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Der Israelit · 1911-04-27 · Heft 17 (27.4.1911) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 17 (27.4.1911)
Date
1911-04-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Der J-rarltt. dort überzeugt ist, -aß dieser Beamte aus ihrer Mitte berufen wird. Diese Frage wurde auch von früheren Kultusministern wiederholt erwogen, konnte aber nicht realisiert werden. Da auch der derzeitige Minister sich kaum entschließen dürste, zwei jüdische Sektionen, eine orthodoxe und eine neologe, zu organisieren, so wird man auf der orthodoxen Seite ein wachsames Auge darüber haben, daß nicht die vitalsten jüdischen Interessen einem antijüdischen „Glaubensgenossen" ausgeliefert werden. Kl. IHM Ml RrrHLanv. Verzweifelt nickt! Petersburg) 24. April. Anläßlich des Pessachfestes erließen die jüdischen Dumadeputierten einen beachtenswerten Aufruf an die jüdische Bevölkerung, in dem in Anknüpfung an die Bedeutung des Festes etwa folgendes gesagt wird: „Verzweifelt nicht! rufen wir Tuch aus vollem Herzen, trotzdem wir ln einer der traurigsten Epoche unserer Zeit in Rußland leben! Verliert nicht den Mut! In der zweitausendiShrigen Geschichte unseres Unglücks und unserer Verfolgungen finden sich noch düstere Blätter als die fetzigen und wir find dennoch ganz geblieben und nicht verschwunden vom Erdboden. Aber nicht deshalb allein sollt Ihr nicht den Mut fallen lassen, sondern auch deshalb, weil selbst bei den gegenwärtigen Bedingungen unserer traurigen Wirklichkeit Zeichen sichtbar find, welche eS andeuten, daß diese Zustände und die grausamen Mtttel, die gegen uns angewenbrt werben, nur vorübergehenden Charakter haben. Diese Mittel, die die jetzt sieghafte Reaktion anwendet, um unsere geistige und wirtschaftliche Rechtlosigkeit zu befestigen, werden in den gesetzlichen Jnstituttonen, durch administrative Verordnung oder kurzerhand durch die Verwaltung durchgeführt. Aber beweist nicht gerade dieses System, daß die dritte Duma, obgleich sie sich nach Belieben biegen und wenden läßt, dennoch ihre Zustimmung zu allen diesen Mitteln versagen würde? Dieser Umstand muß unS, unserer Ueberzyrgung nach, einen gewissen Trost bieten in unserem jetzigen Unglück. Wir haben die Ueberzeugung, daß die jetztige bittere und schwere Zeit für uns nicht lange dauern wird . . Der Aufruf wendet sich an die Pessimisten, die beweisen wollen, daß zu einem solchen Optimusmus kein Grund vorhanden sei, und vertritt die Meinung, daß ohne Glauben und ohne Hoffnung ein Arbeiten unmöglich ist. Der Aufruf schließt mit einem Appell an alle diejenigen, die noch vor kurzer Zeit mit solchem Feuereifer gearbeitet haben und heute infolge der eingetretenen Reaktion resigniert und müde sich zurückziehen, frisch an die Arbeit zu aehen und die jüdischen Abgeordneten in ihrem Kampfe ums Recht zu unterstützen. Die Juden in der öemeindenermalfung. Vetersvrrrs, 21. April. Die Reichsduma hat, wie bereits kurz mitgetellt, nach Prüfung einzelner Arttkel des Gesetzentwurfs über Gemeindeverwaltung den Artikl, nach dem Juden weder an Gemeindeversammlungen teilnehmen noch zu Gemeindeverordneten gewählt werden können, angenommen. Bei der Lesung dieses Entwurfes am 24. März wurde noch einmal die Judenfrage tüchtig aufgerollt. Die Anmerkung zu Art. 10, der den Bestand der Gemeindeversammlungen bestimmt, läßt nämlich, bis zur Revision der für die Juden geltenden Bestimmungen, keine Juden zu den Gemeindeversammlungen zu. Bon der Opposition wird dieser Artikel lebhaft angegriffen. Fortschrittler, Kadetten und Linke brachten eine Reihe von Amendements ein, die das Wahlrecht allen verleihen, die, auch ohne einen Befitzzensus zu haben, nicht weniger als 1 Jahr in der Gemeinde leben und nicht jünger als 21 Jahre sind, ohne Unterschied deS Geschlechts und der Nationalität. Bon der Rechten wurde die Gelegenheit benutzt, in bekannter pöbelhafter Weise gegen die Juden herzuziehen. Aus den Reihen der Kadetten wurde zwar den Berbändlern die gebührende Antwort. Auch die beiden jüdischen Abgeordneten wiesen in sehr eindrucksvoller Weise die Ungerechtigkeit dieser Verordnung nach. Trotzdem wurde der Arttkel gemäß dem Anträge angenommen. 