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Der Israelit · 1911-04-27 · Heft 17 (27.4.1911) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 17 (27.4.1911)
Date
1911-04-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ewr rzidpung and l>cb B<il ALS Organ des Bundes aeseßestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. a© on nilir. ► an L5897 üT ist die Mver 5—6 eflekan -G.. Z93. Apperzeption uhd Reproduktion. Bon I. Ster in Breslau. 1. Alle psychischen Vorgänge vollziehen sich mttelst der beiden Geistestätigkeiten Apperzeption md Reproduktion. Sie bilden die Grundlagen )er Erkenntnis und sind die Pole, um welche sich )ie Axe des ganzen geistigen Lebens dreht. Für den Pädagogen ist dieses Thema von esonderer Wichtigkeit, weil der Erfolg der ganen Unterrichtstätigkeit von der richtigen Anwen- )ung der Apperzeption und Reproduktton abjängt. Alle geistigen Schätze, welche Erziehung md Unterricht vermitteln, können nur mit ihrer Hilfe angeeignet werden. Das hohe Ziel der Didaktik, Erforschung, Vertiefung, Verwertung und Erweiterung des kindlichen Vorstellungs- und Erfahrungsschatzes, kann nur durch die geuannten beiden Faktoren erreicht werden. Ihre Bedeutung erstreckt sich über das gesamte Gebiet >er Lehrtätigkeit, und sie erfordern dementspreiend die Aufmerksamkeit des Lehrers im höchsten Grade. Das Thema faßt zwei Objekte ins Auge. Jedoch werden beide unter einem Gesichtspunkte behandelt, sie sind innig verwachsen, und es soll estgestellt werden, in welchem Verhältnis sie zu einander stehen, wie sie ineinander greifen und ich gegenseitig unterstützen, befestigen und ergänzen sollen. Ursprünglich gehört die Apperzeptionstheorie n das Gebiet der Psychologie, und sie nimmt ^ine hervorragende Stellung in der Philosophie in. Ueber das Wesen und über die Auffassung es Begriffes der Apperzeption gehen die Ansichen -der bedeutendsten Philosophen: Leibniz, Kant, erbart, Lazarus, Steinthal und Wundt weit auseinander. Herbart und Ziller, welche die Pädagogik auf psychologischer Grundlage aufbauen, gebührt das Verdienst, die Apperzeption zum!geistigen Mittelpunkt des ganzen Unterrichtswesens erhoben zu haben. Von den philosophischen Theorien müssen wir hier absehen, und es ist unsere Aufgabe, diesen Begriff vom pädaogischen Standpunkte kennen zu lernen. Zu Diesem Zwecke werden hier nur diejenigen bestimenden Kennzeichen skizziert, welche alle Philoophen übereinstimmend als die wesentlichen erkmale des bildenden Begriffes anerkennen. Wir bemächtigen uns aller Dinge derAußenvelt durch unsere Sinneswahrnehmungen. Der "kt der Wahrnehmung ist jedoch nicht so einach, wie er der oberflächlichen Betrachtung ercheint. Ein und derselbe Gegenstand hinterläßt ach der Anschauung bei verschiedenen Menschen verschiedene Vorstellungen. So viele Beobachter, so viele Vorstellungen werden je nach der Individualität erzeugt von demselben Objekt. Eine Rede wird so verschieden verstanden und gedeutet, als sie Zuhörer fand. Der Maler findet in einem Gemälde ganz andere Dinge als der Laie. Von einer Landschaft, die betrachtet wurde, entrollt sich der Dichter ein ganz anderes Bild, als der Botaniker, der Maler ein anderes, als' der Landwirt, der Fremde ein anderes als der Eingeborene. Woher kommt die Verschiedenheit der Auffassung bei derselben Sinneswahrnehmung? Die Lösung der Frage ist in der Verschiedenartigkeit der Menschen nach ihrem inneren und äußeren Wesen zu finden. pan TriKDrora ropaab nvd pma dt« dtk Tip lamna dtk bs raa rr*apm rtrb n* nwa> iTDr6 nam ona : Tnx p*i piwnrf (-1"T pTH3D „Das Aussehen des Menschen kennzeichnet die Größe Gottes. Wenn der Mensch viele Münzen in einer Form prägt, müssen alle ähnlich sein. Gott aber hat allen Menschen den Stempel desersten Menschen aufgedrückt und nicht einer gleicht in der äußeren Erscheinung dem andern." Ebenso wenig wie im körperlichen Aussehen gleichen sich zwei Menschen völlig in geistiger Beziehung: pw d&d nm bzb nirrnrr 'pb* 'n np& onpT p* *p