Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 52 (1911)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1911)
- Date
- 1911-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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jiahm man am Schächten nirgends Anstoß, rur in Sachsen wurde es verboten, angeblich Iwegen Tierquälerei. Er sei gegen jede Erhöhung -er Gebühr. Stadtv. Raschke betont auf verschiedene lußerungen hin, daß die jüdische Gemeinde die »Geräte zum Schächten, den Umlegeapparat usw. jelbst stelle, ein Beamter müsse auch beim Schächten dabet sein und die Schlachtgeräte Imüßten auch gereinigt und aufbewahrt werden. )ie Juden würden ja die kleine Gebühr mehr Ibezahlen, aber gerecht sei es nicht, das Schächten Inders zu behandeln wie das Schlachten. Stadtv. Lehmann beantragt, überhaupt »keinen Unterschied zu machen. Die Arbeitsileistung des städtischen Personals beim Schächten Meine ihm auch keine besondere zu sein. Darauf wird der Ratsbeschluß bezüglich der »Gebühren gegen 6 Stimmen abgelehnt. Der lAusschußvorschlag wird gegen 4 Stimmen sbezüglich der Gebühren angenommen. Oesteweicy. Kenersloersammlung der „Oefterreichifch-Jsraelififcfien Union“. Wie«- 21. April. Am 11. d. Mts. fand hier die diesjährige »ordentliche Generalversammlung der „Oesterr.- IJsrael. Union" statt. Der Bericht, den der »Sekretär erstattete, konstatiert die energische »Stellungnahme der jüdischen Wählerschaft des »ersten Wahlkörpers der Inneren Stadt gegen Iden Versuch, ihr bei den Gemeinderatswahlen lim April 1910 Kandidaten aufzudrängen, die »teils politisch unverläßlich waren, teils ohne innere »oder äußere Nötigung die Fahne verlassen hatten »und vom Judeutume abaefallen waren. Unter »der Führung der „Oesterr.-Jsraelit. Union" »bildete sich ein neues Wahlkomitee, welches den >kurzen, aber heftigen Kampf siegreich durchführte. Der Rechtsschutz blieb auch im abge- Ilaufenen Jahre der wichtigste Zweig der Tätigkeit der Union, denn trotz der vom Ministerium BienerHH verkündeten Gesetzmäßigkeit der Verwaltung hat sie noch immer in allen Kronländern teils mit der lässigen Außerachtlassung, teils mit der listigen Auslegung der Gesetze durch zahlreiche Urterbehörden und autonome Körperschaften zu kämpfen. Die durch so viele Jahre von der Negierungsgewalt geduldete Judenhetze hat eben auch die Verwaltung vielfach beeinflußt und k das Urteil mancher chrer Organe über das Maß der Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung getrübt. Flagrante Beispiele für die Richtigkeit dieser Behauptung bietet eine ganze Reihe gesetzwidriger Konkursausschreibungen für 1. Tie Edition Princeü des Pentateuchs mit der» Dargum-Onlelcs und Raschi-Konunentar als Randglossen. Sie ist in Bologna ans Perganicnt gedruckt ivorden und trägt das Datum 1482. 2. Tie zweite Ausgabe der Bibel. Pergamentbruck. Neapel 1491. 3. Besonderes Interesse erweckt ein Exemplar der bei Bolnbay in Venedig 1625 gedruckten, dritten .'liisgabe. Dieses Exemplar mar einst Eigentum von M a r t i n Luther, der es mit eigenhändigen Noten rersehen hat. Luther machte die Bibel Bernhard > i e g I e r zum Geschenke. Luther scheint sehr schön l;ebräisch geschrieben haben. 4. Eine hebräische Bibel mit flotter lateinischer Urbersetzung von M ii n st e r (Basel 1634). Bon dieser Ausgabe wird behauptet, da st sie die Bibelvrrsionen in England und der Schweiz ain meisten beeinflnstt habe. 6. Sehr interessant ist in dieser Kollektion eine Sammlung von Thorahrollen. , So ist eine Thorahrolle ans dem 13. Jahrhundert, in welcher lebe Kolmnne mit einem „Anw" beginnt. 