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Der Israelit · 1911-06-01 · Heft 22 (1.6.1911) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 22 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Ein Centraloraan für das orthodoxe Judentum llfmto III psgjgg Begründet dob Dr. Lefemano in rtlainz bsssi ul VBr ) 52. Jahrgang. rasa Frankfurt a. M.. Sen —£ — rasa M S2 Nhonuunent pro »terteljahirr gewöhnliche Ausgabe MkiSO. HestauSgabe (Kunstdruck) Mk.S.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland l Bub., England 2 ah., Amerika 60 eta.t Niederlande 1.20 fl., Frankreich Fra. 2J50. Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur direkt. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate r Sv Pfennig für die sechSges-altene Colonel-Zelle; Rabatt nach Tarif. JnseratenannahWe nur durch Haafeusteiu n. Vogler A.-G« Frankfurt a. M.» und deren Filialen. Lahlnnge»«können außer dirett an den Verlag erfolgen per «onto bei der ft. K. Postsstarkaffe Bin «o. 7» «GE. «onto bei dem 2. PostsstarkassenaMt Einbastest No. 18 LEA. «onto bei ber «igaer «onunerzbmek in »ttga und deren Filialen. 0er nadiöru* 9er Hrflhel un9 Correlponöenjen Oes „Israelit“ Iff nur unter Genauer Quedenanoabe, unO, fo nt es fldi um Größere Hufffifee hanOett, nur nach norheriaer Oenehmlauno oeftaffef. ArchattsSvevstchl. Leitartikel: Das Fest der Gefetzestreue. — 2. Wochenrundschau: Dur Tagung des Kundes gefttzestrruer jüdischer Kehrer Deutschlands. — Der Staatsstreich im Drutfch-KsraeUttschen Gemeindedunde. — Zum Kirwrr KlutmSrchen. — 3. Aufsätze: Die Alltanrewahlen. — Das Jargonjudentnm. --- 4. Kleines Feuilleton: Wo ihr hingehr. (Gedicht.) — Rabb. Dr. Neuhaus: Oedankensplitter. — S. Dembitzer: Jomtow in Stiidtrl. — Aus dem Lande der Inquisition. — Vom jüdischen Büchermärkte in Rußland. — Sind Sauls Gebeine verbrannt worden? — Ein entwendeter jüdischer Adelsbrief. ----- 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Protrstoersammlung gegen den Gemrindedund- Staatostreich. Frankfurt a. M. — Posen (Der Posener Gemeinde-Verband gegen den Bersassungsumsturz im Zelitsch-Jsraelit. Gemeindebund.) — Breslau (Stellungnahme .von Gemeindeverbänden zur Satzungsänderung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds.) — Heidelberg (Erklärung des Herrn Dr. Jonas Simon.) — Köln (FeuerchÄattüng.) — Wien (Kultusgemeinde.) — Budapest (Ungarischer Landtag.) — Warschau (Heimgang bedeutender Rabbiner.) — Wilna (Zürn Kapitel des Jargonsudenturns.) — Bukarest (Das neue Regime.) — Jassy (Judenhetzen hüben und drüben.) — Costa (Parlament.) — Konstantinopel (Gemeindevertretung.) — Jerusalem (Gemeindeorganisation.) — Saffed (Die Katastrophe in Mcron bei Saffed.) — Tanger (Selbstschutz.) — New-Aork (Ein offizieller Bericht über die eingewanderten Juden.) — 6. Vermischtes: Frankfurt ä. M.— Berlin. — Hamburg. — Kassel. — München. — Breslau. — Kronberg. — Kreuznach. — Posen. — Florenz. — Vinkovci. — Riga. — Krakau. — Saloniki. — Saloniki. —'Athen. 7. Vereinswesen: Hamburg. — Hamburg. --- 8. Personalien: -Halberstadt. — Marburg. — Hamburg. — Hamburg. — Nagy Varad. — Felsö Biso. — Lodz. — 9. Sprechsal. — Briefkasten. — Bereinskalender. — Familiennachrichten. ----- 10. Beilagen: Jüdischer Bolksfreund: Kiberalrs Christentum und „liberales" Judentum. — Gottfried Loewenstein, Köln: Krtrachtungen über Israels Aufgabe in den Kündern der Kölker. — Eorrespondenz. — Aus Welt und Leben: Gin Tag in rtner rosstjlhrn „Schul". (Mit 4 Bildern.) — Aus der politischen Geschichte der Frankfurter Juden. — Dir hebräische uud arabische Poesie der Juden Jemens. — Kinderecke. — Rätsel. — Rätsel-Auflösung. — Feuill.