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Der Israelit · 1911-04-27 · Heft 17 (27.4.1911) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 17 (27.4.1911)
Date
1911-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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die Geschädigten bekamen dann natürlich auch eine besondere Meinung von der „Hooriah".... Bis auf den heutigen Tag hat sich beim unteren Volke eine höhere Auffassung der Freiheit nicht durchringen können. Am Ende würden die Europäer heute noch unangenehmere Zustände in Palästina vorfinden, als in den Tagen, da die „Hoortah" in den Straßen Palästinas noch ein unbekanntes Wort war. Es wurde schon viel über Erleichterung der Einwanderung verhandelt, aber ohne das erhoffte Ziel zu erreichen. Selbst das System des Roten Villets ist noch in Kraft» Es wurde sogar seinerzeit eine Gruppe von Immigranten von Jaffa zurückgeschickt. Aber in der Regel ist selbst das „Rote Billei" gegenüber einem Backschisch (Trinkgeld) machtlos. Was den ökonomischen Fortschritt betrifft, so ist dieser nur sehr gering. Die jüdischen Kolonien lassen einen solchen erwarten- und auch die Orangenplantagen sind nicht schlecht. Nach dem Erdbeben in Messina wurde Europa veranlaßt, den Orangenhainen des Heiligen Landes ihr Interesse zuzuwenden. Die Kolonien lassen hoffen, daß sie nach einigen Jahren recht gut gedeihen werden. Erst vor zwei Jahren wurden dort anstelle des Weinbaus Oliven- und Mandelbaum - Anpflanzungen bewerkstelligt. Und diese flehen schon in der Uebergangsperiode. Die Kolonisten besorgen jetzt die Arbeit selbst, für welche früher Araber angestellt waren und sparen so die Löhne, die früher den Arabern zugute kamen. Im Gegensätze zu den Kolonisten ist aber die Bevölkerung von Jerusalem höchst pessimistisch gestimmt. Zur Besserung der Wasserversorgung in Jerusalem ist noch nichts geschehen. Die Verwaltung steht diesem Projekt gleichgültig gegenüber. Eine deutsche Gesellschaft machte das Anerbieten, das Projekt auszuführen. Sie wurde jedoch nach Konstantinopel verwiesen und hier läßt man die Sache wieder ruhen. Die Zahl der Einwanderer hat im Vergleich zum Vorjahre dieses Jahr wieder stark abgenommen. Was die bürgerlichen Rechte der Juden in Jerusalem betrifft, so gehören einzelne Juden dem Stadttate an, aber sonst haben die Juden keine Stimmen in der Verwaltung und keinen Einfluß auf die Leitung der Geschicke der Stadt." Mit Rücksicht auf die Situation, meint Fräulein Landau, wäre es durchaus nicht zu beklagen, wenn die Einwanderung vorerst weiter abnehmen würde. Erst müßten diejenigen, die im Lande schon sind, festen Fuß gefaßt haben, um einen größeren Bevölkerungszuwachs zu 9^ statten. Dann wäre auch vor allem eine organisierende Hand notwendig und ein geeigneter Führer, der nicht davor zurückscheut, der Opposition und allerlei Jntriguen entgegenzutreten. Aber vor allem müßten neue Industriezweige einaesührt werden. Ohne diese müssen die meisten Leute ihre Zeit in Untätigkeit und Bettel dahinbringen, denn der Ruf nach Arbeit ist unnütz, solange keine Arbeitsmöglichkeit vorhanden ist.—-- — Ein außerordentlich günstiges Zeugnis stellt Fräulein Landau dem Schaarei-Zedek-Hospital aus. „Das Spital, sagt sie, ist eine herrliche Anstalt und hat eine wundervolle Lage. Dieses Krankenhaus ist das einzige in Jerusalem, in dem in gegebenen Fällen die notwendige Isolierung vorgenommen werden kann und das einzige jüdische Spital, in welchem auch schwierige chirurgische Operationen ausgeführt werden können. Das Spital erhebt sich mit seiner Reinlichkeit, seinen hervorragend klugen Krankenschwestern und der vorzüglichen Leitung sehr hoch über andere ähnliche Anstalten. Die meisten der anderen Krankenhäuser werden nach europäischen Begriffen schauderhaft schlecht geleitet." Einige Angaben über die Schule, in der Fräulein Landau wirkt und über ihre eigene Stellung inner- und außerhalb ihres Wirkungskreises beschlossen das interessante Interview. Korrespondenzen und Machrichten. Ufetxtfdjg* MeUh. Areskau, 23. April. Die Anstellung jüdischer Lehrkräfte an Breslauer städtischen Volksschulen ist in ein neues Stadium getreten. Der Magistrat hatte nach der Mahl der einzelnen Lehrkräfte die Bestätigung derselben bei der König!. Regierung in Breslau nachgesucht. Die Regierung hat