Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1911)
- Date
- 1911-05-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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r •'••*» 'r*K? •<.... Clab. euilleton Ml, fr Historischer Roman von Sara Gugenheimer. (Fortsetzung.) ,Ta haben die Nachbarinnen gesagt," fuhr die Schmidin fort, „sie mürben später kommen. Und nun merk auf, Ticki. Zu fürchten brauchst du dich gar nicht, dein Kopf schaut aus wie ein Bubenkopf und da vor deinem Bett liegen Bubenkleider, da kann kommen, wer da will, keinem wirds einfallen, daß ein Mädel im Bett liegt. Und wenn die Weiber dich was fragen werden, kannst du ihnen, wenn du Lust hast, Antwort geben und wenn du keine Lust hast, kannst du's bleiben lassen, dann, werde ich schon reden und du kannst die Augen schließen." Kaum hatte sie ihre Instruktion beendet, da ging die Tür auf und die Angekündigten! traten in das Zimmer. Und es erwies sich, daß die Schmidin ihre Nachbarinnen gekannt hatte und nach dem Erfahrungssatz, daß ein Narr mehr fragen kann, als zehn Weise beantworten können, war es wirklich das weiseste, was Liah tun konnte, daß sie sehr bald die Augen schloß und ihre sogenannte Muhme für sich reden ließ. Tiefe hatte in der Tat heute viel zu reden, denn die Nachbarinnen wollten vielerlei wissen und machten gar manche geistvolle Bemerkung. Der Xdorfer Bub gefiel ihnen außerordentlich und beide erklärten einstimmig, daß er seinem verstorbenen Gliedcousin auffallend ähnlich sähe, das wäre allerdings natürlich, denn Blut wäre doch kein Wasser. Freilich scheine er allerdings bedeutend zarter, vermutlich hätten seine Eltern keine Ziegen und keine Fische. Tn wäre es geradezu ein Glück für den Buben, daß er zur Muhme gekommen, die werde ihn schon bald heraussüttern. Und die Muhme nickte verständnisinnig und streichelte ihrem Liebling die schmalen Wangen und die Nac^arinnen entfernten sich in der Ueberzeugung, daß die Schmidin ihnen in . Wirklichkeit großen Tank.schulde, denn ohne ihren ausgezeichneten Rat wäre sie wohl nimmer auf die Idee gekommen, sich einen Ersatzbuben für ihren Ticki zu holen. Im Laufe des Tages kamen noch mehrere Nachbarn und Freunde, um den Tdorser Buben kennen zu lernen und über die Ähnlichkeit der beiden Tickis zu staunen und die Schmidin zu beglückwünschen, daß es ihr so bald gelungen war, Ersatz zu finden. . Gegen Abend kam auch das Geschwisterkind ihrer Mutter, der Bruder Küchenmeister aus dem nahen Kloster. Nachdem er in seiner herzlichenwarmen Art die Frau begrüßt hatte, sägte er: „Ich habe mir sagen lassen, daß du dir Ersatz geholt hast für dein verstorbenes Kind." - „Ich Habs nicht aushalten können, ehrwürdiger Bruder, immer allein sein — es war zu - schrecklich!" „Nun, nun, ich will dir keinen Borwurf machen, wollen nur hoffen, daß der neue Ticki so brav sein wird wie der vorige gewesen ist." „Ich hoffe zu Gott, daß er brav sein wird, lieb ist er sehr," % " „Ws freut mich für dich. Wer wo ist er denn? möchte ihn auch kennen lernen." \ ,>Er liegt im Bett, dort in Tiickis Bett." . „Ist er denn krank?" s ,)Ach nein, das denke ich nicht. Wer er ist nicht sehr stark, von Xdors Hierher geht jeder an fünfeinhalb Stunden, wir aber sind gar sechs Stunden gegangen, wenn nicht mehr. Tas, denk ich, wird zuviel gewesen sein für ein schwaches' Kind." , . , H. „Freilich, sechs