87. Das ruffifche Refcrufenftonfinaenf. Ketersörtrg, 23. April. Die Reichsduma beriet gestern in nichtöffentlicher Sitzung das Rekrutenkontingent für 1911. Da hatten die Berbändler volle Gelegenheit, ihren Antrag auf Ausschließung der Juden aus dem Heere zu propagieren. Der Berichterstatter führte u. a. aus, daß der volle Bestand der Armee in keinem Jahre erreicht werden könnte. Bet dem jetzigen Stande der Wehrpstichtordnung wäre dies nur möglich bei einer Erhöhung des Rekrutenkonttrgents. Die neue Wehrpflichtordnung biete einen Ausweg, der die Bevölkerung weniger belaste. Darauf ergriff Samurslowski (Mitglied der Rechten) das Wort und behauptete, daß der Grund für den Fehlbestand der Rekruten hauptsächlich in der Umgehung deS Militärdienstes durch die Juden liege. Markow unterstützte ihn und führte aus, die Wehrpflicht der Juden sei für die Armee ein Nachteil. Es sei eine Gesetzesvorlage nötig, welche die Juden vom Militärdienst ausschließe. Der Berichterstatter erklärte, die Staatsverteidigungs - Kommission finde keinen Grund, die Frage des Ersatzes der Armee mit der Nationalitätenfrage zu verquicken. Reue Judenausmeifungen. Kiew, 16. April. Auf den 28. April ist der Termin der Ausweisung von 1500 jüdischen Familien aus Kiew festgesetzt. Außerdem steht die Ausweisung von 300 Handwerkern bevor, die, auf Grund von Mittellungen der Geheimpolizei, mit ihrer Profession sich nicht beschäftigen sollen. Ueberhaupt ist jetzt die Lage der Juden in Kiew ganz unerträglich geworden. In den letzten Tagen unternimmt die Polizei wieder die bekannten Ueberfälle im jüdischen Viertel am Hellen Tage auf der Straße und in den Warenhäusern, wo nur irgendwie vermutet wird, daß sich dort Juden „ohne Wohnrecht" befinden. Alle aufgefangenen Juden werden, ungeachtet ihres Standes und ihrer Beschäftigung, zunächst unter starkem Polizeiaufgebot aufs Revierbureau abgeführt, wo ihre Rechte nachgeprüft werden. Dieser Judenfang erinnert nach Schilderung von Augenzeugen an mittelalterliche Szenen. emigranfenelend- Liöa«, 23. April. Unglaubliche Dinge haben zwei Gerichtsverhandlungen, die hier kürzlich stattfanden, aufgedeckt. In dem einen Prozesse wurden sechs jüdische Emigranten angeklagt, den Versuch Özu haben, ohne Auslandspaß nach i auszuwandern. Im zweiten Prozeß waren die Angeklagten ein Schiffsmatrose und vier Heizer, die sich wegen unbefugter Mitnahme jüdischer Emigranten nach Amerika zu verantworten hatten. Die Erzählungen der angeklagten Emigranten sind herzzerreißend. Ursprünglich hatten sie die Absicht, auf ganz legalem Wege nach Amerika zu emigrieren. Sie lösten sich bei der ostasiatischen Schiffsgesellschaft die Karten, doch war der Arzt der Gesellschaft der Meinung, daß sie wegen Spuren eines älteren Augenleidens in Amerika nicht hereingelaffen würben. Sie erhielten ihr Geld für die Karten zurück. Da erfuhren sie von anderen Emigranten, daß die Matrosen und Heizer des Schiffes „Esthonia" illegal Emigranten mttnehmen. Sie suchten nun einen dieser Matrosen auf und schloffen das Geschäft mit 65 Rubel per Kopf ab. Sie gingen aufs Schiff und wurden dort von den Httzern in das Kohlenreservoir gesteckt und mit Kohlen bedeckt. Zweimal 24 Stunden lagen die jüdischen Emigranten in der kalten Stickluft des Kohlenreservoirs ohne Nahrung, ohne auch nur einen Schluck Wasser genommen zu haben. Sie fühlten sich schon sehr schwach, riefen nach Hllfe, doch wurden sie nicht gehört, da sie mit Kohlenstaub überschüttet