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Der Israelit · 1911-05-04 · Heft 18 (4.5.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 18 (4.5.1911)
Date
1911-05-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sette 8. Rr. 18 Der J-raeltt. _ _ 4. Mat 1911 üermi$cbte$. Rutzlarrd. Der Rnfrag 9er IDehrhommiffion. ^ketersöurg, 30. April. Wie raffiniert der Echtrussische Verband an sein Werk geht und seine Aktionen zur rechten Zeit zu entwickeln weiß, hat er mit seinem Anträge auf Ausschließung der Juden aus dem Heere bewiesen. Gerade jetzt, da Erweiterung der jüdischen Rechte auf der Tagesordnung der Duma steht, tritt das Gespenst dieses Militär-Antrages auf, um die Kämpfer zu entmutigen und auch die leisen Hoffnungen, die man auf die Rayon-Vorlage gesetzt hat, zu zerstören. Man will der jüdischen Rechtlosigkeit einen festen Boden sichern, damit sie fortdauere, und ein befferes Mittel dazu, als es der Militär-Antrag ist, hätte wahrlich nicht erdacht werden können. Solche fromme Wünsche haben sich in den echtrussischen Kreisen auch früher schon oft geltend gemacht. Diesmal erhält aber die Sache dadurch einen recht ernsten Charakter, daß es sich hier um den Beschluß einer Kommission handelt, die von der Duma am 13. April zur Prüfung der Frage eingesetzt wurde. Man sieht, daß die Duma diese Frage für diskutabel hält, und ist es daher auch gar nicht ausgeschlossen, daß sich in ihr eine Mehrheit für den Antrag findet. Damit wäre natürlich das Grab des Rayon-Antrages sowie aller anderen Anträge auf Erweiterung der Judenrechte für absehbare Zeit gesichert. Man begreift es denn auch, daß sich in den jüdischen Kreisen eine fieberhafte Tätigkeit entfaltet, um mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dem Antrag der Wehrkommission entgegenzuarbeiten. Es gilt vor allem, statistisches Material anzuführen, welches klar und deutlich beweist, daß die Juden viel mehr Soldaten stellen, als von ihnen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung verlangt werden könnte. Es steht fest, daß im Gouvernement Kowno, welches ganz besonders von den Antisemiten als Beispiel für die Unwilligkeit der Juden, Militärdienste zu leisten, hcrangezogen wird, 28,23 Prozent jüdische Soldaten ausgehoben werden, wahrend ihr Prozentsatz zur Gesamtbevölkerung in dieser Provinz nur 13,25 Prozent beträgt. In den anderen Provinzen sind die Zahlen für die Juden noch weit günstiger. Wie man hört, soll auch ein Protest der Rabbiner Rußlands gegen den beschämenden und ganz unbegründeten Versuch, die Juden vom Heere auszuschließen, eingereicht werden. Besondere Bedeutung verdient eine Protestkundgebung, die die jüdische Gemeinde Kursk an den Dumadeputierten dieser Stadt, der der Nationalisten - Partei angehört, gerichtet. Sie lautet: „Wir find überzeugt, daß die Mitglieder der Kommission durch die Verleumdungen auf die jüdischen Soldaten irregeführt wurden. Jeder treue Untertan ist verpflichtet, die, schädlichen Elemente von Her A mee fernzut alten. Aber eS ist die Frage, ob die Juden ein solches schädliches Element bilden. Wo find die Tatsachen, die Beweise für eine solche Behauptung? Anstatt Tatsachen sehen wir nur Verleunidungen. Haben die Juden nicht zusammen mit den Christen für Kaiser und Vaterland gekämpft? Sind etwa nicht genug Juden auf den Schlachtfeldern gefallen? Haben nicht Juden genug mll tärische Auszcihnungen erhalten? Mit unserem verletzten patriotischen Gefühle protestieren wir gegen die Verleumdungen und den Schimpf, der gegen uns geplant wird. Wir können nicht schweigen, wenn man die Abficht kundgtbt, für uns Juden den Militärdienst durch eine Milttärsteuer zu ersetzen, denn es ist Pflicht eines jeden, das Vaterland zu verteidigen, und die Juden haben stets dem Baterlande und dem Staate gegenüber ihre Pflicht erfüllt." Diese Kundgebung trägt die Unterschrift von 136. KurSker Juden, durchwegs Söhne und Enkel von jenen heldenmütigen „Nikolajewer" Soldaten, die wegen ihrer Tapferkeit und ihres Opfermutes die volle Freizügigkeit in ganz Rußland erhalten hatten. - Bedauerlich ist es nur, daß die jüdischen Kämpfer jetzt nach so verschiedenen Fronten kämpfen müssen, daß es ihnen kaum möglich sein dürfte, die ganze Kampflinie klar zu übersehen und auch nur nach einer Seite einen Sieg zu erringen. Und doch lautet der beherzigenswerte von Ihnen in letzter Nummer