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Der Israelit · 1911-05-04 · Heft 18 (4.5.1911) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 18 (4.5.1911)
Date
1911-05-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Ebenso ist es mir bekannt geworden, daß die Palästinaverwaltung in so anerkennenswerter Weise eingegriffen hat, um dem dringendsten Bedürfnis abzuhelfen und sich dadurch Anspruch auf den Dank von vielen hunderten in ihrer Existenz bedrohten Personen erworben hat. Soweit ich die Lage übersehe, wird aber noch mehr getan werden müssen, damit wieder geordnete Zustände herbeigeführt werden. Ich habe daher aus Gründen der Humanität und weil die Palästinaverwaltung, welche ihren Sitz in Deutschland hat, mir geeignet und willig erscheint, weitere Hilfe zu leisten, Ihren Vertreter bei dem hiesigen Gouverneur eingeführt, damit auch dieser sich für die Hilfsaktion interessierees handelt sich nach meiner Ansicht darum, Maßregeln zu ergreifen zur Linderung der augenblicklich dringenden Not, von welcher ca. 700 Greise betroffen sind, sowie eine Anzahl von Familien, die bisher in hiesigen Talmudschulen ihren Lebensunterhalt hatten, und ich hoffe, daß der Hilferuf, den die Deutsche Palästinaverwaltung hat ergehen lasten, überall entsprechenden Widerhall finden wird. Der Kaiserliche Generalkonsul, (gez.) Schmidt." Weitere Spenden nehmen die Bureaux der Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung in Frankfurt a. M. (Schützenstr. 14) und Berlin (Heidereutergaffe 4), sowie das Frankfurter Hilfs- Komitee für die notleidenden Brüder im Auslande (Kassierer Dr. Israel Roos, Schöne Aussicht 5) entgegen. Arankfurt a. M, 28. April. In einer gut besuchten Versammlung, die vom „Verband der Deutschen Juden" und dem „Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in den Kaufmännischen Veretnssaal etnberufen war, wurde gestern Abend, wie vorher schon in anderen Städten, die „Zurücksetzung der Juden im Heer" behandelt. Der Vorsitzende, Herr Dr. Max Mainzer, hob hervor, daß unter den mannigfachen Zurücksetzungen der jüdischen Staatsbürger ihre Behandlung im Heer eine besondere Bedeutung habe, weil sie eine überaus große Anzahl treffe und weil bet dem Ansehen des Heeres diese Behandlung richtunggebend auch für das bürgerliche Leben sei. Darauf ergriff Herr Justizrat Dr. Breslauer das Wort zu seinem Referate. „Seit dem Jahre 1879 — so führte der Redner u. a. aus — sei in Preußen kein Jude mehr zum Reserveoffizier ernannt worden. Alle hierfür gegebenen Gründe seien haltlos. In anderen zivtlisterten Staaten befinden sich Juden tm OifizierskorpS. In Oesterreich, in Italien, in Frankreich, in England ne.mm sie hervorragende Stellungen rin. Selbst in Rußland gab und gibt eS jüdische Offiziere und Militärärzte. Auch in P r e u ß e n hat man vor 1879 niemals behauptet, daß fie ungeeignet zum Heeresdienst seien. Aus den Befreiungskriegen find eine Anzahl von ihnen alS Offiziere zurückgekehrt. Der erste Soldat, den das Eiserne Kreuz geschmückt, war ein Jude namens Günzberg. 