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Der Israelit · 1911-05-11 · Heft 19 (11.5.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 19 (11.5.1911)
Date
1911-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Das „Journal Officiel de la Republique francaise" berichtet über die Aufnahme der jüdischen Deputation aus Gabes anläßlich der tunesischen Reise des Präsidenten wie folgt: Den Abschluß der Empfänge bildeten die Rabbiner und israelitischen Notabeln, von denen manche weit vom Süden gekommen waren. Präsident Fallieres betonte mit besonderem Nachdruck, daß das französische Protektorat sich auf die gesamte Bevölkerung in Tunis erstrecke. „Wir machen gar keinen Unterschied in den religiösen Bekenntnissen," sagte der Präsident, „und unser Bestreben ist, daß alle unsere Schützlinge ohne Ausnahme mit Güte und Gerechtigkeit behandelt werden." Ein Dolmetscher übersetzte den Juden dje Worte des Präsidenten, deren Sprecher in arabischer Sprache ihre volle Anerkennung und Dankbarkeit sür das Verhalten der französischen Beamten ihnen gegenüber zum Ausdruck brachte. tynmänten. Die jlMctie ßenölherung in Rumänien. Wukarefl, 8. Mai. Infolge des wirtschaftlichen Krieges gegen die Juden und der ihnen unausgesetzt zugefügten moralischen Leiden zeigte sich in den letzten zehn Jahren eine ununterbrochene Auswanderung von Juden aus Rumänien, deren Ziel -hauptsächlich Amerika ist. Laut der offiziellen Statistik betrug die Zahl der jüdischen Auswanderer aus Rumänien in diesem Zeitabschnitte über 40000 Seelen. Im Jahre 1909 wurde die Auswanderung infolge der damaligeu amerikanischen Krise schwächer, erstarkte jedoch wieder im Jahre 1910, in welchem 3500 Juden teils aus eigenen Mitteln, teils mit Hilfe der jüdischen HWorganisationen Rumänien verlassen haben. Trotzdem die Geburtenziffer diejenige der Todesfälle auch bei den rumänischen Juden überwiegt, mußte sich dennoch ein stetiges Abnehmen der jüdischen Bevölkerung in Rumänien ergeben, was natürlich die Antisemiten des Landes nicht hindert, entgegen den Tatsachen zu verbreiten, daß die Juden Handel, Gewerbe und Industrie an sich gerissen hätten. So hat der gewesene Minister Jean Labovary mit Außerachtlassung der offiziellen.Statistik auf die „Gefahren" hingewiesen, welche das Ueberwiegen der jüd. Geburten über die Todesfälle für Rumänien bedeutet. Aber auch die Geburten nehmen bet den rumänischen Juden ständig ab. Im Jahre 1907 betrugen sie noch 7725, sanken im Jahre 1908 auf 7498 und betrugen im Jahre 1909 nur mehr 7216. Die offizielle Statistik ergab im Jahre 1909 eine jüdische Bevölkerung von 266652 gegenüber einer Gesamtbevölkerung von 6 Millionen. Heute kann die jüdische Bevölkerung mit höchstens 240000 Seelen angenommen werden. Malästina. Rlfjttöilche ßeiUgfümer — enfroenöef? Ierufaterrr, 6. Mai. Große Aufregung herrscht in Jerusalem infolge geheimnisvoller Ausgrabungen, die mit Entwendungen kostbarer Gegenstände verbunden sein sollen. Seit zwei Jahren waren englische Grabungen mit Erlaubnis von Konstanttopel aus dicht bei dem Tempelgebiet im Gange. Der Zweck wurde streng geheim gehalten, doch sind Tausende von Pfunden ausgegeben worden. Zuletzt wurde es nötig, unter der Omarin o sch ee, die bekanntlich auf dem n'amn steht, zu graben, und die Unternehmer erlangten die Genehmigung der Lokalbehörde und des Moscheevorstandes, diese bei Nacht zu betteten. Sie sollen dort dieses erhaltene Recht gröblich mißbraucht haben, indem sie, wie ihnen zur Last gelegt wird, durch Bestechung der türkischen Gensdarmen zwölf Nächte gegraben und wertvolle Gegenstände gefunden und fortgenommen haben. Angeblich seien darunter die Insignien des Hauses David und die jüdische Bundeslade. Die zuerst große Aufregung der Bevölkerung hat sich dank der Energie der Behörden gelegt. Eine Untersuchungskommission unter Vorsitz des militärischen Kommandanten von Jerusalem ist eingesetzt worden. . Der Moscheeverwalter, die Gendarmen und der Dolmetscher der Ausgräber, ein Armenier, wurden verhaftet. Wegen Raummangels mußte eine ganze Reihe von Artikeln und Korrespondenzen für die nächsten Nummern zurückgestellt werden. Oermiscbtes. Frankfurt a. M., 11. Mat. Dem Festesiubel der Stadt Frankfurt am gestrigen vierzigsten Jahrestage deS Frankfurter Friedens