Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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•*j •1 —r-?. ,-• vf* " Mtze S. -"«r. A . fangen, die Religion, die ihrem Wesen nach im Empfinden der Menschen fest verankert sein muß, in den unzulänglichen Rahmen der Vernunft hinetnzwängen zu wollen."- „ES ist ein verhängnisvoller Irrtum zu glauben, daß die wahre, innere Religion der äußeren Ausdrucksformen, der „Bräuche und Zeremonien" entbehren könne. Der scheinbar bedeutungsloseste religiöse Brauch ist für den Glauben und daS religiöse Empfinden ungleich wertvoller und schafft mehr religiöses Leben als alle modernen Kunstmtttel der Reform. Ein Stückchen Mazzoh spricht eine beredtere und überzeugendere Sprache als alle weisen Belehrungen und Religionsphilosophien zusammen." — „Die alten schlichten Juden, die es mit jedem noch so geringen Thoragebot so Peinlich genau nahmen und die gehelligte Ueberlieferung mit ihrem Herzblute zu verteidigenallezeit bereit waren, waren die besseren Juden und auch — die besseren Menschen."- „Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß wir durch Nachäffung anderer Bräuche und konfessionelle Annäherung an die Völker uns immer weiter unseren jüdischen Zielen nähern. Israels Bestimmung ist nicht, sich den anderen Konfessionen zu assimilieren, sondern es muß bei eifriger Mitarbeit auf allen sozialen und wirtschasNchen Gebieten sein eigenes r e l igiöses Leben führen. Denn nur im reinjüdischen von außen her unbeeinflußten Milieu kann jüdische Reinkultur gedeihen." „Ebenso unsinnig ist die Annahme, daß das Judentum jeden seiner Bekenner zur eigenen individuellen Auffassung seiner Religion berechtige, daß es wohl angehe, wenn sich jeder mit den religiösen Einzelheiten vor seinem eigenen Gewissen abfinde, sofern nur die Grundprinzipien und die Zentralidee der Religion einheitlich gewahrt bleiben. Das ist ein Irrtum. Es kann nicht jeder Soldat seine eigene Taktik haben, sondern alle müssen sich unter einem Banner sammeln und vertrauensvoll zu den berufenen Führern emporschauen. So und nur so kann der Bau des Judentums in seiner ewigen Größe und Pracht erhalten bleiben."- Es ist kein lebensfeinvlicher Hyperorthodo^er, kein wirklichkeitsfremder religiöser Schwarzseher, sondern ein Reformrabbiner in derNeuen Welt (Siehe Nachrichtenteil in' Nr. 20), wo der kühne Menschengeist rastlos auf- und vor- Kleine» Feuilleton. Wo Tbr dingebl. .. Sing das Lied der jüdischen Treu, T-as Du schon sangst so manches Mal, Und immer sanft ans Deiner Seele, Löste des Weltwusts Höllenqual. „Wo Ihr hingeht, will auch ich hingehn!" Es klingt so mild, so friedevoll, So hergeweht aus höheren Zonen, Als ob es segnen, segnen soll. Es legt sich leis um alles Zürnen, Und alle Schmerzen schläserts ein. „Wo Ihr hingeht, will auch ich hingehn Und auch mit Euch gebraben sein!" H. S—J— Gedankensplitter. Bon Rabb. Dr. Neuhaus in Ostrowo. Die Augen sind das Protokoll der Seele Auge. und Quell.) - 1 * 2* *1 bedeutet „Lehrer" und auch „viel" - d. h.: Biele Meister sind keine „Lehrmeister", sondern nur „Mehr leister." gg.-.\-f -iVra? j'iihM- '.