Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1911)
- Date
- 1911-05-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1911 Mal 1911 Der Sßnießl 9fa>. IS Sette 8 ► c*. Jfl. mau tat brr ► t> c r rum - n von ehrten u der jün.q blieb,; die stände ag a» liegen, ustini- >e, wie Bürger r sein .lt er« übri t, wie tc Begroße Natur örtcn, wegen lschen. >ek!omswer : auch ng d erlegen, lrank Lud > noch Hemd? gegen a? . . dieser vollen tt von rcauf r uns e die Meise tgeu ft den ckn die : ihres '.Vt daß Western Landes g ent- Kd und ntldern i nur. ußtsein m Leid mtheit, tätige e alles würde, »reiftet ekannt. ig des der im st, das ire ein redtger enhett. wohl n und müßte, m, die > .Land mitäre weckes, wird, s tun, lenden. lelfnt den gewünschten Beitrag aus grundsätztichen Bedenken ab, betont aber in süner. Erwiderung, daß er d i e U e b e r z e u g u n g e i n e s D i’ nt Glaube n seiner Väter treuen pudern durchaus hoch achte und dem Streben, dies Gut heilig .zu halten, nur den besten Erfolg wünschen I ö u ne. Ebenso verbindlich lauteten die a b lehnenden-Antworten des Ministers des Innern v. Dallwitz, der Staatssekretäre Dr. Lisco und.v. Tirpitz und des Staatsministers von Z ch o r l e m e r. Ter bekannte freisinnige Oberst a. D. ädke leitet sein Schreiben mit folgenden Mörlen ein: „Mio man auch Zu religiösen Frage» stehen »lag. io verrät in jedem Falle einen bedauerlichen Tiefland der Moral, den Renegaten höher einzuschützen als den bekenntnistrenen Sohn des Glaubens seiner Väter." Besonderes Interesse verdient eilte Aeußerung des Reichs- und Landtagsabgeordnetev e r st e n b e r g e r, da sie bezeichneltd ist für die tolerante Stellung, die das Zentrum in allen Fragen der Konfession einnimmt und wiederum Ociucift, wie sehr besonders das gläubige Judentum in seinem Kampfe ums religiöse Recht auf die Unterstützung dieser Partei rechnen darf. Ter Zentrumsabgeordnete schreibt u. a.': „Als überzeugter Katholik habe ich Respekt vor jedermann, der seine religiöse tteberzengung, um Menscheirgnnft und Vorteil unbekümmert, entschieden an den Tag legt, nicht provozierend, nein, nur selbst sich achtend. Als Zentrumsma n n tret' ich deshalb >it jeder Zeit mit den Parteikollegen dafür ein, daß einem in d & c R eligi o n sbe tätig u n g ein st a a t l i ch e s H i n d e r n i s b e r e i t e t w e r d e. Alis diesen Gründen weiß ich auch zu schätzen Ihr >' r st e s $ i e I: T-i c Jugend fl o tt e § QI ä li b i fl > ii c r h alte n. Als Vorbedingung selbst erachte ich dies für Ihre andern Ziele: Zn pflichtgetreuen Deutschen die Ihnen anvertrautcn jungen ^oute zl> erziehen. Selbst angehörend -.'irrer Minderl eit im Deutschen Reiche fühl' ich mit Ihnen jedes Unrecht, das in der Minderwertung eines fremden uonfessionsgenvssen für staatliche Beamtenstellen kraß sich äußert. —" Und ihm schließt sich sein Fraktionsgenosse, vor Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Tr. P o r s ch, mit folgenden Worten an: „Ich möchte diese Gelegenheit gern benutzen, um Ihnen zu sagen, daß ich auch meinen Glaubensgenossen gegenüber immer die Sätze vertreten habe, daß »ar ein t« seine m G tauben a u f r e ch t e r '?