6. Sehr kunstvoll ist eine „Megillath Esther" Nus Pergament, die zusanunengefaltet, die Form eines Bamustammes hat. lleberdies sind in der Ausstellung cknch andere, ivertvolle Thorarollen zu sehen. Eine dieser Rollen wurde iu einem Keller bei Damaskus gefunden und wird aus ein Alter von 400 Jahren geschätzt. Tie Rolle wurde auf 60 ^chassfellen geschrieben und enthält 104 beschriebene >> oli,m neu. Eine andere Thorarolle aus Pergament ist so klein, dast sie, zusammengerollt, in der Tasche getragen werden kann. Eine ttzenziah-Rolle stammt ans dem l0.—11— Jahrhundert usw. Der JSraM. öffentliche Beamten stellen, bis im Berichte einzeln aufgeführt werden. Einen sehr erfreulichen Erfolg hat die seit Jahren durchgeführte Aktion gegen die Mäd chenentführun g en u nd Weg taufen in Galizien erzielt. Die oberste Justizverwaltung hat gegen diese grobe Verletzungen des Elternrechtes sehr energische Maßnahmen ergriffen und es darf mit Befriedigung konstatiert werden, daß durch die nun konstant geübte Oberaufsicht des Justizministeriums die Entscheidungen der galiztschen Gerichte sich in einer dem Gesetze entsprechenden Richtung bewegen und daß auch die Entführungen und Wegtaufen nahezu vollständig aufgehört haben. Ferner hat das Rechtsschutzbureau der Union auch im abgelaufenen Jahre'wie in allen vorangeganen die Bemühungen um Wiederaufnahme des Po ln aer Ri t u alm ordproz es fes fortgesetzt. Es ist mit ihrer Hilfe von Dr. A urednic ek neues Material zum Hilsner Prozeffe publiziert worden und sie hat in Polna und Umgebung weiterhin sorgfältige und eingehende Recherchen gepflogen, deren Ergebnis von großer, ja vielleicht ausschlaggebender Bedeutung werden wird. Der Bericht erwähnt ferner die von ihr einberusene Delegiertenkonferenz zur Regelung desWanderbettels (die bisher glücklicherweise einen Erfolg nicht gezeitigt hat. D. Red.), die Agitattonsarbett und das 25jährtge Jubiläum der Organisation. Sodann erstattete Herr Revisor Josef Fuchs den Kaffabericht, aus welchem ersichtlich ist, daß infolge der gesteigerten Inanspruchnahme des Rechtsschutzbureaus der Verein gezwungen war, für das Berichtsjahr ein unverzinsliches Darlehen von 4000 Kronen aufzunehmen. Demgegenüber steht ein Rechtsschutz-Reservefond, dessen Saldo gegenwärtig 7039.30 Kronen beträgt. Die Gesamtausgaben des Vereines im Jahre 1910 belaufen sich auf 38,647 Kronen. In der anschließenden Diskussion ergreift Gemeinderat Dr. Schwarz-Hiller das Wort, um auf die von ihm erwirkte Entscheidung zu verweisen, daß Kinder, welche aus rituellen Ehen russischer Eltern entstammen, von den österreichischen Behörden als ehelich anerkannt werden. Redner ersucht, darauf hinzuwirken, daß dieser Entscheidung die weiteste Publizität gegeben werde. Sekretär Fleischer erwidert, daß die „Union" dem Wunsche des Vorredners entsprechen werde, daß aber das Rechtsschutzbureau auch bemüht sein werde, die den Kindern russischer Eltern erwirkte Wohltat auch den aus rituellen Ehen galizischer Eltern entsproffenen Kindern zu erwirken. Die Versammlung beschließt einstimmig, den Bericht zu genehmigen und dem Vereinsvorstande das Absolutorium zu erteilen. Lemverg, 23. April. Der bekannte Tschortkower Rabbiner Israel Friedmann geht daran, die übrigen orthodoxen Rabbiner Galiziens zu einer gemeinsamen Beratung darüber einzuladen, auf welche Weise man das religiöse Leben in Galizien stärken könnte. Rabbiner Friedmann, der sich mit seiner Einladung besonders an die Casstdimrabbis wendet, ist der Meinung, daß die traurigen wirtschaftlichen Berhältniffe der galizischen Juden zum großen Teile mit schuld an der religiösen Deroute sind und es daher Pflicht der Rabbiner sei, auch der wirtschaftlichen Frage die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist auch der Grund, weshalb außer den Rabbinern auch nichtrabbinische Mitglieder der orthodoxen jüdischen Gemeinden Galiziens zur Konferenz zugezogen werden sollen. (Siehe auch Wochenschau.) Ungarn. Eis-nfladl, 25. April. Herr Oberrabbiner Dr. Hermann Klein, bisher in Kronstadt, wurde einstimmig zum Oberrabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Herr Dr. Klein, der seine .