Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1911)
- Date
- 1911-04-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ST. April l»ll Der JSraettt Ho. 17 «feite 9 Gemeinde — zu bleiben! . . . Ein zweiter, ähn licher Versuch mißlang auch. Kommentar zu diesem grotesken Vorgang ist wohl überflüssig In der Kammer taucht hin und wieder das Schreckgespenst, das Wort Zionismus, auf, und wie hungrige Wölfe stürmen sich alsdann die einzelnen Parteien auf dieses Wild,' so wurde neulich wieder gefunden: Deutschland aermantsiere Palästina mittelst der Zionisten. Im Uebrigen steht aber das Parlament im Zeichen der Toleranz. Bei der Neufassung der Strafgesetze wurde folgender Passus ausgenommen: „Wer die muhammedanischen. christlichen oder jüdischen Propheten schmäht oder lästert, wird mit Gefängnisstrafe von 6 Monaten bis zu 3 Jahren belegt." Neulich wurde auch die Frage der Armeegeistltchen behandelt und beschlossen, daß von jeder Konfession Geistliche anzusteüen sind, wenn ein bestimmter Prozentsatz derselben bet einem Truppenkörper vertreten ist. Dem griechischen Patriarchen ist ein zur Anstellung bestimmter Priester bereits vorgeschlagen — hoffentlich läßt der Großrabbiner jetzt nicht wieder den günstigen Augenblick unbenutzt vorüber und gibt auch von der Existenz türkischer Juden, die gleiche Rechte haben, Kunde. — Bislang waren die jüdischen Soldaten am fow dienstfrei, wie die christlichen am Sonntagseit einiger Zeit wird von den Vorgesetzten aber diesem Recht zuwider gehandelt. Ob das dem Großrabbiner nicht be kannt ist? Wir beginnen in Heutiger Numuter mit dem Abdruck einer spannenden Erzählung aus dem Nachlaß der unter dem Namen Friedrich Ro tt weit bekannten und beliebten Schriftstellerin Frau Dr. SaraGuggenheim, woraus wir unsere gesch. Leser ganz besonders aufmerksam machen. Oerwircbter. Frankfurt a. M., 25. April. Soeben ist der JahreSvericht der Israelitischen Volksschule in Frankfurt a. M. pro 1909/10 erschienen. Als bedeutsamen Schritt in der Ausgestaltung der Schule verzeichnet der Bericht der Verwaltungs-Kommission die Teilung der Hl. Klaffe, in der bisher Knaben und Mädchen gemeinschaftlich unterrichtet wurden, nach Geschlechtern. Die Leistungen der Schule wurden auch in diesem Jahre von der Vorgesetzten Behörde fortdauernd anerkannt, und eine Anzahl hiesiger Geschäfte hat bet Aufnahme von Lehrlingen mit Vorliebe die Zöglinge dieser Schule berücksichtigt. Nach dem Borbtlde der städtischen Schulm ist zur ärztlichen Ueberwachung unserer Schüler und Schülerinnen einen Schularzt angestellt worden. Herr Dr. Saly Rosenbaum hat dieses Amt mit Eifer und Sachkenntnis versehen. In die Verwaltung neu gewählt wurde Herr Michael R"pp-.Für den verstorbenen Herrn Hermann Lehann dessen int Berichte mit ehrenden, dank aren Worten gedacht wird, wurde Anfang 1910 Herr "anfred G o I d s chm t d t wiederum gewählt, während err Nathan Bock auch in diesem Jahre baS Amt beS Ökonomen an der Schule versah. An Spenden werden im Berichte insgesamt 25000 ark aufgefLhrt. Mit besonderem Dank werden die Wohltaten deL Komitees zur Beschaffung von warmem Frühstück", des BrotvertettungSvereinS", der „Vereine zur Bekleidung .edürfttger Kinder", des „BeretnS für Ferienkolonie", deS vBeremS für Ferienwanderungen", sowie der Freunde, ie den Schülern den Besuch der