■*> e u s ch der anders g l ä n b i g e n M i t ro e l t A ch t n n g a b n ö t i g e u k a n u , und daß vhne Rücksicht ans Strömungen, welche mit Recht oder Unrecht _ zum Pessimismus hintreiben, unsere Jugend :»r freudigen Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber dem deutschen Vaterlande heranzuziehen ist. Deshalb beglückwünsche ich Sie zu den Zielen oes Verbandes der jüdischen Iugendvereine Deutschlands und wünsche ihnen weiteres Gedeihen. Zum Jal.xhundcrttage des Hardenberg'schen Ediktes darf ich vielleicht darauf Hinweisen, daß meine politischen Freunde es stets bis auf diesen Tag als ihre Aufgabe betrachtet haben und betrachten, für die berechtigten Forderungen ihrer j it - bischen M i t b ü r g e r auf p a r l a rn e n - t a r i s ch e m Boden e i n z u t r e t r n." Zwei Erlebnisse erzählt der frei konservative Abgeordnete v. Helldorf, die zu charakteristisch sind, um hier verschwiegen zu werden. Herr v. Helldors erzählt: „l. Vor einiger Zeit kam ich. in die Lage, die Personalien des Direktors eines großen industriellen Etablissements feststellen zu müssen. Rach mancherlei Mühen gelang es mir endlich, im Wege mündlicher Verhandlung die Rubrik „Religion" ansfnllen zu können. Ter Direktor hatte sich nämlich als „jüdischer Dissident" bezeichnet. Auf meinen Einwnrs, daß ich mir wohl einen dissentierenden Inden, nicht aber einen jüdischen Dissidenten denken könne, einigten wir uns dahin, daß. in die Kolonne einfach „Dissident" eingetragen wurde. 2. Anders das zweite Erlebnis: Während einer Erholnngsfahrt in die Harzberge hatte ich einen längeren Aufenthalt auf einer Krenznngsstation. Es war ein herrlicher Sonn.'nnntergang nach einem Gewitterregen. Da fiel mir ein kleiner Mann mit jüdischein Typus aus. der trotz drS zahlreichen' Publikums sein Abendgebet verrichtete. Nachher fllhr ich mit dem Kleinen zniamdlen in einem Abteil und nahm ich gern Veranlassung, , ihm meine Bewunderung auszusprechen. „Man soll immer aus sich und seine tleberzengung halten, das danke ich der Erziehung in meinem Eltern- Hause. Aber" — so fuhr cv fort — „so treu wie ich zu meinem Gott stehe, so treu und fest stehe ich auch zu meinem Kaiser und König." Das sind mir unvergeßliche Worte geblieben. So erfreulich die zweite kleine Episode, so nnerfrenlich die erste, die leider sicherlich schon manche Nachahmung gefunden haben wird. Hier Charakterlosigkeit, dort Charakterfestigkeit und Ueberzeugungstrrue. ' Möchten die beiden kleinen Erlebnisse dazu beitragen, Ihre Jugend Ihren anerkennenswerten Zielen näher zu bringen." Das find treffliche Worte, die, soweit sie sich auf religiöse Treue und jüdisches Pflichtbewußtseitt beziehen, auch wir — wenn es gestattet ist, dies ungebeten zu tun dem Jugendverbande zur Jahrhundertfeier der Judenemanzipation ins Stantmbuch schreiben möchten. ... Leider ist nicht zu erwarten, daß der Stamniibuchvers Eindruck macht. Der „Verband" wird wohl fortfahren, getreu seinem „parteilosen" Judentum, durch die Verbreitung der Schriften eines Abraham Geiger die Jugend der Emanzipation würdig zu machen und wird fortfahren, durch sein ganzes Dasein die dem überlieferten Judentum fremde, durchaus moderne Weisheit zu predigen, daß die Treue zu Thora und Mizwoth eine „Partei"-Sache sei, zu der sich jeder stellen kann, wie er Lust hat. Diese unglückselige „Parteilosigkeit", die man dem resignierten Greise noch eher verzeihen kann als der zum Kampfe für eindeutige Wahrheit be- Daß aber diese Brosamen kaum diesen Namen verdienen