1864, 1866, 1870 hat eine große Anzahl von ihnen mtrgefochten und tm OffizlerSdtenst fich ausgezeichnet. Die Ausschließung der Juden aus dem Offizierskorps datiere, vom Jahre 18 7 9, da der Antisemitismus MS Leben trat." Der Redner schilderte die ungesetzliche Art und Weise, wie die systematische Ausschließung der Juden vor sich geht und sagt ferner: „Es gibt eine Anzahl von aktiven Offizieren, denen dieses Verhalten zuwider istsie wollen nicht genötigt sein, unwahre ober halbwahre Auskünfte über die Leistung beS Der AöraEt. »SWi Aspiranten zu machen. ES widerspricht ihrrr geraden Mannesart, wenn fie fich um eine Erklärung herumdrücken müffen, und so ist denn manchem Aspiranten teils mit klaren Worten, teils verblümt, mttgetetlt worden, daß er bas Ziel nur um seines Glaubens willen nicht erreichen könne." No. 18 Seite 7 Juden leiten. in Elsaß - Lothringen in die Wege zu Gestenreich. Der Redner kritisiert das Verhalten des Kriegsministers in dieser Sache, welcher tm Gegensätze zu seinem Vorgänger, Herrn v. Einem, angeblich wenig geneigt sei das Nebel abzustellen, und fordert die jüdischen Bürger auf, in ihrem Kampfe um Erlangung der Gleichberechtigung nicht nachzulaffen. Jeder Jude habe seiner Militärpflicht zu genügen, jeder habe sich hierbei auf das äußerste anzustrengen, um den allerstrengsten Anforderungen gerecht zu werdenjede unbegründete Zurückweisung möge man aber dem Verband der deutschen Juden mittellen, der jeden einzelnen Fall einer eingehenden Prüfung unterziehen und in den geeigneten Fällen die Beschwerden bis zur obersten Instanz führen wird. Nach ergänzenden und in der Form noch schärferen Ausführungen des Herrn Rechtsanwalts Dr. Löwenthal wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Jm Gegensatz zu der Hebung aller anderen zivilisierten Großstaaten werden ' innerhalb des preußischen Heeres die Soldaten jüdischen Glaubens bei der Befördederung hinter den Bekennern christlicher Religion und hinter den christlichen Söhnen jüdischer Eltern fortdauernd zurückgesetzt. Die Versammlung erhebt Widerspruch gegen diesen verfaffungs- und gesetzwidrigen Zustand und spricht die Erwartung aus, daß es den maßgebenden Stellen gelingen wird, diese beschämende und niederdrückende Ungerechtigkeit zu beseitigen und das Gesetz zur Durchführung zu bringen." KSt« 1. Mai. Am 27. und 28. April d. I. fanden in den Räumen des hiesigen Zionistischen Zentralbnreaus Sitzungen des Engeren und des Großen Aktions-Komitees der zionistischen Organisation statt, ferner eine Direktoriumssitzung und Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds, eine Aufsichtsratsitzung der Jüdischen Kolonialbank und Generalversammlung der Anglo-Palestine Company und der Ang lo-Levantine Ba nking Company. Ca. 25 Herren aus verschiedenen Ländern nahmen an den Verhandlungen teil. Einen Hauptteil der Beratungen des Aktions- Komitees bildete die Besprechung der Lage des Zionismus in der Türkei im Anschluß an die jüngsten zionistischen Debatten in der türkischen Kammer. Mit Bezug hierauf gelangte eine Resolution zur Annahme, in der ausgesprochen wird, daß die in der letzten Zeit gegen den Zionismus erhobenen Anklagen nur auf einer mangelhaften Kenntnis des wahren Charakters des Zionismus und auf einer unrichtigen Auffaffung seiner Bestrebungen und seiner Ziele beruhten, und daß die zionistischen Bestrebungen in vollem Einklang mit den Interessen des ottomanischen Reiches stehen. In der Direktoriumssitzung des Jüdischen Nationalfonds wurden einige Beschlüsse betreffend eine Häuserbaugesellschaft in Jaffa, Neubauten an den Bezalelgebäuden in Jerusalem und in der Filigranerarbeiterkolonie Ben- Schamen, die Einrichtung einer landwirtschaftlichen Schule bei Lydda, Verträge mit der Stedlungsgesellschaft „Erez Israel" (Oppenheimersche Stedlungsgesellschaft) usw. gefaßt. Straßvurg, 30. April. Wie das „Jüdische Blatt" meldet, hat Herr Oberrabbiner Ury in seiner Peffach-Predigt mitgeteilt, daß man den längere Zeit in Erwägung gezogenen Anschluß an die Zentral-Organtsation'für Wanderarmenfürsorge in Berlin nunmehr aufgegeben habe. Es