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Der Israelit · 1911-05-04 · Heft 18 (4.5.1911) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 18 (4.5.1911)
Date
1911-05-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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TMMFiWW WM»L iMWWW [»itttnrAad) Var Zadrdacb der ISSired- Citf«rari$cben Serelircdatt 1909—5670. Bon Prof. Dr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. UI. Die folgende Arbeit soll nur eine Einleitung zu einer kritischen Ausgabe des Sendschreibens Schertras sein, aber sie ist mehr, sie kann als eine selbständige wertvolle wtfsenschaftltche Abhandlung gelten, ohne Rücksicht auf das Werk, dem sie als ein einleitendes Wort dienen soll. — Bon dem Scherira-Sendschreiben existieren 5 Ausgaben, die B. Lewin, der Berfaffer der vorliegenden Arbeit, sorgfältig mit sechs Handschriften außer einem Geniza-Fragment verglichen hat, und er ist zu ganz außerordentlichen Resultaten gelangt, die von der angekündigten neuen, auf diesen Forschungen beruhenden Ausgabe des Sendschreibens, die bereits unter der Presse ist, viel erwarten läßt. — Was nun die vorliegende Einleitung betrifft, so behandelt der Berfaffer folgende Punkte: 1- Namen, 2. Inhalt, 3. Beranlaffung, 4. Editionen, 5. Manuskripte. Sind auch alle diese Punkte gleichmäßig interessant behandelt, so fesseln uns doch' besonders die letzten zwei. Hier laßt uns der Verfasser in die Werkstatt seines Schaffens blicken, hier werden wir aufgeklärt, wieso die bisherigen Editionen an so großen Mängeln und irreführenden Angaben leiden. Da sind Buchstaben miteinander verwechselt worden, wodurch mancher Wirrwarr, namentlich in der Feststellung der Daten entstanden ist. Manche besondere Art der Schreibung und Zeichensetzung ist von den Herausgebern nicht richtig verstanden worden, und es ist interessant zu sehen, wie der Verfasser es versteht, der Ursache eines Fehlers auf die Spür zu kommen. Die treffliche Arbeit, die sich uns hier darstellt, verspricht eine gründliche und die längst erwartete richtige Ausabe des Scherira-Sendschreibens. Wie sehr es ier im Argen liegt, ist bekannt. Erst in jüngerer Zeit hat Halevy in seinem „Doroth Harischonim" oft genug Gelegenheit gehabt, auf die Mangelhaftigkeit unserer Scherira-Ausgaben hinzuweisen, eine Mangelhaftigkeit, die besonders bei den Daten auffällt und stört und die größten Widersinnigkeiten herbeiführt. Wie sehr eine gute und gewissenhaft besorgte Ausgabe hier not tut, ist bekanntist doch das Sendschreiben die einzige brauchbare historische Quelle für die Zeit der Gaonim, und darum ist es mit Freuden zu begrüßen, daß Herr Lewin uns für die nächste Zeit eine kritisch gearbeitete Ausgabe des Sendschreibens in Aussicht stellt. Der vorliegende Artikel des Jahrbuches, der auch als Sonderausgabe erschienen ist, bürgt uns dafür, daß wir etwas Gediegenes erwarten dürfen. Ein recht lesenswerter und belehrender Beitrag ist der Aufsatz „Wieviele Bethel gab es?" von Dr. L. Grünhut (Jerusalem). Es wird hier der Nachweis geführt, daß es zwei Bethel gibt, das eine, das wir schon bei Abraham finden, das andere ursprüngliche Luz, dem Jakob den Namen gab. Indem man diese zwei oft identifizierte, ergaben sich Widersprüche, die unlösbar schienen,' die durch Belege erhärteten Nachweise Grünhuts von der Existenz dieser beiden Bethel lösen die Widersprüche in einleuchtender Weise. Der Berfaffer kommt zu dem Resultat, daß die Stadt, die schlechtweg Bethel genannt wird, dem benjaminitischen und Bethel- Luz dem ephraimitischen Gebiete angehörte. Daß Bethel nicht, wie die meisten Palästinaforscher meinen, mit Bethaven zusammenzustellen, sondern wie Baedeker annimmt, mit Betin identisch sei, wird aus den geographischen Bestimmungen, die aus dem Buch Josua sich ergeben, nachgewiesen. Ein kleine Skizze macht uns die Auseinandersetzungen des Verfassers