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Der Israelit · 1911-05-24 · Heft 21 (24.5.1911) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 21 (24.5.1911)
Date
1911-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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24. Mat 1911 Der Mraük & zu der sich die Bewohner von Ja besch entschließen mußten. Um die ihnen teueren Leichname Sauls und seiner Söhne dem Spotte zu entreißen, des Propheten Amos, ,Nowack^ bemerkt zu dieser Stelle: „Vers 10 spottet aller Erklärung." Aus einem so dunklen Vers, der jederErklärung spottet, eine historische Tatsache beweisen zu wollen, verrät eine Hypothesensucht, die den Ausführungen Maibaums das Gepräge schrankenloser Willkür verleiht. 8tat pro rationo voluntas! Statt der Vernunft regiere die Willkür, so will ich, so befehleich.**) III. Wenn Maybaum zum Schluß erklärt: „für die Gemeinde aber, die in ihren Institutionen die Anschauungen der Gesamtheit zu berückfich^ ein Einwand, der erhoben werden kann, aber nicht die maßgebende Altfickt des Tolmuds. Wer selbst die Lesart ja*") für richtig hält und in diesem Woct tan nur den Sinn von „Hinweis" findet, wird einräumen, baß wir demnach im Talmud Sanhedrtn 46 b zwei Versionen besitzen, die eine Version namens des R. Iochanan, nach welcher Beerdigung ein btbiis cheS Gesetz ist, eine andere, nach welcher für Beerdigung nur eine And eutung in der Schrift sich findet. W'lche dieser zwei Berfionen hält aber der Talmud selbst KÖHD für die -richtige? Darüber laßt uns dcr Talmud nicht im Zweifel. Unmittelbar darauf wird uns erzählt: Einst fragte König Schabbur den Talmudweisen R. Chama: „Aus welcher Stelle der Thora ergibt sich, daß Erdbestattung geboten wird?" R. Chama hüllte fich in Schweigen und erwiderte kein Wort. Entrüstet rief R. Acha b. Jakob: „Die Welt ist d en Händen der Toren ausgeliefert worden." R. Chama hätte doch die Schriftstelle anführen können: „Begraben sollst du ihn." Hieraus folgt, baß R. Acha b. Jakob fich für die erste Derfion des R. Iochanan entschieden hat, daß im Worte der Thora ^21? ein Beweis für Erdbestattung sich findet. Nach der allgemeinen Regel N27N steht die Redaktion des b. Talmuds auf dem Standpunkt de- R. Acha und verwirft die zweite Berfion als eine nicht maßgebende. All die Einwände, die erhoben werden, wie „Begraben kann bedeuten in einen Sarg eivfchließen" rc., sollen das Verhalten R. Chamas mildern, heben aber die Tatsache nicht auf, baß nach R. Acha bas Schriftwort “Dp Beerdigung bedeutet und „Erdbestattung" ein biblisches Gesetz ist. E8 kommt hinzu, daß König Schabbur ein Anhänger er Parsen war, welche die Leichen dm Raubvögeln zum Fratze Preisgaben und in ihrem Fanatismus selbst die Gräber Andersgläubiger aufwühlten, um die Leichen den Raubvögeln hinzuwerfen. Ein Parse würde den an stch so einleuchtenden Beweis nicht anerkennen und eine Ausflucht finden in der Erklärung: *120 bedeutet in einen Sarg einschlteßen. Auch der Hinweis auf die Patriarchen würde einen Parsen nicht überzeugen. Ein Parse würde antworten: dies sei kein biblisches z, sondern war Brauch. Aber der Talmud selbst und mit ihm. die Dezisoren, von Alfasst, Maimontdes vis auf die neuesten maßgevenden talmudtschen Autoritäten entscheiden: E r dvestattung ist ein biblisches Gesetz. uns besonders wichtigen Gegenstände ausführlich geschildert haben, nämlich Miloh und Schechttah. Die Feinde der Miloh intra muros und