handle fich jetzt nur noch darum, die verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten in Straßburg zu zentralisieren und womöglich eine Armenfürsorge für die IuSerienesse. «LemVerg, 25. April. Gestern sind in Karow bei Uhnowantisemitiscbe Exzesse ausgebrochen die stark an die russischen Pogrome erinnern. ES wurden Juden verwundet, darunter vier lebensgefährlich. Militär und Gendarmerie mußten einschreiten. Die Anstifter scheinen moskalopbtle (russischgesinnte) ruthenische Bauern zu sein. AuS Lemberg ist ein Beamter der Statthalterei nach Karow dirigiert worden, um die Untersuchung zu leiten. Karow ist ein Dorf von etwa 15000 Einwohnern, unter denen sich 47 Juden befinden. Es liegt im Gerichtsbezirk Uhnow, Bezirkshauptmannschaft Rawa Ruska. In Uhnow haben vor 8 Jahren ebenfalls Ausschreitungen ruthentscher Bauern gegen die Juden stattgefundeu, die erst durch Einschreiten des Militärs unterdrückt werden konnten. Es wurde damals ein Mann namens Jchel Klein erschlagen, zwei Personen sehr schwer verwundet. Wie in später Stunde aus Karow mitgeteilt wird, wurde dort die Ruhe wieder hergestellt. Es wurden 29 Rädelsführer verhaftet. Die Mtlitärassistenz ist bereits abgerückt. Für alle Fälle ist ein starker Gendamerieposten in Karow zurückgelaffen worden. * * * Ueber die Ursachen und den Verlauf der Judenexzesse in Karow entnehmen wir dem polnischen Blatte „Wiek Nowy" noch folgendes: In der Ortschaft Karow stehen sich seit längerer Zeit zwei ruthenische Parteien feindlich gegenüber. Die letzten Exzesse find jedoch nicht auf diese Gegensätze, sondern auf. den durch die Ofterstimmung genährten Haß gegen die Juden der Umgebung zurückzuführen. Schon vor einigen Tagen wurde eine Jüdin mißhandelt, die den Verletzungen erlegen ist. Sodann hatten die Bauern, unter denen die Affentpfiichtigen eine besondere Rauflust bekundeten, an zwei Juden ihr Mütchen gekühlt. Schließlich wurden am Sonntag zwei jüdische Fleischhauer aus Uhnow überfallen, geschlagen und ihrer aus 30 Kr. bestehenden Barschaft beraubt. In Uhnow, wo im Jahre 1902 anläßlich eines Brandes schwere Ausschreitungen gegen die jüdische Einwohnerschaft stattgefunden hatten, riefen die Karower Borkommniffe unter der jüdischen Bevölkerung große Beunruhigung hervor. Gendarmen wurden sofort nach Karow entsendet. Die durch Trompetenschall allarmierten Bauern stellten sich aber den Gendarmen drohend gegenüber und bewarfen, sie mit Steinen, wobei sie trotzig erklärten, daß sie die Inhaftnahme der Rädelsführer unter keinen Umständen zulaffen werden. Es kam zu tumultarischen Szenen. Als die Menge des vorüberfahrenden Rabbiners Roka ch ansichtig wurde, begann sie erst recht zu exzedieren. Der Rabbiner wurde vom Wagen gezerrt, sein Wagenlenker fiel unter den Schlägen der Bauern besinnungslos zu Boden. Die Exzedenten stoben nun, da sie den Mann getötet zu haben glaubten, auseinander. Unter Intervention des Militärs wurden 23 Exzedenten, darunter 8 Affentpflichttge, festgenommen. In Uhnow zeigten sich infolge dieser Boränge die Ruthenen sehr erregt. Gerade jetzt alten sich dort 2 ukrainische Studenten auf, die sich im Lemberger Prozeß wegen der Universitätsunruhen als Angeklagte zu verantworten haben und nun gegen die Juden Hetzen. Der Bezirkshauptmann von Rawa-Ruska und der von der Statthalterei entsendete Hosrat Z imny bemühten fich, die Bevölkerung von Uhnow zu beruhigen. Es wurden auch Borkeyrungen getroffen, um eine Wiederholung der Exzesse zu verhindern. (Siehe auch Wochenrundschau.)

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