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Der Israelit · 1911-06-01 · Heft 22 (1.6.1911) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 22 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1. Tunt 1911 «v S2. Seite 8 dtfchen Treue, unser liebliches, blühendes, Leben atmendes Gesetzesfest. W / « /,. " , Mochrnrimöschav. 3ur lagung ges „öunöes geiebesfreuer jitö. Lehrer Deutsrhlanös“. Kommenden Montag findet in unserer Stadt die Generalversammlung des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands" statt. Die reichhaltige Tagesordnung weist u. a. auch ein Referat über das Bundesthema: „Der Einfluß des Lehrers auf die der Schule entwachsene Jugend" auf. Die Bestrebungen des Bundes nach dieser Richtung beruhen, wie in den der Einladung beigefügten Leitsätzen zum Bundesthema angegeben wird, auf der richtigen Voraussetzung, daß zur Abwehr der einer jüdischen Lebensauffassung feindlichen kulturellen und wirtschaftlichen Strömungen die Beeinflussung der schulentwachsenen Jugend notwendig ist und daß zur Vertiefung und Erweiterung seiner erziehlichen Arbeit an der Jugend der Lehrer in erster Linie zu dieser Aufgabe berufen ist. Sie gehen dann im einzelnen darauf hinaus: 1. dem Lehrer so viel Einfluß zu sichern, daß er bei der Berufs- und Stellenwahl des Schülers gehört wird, und daß er auch später als Freund und Berater die geistige Entwicklung seiner ehemaligen Schüler begleiten kann- 2. auf dem Lande zwanglose Zusammenkünfte etnzurichten, in denen die für die Gegenwart besonders geeigneten D'3'i erörtert und daneben die Dinge besprochen werden sollen, die die Interessensphäre der Jugend berühren- 3. in den Städten, wo die Gefahr, von dem Wege jüdischer Pflichterfüllung abzuweichen, besonders nahe liegt, dem intensiven Einfluß des Stadtlebens in seinen schädlichen Setten vor allem durch Schaffung eines Ersatzes für das fehlende Elternhaus zu begegnen. Als Hauptmittel zu diesem Zwecke sieht der Bund die Gründung von Jugendvereinen und Jugendheimen, d?e unter fach- Seire Pönimer, die darre Un sei glanzen . . . 'S loift arunr a kühles Windel Gtättenbig die lange Zweigen Vun die Barmer, welche stehen Var die kleine, Ghettohaislech Still verlosten . . . Langsam öffnen sich die Türen, Zum Bes-Medrefch gehen Juden, Trit bei Trit, in Seid un Alles, Asm glücklech un zufrieden. 'S warft die Sunn noch matte Strahlen Un die Luft werd kühler, weicher. Un dos kleine Ghettostädtcl Werd vun Obendscheenkeit reicher! Rädlech Juden stehn zusammen Var die Schul un var'n Ves-Medresch, Un derzählendig sich Maasses Kucken sei zu 's stehen Steren . . . Jünglech spielen, jogen schrien Un die Tales beten-„Stille"! ,S warft die Sunn die letzte Strahlen Un die Luft werd kühl un kühler. Dunkler werd die Welt, vertrachter, In Bes-Medresch werd schain lechtig, Un die stille Nebenhaislech Stehn vercholemt asm prächtig. 'S scheint as 's schmeichelt Gott vun Himmel Blickendig zu seine Jüden, männischer, gut jüdischer Leitung eine nicht hoch genug einzuschätzende erzieherische Wirkung auf die kommende Generation ausüben müssen. Man sieht daraus, welch hohe jüdische Ziele sich der gesetzestreue Lehrerbund gesteckt hat und wieviel wir von seiner erfolgreichen Tätigkeit für die heute ^tausendfach gefährdete jüdische Sache zu erwarten haben. Wer die Probleme der jüdischen Erziehung als die brennendsten Probleme unserer Zukunft erkannt hat, wird den diesbezüglichen Verhandlungen der thoratreuen Jugenderzieher das gebührende Interesse und weitgehende Beachtung entgegenbringen. Der Bund bemüht sich aber bekanntlich mit bestem Erfolge auch um die soziale und wirtschaftliche Besserstellung der jüdischen Lehrer. In dieser Beziehung soll ein Referat des Herrn Moritz A. L ö b über „D i e Versicherung der Privatbeamten" den Interessenten