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Der Israelit · 1911-04-27 · Heft 17 (27.4.1911) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
52 (1911)
Issue
Heft 17 (27.4.1911)
Date
1911-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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tierische, gesunkene 08er verkümmerte Menschen, baS ist meine, vollendete Ueöerzeug u n g, meder durch Ethik, noch Humanität, noch durch SchukMg allein, sondern im wesentlichen nur durch W wahre Kraft der christlichen Religion." S. 158» »ES ist dteS der beste Triumph und die beste Legitimation des Christentums noch heute, daß eS rein und selig machen kann, waS verloren ist, und wofür die Welt, oft sogar gerade l o r e n ist, und wofür die Welt, oft sogar gerade oteiemge, weicye es ms rveroeroen gezogen yar, nur Gleichgiltigkeit und Verachtung besitzt." Vielleicht ist hier unter der wahren Kraft der christlichen Religion dasjenige verstanden, was sie der israelitischen entlehnt hat. Denn es ist bei einem so gründlichen Kenner des alten Testamentes undenkbar, daß er die unzähligen Stellen des alten Testamentes übersehen hätte, die von der Besserung tierischer, gesunkener und verkümmerter Menschen berichten. Die Bekenntnisschriften des alten Testamentes sind doch überreich an Fällen, daß Einzelne, die gaanze Volksmasse, daß selbst heidnische, außerhalb des israelitischen Volkes stehende Kreise, gebesiert und aufgerichtet wurden durch den Hinweis auf Gott, wie es im Pentateuch und besonders in den Propheten in unzähligen Stellen berichtet wird. Das israelitische Volk feiert heute noch alljährlich nach biblischer Vorschrift (3. B. M. 16. V. 29. 30) den zehnten Tag des siebenten Monats als den Tag seiner Versöhnung mit Gott, von dem der Prophet Ezechiel lehrt, daß er nicht den Tod des dem Tode Verfallenen, sondern sein neues wtedergewonnenes Leben wolle. Ohne Mittler, ohne Tempel, ohne Priester und Altar suchen und finden sie alljährlich ihren himmlischen Vater wieder, den sie im Laufe des Jahres in den Zerstreuungen des Lebens verloren. Und wer selbst so weit verloren wäre, daß er die Sehnsucht nach Gott und der Rückkehr zu ihm eingebüßt hätte, selbst dieser vollständig Verlorene hält das durch seine Gottesmänner ihm verbriefte Bewußtsein aufrecht, daß Gott jeder verlorenen Menschenseele nachgeht und sie sucht und heimsucht, bis sie früher oder später die Richtung zu Gottes Vaterliebe wieder gefunden hat (Ezechiel Kap. 24 Ps. 119, Ende). Wenn das eine Legitimation und ein Triumph für eine Religion ist, so darf die israelitische Religion darauf vielleicht nicht minder Anspruch erheben als die christliche. J. (Fortsetzung folgt.) ist mir aber seither entfallen. Tie Handlung war die Entdeckung des Diebstahls durch einen weisen Rabbi." Ter Rest dieses interessanten Briefes betrifft die eigene literarische Tätigkeit des Verfassers, der nun gleich seinem Freunde in jener Bselt der Wahrheit weilet. Möge das S'chus; der beiden denen, die in ihrem Geiste leben, zur Seite stehen immerdar. Daniel Cbwolsobn. Wir haben bereits an anderer Stelle vom Tode des großen Orientalisten mitgeteilt und einen Abriß ans seinem Leben und wissenschaftlichen Wirken gegeben. Tie rnssischen Feitnngen, soweit sie von Juden geleitet sind oder sich mit jüdischen Fragen befassen, veröffentlichen anhaltend Reminiszenzen »Ild Anekdoten, die einen kleinen Einblick in die Lvele dieses sonderbaren Täuflings und begeisterten Indensrenndes gewähren. Bekanntlich hat Chwolsohn seine erste Ausbildung sowie seine ersten Eindrücke über das „moderne" Judentum in B r e s l a u erhalten. Seine Frau ist eine geborene gähn aus Bröslau und entstammt einer Familie, die in der Geschichte der ersten Reformkämpfe in Deutschland eine gewisse Rolle spielt. Es soll denn auch die Frau gewesen sein, der der Schritt ans der beut f ch c n Refo r m s ch u l e in das E h r i st e n t u m sehr leicht siet und die dann, von Ehrgeiz diktiert, den Mann zur Annahme der Taufe veranlasse. Er selbst mochte sich noch die Fiktion erhalten haben, als