~ Ausbildung zum größten Teile in der Thoralehranstalt des Herrn Rabbiner Dr. Breuer in Frankfurt a.M. genoffen hat, ist als hervorragender D2PI TD7n und Mann des tiefen Wissens wie der regen Tat bekannt. Seine Berufung auf den altehrwürdigen Rabbinerfitz in Eisenstadt kann dem thoratreuen Judentum in Ungarn nur zum Segen gereichen. (Auch wir gratulieren sowohl unserem geschätzten Mitarbeiter, wie auch der Gemeinde zu der von ihr getroffenen glücklichen Wahl. D. Red.) Dngarifdier Brief. (Bon unserem Korrespondenten). Z. B. A. Budapest, 24. April. Der Organisationsgedanke gewinnt in den gesetzestreuen Kreisen Ungarns immer mehr an Boden. Früher war der einzelne Machsike Hadas Verein alles/ seit Wochen ist es der Landesverband der Gesetzestreuen. — Und hat früher der einzelne Distrikt seine Spezialanfichten vom gesetzestreuen Judentum und Spezialwünsche für dieses gehabt, der Borstand vereinigt jetzt all das Drängen und Treiben der jüdischen Kräfte in seinem Reservoir ^und richtet sie mit energischer Macht zu einem Gesamtwollen zusammen, vor dem der Außenstehende nolens volens Respekt haben muß. Und, daß dies jetzt dringender als je zuvor ist, dafür hat die letzte Session des ungarischen Parlaments den besten Beweis geliefert. Mit einer brutalen Vehemenz, die in unserer parlamentarischen Geschichte fast beispiellos steht, hat sich der gewesene Justizminister Polezi auf die Judenfrage geworfen/ der Anklang, den seine Philippka gefunden hat, war ein allgemeiner. Unter den zwanzig „liberaljüdtschen" Vertretern des Parlaments fand sich keiner, der seine Konsesfionsgenoffen in Schutz nahm. Im Gegenteil, die Ausführungen, soweit sie sich auf die „Chazaren" bezogen haben, fanden konsequenterweise die breitesten Sympathien der toleranten Mosaiker mit chauvinistischem Credo. Bei der allgemeinen Sonntagsruhe sind sie noch weniger zuverlässig, und wird e8 zu dem neuen Schankgesetz kommen, auf das wir nach der großen Budgetrede des gewesenen Ministerpräsidenten Szell bestimmt rechnen können, wird die gefürchtete Rückwärtskonzentrierung unserer parlamentarischen Helden zur Gewißheit. Der orthodoxe Landesverband bleibt demnach bei der inneren Gestaltung des jüdischen Lebens nicht stehen/ er drängt, von den Umständen gestoßen, noch schärfer an die Außenarbeit. Die Orthodoxen müffen, so weit sie die blühenden Jeschiwos und Chewros, Talmudthoras und Bote Hachajim noch notwendig haben, energisch für diese jüdischen Kulturstätten kämpfen. Sie müffen lehrreiche Bücher und gutgehaltene Schriften produzieren. Sie werden sonst vom Leben überholt. Es geht über sie, so löblich ihre Ansicht auch sein mag, zur Tagesordnung über. Alles schreit nach Zusammenschluß und Betätigung. Daß unsere leitenden Kreise trotz der großen Ziele die Arbeit für die Gegenwart nie aus dem Auge verloren haben, dafür ist ihre Intervention für die Beftetung der jüdischen Soldaten vom Dienst am Pessach/ die Gründung des Jeschiwrats in Pöstyen und 1a8t von la8t die Beschaffung von 150 000 Kronen als zinsenfreies Darlehen für den Häuserbau in Palästina, von dem die erste Rate durch die Auslosung von 200 Nummern ä 50 Kronen, bereits getilgt ist, der beste Beweis. Ziirdapest, 21. April. Wie gemeldet wird, hat der ungarische Minister für Kultus und Unterricht, Graf Johann Zichy, den Beschluß gefaßt, zur Leitung und Pflege der jüdisch - konfessionellen Angelegenheiten innerhalb seines Refforts eine eigene Sektion zu errichten und an deren Spitze als Ministerialrat einen dem Judentum angehörenden Beamten anzustellen. Dieser Plan löst in den neologen Kreisen große Freude aus, da man