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Der Israelit · 1911-05-24 · Heft 21 (24.5.1911) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 21 (24.5.1911)
Date
1911-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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D« JS««M. 24. Mat 1911 Cttte 2. Rr. 21 __ So auch Tur Iore Dea Nr. 362, R. Josef Karo das. R. Josua Falk im Kommentar wn£, D7»p "n S. 3, 14, 31 rc.*) Auch in dem Gebet, welches man vor dem Beginn der mntD zum Himmel emporsendet, wird erklärt: Der Herr, dessen Pfade Liebe und Treue find, hat uns geboten, den Toten zu beerdigen in Liebe und Treue, wie geschrieben steht: „zur Erde bestatten sollst Du ihn". Es unterliegt also keinem Zweifel, daß es nicht Brauch und Sitte die unter dem Eindruck von Empfindungen und Ueberzeugungen wechselt, sondern ein biblisches Gesetz, ein Gebot der Religion, das umwandelbare Wort des ewigen Gottes ist, welches Beerdigung fordert, und gegen Feuerbestattung Einspruch erhebt. Dieses Gotteswort ist der wellenumbrauste Fels, auf dem wir unerschütterlich feststehen. II. Der zweite Irrtum in Maybaum- Gutachten ist die ungeheuerliche Behauptung, daß nach einigen Stellen der Schrift, die Feuerbestattung als „eine edlere Art derBeisetzung galt". Diese Aufstellung steht im schroffen Gegensatz zum ganzen biblischen Schrifttum. Nicht eine einzige Stelle hat Maybaum beigebracht, aus der auch nur der geringste Schein eines wissenschastlichen Beweises hervorleuchtet. Die Stelle 1. Buch Samuel 31, 12, auf welche Maybaum fich beruft, handelt nach T arg um und Raschi nicht vom Verbrennen der Leichname, sondern von der Verbrennung von Spezereien, die zu Ehren der Toten stattfand. Targum bezog wohl das Wort om« auf v'^2, das vorangeht. Neuere kritische Ausleger der Schrift, denen Maybaum mehr Glauben schenkt, als den Alten, wie z. B. Benzinger erklären, daß die Worte in Samuel: am Dm« verdorben sind aus DfV? ’nSD'l" — „sie betrauerten sie". Demnach wäre Samuel vom Verbrennen überhaupt keine Rede. Wer aber, mit uns am überlieferten Text festhaltend, die Worte uw Dm« buchstäblich auffaßt, wird in dem Verbrennen nur einen Akt zwingender Notwendigkeit erkennen, welchen die Philister mit ihnen getrieben und treiben würden, beschlossen sie, dieselben zu verbrennen. Durch ein verhältnismäßig kleinere *) Nachmanides tn seinem Werke: EHKrt rnifi rmap pP entscheidet: p* NV1P7W pö? 12LV2 ^221 mi2p nr« nruprr N'22 moi ntt*? PP *121P1 «in lfitt pbö* Wer eine Leiche in einem Sarge aufbewahrt, der oberhalb der Erde hingestellt wird, hat gegen das Verbot: verstoßen, (b. Sanhedrin 46d). So auch Alfasst, Maimonides, Äschert' und alle anderen Decisoren. Hieraus folgt unzweideutig, daß die Pflicht der Erdbestattnng ein biblisches Gesetz ist. Kleine» Feuilleton. vie jüMcde Hbteilung Her bvgie«e-)iurrtel!ung i« viertle«. Bon Rabbiner Tr. Bamberger in Schönlanke. QI. Die Wohnungsverhältnisse im heiligen Lande lernen wir kennen : durch das Modell eines Lehmhauses, eines palästinensischen Stadthauses und eines Bauernhauses mit all ihrem Zubehör. Die Modelle sind alle aus weiß«« Stein gearbeitet und sehr exakt - ausgeführt- Die Modelle der antiken Weinkelter, der mo' ernen Weinkelter