sei er innerlich Jude geblieben und als könne er in der neuen Umgebung seinen früheren Glaubensbrüdern nnisomehr helfen und beiflehen. Tie Berhältnisse waren aber stärker wie Der Israelit Kochemuvöscha«. Die englische Regierung un9 Sie Wische 6inroan9erung. Wiederum ist es England, das in den Tagen, da wir das Fest der Freiheit und der Menschenrechte feierten, einen Beweis weitergehendster Toleranz gegen die Juden lieferte, wie wir deren in der jüngsten politischen Geschichte Europas leider nicht viel zu verzeichnen haben. Bekanntlich existiert in England seit wenigen Jahren eine kleine Partei, die den Kampf gegen die freie Einwanderung auf ihre Fahne geschrieben hat und ihren starken antisemitischen Einschlag dadurch zu erkennen gibt, daß sie die Regierung besonders gegen die jüdische Einwanderung scharf zu machen sucht. Ihr ist bereits die Durchführung der rühmltchst bekannten Alien Bill gelungen, die in dem Maße, wie sie Elend und Jammer über die Emigranten bringt, immer mehr von der besseren englischen Gesellschaft als eine grausame, den Traditionen des englichen Reiches in keiner Weise entsprechende Einrichtung erkannt wird. Ein unglücklicher Zusall wollte es haben, daß unter den interntionalen Terroristen, welche in letzerer Zeit die Londoner Polizei in Schrecken setzten, sich auch einige jüdische Namen befanden. Das war natürlich den Einwanderungsgegnern Wasser auf der Mühle, und nun wurde eine regelrechte Hetze gegen die jüdischen Emigranten aus dem Osten organisiert, die zu einer Eingabe führte, welchen die vollständige Sperrung der englischen Häfen vor diesen Heimatlosen verlangte. Der Entwurf kam am 21. ds., wie wir bereits in letzter Nummer auf Grund eines telegrafischen Berichtes kurz mitteilten, im Englischen Unterhause zur Beratung» und da zeigte es sich, daß man es auf der Regierungsseiie wohl versteht, die berechtigten Interesse des Landes in wirksamster Weise zu schützen, ohne sich darum ganz unbegründeter und unberechtiger Härten gegen fremde Schutzsuchende schuldig zu machen. Minister Churchill, der den Regierungsentwurf, welcher eine wirksamere Ueberwachung ausländischer Verbrecher bezweckt, verlas und begründete, betonte, England müsse jede Beschränkung des Asylrechts vermeiden, das es so lange jenen gewährt habe, die Zuflucht vor er. Hub er, der Mann, ivr?>!> genauer üeiiiier her talmndischen Literatur war, der am liebsten mit den Rabbinern alten Schlages verkehrte und bis zn seinen letzten Tagen noch lieber h e b r ä i s ch las und schrieb als russisch, das er, nebenbei bemerkt, nur sehr mangelhaft beherrschte, also dieser Mann, den so viele feine Fäden unzertrennlich mit dem Judentum verbanden, tonnte es doch nicht verhindern, daß er nach und nach nnmcrklich in eine direkt a n t i j ü d i s ch e Umgebung hineingezwängt lunrbe und das; seine Nachkommen, denen nun jede Fühlung mit dein Judentum fehlt, vor allem sein Sohn, der ebenfalls Professor an der Petersburger Universität ist, dem E ch t r n s s i s ch e n V e r b a n d e sehr nahestehen .... Wie sehr aber er selbst jede Gelegenheit mit Freuden ergriff, seine Liebe und Anhänglichkeit zum Judentum 31t zeigen, hoben wir bereits erwähnt. Cf.fcn spracb er zu seinen Freunden nie über die Taufe und die Gründe, die ihn zu derselben veranlaßt haben: daß er sich aber dabei nichts weniger als glücklich fühlte, liest er unzweideutig erkennen. „Bor zrvölf Jahren ruigefähr", so erzählt Salokow in der „Hazifirah", „verwandte ich mich bei ihm für einen jüdischen Studenten, dem man die Ausnahme in die lkniversitüt verweigerte. Ehivotson machte keine Hoffnungen. Allein nach einiger Feit teilte er mir mit, daß er die Ausnahme des jungen Mannes doch dnrchgeführt hätte. Als ich mich bei ihm für diesen Tiensl bedanken wollte, antwortete er kurz: „Ich tat es nicht um Ihretwillen, sondern int• Interesse dcs jungen Mannes, damit er nicht aus Verzweiflung einen Schritt begehe, den er nachher bitter und bis an fein Lebensende bereut hätte ..." Bekannt ist auch eine Aensternng Ehwolfohns, die in Rußland geradezu