waren und der Raum, in dem sie sich befanden, überdies verrammelt und geschloffen war. Sie wären dort sicherlich erstickt, wenn die Polizei nicht das Schiff untersucht und auch in den Kohlenraum gekommen wäre. Die Polizei grub mit eisernen Schaufeln in dem Kohlenhaufen herum und stieß so auf die unglücklichen Emigranten. Dieses Bild des Emigrantenelends konnte selbst auf einen russischen Richter seinen Eindruck nicht verfehlen. Trotzdem wurden auch die Matrosen freigesprochen. gtfanhveidy. Deduinen-Yandalismus in Tripolis. Saris, 23. April. Wie „Aurore" meldet, ist von der Judengemeinde in Djebel (Afrikan. Tripolis) ein Telegramm eingegangen, in welchem berichtet wird, daß Beduinen die dortige Synagoge in Brand gesetzt haben. Die Synagoge mit allen Nebenräumen wurde ein Raub der Flammen. Diese Synagoge gehörte zu den ältesten Synagogen der der Welt. Sie besaß eine überaus große Zahl unschätzbarer Manuskripte und kostbarer, anttker Thorarollen,' alle diese Schätze wurden vernichtet. Der Großrabbiner der Türkei hat bei der türkischen Regierung die nötigen Schritte unternommen, um die Bestrafung der Brandstifter und deren Hintermänner zu veranlassen und wird gleichzeitig die Schadenersatzansprüche erheben, damit die heimgesuchte Gemeinde in die Lage versetzt werde, ihre Synagoge wieder zu erbauen. Türkei. Der neue Medsckiisck Ürnumi- Von der Kammer- (Von unserem Korrespondenten.) Konstautinopet, 18. April. Der Medschlisch-Umumi ist zur ersten Sitzung einberufen und vom Großrabbiner selbst eröffnet und geleitet worden. Trotz der geheimen Wahlvorbereitungen ist es diesem nicht geglückt, seine Leute, wie er so gern gewünscht, einziehen zu sehen, nur in Haioar-Pascha ist es ihm gelungen, seine rechte Hand, den Herausgeber seines LeiborganS David Fresco, 'durchz«bringen} die Aschkenasim enthielten sich der ausgegebenen Parole entsprechend der Wahl, obgleich eine Urne auch im Tempel der Oestretcher — d. t. also einer nichttürkischen Gemeinde — aufgestellt worden war. Zu der ersten Sitzung war von den neugewählten Aschkenasim keiner erschienen. Herr Reisner ist, da er seinerzeit seine Demission nicht gegeben, auch Mitglied des neuen Medschlisch. Nach einer kurzen Einleitungsrede, in welcher sich der Großrabbiner ob der langen Wahlverzögerung zu rechtfertigen suchte, sollte der Medschlisch Dschismant laut Tagesordnung gewählt werden. Aus der Wahl gingen einige dem Chachambascht nicht gerade genehme Kandidaten hervor, auch der obengenannte Herr Reisner, der Präsident der Aschkenasischen Kultusgemeinde und Verfasser des im Dezember erschienenen Memorandums wider Haim Nahum. Der Vorsitzende schwieg, da er bemerkte, daß die Worte seines Fürsprechers von der Opposition übertönt wurden. Die Sitzung wurde dann mit den schönen Worten: Einmütigkeit, Anhänglichkeit an die Religion und Liebe zum Vaterland geschloffen. Hinterher aber focht man, um die unbequemen Männer aus dem Medschlisch-Dschismand herauszubrtngen, im Chachamchane die Wahl dreier Mitglieder an und ging an das Justizministerium, um die ganze Kommission zu stürzen. Der Minister aber faßte die Sache falsch auf — jedenfalls nicht im Sinne der Antragsteller — und ersuchte die betreffenden Leute doch im Jntereffe des Friedens in der jüdischen Gem licher diese. Schr und einze! neult mav ntft i Zeich Stra ,Wei dische beleg! meevon i wenn einen chisc stimm lich l günst auch gleich, jüdisrl christl von i gehan kannt Fr«, [Oerie! Franks Schritt Bericht Teil««! Mädch, schlecht, [Jahre t und ei, [Lehrlin [rückstchl Nc [ärztlich Irinnen IRose lkenntni . & |Sft r» pp ann raren i lanfti?err N )efono An iark t M! -Komiti l,Brotv« Vbfttftl .,Beren!>te den jermögli En reite \ iexcittt chul« ^chui« sluch dt, lassen. lHtlfsv strlaßv »3000 ’rilihiiSr i £. y_V-' - --

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