‘«1wärts dringt und unausgesetzt neue Werte schafft — auch neue religiöse Werte zu schaffen sucht. Machen diese letzteren sich aber innerhalb des Judentums geltend, so sprengen sie den alten Rahmen, und was übrig bleibt ist innere Leere und schmerzltchnagende Enttäuschung. Auf einer jüdischen Kanzel kann, wie in Boston, dieser neuen Weisheit letzter Schluß nur lauten: „Es war Irrtum, Irrtum, Irrtum ..." Und versenkten sich unsere Reformprediger in Wort und Schrift auch diesseits des Ozeans in den Charakter unseres Thorafestes, und mäßen sie an diesem einzig jüdischen Maßstabe die Summe ihrer Wirksamkeit, und empfänden sie den gleichen Mut wie ihr Boftoner Kollege, mit einer Vergangenheit, die auf Irrtum und religiöser Lüge aufgebaut war, jäh zu brechen, wahrlich, auch ihr Bekenntnis von der Tribüne des Gotteshauses wie der Presse herab müßte dann an dem Tage, der uns das Flammengesetz geschenkt, der von der treuen Anhänglichkeit jener Moabitin zu dem von ihr erkannten Judentum so schlicht und einfach erzählt, auch ihr mutiges Bekenntnis müßte an diesem Tage lauten: „Irrtum, Irrtum, Irrtum!!!" Freilich gibt eS auch noch eine andere, bequemere Art, sich über innere Hohlheit und Enttäuschung schmerzlos hinwegzuyelfen, als durch offene Bekenntnisse, indem man einfach den Irrtum, aus dem die Enttäuschung erwachsen, in resignierter Beharrlichkeit aufrecht erhält und Wetter fort zu spinnen versucht. Ob diese Art der Selbsttäuschung mehr innere Beruhigung und Befriedigung verschafft? Man denkt unwillkürlich an einen Kollegen des Boftoner Rabbi, der ebenfalls aus Amerika zu uns kam und im August vorigen Jahres auf dem Weltkongreß für freies Christentum in Berlin eine hochgelahrte Rede über die Beiträge des Judentums zur liberalen Religion hielt. Professor Dr. Emil Hirsch, Chicago erzählte in hochtönenden Phrasen amerikanischen Schwunges vom amerikanischen freien Judentum, das sich „aus eigenem Antriebe entwickelt",- das „gern mttarbettet an den hohen Ausgaben, die uns aus der freien Auffassung der Religion erwachsen"/ das „als Beweis dafür diene, daß das Judentum sich selber befreien könne" usw. usw. Und nun nach eine Verbeugung nach Deutschland, von wo der freie Geist mit der Bibelkrittk nach Amerika hinübergekommen sei, die ganz frappierende Feststellung, daß das „Prophetenjudentum — wer erkennt nicht die deutsche Reformmarke? — rituelles Wesen ausschließe," daß „nur die späteren unversöhnlichen Rabbiner sich 2VV2 *IW8 — Eine wahre Persönlichkeit hat nicht nur eine Meinung, sondern den Mann es mut zur Tat. * 212 22 *132 — möchten wir so übersetzen: Ein Wort zur rechten Zeit — was es auch imniet ist — ist gut. * 2^12 b deutet unZ nicht nur „Welt", sondern auch „Welträtsel", da 2^17 von 2^ „verborgen" kommen könnte, d. h. für immer w rd es Dinge zwischen Himmel und Ei de geben, die wir nicht ei klären können, und ehrfurchtsvoll müssen wir deshalb vor der göttlichen Majestät stehen. * In der Mischnah Ende des If. p*iß KD’Xö 822: heißt es: 1221 71171 DSipb 18^2 1'28L7 2"7I1V7l 'T6 ItOSÖ 2222, d. h. Eltern ge en die Menschheit- Menschlichkeit die Lehrer. Die Kontinuität des Geistes, von der heute die modernen Philosophen soviel reden, ist schon angedeutet in den Worten unserer Alten: 87> 171122 p JT3277 22. * 712718 (Liebe) und in# (Einziger) haben denselben Zahlenwert 13. (Will das nicht mehr als langatnnge Abhandlungen sagen, daß unsere 712171 eine Religion der Liebe und 'fl ein Gott der Liebe ist?) * 1'v 222 1'p: Nach der 22^2 ist es selbstverständlich, daß damit ein Geldersatz gemeint ist. Allein es scheint dies vielleicht auch in den Worten schon angedeutet zu sein/ man fetze nämlich im Worte j'I7 jedesmal ■ - : in