schloß stch auch die hiesige jüdische Bürgerschaft durch entsprechende Festgottesdienste in den Synagogen an. In der Synagoge der Israelitischen ReltgionSgesellschaft Friedberger Anloge hatte stch um 727 Uhr abends eine stattliche Anzahl Gemeindemttgtteder zum angesagien Dankgottesdienst eingesunken. Nach dem von Herrn Oberkantor Pessachowttfch in festfeieriicher Weise vorgetragenen Minchagebete begann die eigentliche Feier, die in ihrer Einfachheit und weihevollen Schlichtheit einen tiefen Eindruck hinterließ. Eigens zu dieser Feier einstudterte Psalmgesänge des SynagogenchoreS bildeten den schönen Rahmen zu einer Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. Breuer, die in feinsinniger und gedankentteser Art all daS zufammenfaßte, was wir als Juden, die treu zur Thora und zum Baterlande halten, an den Gütern des Friedens, wie fie im Deutschen Reich und durch das Deutsche Reich gewahrt werden, zu schätzen haben. Bon dem Sefirohgedanken ausgehend und an den Sefirohpsalm anknüpfend, schilderte der Redner, welche Berttefung und Verinnerlichung der Freiheits- und Friedensbegrlff bet den Juden erfährt durch die Erkennts.it, daß äußere Freiheit nicht der Güter letztes und höchstes fei. Wie Israel diesen ,11'22'Teist auch im Golus zu betätigen verstand, lehren uns gerade die erinnerungsreichen Omertage, die uns tm Geiste an die Gräber unserer großen Ahnen führen, die mit ihrem Herzblute den Bund Israels mit seinem Gotte befiegett hohen. Den wahren idealen vermag nur Gott zu spenden — der Gottesaedantt, der die Völker und Menschen im Sinne der FrieüenSverheißungen unserer Propheten in Liebe einen wird. Und darum sei eS besonders des Juden vornehmste Pflicht, zu seinem und der Völker Heil durch Pflege und praktische Betätigung des Thoratdeals solchergestalt an der Friedensarbett der Menschheit mitzuwtrken. In ein tiefempfundenes Gebet sür Kaiser und Reich klang dann die Predigt aus, an die stch noch rin Chorgesang anschloß. Kippenheim, 27. April. Die Predigt die unser Beztrksrabbimr auS Offenburg amri2tt? in Sippenhetm hielt, verdientauch wetteren Kreisen bekannt gegeben zu werben. Sie hatte kurz etwa folgenden Inhalt: , „Die Natur ist ewig die gleiche, die Jahreszeiten folgen stch in stets gleicher Reihenfolge. So auch die Religion. Auch fie, d. h. ihr Inhalt, ist ewig und unveränderlich für uns, aber auch fie hat gleichsam ih.e Jahreszeiten, ihre Formen find dem Zeitgeist unterworfen. Unsere Thora redet zu dem Menschen in sanften, milden Worten, darum verlangt fie von ihm nur daS, was er leicht erfüllen kann. (Also kein Opfer persönlichen Mutes oder Verzicht auf irdische Vergnügen? Anmerk, des Einsenders.) Nun ist vorige Woche ein Vorkommnis innerhalb der badischen Judenhrit zu verzeichnen, daS ihr nicht zum Ruhme gereicht. Ein badisches Synodalmitglted har in fanatischer Weise gegen alle jene Richtungen die heftigsten Angriffe gerichtet, die nicht auf dem Standpunkt der strengsten Orthodoxie stehen. Das t,t aufs tiefste zu beklagen und ein V6T[ tm traurigsten Sinne des Worts. Welche Intoleranz! Die Orthodoxie ist zu starr für die heutige Zet. Vergleich mit dm toten Gebeinen, die JecheSkel auf einem Felde vor fand, von denm Gott ihm sagte, daß fie nur ourch seinm Geist ft». 19 «rite 7 ' wieder belebt werdm könnten. Ebenso der Geist der Neuzeit bezüglich der toten Formen ber Orthodoxie!! Quinteff.nz der Rede *-QP rittä min 1121 — aber nur in diesem Geiste der Neuzeit!!" Die obige Rede hat bet den Zuhörern allseitig den schärfsten, allerdings stummen Protest hervorgerufen und dies aus ganz verschiedenen Gründm: 1. ist die Gemeinde Sippenhetm durchaus nicht der Platz, wo eine derart hhperneologe Predigt angebracht ist, und nur der Anstand hielt manchen Zuhörer davon ab, die Synagoge zu verlassen - 2 wurde es allgemein verurteilt, daß ein Geistlicher persönliche Angriffe von der Kanzel herab unternahm und von dieser aus eine politischreligiöse Rede hielt, die natürlich unerwidert bleiben mutz. Man mag über die Rede des Abgeordneten Dr. Simon denken wie man will — eine Kritik derselben von der Kanzel ist entschieden zu verurteilen, um so mehr, als dieser Kritiker selbst Synodalmitglted ist und Gelegenheit hatte, seine Ansicht an zuständiger Stelle vorzubringen. Bon großein