die nötigen Fingerzeige geben und klärend auf die Stellung des Bundes in dieser eminent wichtigen Frage wirken. Ferner ist in der Tagesordnung, die mit einem Vortrag des Herrn Realschuldtrektor Dr. Lange über ein biblisches Thema ihren würdigen Abschluß findet, die Festsetzung der Quote der Pensionskasse vorgesehen. Wir rufen den in unserer Stadt zur ersprießlichen Gemeinarbett sich sammelnden Jugendbildnern ein herzliches Willkomm zu. Mögen ihre Beratungen vom Erfolge gekrönt sein zum geistigen Wohle unserer Jugend, der hoffnungsfrohen Trägerin unserer Zukunft, zum Wohle des gesamten Thorajudentums und zur Stärkung des „Bundes" selbst, dessen mutiges Bekennertum zu eben diesem Thorajudemum in dem Chaos unserer mit „Judentümrrn" aller Art so reich gesegneten Zeit eine wahrhaft erlösende Mission zu erfüllen hat. Her Staatsstreich im Deutschisraelitischen 6emein9ebun9e. Die vor vierzehn Tagen an dieser Stelle charakterisierte Umwälzung, die der vorgeschlagene neue Satzungsentwurf innerhalb des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes Hervorrufen würde, hat, wie wir mit Beftiedigung konstatieren, die verdiente Beachtung bei den bedrohten Gemeinden und in der öffentlichen Meinung gefunden. Fast die gesamte jüdische Presse nimmt jetzt Stellung zu dem kühnen Versuch der Großgemeinde-Vorstände, durch einen einzigen politischen Coup die Alleinherrschaft über 1000 jüdische Gemeinwesen zu erobern, und es hat sich bisher keine einzige publizistische Stimme gefunden, die das Profit Langsam gehen sei ihm loiben Asoi dankbar un zufrieden! .... (9fit* dem Lande der AnquisitionZ In einem großen spanischen Blatte erschien jüngsthin ein aufsehenerregender Artikel, in welchem auf die triste finanzielle Lage des Landes hingewiesen und nfo Lösung dieser wichtigen Landessrage die Propagierung der Einwanderung von Juden empfohlen wird. Ter Artikelschreiber veröffentlicht u. A. ein Dokument aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, das beweist, daß schon damals die Absicht bestartd, die zerrütteten finanziellen Verhältnisse durch Heranziehung jüdischer Einwanderer zu verbessern. Im Jahre 1796 berief Karl IV. Don Pedro Barla, einen aufgeklärten Mann an die Spitze der spanischen Regierung. Der dreijährige Krieg mit Frankreich hatte die Staatskassen geleert und das Land sah sich dem finanziellen Ruin gegenüber. Damals unterbreitete der Ministerpräsident Pedro Barla seinem König jenes interessante Memorandum, das folgenden Wortlaut hat: - ' „T-ie Zeiten der Vorurteile sind vorüber. Das Beispiel, das uns die anderen europäischen Nationen bieten, sollte uns veranlassen, unser Verhalten zu ändern. In diesem Sinne sind die Lehren des heiligen Paulus zugunsten dieses verfolgten Volkes geeignet, ebenso die hartnäckigsten Theologen, wie das Gewissen des gemeinen Volkes davon zu überzeugen, daß di!' Erlaubnis der Rückkehr der Juden in unser Land viel eher dem Geiste unserer Religion entspricht, als das Vertreibungsedikt, das gegen sie herausgegeben wurde. Die Politik der gegenwärtigen Zeit kann in einem solchen Vorschläge bloß ein mächtiges Mittel zur Entwicklung des Handels und der Industrie des Landes erblicken, da wir kein anderes Mittel finden, des Gemeindebund-Ausschuffes auch nur annähernd billigte. Nicht etwa nur die orthodoxe und die zionistische Presse verurteilen den geplanten Staatsstreich, sondern sogar ein über den Verdacht der Orthodoxie so himmelhoch erhabenes Zeitungsorgan wie das „Hamburger Familienblatt", das unsren Verbandspolitikern gewiß nicht gern Unannehmlichkeiten bereitet, sieht sich zu der Feststellung gezwungen, daß der Entwurf den Großgemeinden die souveräne Entscheidung über die — oft mit den ihrigen kollidierenden — Interessen der Mittel- und Kletngemeinden einräume. Und das verbandsfromme