Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1911-05-04 · Heft 18 (4.5.1911) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 18 (4.5.1911)
Date
1911-05-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448803-2448822--66519-2494685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

'»yyvrrtw .r -1 Sette 2. Nr. 18__ _ Denkprozeß so überaus wichtigen Hemmungen und Schaltungen fehlen zu ihrem Schaden in den Jdeenbahnen dieser „Denkerhirne^; der flüchtige, neue Gedanke — neu für den Denker, obschon längst von anderen gedacht und abgetan — ist ihnen sofort wissenschaftliches Ergebnis - das stete stnckinin novi verdrängt die solide, ruhige Gedankenarbeit, Sentiment und Phantasie überwuchern die nüchterne Logik . . . Berechtigt das Schülermaterial, das dem projektierten Rabbiner-Seminar in Jerusalem sich anbietet, nach seiner Vorbildung zu der Annah.me, daß die neuen Jdeenkreise, welche ihm dort eröffnet werden sollen, auf wohlbereiteten Boden geraten und zu gesunder Entwickelung gelangen werden? Oder sind nicht vielmehr alle Vorbedingungen dafür gegeben, daß in diesen Köpfen ein toller Wildwuchs halbverstandener oder gatu unverstandener Gedanken sich etabliert, der allzu schnell jedes Eindämmungsversuches spottet und schließlich zum Nihilismus und, bei der suggestiven Macht, die die Phantasie des Gedankens aus die suggestiblen Kreise der Unreifen übt, durch Ansteckung zu einer förmlichen geistigen Epidemie führen wird, führen muß?! Aber unsere Bedenken sind auch damit bei weitem noch nicht erschöpft. Es soll einmal zugegeben werden, was wir ja entschieden bestreiten, daß die Leitung des Hilfsvereins wie den Willen so auch die Macht besitzt, auf die Dauer dafür einzustehen, daß ihr Seminar nicht zu einer Pflanzstätte der religiösen Zügellosigkeit werde, sondern „fest im überlieferten Judentum wurzelnde" Persönlichkeiten erzieht. Aber die Kraft wenigstens sollte besser auch sie sich nicht zutrauen, eine Lehranstalt ins Leben zu rufen, die das Unmögliche möglich macht: Zöglinge auszubilden, die sich tiefgründiger Beherrschung des talmudischen Wissens rühmen dürfen und „wissenschaftlich auf der Höhe" stehen! Es ist hier nicht der Ort, um Vergleiche anzüstellen und die Frage zu beantworten, ob die europäischen Rabbiner - Seminare ihre Ausgabe richtig erfassen und erfüllen, wenn sie das von ihren Zöglingen beim Abgang geforderte Wiffensmaß im Talmud in Einklang mit den Anforderungen in der Rhcthorik, der Geschichte und den sonstigen Religionswissenschaften setzen und dadurch gezwungen sind, über ein Mindestmaß des Notwendigsten nicht wesentlich htnauszugehen. Hier haben Momente milgewirkt und wirken teilweise auch heute noch mit, die die Leiter dieser Anstalten vor Alternativen stellten, in denen die richtige Wahl zu treffen sicher nicht leicht fallen kann. Wie aber Fachmänner über! diesen Punkt denken, das möge das Urteil eines var heilige Lang. (Zum Wochenabschnitt.) Wenn man d n Erez Jisroel als von einem heiligen Lrllibe spricht, so denken die meisten dahü an die vielen -eiligen Stätten, die fich dort befinden. Andere letten diese Bezeichnung auch aus der Heiligkeit ab, zu der Israel ' berufen ist und die es auch bis zu einem gewissen Grade derart erreicht hat, daß es geradezu ein Heiligtum Gottes 8 mannt wird. Unser