indes Abstand genommen, in eine materielle Würdigung der Sachlage einzutreten ■w-w- * M « 87. «gril l! und dem Magistrat mttgeteilt, daß sie an den Herrn Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten, Trott zu Solz, berichtet habe. Wie die Entscheidung des Ministers ausfallen wird, ist natürlich nicht vorauszusagen. Soviel steht, nach allem, was vorausgegangen, fest,<daß eine gänzliche Versagung der Bestattgung ausgeschlossen ist. Denn das neue Schulunterhaltungsgesetz schreibt ausdrücklich vor und trägt es der Ortsgemeinde auf, jüdische Lehrkräfte für den Religionsunterricht anzustellen, auch an christlichkonfessionellen Schulen. Fraglich ist nur, ob die Bestätigung auch über diesen Umfang hinaus erfolgen wird. Das Gesetz gibt allerdings die Freiheit, die jüdischen Lehrkräfte, welche für den Religionsunterricht angestellt werden, auch mit anderweitigem Unterricht zu beschäftigen, und der Breslauer Schulrat hat zudem den Unterricht in Deutsch und Geschichte von der Beschäftigung der jüdischen Lehrkräfte ausgeschlossen und ihnen damit auch die Möglichkeit, zu einem Klassen-Ordinariate zu gelangen, benommen. Indes ist manchen Kreisen auch dies noch zuviel. Es ist anzunehmen, daß der Breslauer Magistrat von dem Wege, den er für richtig erkannt hat, nicht abweichen wird. Zittau, 23. April. Vor kurzem berieten die hiesigen Stadtverordneten über die Einführung des Schächtens im hiesigen Schlachthofe. Stadtv. Ze st ermann referierte. Er bekennt sich als Gegner des Schächtens und plädiert zuletzt für Erhöhung der Gebühren. Stadtv. Raschke sieht keinen Grund dafür warum für das Schächten erheblich höhere Gebühren erhoben werden sollen als für das Schlachten. Er könne es nicht verstehen, weshalb für die jüdischen Mitbürger Ausnahmegesetze gemacht werden sollen. Wenn Leipzig das tue, so sei das seine Sache. Das Fleisch sei schon teuer genug, warum solle es den Juden noch mehr verteuert werden. Der Vorsitzende Prof. Neumann erklärt, er nehme eine Mittelstellung ein. Wenn das Schächten dem Schlachtpersonal mehr Arbeit verursache, dann sei es auch gerechtferttgt, daß die Gebühr etwas höher angesetzt werde. Da der Schlachthof-Ausschuß eine geringere Gebühr angesetzt habe, die also doch wohl ausreichend sei, so trete er für diese ein und lehne die vom Rat beschlossene Erhöhung ab. Dagegen sei er gegen die vom Ausschuß vorgeschlagenen Beschränkungen. Diesen Ausführungen schließen sich auch Stadtv. Dr. Reichner und Stadtv. Zestermann an. Stadtv. Lehmann wendet sich gegen die ungleiche Behandlung der jüdischen Mitbürgerbei den Steuern mache man keinen Unterschied ob jemand koscheres Fleisch ißt oder nicht. Früher man infolge Fehlens sicherer bevölkerungsstatistischer Grundlagen keinerlei Schlußfolgerungen ziehen könne. Wir geben zu, daß zu einem exakten Vergleich der Sieuersummen eine Gegenüberstellung der jüdischen Bevölkerung und der Gesamtbevölkerung notwendig ist. ES ist jedoch klar, daß bereits die prozentuale Rechnung des Anteils der Judensteuer an der Gesamtsteuer von Interesse und Wichtigkeit ist. Für die einzelnen Städte, über welche zuverlässige Steuerangaben vorliegen, wäre eine Berechnung, wenn auch mit Schwierigkeiten, möglich gewesen. ES hätte in der Tabelle über die Jahressteuer, welche dem Buche betgefügt ist, eine Kolumne über den Prozentsatz der jüdischen Steuer eingeretht werden können. So diel steht ja fest, daß die Zahl der Juden in den einzelnen Städten nicht sonderlich hoch gewesen ist, während der von ihnen geleistete Steuerbetrag eine bedeutende Summe ausmachte. Das Buch würde durch diese Berechnungen auch für die allgemeine Ftnanzgeschichte an Wett gewonnen haben. Ferner wäre an vielen Stellen eine Umrechnung dcr Steuersumme nach heutigem Werte zum besseren Vcrständnis wünschenswert gewesen. Wir verhehlen uns allerdings nicht, daß eine derartige Umrechnung mit außerordentlichen Schwierigkeiten Verbünden uno sehr zeitraubend ist, da über Berechnung mittelalterlicher Münzsotten wenig Vorarbeiten vorüegrn. Nur noch einige wichtige Punkte aus der regelmäßigen Besteuerung wollen wir hervorheben. Die Abgaben wurden von der Gemeinde gemein; chasttich aufgebracht. Der Besteuerung unterlag nur das bewegliche Vermögen. Nach der Höhe desselben richtete fich der auf daS einzelne Gemetndemitglted entfallende