Blatt meint weiter: „Das wird besonders fühlbar werden bei Fragen, welche im Zusammenhänge mit dem Kultus und dem Ritus stehen. In unseren Großgemeinden herrscht in dieser Hinsicht meist die liberale Richtung, verstärkt, wie wie iteulid) aussührten, durch das Fehlen jeder Verhältniswahl, durch die absolute Macht der Majorität, ivelche auch bet der Wahl der Delegierten zu den Gemeindetagen zum Ausdruck kommen tvürde. In den Mittel- und Kleingemeinden sind meistens orthodoxe Strömungen vorherrschend. Die jetzt borgeschlagcnc Stimmverteilung auf den Gemeindetage« tvürde wahrscheinlich zu einer unbedingten Vorherrschaft der Rcologie führe«.*) Einen solchen Zustand halten wir weder im Interesse des Judentums, noch in dem des Friedens unter seinen verschiedenen Richtungen bei gemeinsamen Angelegenheiten für förderlich." Daß die Veranlassung zu dem ungeheuerlichen Unternehmen ausschließlich in dem Wunsche liegt, auf eitlem Umwege Fortuna zu korrigieren und im Jntereffe der so zäh erstrebten Zwangsorganisation ä la Machol, künftige Gemeindetage zu gefügigeren Werkzeugen der paar leitenden Männer zu machen, als sich der vorige Gemeindetag erwies — diese Erkenntnis ist ebenfalls nicht mehr hintanzuhalten, trotzdem der Gemeindebund-Ausschuß in einen» seiner interessanten Rundschreiben unschuldsvoll bemerkt: „Ob das Organisatwnsgesetz überhaupt noch weihter beraten wird, hängt ja von dem Votum des Rabbinerverbands ab, iß also noch ganz zweifelhaft." Wichtiger aber noch als die Stellungnahme der Presse ist die Tatsache, daß die Aufklärungsarbeit eines ad hoc gebildeten Schutzkomrtss für die kleinen Gemeinden, dem angesehene Männer ails den verschiedensten Kreisen (zumeist Gesetzestreue, daneben aber auch Zionisten, Liberale und Mittelparteiler) angehören, anscheinend guten Erfolg bei den zunächst Betroffenen erzielt und jedenfalls eine machtvolle Opposition für den Gemeindetag gesichert hat. Von uns hervorgehoben. Red. d. Israelit. den wirtschaftlichen Kamps mit den auswärtigen Mächten atrfzuuehtnen, sintemalen die Arbeitslust und Sparsamkeit nicht zu unseren nationalen Eigenschaften gehören. Ich glaube, im Gegenteile, Majestät, daß die Kaufleute dieser fleißigen Rasse werden bald unsere Kassen nlit Geld füllen und ihnen gleich den Medit im Auslände sichern. Sie werden auch die kommerziellen Transaktionen mit der Levante erleichtern, die ohne sie fast unmöglich sind. Ein solches Ergebnis wäre in dem jetzigen Zustande tticht nur eine güte Spekulation, sondern auch eine unschützbare Möglichkeit für die Entwicklung unserer Fabriken. All' dies zu erreichen, wäre ohne die Hilfe der Juden, der einzigen Kauflente und Handelsvermittler dieses Landes unmöglich. Auch der .Handel mit Amerika ioürde einen neuen Aufschwung nehmen, während es sich jetzt in den Händen einiger Faulenzer von Cadix. Malaga und anderer Häsen befindet. Ich bin der Meinung, daß wir rnit einigen der wichtigsten Häuser, die seit vielen Jahren in den holländischen ilud anderen nordischen Häfen etabliert sind, Unterhandlungen einleiten müßten, um sie zur Errichtung von Filial-Niederlassungen in Spanien zu veranlassen. Wenn mail ihnen zu verstehen gibt, daß ihre Etablierung in unserem Lande nichts andres als der erste schritt zu einer Maßregel sei, die sich dann auf das ganze jüdische Volk erstrecken soll, so ist es sicher, daß wir dadurch die Arbeitslust dieser nach Vemögen dürstenden Nation, die noch nicht vergessen hat, welch' glänzende Stellung sie einst in Spanien eingenomnien hat, in höchstem Maße anspornen würden." Dieses Memorandum gewinnt umso mehr an Be- . dentnng, als es zu einer Zeit Entstand, da die Inquisition in Spanien noch ungeschwächt ihres finstern Amtes waltete. Tie Durchführung der im MemoraN-

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