extra, ebenso wie jene der Schechitah sehen hier im Bilde in Modellen und den zur Ausführung dieser heiligen Gebote bestimmten Gegenständen, daß das Judentum keine Kritik fürchtet, daß eS ruhig jedem zeigen darf, wie es diese Gebote ausübt, daß sie weder Menschengefährdung noch Tierquälerei bedeuten. In der Ausstellung find wertvolle alte Miloh-Utenfilten, moderne Mtlohbestecks (Hugo I. Bondi-Frankfurt am Main) mtt Mezizoröhrchen (verschiedene Mohelbücher) vorhanden. Die vorzüglich angefertigten Grunewaldschen Modelle für Schcchitah und Miltcho verdienen besondere Anerkennung. Das Schechttohmobell zeigt uns den Goldbergschen Nteberlegeapparat, der es den Tterschützlern ad ocalas demonstriert, daß hier von Tierquälerei beim Ntoderlegen des SchlachtttereS nicht gesprochen werden darf. Jntereffant ist auch — namentlich für die Erfinder der Blutlüge — daS Modell der Frau, die eben Fletsch einsalzt. Recht intereffant find die beiden Herzen (aus München), von denen eines vom geschächteten, eines vom geschlagenen Tiere stammt. Der Gesamteindruck, den wir gewonnen, ist ein äußerst günstiger, und wir geben unS der Hoffnung hin, daß die Ausstellung dazu bettragen wird, die Würdigung unserer heiligen Lehre in den weitesten Kreisen zu förde"n. 6n dankbares Arbeitsfeld für liberale Juden. Es ist ein psychologisches Rätsel, wieso die judenfeindliche, darunter ein Teil der Zentrumspresse das tigen hat, ergibt sich aus unserer Ausführung nur die Pflicht, getreu der bisherigen Sitte, die Toten za beerdigen, die Feuerbestattung nicht zu fördern", so wollen wir ihm dafür dankbar sein, daß er die bisherige Sitte nicht vernichtet, sondern erhalten wissen will. Steht aber May vaum nicht mit sich selbst in Widerspruch? Darf Maybaum als Rabbiner der Gemeinde, der er die Pflicht auferlegt, die Leichenverbrennung nicht zu fördern durch seine eigenen Ausführungen der Feuerbestattung Vorschub leisten? Und leistet May bäum der Feuerbestattung nicht Vorschub, wenn er das Gewissen dessen, der fich im Tode verbrennen lassen möchte, durch angebliche Analogieen aus dem biblischen Altertum beschwichtigt, welche zeigen sollen, daß die Feuerbestattung als eine edlere Art der Beisetzung galt? Verletzt nicht Maybaum die Pflicht, die er der Gemeinde auferlegt, in demselben Augenblick, in dem er sie ihr einschärft? Das ganze Gutachten, welches dem Radikalismus einräumt, daß die Letchenverbrennung eine edlere Art der Beisetzung sei, und der konservativen Partei eingesteht, daß man der alten Sitte getreu Feuerbestattung nicht fördern dürfe, klingt wie ein Sophisma, welches im Schlußsatz negiert, was im Hauptsatz gefordert wird. Wäre die Verbrennung nach dem biblischen Schrifttum „eine edlere Art der Beisetzung", so müßte die Sitte, die Toten zu beerdigen, als eine unedle Kultusform schwinden; stellt aber die Verbrennung einen schweren Verstoß gegen das Religionsgesetz dar, eine Auffassung, die von den ältesten Dezisoren bis auf die maßgebenden Autoritäten der neuesten Zeit widerspruchslos geteilt wird, so ist es Pflicht der Gemeinde, die in ihren Jnstituttonen die Anschauung der Gesamtheit zu berücksichtigen hat, nicht durch mattherzige Konzessionen Nachgibigkeit zu zeigen, wo Standhaftigkeit nnd Charakterstärke erfordert werden, sondern durch Zurückweisung der Aschenurnen, dieser Denkmäler der Leichenschändung von jüdischen Friedhöfen der Feuerbestattung zu steuern und die jüdischen Heiligtümer vor