Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-05-18 · Heft 20 (18.5.1911) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 20 (18.5.1911)
Date
1911-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448824--66561-2494729
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hielte 6. Sk. SS Konsolidierung des neuen Jischub arbeitet, verdient gewiß Beachtung, und wir kommen daher sicher den Freunden unserer Sache entgegen, wenn wir hier einige Stellen aus dem an den Schreiber dieser Zeilen gerichteten Briefe in der Uebersetzung zur Beröfsentlichung bringen. Nach einigen einleitenden Worten der Aufmunterung schreibt Herr Rabbiner Kuck: „ . . Jetzt gewinnt die Sache immer mehr an Klarheit, daß wir u»rs auf dem richtigen Wege zur Förderung der Religion befinden, »ud die Bahn, die nur beschritten, wird mit Recht. „Weg zum Heiligtum" genannt. Und dieses ist auch allein der einzig gebahnte Weg, unr zum Ziele zu gelangen, um dem sromrnen Judentum (Geltung 311 verschaffen und gegen die von allen Seiten ei»,dringenden Zerstörer und rücksichtslosen Bernicliter Front zu machen, fodaß schließlich selbst unsere Feinde uns Anerkennung zollen müssen und aurangeik werden, iu unsere Wege einzatenken. Indessen sind wir verpflichtet, die Lage unserer Anstalt mit Rührigkeit und unter Aufwendung aller Mittel zu heben um immer weiter sortznschreiteir: wir haben jetzt zurzeit zlvei weitere .^lassen zir den bisherigen hinzuzufügen und unser? Schule nach oben hin weiter ausznbauen, so das; das .Hebräische dlymnasinm, welches alles Jüdische im Leben lind Lehre zerstört, durch unsere Anstalt in den Schatten gestellt wird. . . . Der bisherige Bcrinch beweist, daß Gottesbeistand unsere Bestrebungen unterstützt, denn die Schüler machen, wie ich mich häufig selbst überzeugt habe, in allen Hinsichten schöne und stetige Fortschritte." Der Brief enthält unter anderem noch die dringende Auffordernng zur (Gründung einer Mädchenschule. denn für die religiöse Erziehung der weiblichen Jugend sind bis fetzt noch nicht einmal die Anfänge gemacht. „Beginnt ohne Bcrzug die Gründüng einer Töchterschule aus Grund des Tachkemom- Lehrplanes, damit wir jüdische Mütter erziehen, die da lvandeln in den Ltzegen (Üottes und fähig sind, an der Wtederbesebung Israels und seines Landes Anteil zn nehmen." Aengstlich fragen wir uns: Wird es uns gelingen den Anforderungen, die an uns herantreten, gerecht zu werden? Düvfen wir genügelld Verständnis bei unseren abendländischen Brüdern erwarten, um die großzügigen Pläne unseres führenden Rabbiners realisieren zu können? W^xden wir imstande sein, unsere Glaubensgenossen in Deutschland von der Notwendigkeit unserer Sache, von der Heiligkeit und Wichtigkeit unserer Bestrebungen zu überzeugen, um den dauernden Bestand unseres Werkes zu sichern und es seiner Vollendung zuzusühren? Wird es uns möglich sein, den zahlreichen Aufnahme begehrenden neuen Schülern die Wohltaten unserer Anstalt zugute kommen zu lassen? Werbcit wir genügend Freunde und Gönner gewinnen, um aus dem jetzt erworbenen Terrain einen Schulbau errichten zu können, der uns in der Zahl der aufzunehmenden Schüler einen größeren Spielraum läßt, der in hygienischer Hinsicht Lehrern und Schillern die Arbeit erleichtert, den modernen schultechnischen Prinzipien mehr Rechnung trägt? Wir wollen nicht zweifeln, daß dieses alles in Kürze sich zur schönsten Wirklichkeit gestaltet; wir glauben zu fest an die Kraft des Guten und Wahren und sind erfüllt von dem Vertrauen, das aus den Schlußworten des Briefes spricht, mit dem uns Rabbiner Kuck beehrt hat: „Jeder, der das Volk Gottes liebt, jeder, der die Thorajünger liebt, Ihr alle, denen die Söhne Zions teuer sind, erkennet Eure Pflicht und führt Euch dieses ernstlich vor Augen. Wir vertrauen auf Gott, daß er uns auf den rechten Weg leiten möge, ivie wir die geeigneten Mittel finden können, dem heiligen Boden dauernde und wahrhaftige Hilfe zu schaffen." (Tie T a ch k e m 0 n i - S ch u l e steht in Jaffa auf einem vorgeschobenen Posten und arbeitet dort unter schwierigen Verhältnissen nach der gleichen Richtung wie die Talmud-Thora-Schulen der „Freien Vereinigung" in den verschiedenen Kolonien und in Haifa. Sie verdient kräftigste «Unterstützung von seiten aller derer, die den jüdischen Charakter der palästinensischen Kultur retten Helsen wollen. Geldsendungen für die Tachkemoni-Schule sind an den Kassierer des Komitees, Herrn Fritz Sondheimer in Frankfurt a. M., Zeit 114, zu richten. Red. d. Jsr.) Bepräfenlsnfenflbung. E. Rs. Berti», 7. Jan. Die Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judentums übersandte der Repräsentanten- __ D« ZSvttltt. Versammlung ihren letzten Bericht, ein von Herrn Dr. Jacob in Dortmund verfaßter Bericht über die Stellung der Rabbiner wird auf den Tisch des Hauses niedergelegt. Eine Vorlage zur Kenntnlsnahme betr. das Verfahren bei Kassenrevision wird bis aus Weiteres in dieser Form genehmigt. Bei Punkt 3 Vorlage betr. „Grundsätze für die Gewährung von Subventionen an Religionsvereine" entsteht eine Debatte, welche eine Stunde währte. An dieser beteiligen sich die Herren Prof. Türk, Justizrat Veit, Simon, Levinski . und Prof. Blaschke. Der Referent Justizrat Cohn teilt mit, daß die Zahl der Mitglieder der jüdischen Gemeinde in steter Zunahme begriffen sei, die Folge davon ist, daß auch die Reltgionsvereine, welche der Gemeinde Verpfiichtungen abnehmen, zahlreicher werden. Jetzt müsse aber festgestellt werden, nach welchen Grundsätzen subventioniert werden soll. Die Satzungen, welche hier bestimmt werden, sollen nur Richtschnur sein. Es muffe auch ferner im freien Ermessen der Verwaltung stehen, die Bedürfnisse der Subventionierung sestzustellen. Mit einigen kleinen Abänderungen werden die von Herrn Justizrat Cohn gestellten Anträge angenommen. Ais Mitglieder der Armenkommission werden gewählt die Herren Alfred Meyer, M. Groß, Dornnauer, Dr. Abrahamson, Dr. Peyser, in dieVeranlagungskommission Prof. Albert Katz, in die Subventions-Kommission Lehrer Max Hanfs, in die Kommission für die gottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiten Herr Rabbiner Dr. Hochseld. Zum Bau des neuen Haupt- Krankengebäudes werden 99 l 000 Mark zum Bau des Jnfektionspavillons 228500 M. bewilligt. Für den Innenausbau der Synagoge Fasanenstraße 73000 M. Bei dieser Gelegenheit teilt Herr Benas Levy mit, daß er in 2 Synagogen in Frankfurt a. M. Geschenke von Kandelabern und anderen Geräten gesehen, und bittet auch im Kreise unserer Gemeinde dahin zu wirken, daß wohlhabende Glaubensgenossen zu so löblichem Handeln sich ermannten. Es folgen Bewilligungen notwendiger Ausgaben. Ungarn. Ungartftfier Brief. (Bon unserem Korrespondeten.) Z. B. A. Audapest, 1. Mai. Die Brüder von der linken Hand, wie der jüngste Eisenstädter Raw zu sagen pflegt, können sich in das ihnen durch das Gesetz und das Leben diktierte Geschick noch immer nicht hineinfinden. Sie suchen noch immer einen Geheimweg, um ins orthodoxe Lager zu dringen, und dieses, wenn nicht anders, in die Luft zu sprengen. Die orthodoxe Leitung nahm ihren Berhandlungseiser nicht ernst. Man bedeutete den tiefbekümmerten Einheitsmeiern, daß man an ihre Mischmaschtheorte nicht glaube, daß sie demnach für die Zukunft auf eine Verbindung der heterogenen Elemente, der Judentumsbejaher und -Verneiner verzichten müssen. Die Anbiederung an einige „paralysierte Orthodoxisten", die durch das Geschick in ein jüdisches Milieu versetzt wurden und in ihrer gewiß nicht beneidenswerten Isolierung nach Sukkurs auslugen, um ihre Umwelt aus den Angeln heben zu können, hat auch nur ein klägliches Fiasko gebracht. Die paar Gemeindehauspotentaten wurden mit Zwangsjacken bedroht und — wie paradox es auch klingen mag — durch die Begeisterung der orthodoxen Masse einfach kalt gestellt. Sie erzielten wie die goetheische Spuckgestalt das gerade Gegenteil von dem, was sie wollten. Sie haben das Böse ersonnen- Gott