mb nt pw otk bv pniöiana (oroa kdSdd) nr? rn pp Wie die Gesichtsformen und Gesichtszüge. , verschieden sind, so sind die Erkenntnis- und Gefühlsakte, Wahrnehmungen und Vorstellungen, Naturanlagen und Fähigkeiten, Gedankenbildungen und Ideale bei allen Menschen verschieden. Je nach dem individuellen Gepräge gestalten sich die Außendinge verschiedenartig und die Aktivität der Seele verleiht jedem Sinnenreiz eine individuelle Färbung. Wir tragen unsere Bewußtseinsinhalte jn die Dinge der Außenwelt hinein, und so kommt es, daß jeder nach seiner subjektiven Beschaffenheit die Außenwelt in sich aufnimmt. Was die Seele erlebt, gefühlt und erworben hat, verbindet sie mit den wahrgenommenen Dingen- und dadurch schauen wir die Gegenstände im Lichte vorhandener ähnlicher Vorstellungen. Die Apperzeption setzt die neuen Eindrücke mit den vorhandenen Vorstellungen in Beziehung, verschmilzt sie zu einer Gesamtvorstellung und reiht, sie so dem Gedankenkreise ein. Durch die vorhandenen Erfahrungen, Begriffe und Grundsätze öffnet sich die Seele einer neuen Vorstellung, wodurch, sie die ältere bestätigt, berichtigt, umgestaltet und bereichert. Die Erfassung der inneren Vorgänge, die Aufnahme der neuen Vorstellung mittelst der alten und ihre Assimilation sind die begrifflichen Merkmale der Apperzeption. Für einen so wichtigen Begriff wäre eine treffende deutsche Bezeichnung wünschenswert. Da eine solche aber bis jetzt nicht vorhanden ist, müssen wir uns mit dieser Definition begnügen. Die Apperzeption ist vom tiefgreifendsten Einfluß auf die Gestaltung und auf den gedeihlichen Fortschritt des ganzen Unterrichtswesens. Alle didaktischen Forderungen: „Schreite vom Nahen zum Entfernten, vom Bekannten zum Unbekannten, gehe vom Standpunkte des Schülers aus", bilden ihren Ausgangspunkt. Die geistige Regsamkeit und freudige Tätigkeit, die Wachrufung der schlummernden Kräfte, die Entfaltung der Anlagen, ist abhängig von der richtigen Anwendung der Apperzeption. Sie erweckt das Jntereffe, übt den Verstand, fetzt den Schüler in Bewegung und leitet ihn ziem Suchen und Finden neuer Ergebnisse an. Die Eigenart der Apperzeption, die Vergleichung der Dinge mit ähnlichen und verwandten anderen Objekten, die Assoziation der Ideen, die Heranziehung des Bekannten zur Erläuterung des Unbekannten, der begriffliche Zusammenhang und das Ausgleichen vorhandener Gegensätze, das Abwägen der Gründe, die für die Einreihung in diese oder jene Gedankengruppe sprechen, erweitert konzentrisch den Kreis des Wissens, verleiht dem Unterricht geistigen Inhalt und erhebt das Bewußtsein zur Sicherheit des klaren Erkennens. Je mehr apperzipierende Vorstellungen in 0er Seele des Schülers vorhanden sind und je geschickter der Lehrer an diese anknüpft, desto gedeihlicher und erhebender vollzieht sich auch die Lehrtätigkeit. Die geistweckende und kraftbildende Tendenz der Apperzeption, die harmonische Ausbildung aller Anlagen und Kräfte, ist ihr nur mit Hilfe der Reproduktion erreichbar. Alle geistigen Errungenschaften auf dem Gebiete des Unterrichts beruhen auf der Verschmelzung und organischen Verknüpfung dieser beiden psychischen Kräfte, welche nur dem Namen nach verschieden sind, in Wirklichkeit aber zusammengehören wie der Stamm zu der Wurzel. Dies sagt uns schon die Definition: „Apperzeption ist die geistige Aneignung der neuen Vorstellungen mittelst der alten." Es ist die vornehmste Aufgabe des Lehrers, das richtige Verhältnis herauszufinden, das Neue mit dem Alten stets in Beziehung zu setzey, die im Schüler vorhandenen Vorstellungen zu erweitern und die gewonnenen Ergebnisse zu einer Einheit zusammenzufaffen, und derjenige Lehrer, der die neuen Resultate richtig erfaßt, den übrigen Seeleninhalten einreiht und sie zum Karen und sicheren Bestandteil der alten Gedankenreihen hinzufügt, hat seine Aufgabe in schönster und würdigster Weise gelöst. Die hohe didaktische Bedeutung von der Ver § s

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