mit Dtbsküche (Most), Oelpresic, des antiken GetretdemvrferS, üeS aitiken ReibstetnS für Getreide (DTH der modernen Handmühle, find ebenso gut erhalten in der Gruppe dm banden wie oie HauSgeräte, Wasierkrug, Mehlbehälter, Sesammühle und Hühnerkorb. Es würbe uns zu weit führen, die zahlreichen.Gegenstände einzeln aufzuführen und genauer zu beschreiben, wiewohl eS Interesse haben bürste. Zum BerstSndntS der in der Mtschnä tn flSV genannten verschiedenen Oefen- und Herdarten tragen die ausgestellten Modelle unbedingt bet. Da ist ein oberirdischer Tannur zu sehen, ein unterirdischer Tannur, ein Backofen, an dessen Tannenwände das Brot angellevt wirb, (nsn rpYi o Neben historisch wertvollen Gravanlagen so dm Gräbern GecharjaS, AbsalomS, der Außenanlage beS Grabes der Königin Helena werdm die Modelle der verschiedensten Gradanlagcn gezeigt, welche «nS den Nebel suchten sie ein größeres zu verhindern. Die Höhnung der Philister hielten sie für eine größere Entehrung als die Verbrennung. Wenn man Profangeschichte mit heiliger Geschichte vergleichen darf, kann man auf Sulla Hinweisen, den Ersten, welcher Leichenverbrennung in Rom einführte. Aber nach Pltnius hat Sulla nur darum verordnet, daß sein Leichnam verbrannt werden solle, um ihn den Profanationen zu entziehen, welchen die Leiche des Marius ausgesetzt war. Was also ein Akt der ausnahmsweisen dtu-a necessitas der harten Notwendigkeit war, wird von Maybaum zu einer Sitte umgestempelt, das heißt historische Tatsachen nicht erklären, sondern tendenziös entstellen. Noch schlimmer ergeht es dem Verse Jeremias 34, 5: D'jnwon ‘■pn’Q« mfiiteroai iLnv» p vn iv«. Daß diese Worte nicht bedeuten, „wie man Deine Väter verbrannt hat", sondern wie man Deinen Vätern einen Leickenbrand, einen Brand von Spezereien angezündet hat", weiß jedes Kind, dem die Ansangsgründe der hebräischen Grammatik nicht völlig unbekannt find. Man braucht nur den Unterschied zwischen dem Akkusativ,,im« ILIV' i h n verbrennen" und dem Dativ, ,,"p ifinip' „ihm einen Brand entzünden zu kennen, um die ganze Größe der Misshandlung zu begreifen, die das Wort des Propheten Jeremia seitens Maybaums zu erdulden hat. M. raubt dem Worte *]*? seinen Sinn und schiebt ihm den Sinn *]m«" unter. Durch diese trübe Brille der Tendenzmacherei sieht Maybaum in der Verbrennung von „Spezereien" eine Leichenverbrennung. Sein Gutachten zeigt die Kunst, unter mehreren irrigen Auffassungen gerade diejenige auszuwählen, welche der Wahrheit am unähnlichsten ist. Ist denn Maybaum unbekannt, daß das Erste, das mit dem Leichnam des Königs Affa vorgenommen wurde, Beerdigung in dem Begräbnisse war, das er sich in der Stadt Davids ausgegraben hatte, dann erst zündete man ihm einen sehr großen Brand an, wobei es sich offenkundig nicht um Verbrennung der Leiche, sondern nur um Verbrennung wohlriechender Spezereien handelte? (2 Chron. 