Stunden, das ist ein bissel ürel für ein Kind. Aber habt Ihr denn unterwegs kein Fuhrwerk getroffen, daß Ihr hättet aussitzen können?" * * „Das hatte ich auch gedacht, daß wir irgendwo würden aufsitzen können, denn sonst gehen doch zwischen hier und Xbotf so viele Fuhrwerke. Aber gestern habe ich nicht ein einziges gesehen." „Hm, nun ja, ruhiger wird es wohl jetzt pit, wo reine Juden mehr im Land sind." 0 „Was sagt Ihr, Bruder Küchenmeister, im ganzen Land sollten keine Juden mehr sein?" „Ich glaube nicht," antwortete der Bruder langsam, in Norwich. haben sie sie niedergemetzelt, in Stanford auch, in. Lincoln und hier in Aork — das heißt, hier haben hie meisten Juden sich selbst umgebracht. Unser Volk hier ist ja nicht blutdürstig und nichts Böses hatten sie den Juden tun wollen, im Gegenteilnur Gutes. Taufen wollten sie sie, alle sollten getauft werden, dann wäre ihnen kein Haar gekrümmt worden. Das war nun allerdings eine große Dummheit, was hätten sie davon gehabt, wenn die Juden sich hätten taufen lassen? Wenn man keine Juden haben will, muß man sie totschlagen, wenn man sie aber mit Gewalt taust, dann bleiben sie aus Trotz Juden, wenigstens halten sie sich dafür und verlachen unsere heiligsten Glaubenslehren." . „Aber ich bitte euch, ehrwürdiger Bruder, warum sollten denn alle Juden totgeschlagen werden? Tie hier in Aork waren doch alle so brav und so gut." „Weil sie Fische von Euch gekauft haben," entgegnete der Küchenmeister lachend, „weil sie dir und deinem Ticki immer Weizenbrot gegeben haben und Kuchen? — aber den Heiland haben sie. doch gekreuzigt." . „Ach Unsinn! Wo hätten die Juden in Aork den Heiland kreuzigen können?" meinte die Frau naiv, „mein seliger Mann hat gesagt, das wäre ganz weit weg in Asien gewesen und wäre schon bald zwölshundert Jahre her und damals hätten es auch nur einige getan." „Das ist einerlei, und wenn es auch nur Einer getan hätte, dafür muß das ganze Volk büßen." t „Sv? — Das wäre doch noch schöner, dann hätten im vorigen Jahr als der Vatermörder! hingerichtet worden ist, eigentlich alle Engländer hingerichtet werden müssen, Ihr und ich auch." Der Geistliche lachte. „Annemarie, Annemarie, wahre deine Zunge, wenn du nicht mein Geschwisterkind wärst und ich dir nicht gar so gut —" . „Uebrigens, setzte er hinzu, habe ich dir schon gesagt, die Unsrigen sind nicht blutdürstig, hätten die Juden die heilige Taufe empfangenes wäre keinem ein Haar gekrümmt worden. Aber das ist ein verflucht hartnäckiges Volk, statt die einfache heilige Zeremonie über sich ergehen za lasten, haben sie sich lieber gegenseitig den Garaus gemacht. Bis auf vier Männer war kein lebendes Wesen in der Burg, als heute in der Frühe das Burgtor geöffnet worden ist." . „Und was ist mit den Vieren geschehen?" fragte Annemarie. Der Geistliche lachte. „Na, denen ist gehörig heimgeleuchtet worden. In die Knie haben sie sich geworfen und haben geschrien, sie wollen sich , taufen lasten, sie wollen' gute Christen werden. Wer das Volk bat gelacht, und mtt Recht, denn aus einem schlechten Juden ist noch nie ein guter Christ geworden. Einen nach dem andern haben sie über,die Klinge springen lasten, bis auf den letzten, der ist noch am Leben. Der Bürgermeister hat sich für ihn eingesetzt, warum? — das weiß ich nicht. Aber fretgegeven haben sie ihn doch nicht. In