Sieuerbetrag. Der Steuerfuß wurde festgestellt nach der Höhe deS einzelnen Vermögens im Verhältnis zum Gemetnbevermögen. Die Verwaltung der Judensteuer lag bei der Kontrollbehörde am königlichen Hof. Die örtliche Verwaltung lag in den Händen der Landvögte ober Amtsleute. Es würde zu wett führen, wollten wir auch noch im einzelnen berichten über die Verwendung der Judensteuer oder gar über das Schicksal, welches einzelne jüdische Gemeinden, wie Frankfurt und Dortmund durchzumachen hatten. Sie wanderten als Wertobjekte von Sand zu Hand. Bald wurden fie verpfändet, bald als rblehen vergeben. Die Geschichte der Judensteuer spiegelt die Geschichte der Juden selbst wieder. Ich will zum Schluß noch auf zwei Tabellen Hinweisen, die dem Buche beigegeben sind und den Wett desselben bedeutenerhöhen. Die eine enthält die Jahressteuern von 45 jüdischen Gerne nden für die Zeit von 1241—1848, die andere berichtet über die Verleihung, Verpfändung und Anweisung der Jahressteuern, b. h. über daS Schicksal der Judensteuer. Diese beiden Tabellen rekapitulieren gewissermaßen die Hauptresultate der Arbeit und illustrieren mit ihren trockenen Zahlenangaben die Lage der deutschen Juden während des behandelten Zeitraumes deutlicher als die eingehendste Darstellung es zu tun vermag. Wer für die Geschichte unseres Volkes Interesse hat, möge dies Buch zur Hand nehmen, das, wie wir hoffen, nur den Ausgangspunkt zu wetteren Forschungen des Verfassers auf diesem Gebiete bilden wird. (Aus der alten Frankfurter Judengemeinde.) Im „Verein für jüdische Geschichte" zu Frankfurt a. M. sprach vor kurzem Professor Tr. Sracaitct übet „ 11 c alte st e G? s ch i ch te der F r a U f - f u r t e r I u b e 11 ij e ni c i n d e " und entwarf ein Bild frühen Mittelalters der deutschen Geschichte, durch batf sich wie ein roter Faden die Reihe der in jener Zeit häufigen Fndenbedrücknngen zieht. Eine eigentliche Frankfurter Inden-Gemeinde ist erst in der Mitte des 12. Jahrhunderts in den Chroniken erwähnt. Erst mit dem Uebergaug der Agrar-- zur Geldwirtschaft erhielt Frankfurt seinen Charakter als 5z a n d e t s st a d t. Nicht zuletzt die Kreuz - z ü g e hatten den Handel mil dem Ausland zur Blüte gebracht und Frankfurt zum Mittelpunkt eines Warenaustausches zwischen Nord und Süd gemacht. Die Inden Frankfurts wohnten im Süden der Stadt, a m M a i n, im sogenannten Judenquartier. Wenn sie auch nicht abgesondert wohnten, sondern um den Tom und das Rathaus herum, so bildeten sie doch politisch wie religiös eine eigene Gemeinde. Nicht lange dauerte der Friede. Tie Mongolenzüge verbreiteten in Deutschland viel Beunruhigung, die sich gegen die Juden lvandte. Ihren Ansbruch fand die Bewegung in Frankfurt in der ersten Judens ch l a ch t im Jahre 1241, von der die Chronik erzählt. Später wurden die Juden von Pap st und Kaiser geschützt, die ihr Geld benötigten. Auch der Frankfurter R a t nahm sich ihrer an. Allerdings mußten sie bcu Schutz gut bezahlen. Ludwig dcr Bayer behandelte sie wie ein kaiserliches Regal, das man auspressen und verpfänden kann nach Belieben. Wenn es dafür aber Ludwig gelungen war, die Juden gegen die BauernverMgung zu schützen, so war sein Nachfolger Karl nicht so glücklich. Die „Geißler", die unter seiner Regierung Deutschland durchzogen, machten auch vor Frankfurt nicht Halt und hausten dort im Judenquartier mit Feuer und Schwert. (Eitte Ausstellung hebräischer Bibeln.) Anläßlich der Tercentenarfeier der Bibelübersetzung in England hat die englische Bibelgesellschaft in Lonoon eine Bibelausstellnng veranstaltet, deren interessantester und wertvollster Teil unbestrittenermaßen die sogenannte G i n s b u r g - Kollektion hebräischer Bibelausgaben sst. Zu dieser Kollektion gehören u. .A.: lahm iur 1 wegen ler G S- Außer Gerät selbst Schäcl müßte Die £ bezahl ander- S keinen leistur schein, D Gebül Auss bezügl 96k Ar ordeni Israel Sekre Stellr ersten den 8 im A teils \ oder i und V der \ bildet, kurzer laufen der 1 Bier waltu teils! der l reiche zu käi Regie auch das Maß Völker Richti Reihe i. largu glosse, werde ■> druck. 3. bei 2 >'l»sge M et r > ie g l;ebräi 4. lüberj dieser versioi deeinf! ö. 2 amu rolle illiUHC (>. nuf P fiamu 11 wertv, E lanut oon 4 -chast 'intim ifl so iiotmo mi-5 d

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