WalderholungSstätten rmögltcht, erwähnt. Sme erfreuliche Ergänzung nach der wirtschaftlichen eite fand daS ErziehungSwerk der Schule durch die ereitwilligkeit der .jüdischen HauShaltungSchule, an dem bei diesem Institut eingerichteten 'chuiküchenunterrtcht an den schul reten Nachmittag« uch die Schülerinnen der oberen Klaffen tellnehmen zu affen. Berlin, 23. April. Nach den Autzeichmmg« deS HtlfsvereinS der Deutschen Juden" in Berlin haben im fahre 1910 zirka 120000 Juden ihre europäische Leimat erlassen und sind ausgrwandert. Mehr als zwei Drittel a dieser gewaltigen Summe stellte Rußland. Ungefähr >3000 Personen nahm« ihren Weg nach Amerika, die brigen t erteilten fich auf Palästina, England ufw. FUehue, 18. April. In der Nacht vom 1». zum 14. b. M1S. wurde in der hiesigen Synagoge ein Einbruch verübt. Da fett dem vor ungefähr sechs Jahren vorgekommenen LtnSruchSdtebstahl die Opferkästen täglich geleert, auch die sonstigen Wertgegenstände ficher aufbewährt werden, Hasen die Einbrecher keine Beute gemacht. Der Einbruch ist von derfrlbm Stelle aus mw auf gleiche Weise wie vor sechs Jahren geschehe». ES ist daher anzunehmen, daß es sich auch diesmal um auSwärttge gewerbsmäßige Einbrecher handelt. Dortmund, 18. April. Bom 1. April d. IS. ab bilden die jüdischen Eingesessenen Von Aplerbeck, Berghofen, Schüren und Sölde etne selbständige Synagogengemetnde Aplerbeck mit dem Sitze in Aplerbeck. DaS Ausscheiden auS der Synagogmgemetnde H v r d e hat die Genehmigung gefunden. Reicheufachfe«, 21. April. Herr Nathan Op p e n h e i m in Caffel machte der hiestgen jüdischen Gemeinde (seiner GeburtSgemeinde) ein sehr schönes PoraucheS zum Geschenk. Der geschmackvolle Entwurf und die tadellose künstlische Ausführung stnd Werke aus dem Atelier deS Herrn B. Grüne bäum in Caffel. Czernowiir, 22. April. Nach den provisorischen Mitteilung« über die Ergebnisse der Volkszählung in BoSnim und der Herzegowina leb« dort gegenwärtig 11850 jüdische.Seel«. Petersburg, 18. April. In Rußland behandelt die amtliche Statistik alle Todesfälle tu gesondert« Grupp« nach dem ReltgtonSvekenntntS des Verstorbenen. So wird von amtlicher Stelle über die Sterblichkeit im Jahre in dm St. Peterburgfktja Wjedomostt (St. PeterSb. Nachr.) berichtet: eS sterben alljährlich im rujfischen Reiche von 1000 Orthodox« 83—34 Perwnen, von 1000 Katholiken 23—25 Personen, von 1000 Protestant« 20 bis - 23 Personen, von 1000 Mohammedanern 23— Person«, von 1000 Juden IS—17 Person«. Konstantinopel, 28. April. Einer alt« orientalischen Sitte «tsprechend, empfing der Großrabbiner der Türkei, Rabbi Chaim Nahum, anläßlich des PeffachfesteS dm Besuch der hohen Geistlichkeit und diplomatischer sowie innerpoltttscher Würdenträger. Zunächst erschienen die jüdischen Abgeordneten und NotaVeln der sepharbischen und aschkenafisch« Gemeinde. Dann stattete der Minister beS Innern Halt! Beh dem Chacham Baschi den offiziell« Besuch ad. Dann erschien Houloust Beh an der Spitze einer Deputation der vor einem Jahre gegründet« Gesellschaft zur „Bereinigung der verschieden« national« Elemente in der Türket", ferner Monsignore Benjamin, Groß- Vikar deS ökummischm Patriarchats in Begleitung des Sekretärs, der Grneralvtkar des armmtsch« Patriarchats und eine große Zahl anderer illustrer Persönlichkeit«. Emyrua, 23. April. Die