Wochmabschnttt belehrt unS, baß er heilige Charakter dieser Landes älter ist, daß er auS einer Zell stammt, tn welcher JSrael das Land noch nicht betreten hatte. Nach einer Aufzählung von Entartungen derjenigen Völker, die das Land vor der Besttzerg etfung Israels bewohnten, mahnen die letztm Sätze von filv 'TI*: nbtt IKÖtDD btt »Verunlautert Such nicht nicht durch eines von allen diesen, denn durch alles dieses haben stch die BSlker verunlautert, die ich Euretwegen fortschtcke. Als daS Land verunlautert wurde und ich seine Sünden an ihm helmsuchte, da spie das Land se ne Btt 4. Mat 1911 Mannes wie Professor Adolf Schwarz, Rektors der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien, beweisen, den man ebensowenig der sog. Hyperorthodoxie wird verdächtigen, wie man seinen Beruf, sich zur Sache zu äußern, wird bezweifeln dürfen. In dem 7. Jahresbericht seiner Anstalt schreibt Professor Schwarz: „Die großen Unterschiede zwischen tem Lehrhause in welchem die zukünftigen Lehrer Israels heute ihre Ausbildung erfahren, und jenrm, tn welchem fie einst heranreiften, find allgemein bekannt und brauchen nicht einzeln aufgezählt zu werden. In der neueren Zeit haben ja oft genug Berufene und Unberufene Vergleiche angestellt und Parallelen gezogen, aber von den allermeisten der rückschauenden und ausblickenden Beobachter wurde die Tatsache übersehen, daß es in der alten Zeit im eigentlichen Sinne des Wortes eine Fachschule zur Heranbildung von Rabbinern niemals gegeben und daß eine solche in jenen Ländern, wo dieTalmudschulen blühen und Talmudgelehrte tn unverminderter Zahl leben, auch heute nickt gedeihen kann. Die Abnahme vernicht so zahlreichen großen jüdischen Gelehrten in Westeuropa ist auf nichts anderes als darauf zurückzuführen, daß der Talmud bet den Juden in diesen Kulturländern zu einem Jachstudium herabgesunken ist. Während ftüher von tausend Jüngern, die tn daS LebrhauS etntraten, kaum hundert als praktische Rabbiner ins Leben htnausgingen, wird heute das eigentliche jüdische Lehrhaus nur von demjenigen ausgesucht, welcher vom Hause auS zum Rabbiner und Prediger prädestiniert erscheint. Einst wurde das Thorastudtum in ganz Israel als Selbstzweck betrachtet, einst lernte man Talmud ohne jedwede Absicht auf ein Amtheute widmet man sich diesem Studium, um Rabbiner werden zu können." Dieses Urteil eines erfahrenen Fachmannes ist umso beachtenswerter, als es mit anerkennenswertem Mut den Finger in eine offene Wunde legt und rückhaltlos die Vorstellung bekämpft, als wären die Fachanstalten für Rabbinerausbilduvg ein Fortschritt, der unsere Zeit über die früheren Zeiten emporhebt, während sie in Wirklichkeit das Produkt einer Entwicklung darstellen, die auf den Trümmern einer lebensvollen Kultur sich als kümmerlicher Notbehelf erhebt und fristet. Sein Rechtfertigungsversuch der Seminarien für europäische Verhältnisse wird nicht auf allen Seiten Zustimmung finden. Für unsere Frage interessiert nur der Satz, der nochmals unterstrichen sei, daß „Fachschulen zur Heranbildung von Rabbinern in jenen Ländern, wo die Talmud schulen blühen und Talmudgelehrte in unverminderterZahl leben, auchheute nicht gedeihen können". Daß diese Voraussetzung auch heute noch für Palästina zutrifft, dürfte ernstlich nirgends bestritten werden- und damit ist