anschaulich. Mit „Kritischen Bemerkungen zur talmubischen Literatur" erfreut unS Dr. D. Hofsmann. Die Berechtigung zur Anwendung der kritischen Methode zur Erklärung schwieriger Stellen in Mischna, Tosesta und Talmud erweist der Berfaffer an einigen schlagenden Beispielen, um diesen noch weitere Untersuchungen anzufügen. So ist z. B. die Frage in Chulin 43a nawta DnDD ro'jn gar nicht zu verstehen, wenn man nicht annimmt, daß die ursprüngliche Lesart tfjnw gelautet habe und .rra erst später nach der Halacha htneinkorrigiert wurde. Me solche Korrekturen in die Mischna gekommen sind, weist H. in interessanter Weise an einem Beispiele unter Nr. 3 nach. Nun kommt es auch vor, daß Zusätze einer Tosesta oder einer anderen Boraitha in die Mischna eingedrungen sind. Schon Rambam und Rischonim haben manche Stellen in der Mischna als Zusätze erkannt/ und so weiß auch der Verfasser manche Schwierigkeiten zu lösen, indem er derartige Zusätze nachweist, die dem Talmud nicht können in anderer Lesart Vorgelegen haben. 17 Nummern find es, die der Berfaffer ausführlich bespricht und so Licht über manche Dunkelheiten verbreitet und Schwierigkeiten löst. Eine besondere Besprechung widmet er den 'HIDn mono, die er zum Teil als wohl vorbedachte Auslassungen nachweist, die Rabbi Jehuda bei nochmaliger Durchsicht der Mischna vorgenommen, und die er dann in die Tosesta eingereiht habe, wie napn'D schon bemerkt. Außer andern Gründen könne eine von dem Redakteur der Mischna abweichende Anffaffung die Veranlassung gewesen sein, eine Lücke konstatieren zu müffen. Nach diesen Vorbemerkungen glaubt H. annehmen zu können, daß Chulin, achter Perek, eine Stelle entstrnt worden sei, die in die Tosesta ausgenommen wurde. Auffallender Weise fehlt hier das arm, das sich sowohl in den vorhergehenden drei, wie auch;n den folgenden drei Abschnitten vorfinde. Nebenbei bemerkt: 8. und 9. Perek bildeten ursprünglich wohl einen Abschnitt, wie aus der Tosesta hervorgeht, nichtsdestoweniger ist der Nachweis eines Zusammenhangs dieser in unfern Ausgaben als zwei Abschnitte gellenden Teile, wie H. ihn aufstellt, dankenswert. Warum aber sollte R. Jehuda den Passus '131 arm aus der Mischna entfernt und in der Tosesta ausgenommen haben? H. meint, das ama hätte bei dem Leser die Vermutung können aufkommen lassen, daß alles aVrQ isn unter den arwttn iw'tr falle, was doch bei my nicht der Fall sei, darum sei der Ausdruck *nD*t gewählt worden, weil unter diesen auch fWH verstanden sein könne. Diese Erklärung will mir nicht einleuchten. Ist dieses Mißverständnis möglich, so dürfte auch in der Tosesta einem solchen nicht Raum gegeben werden. Es scheint, daß nicht das Fehlen deS Passus in der Mischna das Auffallende ist, wie auch auS dem ]/Jw\ hervorzugehen scheint — eine Erklärung die auf den Unterschied des n"3"2 HD'K den anderen Fällen gegenüber beruht und die noch erweitert werden könnte — sondern die Einreihung desselben in die Tosesta, so daß die Annahme nicht fern liegt, die Hand eines Harmonisten habe hier gewaltet. Was hier bemerkt wurde, trifft aber nicht den Kern der Arbeit, der Berfaffer selbst hat diesen Punkt dadurch schon als einen nebensächlichen gekennzeichnet, daß er seine Bemerkung in eine Fußnote verwiesen. Die kritische Behandlung der einzelnen Nummern, die durch Heranziehung von Toseftas und Boraiihas und besonders durch Vergleichung mit den Varianten verschiedener Talmudausgaben und verschiedener Lesarten, wie fie sich bei den Erklärern finden, ihre Gründlichkeit dartut und sich von magern Hypothesen fernhält, ist das unverlierbar Wertvolle, das uns die vorliegende Abhandlung darbietet. Es läßt sich dies auf engem Raume nicht durch einzelnes anschaulich darstellenwer diese Abhandlung nicht nur liest, sondern studiert, wird sich reichlich belohnt fühlen. (Schluß folgt.)

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