16,14) Joab, Davids Feldherr, ließ die gefallenen Jdumäer begraben (Könige 11, 15). Abner wurde begraben, ebenso Joab der ungehorsame Prophet, den ein Löwe getötet, wurde begraben. Von Jsebel wird berichtet, daß Jehu erklärte: „Begrabet sie, denn sie ist eine Königstochter" (Könige Da 34.) In gleicher Weise wird von Achab, Achasia und Josias erzählt, daß sie von den Orten, wo sie starben, nach der Hauptstadt gebracht und dort, in der Residenzstadt des Landes begraben wurden. Schlüssel reichen zum Verständnis der Mischna tn J03 «"WO und Besonders beanspruchte unser Interesse das Bankaratgrab mit dem Rollstein. Der viel umstrittene Begriff von pgjiT) wirb dadurch klar) baS Grab ist nämlich durch eine Steinplatte verschloffen, der ein schwerer Stein vorgelagert ist, damit das Grabtnn re nicht Tieren als Wohnung dienen sollte. In dieser Gruppe fand auch die von Professor Euttng in Straßburg gelieferte Ossarium-Knochenkiste Aufstellung. ES ist dies für die Aufbewahrung der vom Fleisch befreiten Knochen ("UPD S'D'P) bestimmt, daher auch der Ausdruck JY1B2CP ölpb DV d. t. der Tag, an dem die Knochen in die Knochmkiste gelegt wurden (welcher als ^2« fiV galt). Bevor wir diesen Raum verlassen und jenem dem jüdischem Mittelalter und der Neuzeit bestimmten Raume uns zuwenden, wollen wir noch Hinweisen auf die Rosen* bergs Geschichte der Kostüme entnommenen „alten Hebräertrachten", auf die Darstellung „in Aegypten etnwandernber Semiten" und „jüdischer Untertanen des Königs Jehu die dessen Tribut an Affurbanigal bringen" (885). m. Dieser historisch und archäologisch schätzbaren Sammlung stellt stch würdig an die Seite Die Gruppe aus dem jüdischen Mittelalter und der Neuzeit. Bor uns liegt eine „SaVbmstube" (Isidor Kaufmann, Wien), in der Mitte die charakteristische Sabbatlampe, Tisch, Stühle, Kommode, Kamin, alles ist vorhanden. Auf dem Tisch die übliche Sabbatdecke, verschiedene Ktdbuschbecher, an den Wänden bildliche Darstellungen jüdischen Levens und jüdischer LevenSfteude! DaS Ganze ein wahrhaft hygienisches Miliem eine berarttge Sahhatruhe und Savbatfreude erhalt den Menschen Diese Tatsachen beweisen, welcher Wert der Behauptung Maybaums beizumeffen ist, „da sie (Feuerbestattung) hauptsächlich bei der Bestattung von Königen erwähnt wird"! Merkwürdig aber ist es, daß im preußischen Abgeordnetenhause in der Sitzung vom 22. März 1911 der sozialdemokratische Abgeordnete Hoffmann die zwei Stellen aus der heiligen Schrift anführte, aus welchen die Zulässigkeit der Leichenverbrennung deduziert werden sollte, auf welche Maybaum sein Gutachten vom 7. April 1911 gründete. Der Sozialdemokrat Hoffmann hat jedoch diesen Vers richtig zitiert, „wie man über deine Väter gebrennet hat, so wird man auch über dich brennen." Als jedoch im Abgeordnetenhause unter großer Heiterkeit der Zuruf erscholl: „Das ist doch Räucherung," nahm Hoffmann seine Zuflucht zu Samuel 31, 12. Maybaum jedoch ziettert, statt der richtigen Uebersetzung der Verse Jeremias, die alle modernen Bibelerklärer liefern, die unrichtige Zunzische Uebersetzung, um aus ihr zu beweisen, was er^Heweisen will. Das heißt nicht mehr auslegen, sondern hineinlegen. Diese Entstellung der Prophetenworte brandmarkt sich selbst. Den dritten Beleg liefert Amos 6, 10, aus dem Maybaum beweisen will, daß „auch in anderen Kreisen des Volkes Leichenverbrennung nicht ungewöhnlich war."