denverheerenden Sturmfluten der Glaubenslosigkeit zu sichern. MB* UCt- KochrmwnWa«. Das Duell Paris-Berlin. Zusammen mit der im Nachrichtenteil wiedergegebenen öffentlichen „Erklärung" geht uns vom „Berliner Tagebl." als ein Judenblatt par exeeUtznev bezeichnen kann. Etwa, weil es sich seit Monaten gegen den Modernisteneid erhitzt, wie kein zloeites Blatt seines Ranges? Oder weil es jetzt mindestens in jeder Morgen- und Abendausgabe einen Jathoartikel bringt? Oder endlich, weil der Redaktionsstab so viele getaufte Juden birgt? Oder auch nur deshalb, weil es manchmal darüber wehklagt, daß die jüdischen Loldaten weder Unternoch Reserveoffiziere werden können? Es gibt so viel Judenelend in Westnnd Osteuropa: wievieles berichtet aber das „Berliner Tageblatt" davon seinen Lesern? Und der Herausgeber gar, Herr Rudolf Müsse, macht sich doch mit seinem Judentum sicherlich nicht in seinem Blatt breit. Tann pulsieren doch in Berlin so viele geistige Kräfte in jüdischen Gesellschaften, Vereinen, Verbänden und in öffentlichen Versammln,,gen, deren Erwähnung indifferente Kreise, wenigstens in Etwas lNlsmcrksam machen müßten — aber wer liest derartiges im „Judenblatt", genannt „Berliner Tageblatt"? Oder hat das „Berliner Tageblatt" auch nur mit einer Silbe des Kampfes zwischen Köhler und Rathenan u. a. erwähnt? Eher könnte man das „Berliner Tageblatt" asemitisch und protestantisch nennen, dann hätte man ungefähr die Wahrheit getroffen. Tas ist auch erklärlich, da die ehemalig jüdischen Mitarbeiter resp. Redakteure sich protestantisch haben taufen lassen, wie beispielsweise Mitredakteur Suchozewer u. a. Wenn wir aber über den redaktionellen Teil des „Berliner Tageblattes" etwas hinausblättern, dann gibt uns der Inseratenteil, der die Familien-* nachrichten enthält einige Anhaltspunkte, warum das Tageblatt so oft als „Judenblatt" angegriffen wird. Tenn ein großer Teil der norddeutschen Juden pflegt das ^Berliner Tageblatt als Nachrichtenorgan __ Ho. 21. Sette 8 Deutsch en Burea u der Alliance JsraÄite Universelle die Antwort der Deutschen Conferenz- Gemein schüft auf das von uns in letzter Nummer in seinen Grundrügen gekennzeichnete Rundschreiben der Pariser Leitung zu, die an Entschiedenheit wahrlich nichts zu wünschen übrig läßt. In erschöpfender Weise werden hier alle Gründe klar gelegt und zusammenaefaßt, die für die Haltung der D. C.-G. in der Frage der Kandidatur des Herrn Rein ach, die trotz der Verteidigungsschrift für den „höchst jüdisch fühlenden Kollegen", als welche sich das obengenannte Rundschreiben charakterisiert, nicht aufgegeben werden soll, bestimmend find. Einige besonders treffende Sätze aus dem Antwortschreiben der D. C.-G. seien hier wiedergegeben: „Daß Herr Reinach bereits seit 26 Jahren dem C. C. als Mitglied angehört, ist für für uns umsoweniger ein Grund zur Aufrechterhaltung seiner Kandidatur, als seine 26jährige Zugehörigkeit zun, C. C. nicht einmal vermocht hat, ihn, eine richtige Vorstellung von den hohen Ausgaben, die unsere Religion und Sittenlehre noch immer zur Aufklärung nnd Veredlung der Menschheit zu erfüllen hat, beizubringen. Sie vermochte auch nicht, ihm eine höhere Achtung vor dem größten Teil unserer Glaubensgenossen einzuflößen, die für ihre Religion und für ihre Traditionen in heldenmütigem Kampfe gegen Unterdrückung und Verfolgung ihr Gut und Blut opfern. In unseren Augen bedeutet es eine Verletzung der Pflichten dcr Alliance, wenn einer