wiedergegebene Mahnruf der jüdischen Abgeordneten: Verzweifelt ni cht! England. London, 1. Mai. Sie haben mit Recht in voriger Nummer die schöne Rede des Ministers Chüchill hervorgehoben, mit der er das von der Regierung eingebrachte neue Fremdengesetz begleitet Hai. Es waren gewiß Worte, die man in anderen Parlamenten in bezug auf Juden und zumal fremde Juden nicht oft zu hören bekommt. Daß aber die Regierung es hier verstanden hätte, die Maßregeln zu ihrem Schutze frei von jeder Härte gegen die Fremden zu ergreifen, ist doch eine etwas zu optimistische Auffassung der Angelegenheit. In Wahrheit ist und bleibt auch die neue „Alien-Brll" trotz allen Beschönigungen und trotz allen stolzen Worten über das von England den Schutzsuchenden von jeher gebotene Asylrecht ein Ausnahmegesetz gegen die jüdischen Emigrantenes wurde auch als solches von der hiesigen jüdischen wie auch von einem großen Teil der politischen wirklich liberalen Presse auf den ersten Augenblick erkannt und mit aller Entschiedenheit bekämpft. Schon der Umstand, daß man fortwährend von fremden Verbrechern spricht und eine imaginäre Fremdeninvasion zum Untergründe eines Gesetzes nimmt, das doch angeblich nur dazu dienen soll, die Verbrecher überhaupt wirksamer zu bewachen und zu verhindern, beweist, daß hier die von Ihnen ganz richtig gezeichneten judenfeindltchen Einwanderungsgegner die Hand mit im Spiele haben. Ein Passus des neuen Gesetzes bestimmt, daß von jedem verdächtigen Einwanderer während der,ersten fünf Jahre seines Aufenthaltes in England ein Führungsattest verlangt werden soll, respektive eine fünfjährige Garantie für gute Lebensführung, und nach einem Zusatzantrag des Mr. Goldtng sollen sogar Fremdenlisten geführt werden, durch die jeder Fremde gewissermaßen unter Polizeiaufsicht gestellt wird. Man weiß aber aus Erfahrung, daß das Wort „verdächtig" ein weit dehnbarer Begriff ist und verschiedentlich kommentiert werden kann. Zu den gern gesehenen Gästen haben freilich die armen brotsuchenden Einwanderer nie gehört, und so können sie in vielen Fällen der Polizei „verdächtig" erscheinen, auch wenn sie, nach dem Zeugnisse des Ministers, „friedlich, arbeitssam und gesetzesgehorsam" ihrem Erwerbe nachgehen wollen. Es ist aber auch klar, daß einem Fremden im Lande, auch wenn er zu den anständigsten gehört, nicht so leicht fallen dürfte, den erwünschten Garantieschein von irgend jemand zu erlangen. So stellt sich auch das neue Gesetz, das mitsamt der besagten Zusatzbestimmung die beste Aussicht auf Erfolg hat, als drakonische Maßregel gegen die Emwanderung und speziell gegen die jüdische Einwanderung dar. Amerika. Wewyork, 20. April. Die Zentralisationsbewegung, die mit der Gründung der „Kehillah" eingesetzt hat, macht Forts i ritte. In Philadelphia ist in einer am 22. April stattgehabten Versammlung die Grundlage für eine Kehillah für Philadelphia gelegt worden. Aehnliche Bestrebungen sind in Boston, Rochefter, St. Louis und Newark entstanden. Interessant ist, daß die Führer des Reformjudentums diese Bewegung bekämpfen, weil sie fürchten', daß bei demokratischer Organisation die orthodoxen osteuropäischen Elemente sowie die Zionisten allzu starken Einfluß auf die Leitung der Kehillah erlangen werden. Leider muß man diese Befürchtung als stark übertrieben bezeichnen, schon deshalb,' weil genau wie in Europa der maßgebende Einfluß schließlich doch bei den Finanzgrößen liegen wird, die weder orthodox noch zionistisch gesinnt sind. Frankfurt a. M , 3. Mai. Wie uns der Vorstand der Shnagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft mitteilt, flndet anläßlich der 40. Wiederkehr des Gedenktages des Friedens zu Frankfurt a m 10. M a i ö. I S, a ö e n ö s 6 % Uhr in der Gemetndesynagoge Friedberger Anlage eine gottesdienstliche Feier mit Festpredigt statt. Frankfurt a. M.. 30. April. Wie alljährlich hat sich auch dieses Jahr Herr Laffar L e w i s o h n von hier um die rituelle Beköstigung der in Kiel stationierten jüdischen Marinesoldaten während des Pefsachfestestes verdient gemacht. Herr Ludwig L e w i s o h N, der im Sinne seines Vaters dieses Jahr die Unterstützung leitete, erhielt ein sehr Herzliche? Dankschreiben, in dem der Obermatrose Holländer im Namen seiner 15 Kameraden hervorhebt, daß die jüdischen Marinesoldaten um so freudiger und pflichteifriger ihren schweren Dienst versehen, wenn