Interesse dürfte es fein, die eben kurz erwähnten Ausführungen zu vergleichen mit früherm Predigten des nämlichen Rabbiners! Wie oft hat er gerade amJ?1TH fOÜ von derselben Stelle auS streng orthodoxe Mahnungen an feine Zuhörer gerichtet! Wie oft hat er fie ermahnt, daS Chomez nicht nur aus ihren Häusern, sondern auch auS ihrem Herzen zu entfernen! Wie oft ist er sehr warm für steng orthodoxe Erziehung der Jugend eingetreten! Und nun dieser Wandel? Hierfür gibt eS nur eine Erklärung und diese dürfte darin zu suchen fein, daß rin Bezirksrabbiner in liberaler Stadt- und orthodoxen Landg metnden eine Zwitterstellung etnnimmt. Der Herr Rabbiner hat eS bisher stets verstanden, seine Worte dem Geschmack und der religiösen Richtung ‘ leinet jeweiligen Zuhörer anzupassen. Diesmal scheint ihm ein . unliebsames Versehen unterlaufen zu feiner scheint stch in der Adreffe geirrt zu haben. Diese Predigt dürfte für seine eigene Gemeinde Offenburg für Pessach bestimmt gewesen sein, was schon daraus zu schließen, daß das Gleichnis erst in der Haftoroh von Pessach enthalten ist. DaS Interessanteste ist wohl, daß der Herr Bezirksrabbtner es ferttg gebracht hat, seine Predigt auf dem Text: '12V .1VI2 NIM 7121 aufzubauen, Worte, die nur eine Deutung zulasten!! Die unS von MofeS überlieferte Lehre ist etwas ganz anderes als die vom Herrn Rabbiner verlangte Verinnerlichung und Veredlung oer jüdischen Religion und wenn seine Hörer bereit find, den Text brr Predigt zu beherzigen, so find fie trotzdem weit davon entfernt, sich auch mit ihrem Inhalt einverstanden zu erklärm. Königsberg, 5. Mai. Die Religtonsschule der Gemeinde Adaß Jtsoel in Königsberg i. Pr. versmdet ihren Bericht über das Schuljahr 1910/11. Im Lehrerkollegium tratm folgende Veränderungen ein: Nachdem der bisherige Leiter der Schule, Herr Rabb. Dr. A. Liebermann, einer Berufung nach Berlin gefolgt war, übernahm Herr Rabbiner Dr. Wostlgemuth Anfang Dezember 1910 die Leitung ber Schule und gehören außerdem dem Lehrerkollegium an: Herr H. WolkowSk, und die Damen Minna Keilson und Rosa Marx. Als Schullokal dienten für alle Unterrichtsstunden die Räume ber II. Mädchenschule in der Turnerstraße, die vom Magistrate in liebenswürdiger Weise zu dem Zwecke überlassen wurden. Die Frequenz der Schule betrug 123 (66 Knaben, 47 Mädchm, 10 Teilnehmer an den Fortbildungskursen). Der Lehrplan war im allgemeinen derselbe wie im Borjahre. Metz, 27. April. Bon einer in ihrer Art wohl einzig dastehende Peffachfeier ist von Metz zu berichten. In dem von der Lothringer Loge inS Sebm gerufene MtlttSrhetm, wo vorigrsJahr schon einSederabend abgehaltm wurde, find für die Mannschaften jüdischen Glaubenzwei herrliche Srderabende arrangiert worden. Einen etgmen Reiz gewannm diese Abende dadurch, daß stch zu den vierzig Soldaten etwa ebensovtele Ziv lper sonen gesellt hatttn. Auch die auswärtige Jugmd fehlte nicht, auf welche diese Feier ganz bei anderen Eindruck gemacht hat. Fleißige Hände hatten kunst- und stilgerecht die Sederabmde gerichtet und nach vorschriftsmäßig verlesener Hagadah wurde in angeregter Stimmung daS Festmahl eingenommen. Nach emer die Bedeutung deS Auszuges aus Aegypten und der Wüftenwanderung für dm fittttchm Fortschritt deS jüdischen Bolkes erläuternden Rede des Herrn Theodor Goldschmidt wurde das Tischgebet angesttmmt und bann ber Seber zum Abschluß gebracht. Dresden, 26. April. Die verstorbene Witwe Therese Pick in Dresden hat der I S r a e l i t t s ch e n ReltgtonSgemetnde und mehrermjüdtschmWohl« tättgketrövereinen Legate tm Gesamtbeträge von 18933,52 Mark auSgesetzt. Dukla, 26. April. Da unsere altehrwürdige Synagoge dem Verfalle rntgegengehr, hat sich ein Komitee geviide., daS stch zur Aufgabe grstcllt hat, die Synagoge zu renovieren und zu restaurieren. Leider aber fehlt eS an dem nötigen Gelbe. Unser Städtchen, vor Jahren einer ber wichtigsten Handelsplätze, ist jetzt verarmt und kann die hohen Kosten der Wiederherstellung der Synagoge, man spricht von 12—15000 Mark, nicht aufbringen. ES ist aber zu Yoffm, daß ein vom Vorstande erlaffmer Auftu s den nötigen Erfolg bringm wird. Schwerte, 25. April. Dem israelitischen Lehrer Mmdel Heilbrunn in Schwerte ist auf Widerruf die ..„-v ..

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