ihrer Leiter durch völlig unbegründete Anklagen Millionen von Juden wegen ihrer religiösen Ueberzeugung in den Angen der gesamten nichtjüdischen Welt als rückständige Menschen hinstellt. Tie Leiter nnd Vertreter der Alliance haben die Aufgabe: Juden zu verteidigen, nicht anzuklagen: haben die Pflicht, Zwistigkeiten auszngleichen, nicht Zwietracht unter unseren Glaubensgenossen zn säen. Es mutz zum Schaden der Allgemeinheit führen, wenn eine aggressive Stellung der Leiter zur Folge hat, daß jüdische Institutionen nnd Bewegungen — mögen sie unsere volle Zustimmung haben oder nicht — von der Alliance öffentlich und' geheim bekämpft werden. Wir können zn einem Mann, der es offen als seine Pflicht bezeichnet, für eine Auffassung des Judentums zu kämpfen, die, wie unser Präsident bemerkt, weder von ihm noch vom C. C. geteilt wird, nicht das Vertrauen haben, daß er das Werk der Alliance in religiösem Geiste leitet. Wir können u n s n i ch t denken, daß Leiter und Lehrer unserer Schulen Vorschriften eines Mannes respektieren, die von ihin selbst als den, G ei sie der Aufklärung widersprechend hi n g e st e l l t werden. Wir müssen vielmehr befürchten, daß durch den Zwiespalt in der inneren Gesinnung und der 2 ch u l t ä t i g k e i t nur eine H h p o k r i s i e in unseren Schulen erzeugt wird, die für die moralische Erziehung der jüdischen Jugend im Orient von außerordentlicher (Gefahr sein m u tz. Wir wünschen auch nicht Lehrer und Leiter an unseren Schulen, die wie Herr Reinach verächtlich über die jüdische Religion und die jüdischen Einrichtungen denken und sprechen, ihre Schüler aber für Familienereignisse zu benutzen. Und dennoch enthält dieser Teil soviel Unjüdischkeiten, daß man ein Antisemitenblatt damit füllen könnte. Trotzdem schon unzählige Mal von antisemitischen Blättern darüber gespottet wurde, daß die Juden es sind, die in Sonntagskinder geburtsanzeigen ihre ganze armselige Gcisteskonstruktion ad oculos aufdecken, wenn sie mit dem abgeschmackten: „Hurrah, ein «onntagsftmge ist da'" ihren Aaniilicn'zutvächs anzeigen; trotzdem auch schon in jüdischen Blättern aus das Unziemliche solcher Anzeigen hingewiesen worden ist, die Unbelehrbaren Iverden nicht alle. So sicher wie die Sonne des morgens aufgeht, so sicher erscheint des Dienstags früh im „Berliner Tageblatt" das jüdische Sonntagskind, zur Schande für die übrige Judenheit, die doch stets diskreditiert wird, wenn Herr Co h n und Frau, geborne R o s e n t h a l die (Geburt eines Sonntagskindes anzeigen. Tann sollten sie doch auch so konscauent sein, nnd ihre jüdischen Namen ablegen, wo»», ihn«, die Geburt eines Kindes am Sonntag, als ein so großer Vorzug erscheint. Man könnte jetzt schon die höchste Wette eingehen, daß es auch in diesem Jahre wieder P fingst kinder geben wird, wie es C h ä r - freitags- und Osterkinder jüdischer Herkunft gegeben hat. Allerdings muß man dem geringen Bildungsgrad und dem völlig gnentwickelten Feingefühl solcher Eltern bis zu einem gewissen Grad Rechnung tragen. Es sind eben nicht die vornehmsten Geister, oder angenehme Erscheinungen, die sich selber lächerlich machen und geistig und moralisch bloßst llen. Aber warum machen denn die liberalen Herren Rabbiner beispielsweise die Eltern auf solche Taktlosigkeiten nicht zeitig aufmerksam? Sie segnen .ja solche Sonntagskinder eins Sie sind ja sonst bemüht, Lehre nnd Leben

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