Polens lebend geben sie sich alle Mühe, indem sie ihren Jargon entwickeln wollen, die ihnen, den Polen, so verhaßte deutsche Sprache zu kultivieren und indirekt deutsche Literatur und Kunst zu fördern und somit 1x80 die polnische Sprache, die polnische eo Kunst und Literatur zu verdrängen. Die einstige Residenz Polens — Warschau — wird durch die Jargonpropaganda die Residenz der jargonistischen Zeitungen und Journale, der jargonistischen Literatur und des jargonistischen Theaters. Wie sollen die Polen daraus gleichgültig schauen? Dies um so mehr als diese jargonistisch-nationale Propaganda von' den aus den innern Gouvernements Rußlands vertriebenen und in Polen eingewanderteu Juden ausgeht, welche für das ihnen gewährte gastliche Obdach sich so undankbar erweisen. Daher die wachsende Erbitterung der Polen gegen die Juden, welche bereits eine greifbare Gestalt angenommen hat, und sich in einem politischen und ökonomischen Kampf gegen Juden immer mehr manifestiert. Die groß angelegten polnischen Konsumvereine, getragen von der Tendenz des Boykotts der Juden, die feindselige Haltung der Polen bet den Wahlen in die Reichsduma und neulich in der Frage der Beteiligung der Juden an der städtischen Selbstververwaltung stehen in direktem Zusammenhänge mit der jargonistisch-nationalen Bewegung, welche die Polen — als einen Akt des Treubuchs, als eine politisch-soziale Feindseligleit vonseiten der Juden betrachten, weil sie sich unmöglich vorstellen können, daß Juden einen verdorbenen deutschen Dialekt vernünftigermaßen als die nationale Sprache der Juden in slavischen Ländern ansehen sollen, sie erblicken darin das Bestreben, politisch-sozialer Absonderung, das Bestreben im Herzens Polens als ein fremdartiger Körper sich zu behaupten, das Bestreben auf den Trümmern Polens gewissermaßen einen Judenstaat aufzurichten, was sie, die Polen, begreiflicherweise nicht dulden wollen und mit gewissem Recht als schwarzen Undank verdammen.*) Aehnlich sehen auf die jargonisttsche Propaganda auch die uns Juden wohlgesinnten besseren Elemente der russischen Gesellschaft. Sie räumen ohne weiteres den Juden wie jeder andern in Rußland lebenden Nation das Recht nationaler Selbstbestimmung ein, nur dürfte sich dieselbe keineswegs in einer, jeder halbwegs vernünftigen Begründung entbehrenden Form äußern, wie es die Erklärung eines fehlerhaften und verunstalteten deutschen Idioms als die Nationalsprache der Juden ist. Auch sie sehen darin das Bestreben einer künstlichen, jeden russischen Patriotismus verleugnenden, jeder sozialen und politischen Annäherung an das russische Volk abholden Absonderung, welche nur dem „echtrussischen Verband" willkommen sein könnte, der nur darauf los arbeitet, nach dem Beispiel Rumäniens die Juden in Rußland als „Fremde" zu erklären. *) Ohne uns mit den fanatischen Jargonisten zu identifizieren, möchten wir doch bemerken, daß namentlich die des Hebräischen unkundigen unterm Sch chten noch andere Bande mit dem Jargon, der doch einmal die Sprache der Väter seit Jahrhunderten gewesen ist, verbindet als die bloße Vorliebe zur deutschen Mundart. Es ist auch nicht zu leugnen, daß mit der plötzlichen Aufgabe dieser von Hebräismm durchsetzten Volkssprache ein Teil flut jüdischer Eigenart verloren gehen muß. Und wir können daher, entgegen dem gesch. Verfasser, nicht etnlehen, warum der Jargon so unvermittelt und gerade der polnischen Sprache geopfert werben soll. Die Redaktion. Wohl fällt es keinem liberal denkenden Russen ein, den Letten, den Littauern, den Esten, den Finnen, wie den "Angehörigen aller andern in Rußland einverleibten Nationalitäten zu verargen, daß sie on ihre nattonale Sprache festhatten. Leben sie doch obzwar unter der Oberherrschaft Rußlands, in dichten Massen auf ihrem angestammten Boden, in ihrer nattonalen Urheimat und sprechen sie ihre eigene, unverdorbene Volkssprache. Die staatliche Russisikation darf von ihnen, als von russischen Untertanen/ billigerwstse nur die Kenntnis der allen gemeinsamen Landessprache, aber keineswegs ihre Entnationalisierung, das Sichlossagen von ihrer nationalen Sprache fordern. (Schluß folgt.) OOSBttE No. SS Sette LPrk. Korrespondenz« n. Nachricht«. g*tttpd?e* &etdf« ProfefiDerfammlung gegen den 6emeindebun5Sfaafsffreicfi. AranLfurt a. Hl.» 80. Mai. Ter „Zentr alverein Israelitischer Gemeindemitglieder" hatte auf heute Abend eine Mitgliederversammlung behufs SteLlungnähme zu den Anträgen des Gemeindebund- Ausschusses auf Satzungsänderung einberufen. Nach eingehenden, mit ruhiger Sachlichkeit vorgetragenen Ausführungen des Referenten, Tr. I. H e i n e m a n n, gelangte folgende Resolution zur Annahme: Ter „Zentralverein Israelitischer Gemeindemitglieder" in Frankfurt a. M. protestiert aufs Entschiedenste gegen die geplante Abänderung des Wahlrechts zum „Deutsch- Israelitischen Gemeindebunde". Sie würde der großen Mehrzahl der kleineren Gemeinden eine Vertretung unmöglich machen, der Stimme der etwa vertretenen jedes Gewicht nehmen und bcu entscheidenden Einfluß nicht etwa den Großgemeinden, sondern den jeweiligen Mehrheiten in ihren Vorständen zuerteilen. Als treues Mitglied des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" warnt der Verein vor einem Schritte, der zahlreiche Gemeinden aus dem ""Bunde drängen, ihm das Vertrauen der jüdischen Allgemeinheit entziehen und den Boten der Gemeindetage der Regierung und der Oeffcntlichkeit gegenüber jede Autorität nehmen müßte." In der Diskussion hatte sich ein Vertreter des Gememdebundes, Direktor Dr. Adler, vergebens bemüht, die Argumente des Referenten zu entkräften; seine Darlegungen konnten nur dazu Beiträgen, die Gegnerschaft gegenüber den umstürzlerischen Plänen des Ausschusses zu verstärken. Der Posener Gemeinde-Verband gegen den Yerfassungsumflurj im DeutMi-Israeiitifchen Gemeindebund- 2koserr. 29. Mai. Der Ausschuß des „Verbandes der Synagogengemeinden im Regierungsbezirk Posen" trat heute zu einer Tagung zusammen, um sich über seine Stellungnahme zu der Satzungsänderung des „Deutsch-Jsraelitischpn Gemeindebundes" schlüssig zu machen. Das Ergebnis der Beratung war die Annahme folgender Resolution; „Der Ausschuß des „Verbandes der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen" beschließt die vom A uSs chuß des D.-J.-G.-B., vorgeschlagene Satzungsänderung hinsichtlich des § 13 abzulehnen. Als Motive für die Ablehnung wurde außer der Entrechtung der Kleiugeme'nden hauptsächlich der Umstand geltend gemacht, daß die vorgeschlagene Abänderung des § 13 offensichtlich durch die Ablehnung des Organisationsentwurss hervorgerufen worden ift,v und daß man es durchaus für inopportun hatte, für einen solchen Spezialzweck eine seit Jahren bewährte Bestimmung der Satzung gerade jetzt, da die Gemüter ohnehin erregt sind, ad hoc abzuändern. Stellungnahme von Gemeindeoerbänden?ur Safeungsänderung des Deuffdi-lsraeiitifdien Gemeindebunds Areola«, 30. Mai. Der „Verband westpreußischer Synagogengemetnden" erklärt sich für dievom Gemeindebund vyrgeschlaaene Satzungsänderung. Der Oberfchlestsche Verband schlägt vor, daß Gemeinden unter 300 Seelen eine Stimme, von 300—2000 Seelen drei Stimmen, von 2000—5000 Seelen fünf Stimmen, 5000—20000 Seelen 10 Sttmmen, 20000—100000 Seelen 30 Sttmmen, über 100000 Seelen 50 Sttmmen gewährt werden sollen. (Es ist zu hoffen, daß die einzelnen Synagogengemeinden sich ihre Marsch- Route von ihren Synagogengemetnden - B e r - bänden nicht vorschreiben lassen werden. Diese Verbände stehen selbstverständlich zumeist unter dem Einstusse des Berliner Ausschusses und habe«/ da auch ihr Einstuß durch die Satzungsänderung erhöht werden soll, natürlich ein Interesse an der letzteren. Im übrigen vergleiche man die Ausführungen in der heutigen Wochenrundschau. Redaktton.) KeidekÜerg, 26. Mat. Herr Dr. Jonas Simon schreibt uns: Unter der Ueberschrlft „Nachklänge zur israelitischen Landessynode" versucht Herr Rechtsanwalt Spiegel in Tauberbifchofsheim in den politischen Tageszeitungen Badens mich als einen „unerhörten Verunglimpfer" unseres Landesfürsten vor breitester Öffentlichkeit hinzustellen. Derartige Angebereien von Juden gegen Juden; Mefiroh, hat die jüdische Gesamtheit in allen Zeitkäufen ihrer wechselreichen Geschichte mit dem gesellschastlichen Boykott beantwortet, damit ist das Vergehen des Herrn Spiegel genügend gekenntzeichnet. Ich für meine Person hätte nun eigentlich keine Veranlassung mehr, mich mit den Unterstellungen des Herrn Rechtsanwalt Spiegel zu befassen, umsoweniger, als ich die Gewißheit verbrieft in Händen habe, daß unser Großherzog hinsichtlich der von Herrn Spiegel angezogenen Synodalverhandlungen die volle W ahrheit kennt und würdigt. Ferner hat mein Wahlbezirk mir seinen Dank für meine Tätigkeit auf der Synode vottert und mir sein volles Vertrauen ausgesprochen. Ich wurde jedoch gebeten, im öffentlichen Interesse folgendes festzustellen: Was zunächst die an die Synode gesandten Telegramme betrifft, so glaube ich Herrn R. A. Spiegel gerne, daß dieselben der ureigensten Jnitiative ihres Absenders entspringen. Es hat damit nämlich folgende Bewandtnis: Als die das jüdisch eGesetz und jüdische Grund ans chauungen enthronende Reformpolitik des Gr. Oberrats, dessen Parteigänger Herr R. A. Spiegel ist, durch die bekannte Vorlage des Reformaevetbuchs zu einem wuchtigen Schlag gegen das historische Judentum ausholte, wurde die g e sam t e badische Juden heit bis in das entlegenste Dorf in die höchfteErregung versetzt, und es entbrannte der heftige Wahlkampf zur Synode des Jahres 1908, wo die oberrätliche Vorlage zu Falle kam.

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