ihnen auf diese Weise ermöglicht wird, die Feste bet ritueller Kost unter Juden zu verleben. Im ganzen waren es nach dem Berichte des Herrn Lehrer K a tz in Kiel 20 Mann, die am Pessach dieses Jahres bewirtet werden konnt-n - 16 gehörten der Kaiser!. Marine an, darunter 1 Obermatrose, i Maar, 11 Matrosen, 2 Heizer, 1Signalgast,von denen 5 aus Bayern, 7 aus Prov. Posen, 2 aus Berlin, je 1 aus Stuttgart und Mannheim herstammen, außerdem beteiligten sich an der Feier 3 Infanteristen und ein Karäer aus TuruI, (Süd-Rußland) namens Eistk O h l s e n, dessen Schiff I zufällig im Kieler Hasen lag. Da auch dir K a r ä e r das Pessachfest halten, war die Freude des Soldaten, sich in weiter Ferne der Festfeier seiner jüdischen Kameraden anschlteßen zu können, groß. Osterburken, 30. April. Der Synodalabgeordnete unseres Bezirks, Hnrr Dr. Simon aus Heidelberg, hat im großen Saale zum „Löwen" einen Bericht über seine Tätigkeit in der Synode erstattet. Bei der sich daran anschließenden Besprechung erzählten einige Gemeindevorsteher, daß die beiden an die Synode abgesandtcn Telegramme, welche sich gegen die — offenbar nicht ohne Absicht — vollständig mißverstandenen Worte des Herrn Dr. Simon richteten, eine von Karlsruhe aus bestellte A.beit waren. Es wurde einstimmig folgende Resolution! angenommen: „Die heute in Osterburken versammelten Vorsteher und Vertreter ber Gemeinden der, XVI. Shnodalwahlbezirks sprechen ihrem Synodalabgeordneten, Herrn Dr. Jonas Simon in Heidelberg I ihr volles Vertrauen aus und danken ihm für! seine erfolgreiche Tätigkeit in der Großh. Landessynode." Horb a. N., 28. April. Kaum ist der Rus nach Sparsamkeit auch innerhalb des Israelitischen Kirchenregimentes erklungen, als auch schon hier eine Besprechung I von einigen Lehrern des Nabbtnatsbeztrkes Mührtngen! und einiger Kirchenvorsteher stattgefunden hat, die nichts! weniger bezwrckl, als die Aufhebung des Rabbtnats! Mührtngen. Wer den Herren Lehrern Vollmacht gegeben! hat, die Versammlung enzuberufen und im Namen ihrer! Gemeinden Beschlüsse zu fass n, müßte noch nachgewiesen I werden. Wahrscheinlich beruht die Bevollmächtigung der! Herren auf ihrem eigenen Tatendrang und auf ihrer! Lust, sich selbst zum Range von Rabbinern erheben zu! sehen. Die Gemeindegenossen wollen aber in Ansehung! des Niederganges des religiösen Lebens in rabbtnerlosen! Gemeinden und Bezirken nichts von der Aufhebung des! RabbtnateS Mührtngen oder von deffen Angliederung an I ein wett entferntes Rabbinat und gar noch an ein nco-I loges irgend etwas wissen, und fie verurteilen die Vor-I eiltgkeit derer, die immer etwas Neu-s haben wollen und I sich zur Vertretung unberechtigter Wünsche gebrauchen! lasten. Wir wollen nicht mit Kanonen nach Spatzen! schießen, weshalb in eine ausführliche Besprechung der! Affäre vorläufig nicht eingetreten werden soll. Aber! nochmals sei es gesagt: das Rabbinat läßt sich der i»! seiner Mehrheit gut konservativ gesinnte Bezirk nicht! rauben, zumal seine Gemeinden nicht abnehmen, sondern! stark zunehmen. Dem übereifrigen Führer der HerreiI Lehrer aber empfehlen wir, etwas mehr ZurückhaltungI zu bewahren. Wir bedürstn seiner Vormundschaft! nicht. I Fürth u B., 27. April. Der hiestge Magistrat! hat dem Anträge von 46 israelitischen Firmen zugestimmt,! welche darum petitionierten, ihr jüdisches Personal an! Sonn- und Feiertagen von 8—12 Uhr hinter verschlösse-1 nen Türen beschäftigen zu dürfen. I Konstautinopel, 20. April. Hier hat eine Ver-I sammiung von Rabbinern siattgefundrn, die eine große! radbtnische Hochschule in Konstanttnopel ins Leben zu! rufen beabsichtigen. Es soll dadurch die Ausbildung! sephardischer Rabbiner auf eine bessere Grundlage gestellt! und neben dem talmudischen Studium das notwendigI Maß moderner Bildungsfächer nicht vernachlässtgt werden. I Personalien Köln, 2. Ma'. Die Gemeinde Adaß Jeschurun und! das jüdische Lehrwsemiaar haben einen schweren Verlust erlitten. Sie trauern um den Heimgang des Herrn Gerson Rothschild, der ein hervorragendes Mitglied des Adas Jeschurun war und mehr als orci Jahrzehnt: hindurch dem Kuratorium des Sem.nars angehörte. Tief schmerzlich erkennen wtr die klaffende Lücke, die in unserer Mitte oer Tod geriffen und die von der Bedeutung de« Verklärten Zeugnis ablegt. Gerson Rothschild war rin

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