dem „Rabbiner-Seminar" in Jerusalem schon das Urteil gesprochen. Das soll des näheren noch dargetau werden! (Schluß folgt.) Kpch«mm-scha«. ZugenöverdsnS und Gmanjfpaflon. Zur IahrhuIIdertfeier der Eman z i p a t i o n der Juden in Preußen h?at brr Verband d e r jüdischen Iugendver eine Deutschlands eine GedeNknumm e r herausgegeben, die mehrere Gutachten von jüdischen und nichtjüdischen Politikern, Gelehrten und Künstlern über die Emanzipation der Juden vereinigt. Daß es gerade diesem jüngsten aller' jüdischen Verbände Vorbehalten blieb, nach hundert Jahren Gleichberechtigung die Judenfragc auf diese Weise zum Gegenstände einer Propaganda-Enquete zu machen, mag a» dem reiferen Urteil der anderen Verbände liegen, daS eine nachträgliche Einholung von Zustim muNgen für eine so selbstverständliche Sache, wir es die Gleichberechtigung der jüdischen Bürger ist -und für das moderne Volksempsinden sein muß, nicht gerade als sonderlich würdevoll erachten mochte. Denr Jugendverbande, der übri gens auch bei dieser Gelegenheit gezeigt hat, wie vorzüglich er cs versteht, für sich und seine Bestrebungen Reklame zu machen, muß seine große Jugend zugute gehalten werden, in deren Natur es nun einmal liegt, sich an großen Worten, ohne Rücksicht auf deren inneren Wert wegen ihrer agitatorischen Bedeutung, zu berauschen. Wie wäre der Verband sonst auf die Idee gekoim men, neben einigen wertvollen und beachtmswer teil Aeußerungen von ch r i st l i ch e r Seite auch solche zu bringen, die gewiß zur Ueberraschung der gesamten jüdischen Welt dokumentarisch belegen, daß auch die Herren Juftizrat Tr. Blau, Frankfurt, Justizrat Fuchs, T i m c n b o v f c r, Lud wig G e i g c r, Martin P h i l i p p s o n und noch andere im öffentlichen jüdischen Leben stehend? Herren, nichts, aber auch rein gar nichts gegen die Judenemanzipation einzuwenden haben? . . Ohne daher die innere Notwendigkeit dieser Enquete nur im entferntesten einzusehen, wollen wir doch zugeben, daß manche Aeußerungen von christlicher Seite, nachdem sie, ohne Not herauf beschworen, einmal schwarz auf weiß vor uns liegen, gewisse Beachtung verdienen. Einige di? ser Art seien hier erwähnt oder auszugsweise angeführt. Der Äriegsminister von Heeringen Bewohner aus. So hütet denn Ihr meine Gesetzebaß Euch daS Land nicht auSspeie, indem Ihr es verunlautert, wie es das Bolk ausg spieen, das vor Euch da war." (3. B. M., 18. Kap., 24-28) Das Land stellt an seine Bewohner höhere Ansprüche der fittlichen Vollendung und Lebensheiligung, mögen sie Juden oder Nichtjuden sein. Unser Kapitel leitet mit -einem Hinweis auf die Stttenlosigkeit im Lande Mizrajim und auf diejenige im Lande Kanaan ein Trotz der Entartung der Aegypter hat Aegypten seine Einwohner niemals auSgesptcen, Wohl aber das Land Kanaan. Die heidnischen Völker, von welchen das Buch der Könige erzählt l!7. 