unser Kloster Haben sie ihn gesteckt, bet uns soll er in der Christenlehre unterrich— Aber schau doch, Annemarie, was hat denn der Bub? Ihm scheint sehr schlecht zu sein." Die Schmtedin stieß einen Schreckenslaut aus als sie Liah erblickte, 6e totenbleichmit verzerrtem Angesicht mrd weit aufgeriffenen Augen zitternd dalag. Alle ihre Glieder zuckten und zuweilen schien es, als ob sie von unsichtbaren Händen emporgeschleudert würde. „Dicki! mein Dickt! heilige Jungfrau, hilf!" Die stark? Frau hatte das zitternde Kind in beide Arme genommen und es fest an sich gedrückt, die Zuckung dadurch zurückhaltend. Der Geistliche wollte es ihr wehren, aber sie ließ sich nicht irre machen. „Es wird schon besser, Ihr feht's doch. — Wenn ich ihm nur einen Schluck Waffer geben könnte! — Ehrwürdiger Bruder, dort auf dem Sims steht Trinkwasser, wenn Ihr die Güte haben wolltet!" Der Geistliche entsprach ihrer Aufforderung, er hielt Liah das Waffer an die Lippen und als sie einige Tropfen getrunken hatte, atmete sie erleichtert tief auf. Liah war vollständig erschöpft, nicht imstande, auch nur einen Laut hervorzubringen, doch bemühte sie sich, der Freundlichen dankend zuzulächeln. Annemarie verstand ihren Blick. Man legte sie ins Bett. Auch der Geistliche trat zum Bette und berührte mit dem Rücken seiner stetschigen Hand die Stirne des Kindes. Liah schloß unwillkürlich die Augen, in ihrem Gesicht begann es wieder zu zucken. Die Schmiedin gewahrte es und streichelte ihr liebkosend die Wangen. „Nicht Dickt, nicht!" „Er hat absolut keine Hitze", bemerkte der Klosterbruder, „da wird ihm. sicherlich bald wieder gut sein. Aber sage mir doch, Annemarie, heißt er denn auch Dickt?" „Ich habe ihn nur umgetaust, bisher hieß er Lion, jetzt bei mir heißt er Dickt. Das ist doch keine Sünde?" „Wenigstens keine, für die Du nicht Absolutton erhalten könntest", entgegnete er lächelnd. „Na Dicki, behüt' dich Gott und sei schön brav und wieder gesund, sonst könnte die Muhme auf keine Minute von dir gehen, und ich möchte, Annemarie, daß du hernach auf einen Sprung zu uns hinüber kämst ins Kloster, vielleicht findet sich dort was für dein Herzblattel." Annemarie nickte ihm dankend zu und versprach sehr bald zu kommen. Er machte - das Zeichen des Kreuzes über Liah, grüßte ihre Pflegerin und verließ in würdevoller Haltung das Zimmer. Annemarie begleitete ihn bis zur Haustüre. Als sie zurückkam, fand sie Liah in Tränen. „Ich Hab' nichts dafür können", schluchzte das Kind, vergebens bemüht, die Tränen zu trocknen, ihre Augen füllten sich fortwährend mit neuen. „Ich weiß, daß du dafür nichts hast können, aber jetzt solltest du dich nicht mehr aufregen, es ist dir doch nichts geschehen." „Aber habt Jhr's denn nicht gehört, was der schreckliche Mönch erzählt hat? Alle Juden haben sie totgeschlagen, alle, alle! — Mir scheint, ich bin die einzige Jüdin im ganzen Land." „St, Kind! st! um des Heilands willen, daß bas keiner hört! Sonst ginge es nicht nur dir an den Kragen, sondern auch mir, well ich ein Judenktnd geborgen habe." (Fortsetzung folgt.) ML r i 1 3 und eben walk ausf richti könn schrä tung mach 100 fand Mm 5 und Verl ding niffe runt kaffe wesl ziehe selbs Mm der wei schor sätze Pen' sichtl so t diese all, geste wah! meir Gese auss spro, sorg' ohne \ Lehr wüi baue frei einer liche vitte tigte sei i Koll *