im Vergleich zu den höhen, idealen, einzigen Gütern, die wir unfern Brüdern und Schwestern im heiligen Lande verdanken, das wtsien nur unsere Meister der Thora und die Kenner der jüdischen Geschichte, in die Masten ist aber diese Erkenntnis noch nicht gedrungen. Dorthin müßte sie durch eindringliche, unabläsfige Hinweise deS gesprochenen Worts getragen und immer tiefer befestigt werden. Unsere großen Meister des Wortes haben ihre Bered" samkeit zu jeder Zeit in den Dienst dieser großen Sache gestellt. Aber fie war noch niemals so dringend geboten als gerade in unserer Zeit. Noch niemals hat die Sehnsucht nach dem heiligen Lande und daS Jntereste für feine Bewohner so große Kreise der jüdischen Diaspora beherrscht, noch niemals haben seit Zertrümmerung deS jüdischen Staates und Einäscherung unseres Gotteshauses fich so viele Juden im heiligen Lande angesiedelt als in unseren Tagen. Während es vor wenigen Jahrzehnten noch zum großen Teil Greise und Greisinnen waren, die das heilige Land aufsuchten, um dort ihren Lebensabend zu verbringen und an geheiligter Stätte zu st e r v e n, zieht cs heute Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, wie den Zugvogel zur besseren Heimat, tn das heilige Land, um dort zu leben und zu wirken, und zwar zu leben und zu wirken unter ganz veränderten p.litiscken, wirtschaftlichen Berbältnissen, die eine Fülle von Verwickelungen, Schwierigkeiten und Krisen iu ihrem Schoße bergen und fich für die ihnen gegenüberstehenden Änstedler zu ernsten, schweren, neue» pK niD1 verdichten. Bor mehr als 300 Jahren hat Rabbi Jehuba Muskats die Aufmerksamkett seiner Zuhörer in ettrem Bortrage auf die Armen des heiligen Landes gelenkt. Seine HgMSMNge» find uns noch erhalten t» seinem Werke milT mXlSJ/ dessen 22ter ^1K2 betitelten Borttag diesen Gegenstand tn formvollendeter Ausführung behandelt. Wohl weist er im Eingang auf die materielle Bedeutung dieser Liebestät gkeit hin unv auf den beglückenden Segen, den daS an heiliger Stätte an Bott gerichtete Gebet der von uns unterstützten Armen für uns selber habe. AVer er schwingt fich am Ende se'ner Ausführungen zu der Anschauung empor nun? ’jprr/ wr dp n«np nw pro» nnv JVDn Sp2 DP/ die das, was der Arme durch Entgegennahme seiner Unterstützung an dem Reichen tut, ungleich höher b.wertet als das, waS der Reiche dem Armen zu leisten vermag. Wenn die LtebeStat an dm Armen des heiligen Landes in diesem Sir ne geübt wird, ohne Rücksicht auf die Hebung der materiellen Kraft, die der Empfänger daraus gewinnt, und ohne jed.n anderen Beweggrund, dann — meint Rabbi Jehuda Muskalo — fei sie erst mit ganzem Herzen und tn reiner, Gott zugewandten Abficht gespendet. vb dw uvbv npnxnrn» D’an 122^ mm i« jvdki yi bv DH2 rvppsnm nm tod. •m rtei? Das heilige Land und seine Bewohner werden; Gegenstand noch mancher enrrgte- und liebevoller Belehrung, Empfehlung und Ermahnung sein müffen, bis diese ideale Austastung Gemeingut aller derjmtgen geworden ist, die zur Mitarbeit an dem großen Werke berufen find. rufenen Jugend, wird nicht besser, sondern noch unjüdischer, wenn demnächst auch die Schriften S. R. Hirfchs zur Verbreitung gelailgcu sollten! Wer gäbe, daß das Donnerwort dieses Wahrheitskünders noch lebendig zu uils tönte, um den jugendlichen, gewiß voll redlichem Willen beseelten Rettern des Judentums die ganze Juhaltlosigkeit ihrer Begeisterung für „unparteiisches Judentum" klar'zumachen. 