österreichisch-ungarische GSkadrs, die fich während deS PeffachfesteS im Hafm von Smhma befand, hatte an Bord ihrer Schiffe und Boote über 150 jüdische Offiziere und Soldaten. Der Komnmnalrat der. Smyrnaer Grmetnde trug einige Tage vor Pessach dem Kommanbant« der Esradre die Bitte vor, der jüdisch« Mannschaft zu gestatten, daS Peffachfest im Kreise jüdischer Familien der Stadt, die fich zur Annahme ihrer Glaubensgenossen freudtgst bereit erklärt«, verbring« zu dürfen. Der Kommandant hat diese Bitte nur teilweise erfüllt, indem er der jüdischen Marinemannschaft und d« Misch« Offizieren d« Borabmd zum Pesachfeste VehufS Besuches der Synagoge ftetgav und gestattete, baß der Vorstand der Jud«gemeinbe die jüdische Mannschaft mit Mazzos versehe, waS auch tatsächlich erfolgte. UmiturotN. Frankfurt a. M., 26. April. Der Verein Mekor Ehajtm" hat nun seinen Lehrplan für da» Sommerhalbjahr wie folgt festgestellt: Sonntag vormittags nach Schluß der Shnagoge Herr Rektor B. Falk, vormittags 9 Uhr: ifi&J DVTDß 'DÖ; Herr Rabb^Affeffor G. Posen. Montag morgen» nach Schluß der Synagoge.' Mtkgnednlernm. «vendö 8*U Uhr: AlVä pt!» 'DÖ/* Herr Dr. seph Breuer. DtenStag morgen» nach Schluß der Synagoge: NIVV/ Mttgl tederlernen. MorgmS 71/« Uhr: V'NVV 'Ott? Herr Radb^Affeffor G. Posen. Mittwoch morgens nach Schluß der Synagoge: NIvv; Herr Rektor B. Falk. AvmdS 8'/. Uhr: KittJ P*Tf73Ö'BUS;Herr Dr.Joseph Breuer. Donnerstag morgens nach Schluß der Synagoge: ruv&; Mitalieberlernen. Samstag vormittags nach Schluß der Synagoge, wenn daselbst weder Predigt noch Bortrag gehakt« wirdDV7,' Herr Rektor B. Falk. Mittag» 12 Uhr, alle 14 Tage: Herr Prof. A. Wehl. Nachmittags 4 Uhr: iopÖe Mitglleder- Bortrog. Die an d« GotteSdtmst anschließend« Vorträge find« im SitzungSfaale Friebveraer Anlage statt, die ander« im Beretnslokal Lanaestr. 18. Außerdem stnd Gonder-Schiurtm vorgesehm, in welch« selbsttätiges Lern« in kleinerem Kreise gepflegt werb« soll; Interessenten find höfl. gebet«, fich mit dem Vorstand ins Benehmen zu fetz«. DaS Lesezimmer ist geöffnet: £"vj vormittags 9—1 Uhr, nachmittags 3—8 Uhr, Sonntag vormittag» 8—12 Uhr. Die Ausgabe von Büchern auS der Btbtlothek findet Sonntag vormittags nach dem Gchiur — 10 Uhr — durch b« Btbltochekar statt. Außerhalb der Blbliothekstunde werb« Anmeldung« für Entleihung im BereinSlokale entgegmgenommm und könnm alsdann die Bücher zwei Tage später bet dem BeretnSdtener avgeholr werben. Berlin, 11. April. Der „HtlfSveretn für Rawttscher zu Berlin" hielt am Donnerstag, den S. April d. I. t>.i ^Altstädter-Hof" seine 39. Generalversammlung ab, die sehr gut besucht war. Der Borsitzende, Herr Leopold Badt, gedachte in warm« Wort« der im Laufe deS letzt« JahreS verstorben« Mttgtteber. Auf den Bericht deS Borfitzenden über die Tätigkeit deS BeretnS im abgelaufmm Jahre erfolgte die Wiederwahl der ausgeschiedenen BorstandSmitglieber, Herren Max Blaß, Ludwig L Brann, Carl Gutherz und LoutS Friedman», sowie der RevtfionSkommtsfion. Der Bericht lesm und ihrem Decharge erteilt. JahreS sein dieses Jubiläum der RevisfionSkommifston wurde ver- Antrage «tsprechend dem Borstande Der Verein feiert im März nächst« bigjährtgeS Besteh« und beabsichtigt, festlich zu begehen. ES wurde ein BergnügungSkomttee gewählt, daS die Feier vorverett« soll. Dem Komttee wurde auch ein aus der