-Beilage: Sarah Gugenheimer: Kiah. — Literarische Warte: Ktterarifche Rundschau. — I. Behr, Rossieny: Antoninus und Rabbi. — Bücherschau. Var Test der 6«etze$tr<ue. Man kann an eine Betrachtung desSchwuothfestes nicht Herangehen, ohne sich das Fest, aus dem dieses seinen Ausgang nimmt, das P e ss ach fest mit all seinen mächtigen Eindrücken wieder in Erinnerung zu rufen. Auszug und Gesetzgebung — zwei Vorgänge in der ersten nationalen Entwicklung Israels, deren einer den anderen hervorgebracht, Hervorbringen mußte, wie das Morgenrot den silberhellen, zur regen Tat treibenden Tag erzeugt, wie aus dem ersten leisen Frühlingserwachen der vollduftende, blütenprangende Lenz erblüht. Wie des Feuers, so ist auch der Freiheit Macht „wohltätig, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht." Was wäre aber die junge Freiheit des geknechteten Stammes ohne rvns, ohne den Freibrief des Sinaigesetzes gewesen, in dem mit ehernem Griffel tief in Stein gegraben, — nni} mpii m^.n «b« — die Voraussetzungen der wahren, idealen welterlösenden und völkerbeglückenden Freiheit der Menschheit aller Zeiten erhalten sind? Aeußerlich befreit aus Knechtschaft, die seinen Körper mit eisernen Banden gefeffelt hielt, war dem Volke der Weg zur höheren Freiheit, zur geistigen und sittlichen, gebahnt, zum himmelan ragenden Sinai, der fortan, einem Leuchtturm auf hoher, wogender See gleich, wegweisend und richtungangebend in Israels lange bange Nacht der Goiusnot hineinleuchten sollte. Auchwarnend und drohend^ — Durch der Zeiten wechselvolles Weltgeschehen, durch die Bölkergeschichte dröhnt, nach finniger Deutung eines bekannten Midraschwortes, die Gottesstimme vom lohenden Berge herab: „Haltet ihr die Thora, dann wohl euch, tut ihr es nicht, dann winkt „von dort" — vom Leben, dem für den Juden doppelt schweren, von der Umwelt und ihrem alle Kräfte absorbierenden Vorwärtsdrange, das Grab . . ."*) So ist denn unser liebliches, blumenduftendes Gesetzesfest die natürliche Ergänzung des Auszugsfestes, die Ergänzung der Freiheit durch die Treue, die Thoratreue, die erst der Freiheit den sittigenden, geisterlösenden, den eigentlichen jüdischen Inhalt gibt. Treu und frei kann, in die jüdische Gedankenwelt übertragen nur heißen: Frei, weil treu. Allein die jüdische Treue — und das ist der Schwer- und Kernpunkt aller von unserem Thorafeste ausgehenden Lehren — ist kein imponderabler, unbegrenzter und in Bezug auf die Art seiner Aeußerung der freien Auffassung anheimgegebener Begriff. Sechshundertdreizehn find es der Ausdrucksformen, die in posi- -... orOTQp «nn rw in? o*o afcio ’fapn ok tiver wie in negativer Weise die jüdische Treue dokumentieren und das Leben des vielgestaltigen Tages bis ins Kleinste und Einzelne ordnen. Schon damals, als das einstimmige begeisterte PVM) nvya die Sinaiwüste durchhallte — so singt unser Machsorpoet — standen,. die sechshundertdreizehn Verordnungen „geläutert wte Silber und geprüft wie Gold" dem Volke vor Augen, die eben so viele Liebensbande sind, welche uns eng und unzertrennlich mir unserem Gotte verknüpfen. Und es ist gewiß nicht überflüssig, heute in einer Zeit, da man in allem den großen Zug, das Grundprinzip und die Zentralidee sucht, einmal solcherart von der jüdischen Treue im Kleinleben zu sprechen, entgegen allen Versuchen, das Judentum nach großangelegten Plänen zu modernisieren, zu „verinnerlichen" zu „vergeistigen", zu regenerieren, uns einmal vom Thorafeste über die unverrückbare, nie umzuwertende und zu umformende Wesensart unseres Sinaigefetzes belehren zu lassen. Ist es doch als spräche heute, am Thorafeste, eine blühende Welt zu uns: Judentum ist kraftvoll lebendige und fortzeugend lebenschaffende Tat, eine Summe von Aufgaben,deren Lösung die Opferkraft aller und eines jeden Einzelnen erfordert. Nicht das Vorhandensein der jüdischen Lehre, ihrer erhabenen Ideen, die den Wellengeist umschwirren und im Großen beeinfluffen, ist es was uns schon an sich zu erheben, mit Stolz und Freude zu erfüllen vermag, sondern in erster Reihe das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, wie es aus der peinlichen Beachtung aller, auch der scheinbar geringsten Bestimmungen des Gesetzes erwächst. „Auch die schönsten Ehorgesänge und Orgel klänge, wie die gefälligsten, dem Geiste der Zeit angepaßten Formen vermochten nicht, die Gemeinde ins Gotteshaus zu locken. Nicht einmal die nach amerikanisch sensationeller Art abgefaßte Predigt übte eine Zugkraft aus."- „Eine jüdische Gemeinde ist eben kein totes Gebilde, sondern besteht aus jüdischen Einzelexistenzen, deren jede für sich in die Bahnen der tätigen- Gottesliebe geführt werden muß."- „Der menschliche Verstand ist in religiösen Dingen eine gar zu schwache und wankende Stütze. Es ist ein müßig Unter-

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