3u Sen ZuSenexrelken In öaltzlen. Wir möchten nicht gleich mit dem blutigen Worte Pogrom aufwarten. Was in jenem dunklen galizisch-ruthenischen Neste geschehen ist, ist etwas harmloserer Natur und deckt sich glücklicherweise mit dem Begriffe, den wir vor nicht allzulanger Zeit von Pogromen gewonnen haben, noch nicht. Das liegt aber lediglich an der differenzierten Beschaffenheit des Landes, das diesmal zur Abwechslung der Schauplatz der Ausschreitungen gewesen ist. Es verlohnt sich darum auch hier, den letzten dunklen Gründen der Vorgänge, die in Rußland wie in Galizien nicht allein in der Zerstörungsfreude des Straßenmobs zu suchen sind, ein wenig nachzuspüren und daraus einige Schlüffe auf die Psychologie der Judenhetzen im allgemeinen zu gewinnen. Durch eine gewiffe Preffe systematisch verhetzt, durch mündliche „Belehrung" aufgestachelt, nimmt das untere, politisch und sozial, niedergehaltene Volk eine immer drohendere Haltung an. Gegen wen? Gegen die Juden. Weil ein Vergehen an ihnen weniger gefährlich scheint, weil fie von denen, die den Bolkszorn von sich ablenken möchten, offen und andeutungsweise quasi als Freiwild bezeichnet werden. Die Lage wird ernst. Die Wahlen stehen vor der Türe, also fehlt es an Zündstoff nicht. Und nun ist der übliche Funke ins Pulverfaß gefallen: Irgendeine pflichtvergeffene Mutter sucht ihr Kund, das sich im Walde verlaufen hat, — in der Judengaffe, oder ein Bauer wird von einem jüdischen Handelsmanne durch einige gutsitzende Faustschläge darüber belehrt, daß auch jüdische Ware nur gegen Bezahlung zu haben sei. Die Spannung hat ihre furchtbare Lösung gefunden. Die Parole ist gegeben: Haut die Iu den!... Das ist das übliche Vorspiel überall. — In Rußland, wo auch in solchen Dingen mit großen Mitteln gearbeitet wird, wo die Polizei stille Zuschauerin ist und die Soldateska lustig mitmacht, gibt es in solchen Fällen gleich einige Dutzende Tote, hunderte Schwerverletzte, ausgeraubte Viertel, Witwen und Pogromwaisen. In Galizien, das doch bei allem eine Provinz des kultivierten Oesterreich bl-ibt, ist des Gesamt- Kleine» Feuilleton. calmuälrcbe Dbemais i« klreiigliirreit niefttiidiseber Dichter. In sehr vielen russischen Zeilui'flen wurde uns Alklaß des Osterfestes ein Märchen aus dem Nachlasse des Grafen T o l st o i veröffentlicht, weiches unter dem Titel „Die d e i d c n P a s s a h e n g e l " nnpefähr folgendes erzählt: Lsterabcnd vcgleiten zwei Engel, der gute und der böse, den anc* der Kirche in sein Familienheim. Ist Friede und Ieststinnnang in demselben, da lacht fiegeSrroh der gute Eligcl und wünscht dem Hause, daß ailch immer Glück und Jrehs'nn hier weilen möchten, woraus der andere, der böse Engel, A in e n ruft ..." Dieses Märchen ist weiter nichts als die Bltrilmte einer bekannten Talmudstelle, die sich aus den Jreit a g A b e n d beziebt, und die mit den charakteristischen Worten schließt: 's« M' irTC Sp2 P"! iS'EK Es ist im übrigen nicht das erste Mal, daß im Namen Tolstois Legenden veröffentlicht werden, die ganz oder teilweise ans Talmud und Midrasch entnommen sind. Wir erwählten nur der schönen, ebenfalls von Tolstoi herstammenden Erzählung, die vor einiger Zeit die Runde durch die gesamte russische " - - -; - -- -- rtiriiMäi