einem Gegensätze zum Stifter der christlichen Lehre gefühlt hätten, nicht aber seine jüdischen Zeitgenossen." Und dann der bei all.r wässerigen Phraselogie doch so sehr bezeichnende Schluß: „Laufen wir in den Hafen ein und finden wir dort andere Fahrzeuge mit demselben Wahrzeichen^ dann sinkt unsere Einzelflagge hinunter und auf dem anderen Maste steigt aus die Fahne der Menschheit." „Kühn ist. das Wort! weil es die Tat nicht ist," möchte man dazu sagen, weil es überhaupt keine Taten voraussetzt, zu nichts verbindet und verpflichtet, weil es das Judentum in ein Phantom auflöst, mit dem man irgend eine bestimmte Vorstellung überhaupt nicht zu verbinden braucht. Das ist typisch für die Reformschule aller Länder und aller Farbenschattterungen, so sehr, daß man darin füglich eine Brücke erblicken könnte, die in gerader Linie von Emil Hirsch — an Maybaum, Seligmann, Achadhaam und Sokolow vorbei — bis zu F r 0 m e r und Brenner führt. Was dem einen bloß „ehrfurchtgebietende historischreale Kraft" ist, ist dem andern ein dem uferlosen Meere der Alleinheit mast- und steuerlos zustrebendes unbekanntes Etwas — Hauptsache ist, daß die Jünger, deren Sache die feinere Begriffsnüanzierung nicht ist, aus all dem das Nein h^raushören, heraushören, daß ein das tägliche Leben bis ins Kleinste ordnende Reltgionsgesetz einem Einlenken in fremde Bahnen nicht hinderlich entgegensteht. In Amerika, wo die Dinge im guten wie im schlechten Sinne sich rascher und geräuschvoller entwickeln, ist die Geberde naturgemäß noch größer, das Pathos noch mächtiger. Bis es dem Einen oder Andern bunt vor den Augen und katzenjämmerlich bange zu Mute wird vor all dem hohlen Getue, und er dann — Magnus, Schindler — in mächtiger, unwiderstehlicher Aufwallung vor Zorn und Enttäuschung laut hinausschreit: „Irrtum, Irrtum, Irrtum!"- Auf den Schwingen der Zahlen, der so vielsagenden jüdischen Zahlen, sind wir vom Feste des Auszuges zu dem der Gesetzgebung hinübergeieitet worden. Wann wird man auch in jenen Kreisen endlich umlernen, es lernen, nicht erst bei der traurigen Schlußbilanz, sondern schon bet Beginn der Lebensrechnung die so klar vor Augen liegende jüdische Ziffer zu finden? Nie drängt sie sich uns mit solcher Deutlichkeit auf, diese jüdische Grundzahl, als gerade am Geburtstage der Thora. Denn aus der Freiheit geboren, ist es ein Fest der jüeinen Buchstaben (Jinn) unterhalb ein, so ist der nächste Buchstabe bei j) ein gj, bei 1 ein 2, bei 3 ein 2 - die drei neuen Buchstaben ergeben da - Wort r>22 (Geld). * 2122 und 2^ haben denselben Zah enwert 32 - nach jüdischer Anschauung kann nur der Ehre für sich bean spruchen, der ein gutes Herz hat 'j?2 82^ 8D2TI2- * Der berühmte Arzt Hufeland sagt: Lerne zeitig, das Leben weise zu genießen - unsere Jugend hält es heute oft für weise, das Leben zeitig zu genießen. A n einem Geschick tragen, heißt: v v n i h m tusiegt werden -ein Geschick tragen, heißt: es besiegen. (.'712282 pTD’)_ Jomtow in Städtel. Bon Salarnon Dembitzer. 'S is a Heller Tog in brausen, 'S .is a JomwwtognochmMeg. Un cs lacht die Sunn. Heimlech is in kleinem Städtet, In dem stillen Mark spazieren Junge Meidlech fest georemt, Reden soidendig zusammen, Hetzer klappen, Aiglech f.inklen, Un die Bäcklech flammen, flammen . . . Un verschlossen alle Kromen, Auf die Schwellen sitzen Waiblech, Auszuruhen noch dem Schlofen, Un die Sunnenstrahlen glätten - -- .'