zum geflügelten Worte ge- Ro. 17. Sette 8 Unterdrückung und Verfolgung im Ausland suchten. England müsse weiter jede Beunruhigung der fremdländischen Bevölkerung vermeiden, insbesondere der jüdischen, die sich in überwiegendem Maße aus friedliebenden und die Gesetze achtenden Elementen zmsaMmensetze-"diese Leute hätten sicherlich durch ihr Betragen keinen Anlaßzu solchen Maßnahmen gegeben, die sie beunruhigen und ihnen Nngelegenheiten bereiten würden. Gewiß werden sich die jüdischen Einwanderer dankbar zeigen und noch mehr als bisher durch ihr Verhalten die Meinung des Ministers bestätigen, daß ihr Aufenthalt dem Lande nicht zum Schaden, sondern zum Nutzen gereiche. Die Rede Churchills sollte aber nicht nur im englischen Volke, sondern auch in anderen Parlamenten Europas, wo man immer noch der Ansicht ist, daß sich Bestimmungen zum eigenen Schutze ohne Grausamkeiten gegen Unschuldige nicht treffen lassen, Beachtung finden. Oraanifafionsarbeif in 6a(i?ien. Vor kurzem wiesen wir an dieser Stelle mit Bezug auf die bevorstehenden Reichsratswahlen in Oesterreich auf die gebieterische Notwendigkeit einer Sammlung und Organisierung der gesetzestreuen Masssen in Galizien hin. Wie wir es schon bei anderen Anlässen wiederholt getan, brachten wir auch diesmal, unsere Meinung zum Ausdruck, daß es die vornehmste Aufgabe der Rabbiner, die im Osten noch einflußstark genug sind, um den Gemeinden den Stempel ihres Geistes aufzudrücken, sein müsse, dieses nunmehr unaufschiebbare Sammelwerk in die Hand zu nehmen. Früher, als wir es zu hoffen wagen durften, hat dieser Appell in Galizien das erwünschte Echo gefunden. Es ist dort in diesen Tagen tatsächlich der erste Schritt nach dieser Richtung unternommen worden, der ohne Uebertreibung als der Anbruch einer neuen besseren Aera für Galizien, in geistiger wie in materieller Beziehung, begrüßt werden darf. Der Ruf zur Sammlung geht von dem weit angesehenen und im ganzen jüdischen Osten ungemein gefeierten Rabbi Israel Friedmann in Tschortkow (dem Tschortkorver Rebbe) aus. „Der Niedergang des Judentums," so schreibt der Rabbi in seinem Aufruf an seine Kollegen in Galizien u. a., „rührt nicht zum geringen Teile von der traurigen wirtscbastlichen Lage her. Des Lebens harte Not zwingt die Jugend, das ihrer Ansicht nach unfruchtbare Thorastudium zu verlassen und sich Gebieten zuzuwenden, auf denen sie mehr Erwerbssähigkeit zu erlangen hofft, woworden ist: Es war in den achtziger Jahren, als durch die Verfolgungen und das Austauchen des gionisttUlS der alten Sdeffaer Sbfervanz nenjudifche Probleme allftrateu, die bann in ben hebräischen Heilungen sehr - steig besprochen wurden. Ehwolsohn beteiligte sich an der Diskussion sehr levhaft und schien dabei ganz zn vergessen, das; er dem Lager, in dessen Mitte er kämpfte, nicht mehr angehört?. Er wurde daran in plumper Weise im Laufe einer Feitnngspatemik von einem politischen Gegner mit den Morten: mXlj (Bist ja doch Bekenner des Nazarener erinnert. Er gab zar Antwort: vmu vb Ehwolsohn war bekanntlich auch Lel)rer ain P 0 p e n - L e m i n a r in Petersburg und stellte in dieser Eigenschaft ein? große Reihe von Schülern ans, die als Geistliche in ihren Gemeinden kehr viel zur Aussöhnung der dörfischen Bevölkerung mit den Juden und zur Tilgung der Vorurteile gegen die letzteren beitrugen. Vor fünfzehn Jahren etwa trat ein bekannter junger Geistlicher mit blutrünstigen Angriffen und perfiden Verleumdungen gegen Inden und Iudentu»! ans. Man wandte sich all Ehivolsohn, daß er dein Verleumder das Handwerk lege. Tiefer antwortete: „Es ist einer meiner früheren Schüler, wohl der dümmste und' ungeratenste: ungeheure Lchlvierigkeiten machte diesem Ignoranten das Erlernen des hebräischen Alphabets. Run sucht er sich für die ansgestandenen Strapazen am Indentume zu rächen. Lassen wir ihm das Vergnügen!.' . . Reben seinem, hochbedentsamen Werk-? über das >K ituat m ü r ch c n , dessen wir bereits erwähnt, darf allch noch eine Schrift von ihnt erwähnt werden, in

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