24 ff.), daß sie von dem Asihrerkönig nach deni heiligen Lande verpflanzt wurden, dort aber wegen ihres Götzendienstes von Löwen überfallen und getötet wurden, haben sich tn ihrer Heimat unbehindert ihrem Götzenkult htngeben können. ES kann nicht anders sein: nv'pv nr* , warnt ikvd naa« p« TV12V "'"Dir/ wie eS im Sifra zur Stelle heißt: Erez Jttzroel ist nicht wie andere Länder, Uebcitretrr des Sittengesetzes haben darin keinen Bestand. Diese unbedingte Heiligkeit des Bodens und die Anforderungcn, die infolgedessen an seine Bewohner gestellt wrrden, find von übe aus tirfer Bedeutung auch für die heutige Besiedelung von Erez JtSroel. Wer je der MtzwaS TW1CT pK 3 W Näher getreten ist und fich für das Schicksal Einzelner und vereinter Kolonisten interessiert hat, die fich im heiligen Lande dauernd niedergelassen haben, der kennt auch die schwer zü bewältigenden Hindernisse klimatischer, hygienischer, ökonomischer und persönlicher Art, die stch allen Versuchen einer Anstedlung entgegenstellen. Sie sind im heiligen Laude etwas so Alltägliches und Selbstverständliches, daß man dafür die Bezeichnung pK 'HW d. h. die Leiben, die das heilige Land mit fich bringt, hat. Diese Leiden, die durch Hunger, Krankheit und geschäftliche KriskN oft den Charakter schwerer Katastrophen annehmen, adeln die davon Betroffenen, die so innig mit jeder Faser ihres Herzens in dem heimischen, heiligen Boden wurzeln, daß keine Macht sie ihm zu entreißen vermag. DaS fühlen und ahnen die Brüder und Schwestern der so Schwergeprüften, die außerhalb des heiligen Landes dieser Majestät des Elends den Zoll ihrer Huldigung entrichten durch große und kleine Spenden, welche das Leid und Weh der Unglücklichen bekämpfen oder doch mildern möchten. Aber fie ahnen und fühlen es nur. Wüßten sie es, wäre eS ihnen mit vollem Bewußtsein gegenwärtig, waS die auf heiligem Boden in ihrem Leid AuSharrenden für uns, für die ganze jüdisch: Gesamtheit, in der Gegenwart und Zukunft bedeuten, die tätige jüdische Menschenliebe wür: e Triumphe feiern, die alles bisher von ihr Geleistete in den Schatten stellen würde. Daß die Armen deS heiligen Landes in allererster Reihe zu berücksichtigen find, das ist wohl vielfach bekannt. Aber warum sie es sind, wie die ganze Erhaltung des Judentums an das heldenmütige AuSharrm der im h.tligen Lande Lebenden und Leidenden geknöpft ist, dos in die breiten Schichten des Volkes zu tragen, wäre ein verdienstliches Werk unserer Rabbiner, .Lehrer, Prediger und sonstiger Wortführer der zeitzmösstschen Judenhett. Es ist dies zu aller Zeit geschehen und geschieht wohl auch heute noch, aber es geschaht nicht so allgemein und nicht so tntenstv und unablässig, wie eS geschehen müßte, wenn das in die Mafien gestreute Wort dort zünden, die Geister erleuchten und die Herzen für das heilige .Land und seine leidenden Bewohner erwärmen sollte. Gewöhnlich geschieht es derart, daß die humanitäre und philantroptsche Seite dieses UnterstützungSzweckes, kurz baß dasjenige * in den Vordergrund gerückt wird, was wir dm leidenden Armen deS heiligen Landes tun, indem wir ihnen unsere tätigen Ghmpatim zuwenden. 4,8 li'ljnt licht ,rüder 5 e m 1 u d 2 tr u u r l ii u l teil r. D uitb J 2 chr ä d len e »0 ve itrtltb als d Väter rung Ü e r tolcrt Frag (jciuci Jude auf t jeden! sllieirq den 3 achten Aii iei M e i n e i n s Aus e r st e > u c dies t r e u teilte l eit j Uiireci >i eufe sich Ü .),!,nei nassen mir C IT A ch t sicht recht N>r! dem i degliii der ji ilmen ü Daß < im Bl wir u verdat die Kr aber müßte gespro werde l samke gestell als g, sucht Bewo herrsö jüdtsä hauset als ir zehnte waren Leben sterk linge DetMl wirke» veräni eine Krisen gegen! btt'ix 9 tato trage

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.