* Der neueste Erklärer fc=—-—j! iatf *) Nach Targum und Raschi bedeutet dieser Bers: „Es trägt ihn hinaus sein Oheim aus dem Brande, (den die Feinde angezündet), um die Gebeine aus dem Hause zu schaff n." Demnach beweist diese Stelle das Gegenteil. Der Oheim ist es, der ihn nicht verbrennt, sondern aus dem Brande fortträgt. Die Erklärer, welche das Wort ppBIS mit „Verbrennet" übersetzen, nehmen an, daß zur'Verhütung einer Verpestung durch verwesende Leichen Verbrennung derselben stattgefunden. Indes ist daS Suffix: „Sein Vetter und sein . Verbrenner sehr sonderbar. Abgeleitet von D'ömP, welche die Diener des Höchsten bezeichnen, dürfte vielleicht rpp den geflügelten Boten im Kreise der Menschen bedeuten. Eine Analogie bietet lPQlP die dienende Himmels-Kraft: die Sonne rc. lPVVV- ' Diener vgl. auch widerwill. **) Porges (Familienblatt, 4. Mai 1911), der MuybaumS Aufstellungen als Scheinargumente nachgewtesen, irrt stch, wenn er annimmt, daß die Bemerkung KöSPD b. Sanhedk.n 46 b die definitive Ansicht des Talmuds bezeichnet. Wer die Methodologie des Talmuds kennt, weiß, baß diese Wendung nur 'INN bildet. Der Sinn ist: „Du kannst aus der Tatsache, daß bet den Patriarchtn vom Begraben die Rede ist, noch nicht mit absoluter Gewißheit schließen, daß Erdöestaltunq ein biblisches Besitz ist. Demgegenüber könnte der Gtnwand erhoben werden, B graben sei nur Brauch gewesen." So wirb z. B. in b. Taantt 28» Mincha-Gebet, welches nach einer Ueberlteferung der 2. Patriarch etngeführt, alS p j-pm „biblisches Gesetz" bezeichnet. Demnach ist die Wendung «v^P"l Ktfriü nur geistig und körperlich frisch. Auch die Erinnerung an den Tod, jene heilsame Erzieherin der Menschen, fehlt r.iHt tn diesem Raume,- sechs kunstvolle Bilder, „vom Krankenlager bis zur Rückkehr von der Beerdigung bringen dies zur Anschauung. Vor der „Sabbastube", die faft die Hälfte des ziemlich großen Raumes ausfiUlt, ist das Modell des alten Wiener Ghettos ausgestellt. An den Häusern beobachten wir das biblisch vorgeschriebene Schutzgelanörr mtPPI "pjb rrpPtt- Umrahmt wird dieses Modell von Photographien und Bildern deS Frankfurter Ghettos mit Rothschtldhau?, des Eisenstädter Ghettos, bet dem wir den 21-|P, die Sabbatdrähte, beobachten. Ebenfalls die Ghettozett ins Gedächtnis rufen uns die Modelle der Mtkwooth von Frtedberg (ca. 1260), Offenbach, Speyer und Worms. Ueber diese bemerkt der Katalog: »Besond rs tntereffant find die verschiedenen Judvnbäder ... da zu den rituellen Reinigungen nur fließendes Wasser oder wenigstens nicht geschöpftes genommen werden darf, sind die deutschen Juden an verschiedenen Stellen gezwungen gewesen, tiefe Gänge in die Erde zu graben und mit Treppenlager so wett dem Grundwaffer stch zu nähern, daß für das ganze Jahr ein genügender Bedarf an ungeschöpstem Wasser für das Baden vorhanden sei." (Der Katalog der historischen Abteilung ist noch nicht erschienen, durch die Güte des Herrn Professor Jmhof erhielt ich Einblick tn die Korrekturbogen.) „Bon der Wiege bis zum Grabe" möchte ich alles Uebrwe in dieser Gruppe Befindliche bezeichnen. Die Wochenstube mit Wochenzettel, die Bcismlloh, die Trauung, Hochzeit, Beerdigung, alles wirb bildlich vorgeführt) ein Modell zeigt uns die Letchenwaschung mn&. Wir wollen unseren Bericht nicht schließen, ohne daß wir gerade die zu einer Hhgiene-AuSstrllung für

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