hat es zum Guten geführt. Die Lethargie, die sich der großen jüdischen Volksmaffe bemächtigt hatte, wurde durch ihre Quertreibereien gebrochen. Man bekam Sorge um die Ausgestaltung der jüdischen Zukunft und 18. Mat 1911. ließ es bei der negativen Arbeit — der Aktion des großen Besens, der die großen Geister aus der Kahalstube und dem Gemeinderat fegte — nicht bewenden. Der geweckte Wille zuur Leben schuf sich sein Organ. Von der primitiven Zelle des Einzelvereins bis zum Ausbau des Landesverbands liegt die kurze Spanne zweier Jahre. Man tut große positive Arbeit für das positive Judentum und sucht es nach jeder Seite zu befestigen. Eine kleine Hintertüre schien noch offen; durch diese wollte sich der neologe Homunkulus hereinstehlen. Er hat auf die materielle Not der jüdischen Gemeindebeantten spekuliert. Der Mann, von dessen Existenz die Herren seit vier Jahrzehnten keine Kenntnis genommen haben, der jüdische Gemeindebeamte, wurde entdeckt, um als Werkzeug znr Realisation des Unifikationsgedankens benutzt zu werden. Alle Gemeindebeamten, ohne Unterschied der „Konfession," sollten in eine Union vereinigt, die Hebung ihrer moralischen und materiellen Güter erstreben. Der Verband sollte sich über den Parteistreit — so war es gedacht — hinweg zur höchsten Syntese der Judeneinheit erheben, und so das schlagendste Argument gegen die orthodoxen Theoretiker bedeuten. Die Idee fand Anklang. Die Vorarbeiten wurden gemacht. Bevor noch die orthodoxe Zentrale das von ihr projektierte Elaborat des orthodoxer Beamten-Pensionsinstituts dem Minister zur Bestätigung unterbreiten konnte, haben sie die ministerielle Genehmigung erreicht. Aber auch dieser diplomatische Gimpelfang führte nicht zum Ziele. Wissen doch die orthodoxen Gemeindebeamten nur zu gut, daß es die humanitären Quacksalber weniger auf ihren Körper als aus ihre Seele abgesehen haben. Sie blieben dem Verbände fern und setzen ihre berechtigte Hoffnung auf die orthodoxe Landesleitung, die mit Ernst daran arbeitet, ihre präkere Lage zu sanieren. Den Herren müßte nach alldem jegliche Lust beno;nmen sein, uns in unserer Beharrlichkeit zu erschüttern. Wenn sie aber dennoch bet ihrer Justamentstaktik verharren und als unverbesserliche Moniaken nicht müde werden, trotz Theorie und Praxis, die ewige Unzertrennbarkeit des Judentums zu verkünden, dann sollten sie sich das Gutachten ihrer geistigen Leiter, der vorigen und gegenwärtigen Seminardirektoren vor Augen halten und sie wären eines besseren belehrt. Die Herren schrieben nämlich, auf Wunsch des Präsidenten der Landeskanzlei, Martin Schweitzer, daß die zu gründende Reformgemeinde, nach alldem was wir in der Theorie und in der Praxis mit dem Begriff Judentum decken, nicht das Recht auf diesen Namen hat umsomehr als die neue Religion nicht das ganze Buch Moses zum Fundamente hat und kurzerhand die wesentlichsten Verordnungen, die zu jeder Zeit unwandelbare Gültigkeit gewonnen haben, außer Kraft setzt. Es ist demnach eine , ganz neue Lehre, die hier verkündet wird und, da diese jeder historischen Grundlage entbehrt, darf sie auf den Charakter einer positiven Religion keinen Anspruch erheben." „Da sie dann noch den Talmud und die große religionsgefetzliche Literatur perhorresziert (melközi), hat sie sich aus dem historischen Judentum gerissen, und es ist der neuen Kirche das Recht abzusprechen, sich an die historische Kontinuität zu klammern. Eng verbunden mit der im Buche Mosis niedergelegten Lehre ist die mündliche Tradition, die lebendige und belebende Wissenschaft, die uns in diesen Schriften aufbewahrt wurde. In der Kommentierung der heiligen Schrift ist das Judentum einzig und allein auf die Tradition hingewiesen. Da diese nun im Programm nicht berücksichtigt ist, hat die neue Kirche somit den jüdisch-konfessionellen Charakter eingebüßt." Und zum Schluß — als ob hier nicht die einstige Seminardirektion, sondern die orthodoxe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.