Mitte der Bersammlung gestellter Antrag, häufiger BeretnSversammlungen abzuhalt«, zur Beratung übe wiesen. Hamburg, 17. April. Der „Verein ehemaliger Schüler der Talmud-Thora-Schule" hielt seine Generalversammlung im Logenheim Harumgstrvße ab. Rach Erstattung beS Jahresberichts und Kassenbericht» wurde dem Kafsterer. Herrn Paul Mark, Decharge erteilt. Die statutmgemäß auSschetden Vorstandsmitglieder, die Herr« I. Wehl und I. S a l 0m o n, wurden einstimmig wtedergewählt. Der Talmud- Thora-Schule werden, wie im Borjahre, au» der BeretnSkaffe 7000 Mk. als Beihilfe für den Erlaß von Schulgelde« überwiesen. Herr Dr meb. Landskron hielt ein« tntereffanten Bortrag über „Die Krankheit« auS d« Gewohnheiten deS täglichen LebenS", an d« fich eine längere DtSnisston knüpfte. Bruchsal, 25. April. Sine eigenartige Feier fand leßtm Samstag Abend im Saale des Hotel Krämer hier statt. Die Jüdische Mtltzenkasse Bruchsal seierte^ihr^undert^ä^r^g^Iub^läunt, ö»dem hi«, die Gaulettung des unteren Kratchgau-MilttärveretnS- BerbandeS, der BerwalttmgSrat deS Krieger- und Beteranen - UnterstützungSveretnS, sowie alle jüdisch« Gemetndemttglieder, welche Soldat« war«, geladen waren. In seiner Begrüßungsansprache konnte der Borfitzende deS BeretnS, Herr Jakob Oppenheimer, hervorheden, daß wir eS hier mit dem ältesten Milttär- UnterstützunaSverein Deutschlands zu tun haben; die Bruchsaler Juden hält« sich immer als tüchtige Soldaten bewährt und bei Ausbruch des 1870er Stiege» sei« die veid« hiesigenRabbinersöhne Friedberg die erst« gewesm, die stch als 5krieg»fteiwillige gemeldet hätten. Einer von ihnen, Herr Dr. M. Friedberg, sei geschmückt mit dem eise« . lkreuze und mit dem Zähringer Löwmorbm mit Schwerte« vom Feldzuge zurückgekehrt und sei der Mttgründer des Beteranenvereins und das älteste Ehrenmitglied deSselb« geworden. Bon d« 195 wahlberechtigt« Bruchsaler Jud« sei« über die Hälfte gediente Soldaten, ein Berhättni», das wohl kaum überrroff« werdm könne. Sein Hoch galt unserem Großherzog. Herr Sigmund Sulzbacher überreichte nach einer schön« Ansprache den fünf jüdisch« Beteran« ein« namhaften Ehrensolö, außerdem der Gaulettung ein« Betrag zur Unterstützung bedürftiger Beteran«. Der Redner betonte weiter, daß alle Angriffe unserer Gegner, sei e» in der Prrffe ober im Parlament, sowie alle Zurücksetzung« von unS nicht ander» beantwortet werdm können al» durch tteue Erfüllung unserer Bürgerpflicht. Fe«er sprach« Herr Beztrksrabb.Dr. Grzymtch, Herr Stadtrat LoutS Marx, sowie namens der Sauleitung Herr Emil Siegel und namens deS Beteran«- Vereins Herr Smll Biedermann, die alle d«l festgebend« Vereine ihr« Dank und ihre Glückwünsche zum Ausdruck bracht«. Charza»ow, 17. Aprll. Letzt« SamStag fand hier auf Veranlaffung de» Vereins in Krakau etne stark besuchte öffentliche Bersammlung patt, in der Herr Abraham Schreibt«sel über die Wtchtigkett der inner« Organisation der GesetzeStreum und der Gründung von thoratr«« Jugendveretnm sprach. Heruadzsadauy (Ungarn), 24. April. In unserer Gemeinde wurde ein Verein „AgudaS Bachurtm" Verein der jung« Leute) gegründet. Als Präses wurde Herr Fülop Sohn gewähtt, als BizepräfeS Herr Mano Roth. Der Zweck beS Vereins ist, jüdische Gesinnung unter der Juge. d zu verbretten. Der Verein veranstaltet täglich «onräge in DTK ’TT /’ttm V121N ufw. «wMs